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Veröffentlicht am 24.06.2021

Erster Band einer einfühlsam geschriebenen Trilogie, die zwischen 1905 und 1909 in Metz spielt

Die Senfblütensaga - Zeit für Träume
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Emma Bergmann ist eine der Protagonisten der Senfblütensaga, einer Trilogie von Clara Langenbach. Sie wohnt im von den Deutschen annektierten Metz und ist 16 Jahre alt als sie im Jahr 1905 von ihren Eltern ...

Emma Bergmann ist eine der Protagonisten der Senfblütensaga, einer Trilogie von Clara Langenbach. Sie wohnt im von den Deutschen annektierten Metz und ist 16 Jahre alt als sie im Jahr 1905 von ihren Eltern zum Onkel nach Speyer geschickt wird. Stattdessen nimmt Emma sich die Freiheit und reist nach Straßburg, um sich dort an der Universität eine Vorlesung eines bekannten Juristen anzuhören, denn sie träumt davon, selbst zu studieren.

Emmas Vater ist Kanzlist und verfügt über ein solides Einkommen, jedoch reicht es kaum aus, um den Ansprüchen seiner Frau Käthe gerecht zu werden. Die Familie hat einen großen Verlust erlitten und seitdem ist das Schweigen zwischen den Eheleuten tief. Käthe sinnt darauf, für Emma einen möglichst gutsituierten Ehemann zu finden und sie bestens auszustaffieren, wenn sie Einladungen nachkommt. Emma fühlt sich zerrissen zwischen den Erwartungen ihrer Eltern und ihren Hoffnungen auf eine berufliche Zukunft. Ihr Aufbegehren wird jahrelang möglichst im Keim erstickt, ruft bei ihr aber noch mehr Widerstand hervor.

Zur gleichen Zeit träumt der wenig ältere Carl, weiterer Protagonist des Romans und einziger Sohn eines Fuhrunternehmers in Metz, von einem eigenen Unternehmen, in dem er Senf herstellen möchte. Sein Vater sieht seinen Sohn jedoch als seinen Nachfolger. Für beide Hauptfiguren ist es die Zeit für Träume. Sie sind jung, innovativ denkend, voller Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben. Emma erkennt die Hintergründe für das Handeln ihrer Eltern ebenso wie Carl, dennoch können sie die Folgen ihrer Entscheidungen nicht immer absehen.

Clara Langenbach stellt die historische Zeit vorstellbar und realistisch dar. Ihr Roman mit fiktiven Figuren basiert auf der wahren Geschichte von Otto und Frieda Frenzel, den Erfindern der heutigen Marke „Löwensenf“. Nachdem Emma und Carl füreinander bestimmt zu sein scheinen, führt die Autorin ihre Hauptfiguren über Höhen und Tiefen, um diese zur Erkenntnis zu führen, ob eine gemeinsame Zukunft möglich ist. Ein Freund von Carl und seine Schwester machen es beiden nicht einfach. Die Entwicklung ihrer Protagonisten wird von der Autorin abwechslungsreich und feinfühlend beschrieben. Allerdings füllt die Autorin den Alltag von Emma meiner Meinung nach nicht vollständig aus, so dass ich dazu kein Bild vor Augen bekam.

In ihrem Buch „Zeit für Träume“, dem ersten Teil einer Trilogie, erzählt Clara Langenbach die Geschichte der beiden jungen, selbstbewussten Figuren Emma und Carl zwischen den Jahren 1905 und 1909, die sich über Widrigkeiten hinweg nicht nur aufeinander zu entwickeln, sondern auch an ihren Vorstellungen einer selbstbestimmten Zukunft festhalten. Die Gefühle ihrer Protagonisten beschreibt die Autorin dabei einfühlsam und bewegend. Vor allem den Lesern und Leserinnnen von historischen Romanen empfehle ich das Buch gerne weiter.

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Veröffentlicht am 22.06.2021

Zwei Paare in den Hamptons in Konkurrenz dazu "en vogue" zu sein

August
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Ein Pool, zwei ringförmige Luftmatratzen, Liegestühle am Rand des Pools – das Cover des Romans „August“ von Peter Richter strahlt eine Aufforderung zum Platznehmen beim Lesen aus. Der Autor nahm mich als ...

Ein Pool, zwei ringförmige Luftmatratzen, Liegestühle am Rand des Pools – das Cover des Romans „August“ von Peter Richter strahlt eine Aufforderung zum Platznehmen beim Lesen aus. Der Autor nahm mich als Leserin mit nach Long Island, genauer gesagt in die Hamptons, noch genauer gesagt in die Hamptons nördlich des Highways, denn dort sind die Unterkünfte bescheidener als südlich davon wie Richard, einer der Protagonisten betont. Im Monat August, wonach das Buch benannt ist, nehmen die Menschen vor Ort, nach Aussage einer Bedienung im Roman, weniger Rücksicht aufeinander als in den Wochen vorher. Es ist der Monat, an dem die vier Hauptfiguren zum „Sommern“ gemeinsam ihren Urlaub verbringen.

Richard Mauler ist Immobilienmakler in New York, gebürtiger Deutscher, aber schon eine Weile in den USA. Seine Frau Stefanie ist ebenfalls aus Deutschland, wo sie früher als Musikfernsehmoderatorin gearbeitet hat. Ihnen gehört der Bungalow in den Hamptons. Richard hat seinen langjährigen Freund Alec und dessen Familie eingeladen. Eigentlich hatte die strebsame und gesundheitsbewusste Stefanie andere Pläne für den August.

Alec Kline ist der einzige US-Amerikaner unter den Protagonisten. Er kam als Student nach Deutschland und blieb viele Jahre. Als Schriftsteller, der immer noch an seinem ersten Buch über Formen des Zusammenlebens schreibt, kann er sich seine Zeit selbst einteilen. Seine Frau Vera, die die treibende Kraft für den Umzug nach Amerika war, ist Ärztin und in der Klinik, in der sie arbeitet, allerdings sehr stark eingebunden. Obwohl sie bei den Maulers als Gäste kostenlos übernachten können, haben sie ihre Wohnung in Brooklyn untervermietet. Es gibt also kein Zurück vom Urlaubsangebot. Doch Vera macht sich Sorgen, dass sie das Ausruhen verlernt haben könnte.

Jeder der vier Hauptfiguren, jeder Anfang bis Mitte 40 Jahre alt, versuchen zunächst das beste aus der neuen Situation zu machen, wobei die Männer sich auf das Beisammensein freuen und die Frauen skeptisch einander sondieren. Nur der dreijährige Sohn der Maulers und die fünfjährige Tochter der Klines spielen unbefangen miteinander. Doch sehr schnell stellt sich heraus, dass sich bis hin zu den kleinsten Kleinigkeiten, von Erziehung über Heilmittel hin zu kulinarischen Genüssen, verschiedene Meinungen der Protagonisten gegenüber stehen. Weil die Zeit, die man miteinander verbringt noch sehr lang ist, versucht jeder sich respektvoll zu verhalten. Aber untergründig beginnt es zunehmend in der kleinen Gruppe zu schwelen.

Peter Richter, der selbst einige Zeit in New York gelebt hat, erzählt feinsinnig in seinem Roman „August“ von vier erwachsenen Menschen, die über ein gewisses Vermögen verfügen, damit konkurrieren und auf der Suche nach Selbstverwirklichung sind. Sarkastisch vergleicht er dabei manches Mal die Angewohnheiten der US-Amerikaner mit denen der Deutschen. Vor allem nimmt er aktuelle Trends in den Fokus und diskutiert sie durch die gegensätzlichen Standpunkte seiner Charaktere, was auch zu erheiternden Situationen für mich als Leserin führte. Sprache nutzt er dabei zur Darstellung, dass jede der vier Hauptfiguren „En Vogue“ sein möchte. Er spitzt die Geschehnisse bis zum Ende hin gründlich zu. Letztlich scheint sich nur für Alec, als Rechercheur für sein Buch, ein Gewinn aus dem Urlaub zu ergeben. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.06.2021

Etwas hellere Atmosphäre als bisher mit einer hoffnungsfreudigeren Protagonistin

Fräulein Gold: Der Himmel über der Stadt
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Der Roman „Fräulein Gold – Der Himmel über der Stadt“ von Anne Stern ist bereits der dritte Teil einer Serie rund um die in Berlin-Schöneberg lebende Hebamme Hulda Gold. Er spielt im historischen Berlin. ...

Der Roman „Fräulein Gold – Der Himmel über der Stadt“ von Anne Stern ist bereits der dritte Teil einer Serie rund um die in Berlin-Schöneberg lebende Hebamme Hulda Gold. Er spielt im historischen Berlin. Diesmal ereignen sich die Geschehnisse im Juli und August des Jahres 1924, also fast ein ganzes Jahr nach der Handlung Band Zwei. Die vordere Klappe des Buchs bietet in ihrer Gestaltung den Ausschnitt einer Karte von Berlin zur besseren Verortung der Lokalitäten. Ein Ausschnitt der Karte mit der Frauenklinik Mitte ist nochmals vergrößert dargestellt, hier beginnt Hulda ihre Tätigkeit als angestellte Hebamme, nachdem sie ihre Selbständigkeit aufgegeben hat. Ihre Aufgaben bestehen in der Voruntersuchung und Begleitung der Frauen und der Vorbereitung auf die Geburt. Sie darf selbst keine Geburten durchführen, was sie sehr bedauert, aber dafür erhält sie ein festes Gehalt.

Anne Stern gestaltet den Prolog auch diesmal wieder so, dass er ein Rätsel aufwirft, dessen Aufklärung sich Hulda im Laufe der Ereignisse widmet. Allerdings tritt die eingebundene kriminelle Handlung diesmal deutlich hinter die übrigen Begebenheiten zurück. Die Autorin schildert ausführlich den Alltag von Hulda in der Geburtshilfe der Klinik, die sehr fortschrittlich ausgestattet ist. Die Frauenklinik Mitte ist ein Lehrkrankenhaus. Hulda versteht natürlich, dass Ärzte und Hebammen gut ausgebildet werden sollten, aber sie kann auch den Unmut mancher Patientinnen verstehen, dass bei der Geburt mindestens zehn in Ausbildung befindliche Personen zuschauen und sie sich von einigen auch reihenweise untersuchen lassen müssen.

Hulda arbeitet in Schichten und engagiert sich ebenso wie ihre Kolleginnen. Sie ist stolz darüber, in ihrem Beruf wichtige Arbeit zu verrichten und Leben retten zu können. Ihre Liebe zu dem Kommissar Karl North ist deutlich abgekühlt, was nicht nur daran liegt, dass sie aufgrund ihres Schichtdienstes weniger gemeinsame Zeit füreinander finden. Die Stimmung in der Klinik ist angespannt, was auch durch den Konkurrenzkampf der beiden Oberärzte um eine Professur an der Universität verstärkt wird. Hulda fallen einige Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit der Behandlung einiger Patientinnen auf bei denen es zu Todesfällen kam. Sie schweigt nicht und hinterfragt, so dass sie plötzlich den Ambitionen von jemandem im Weg steht.

Auch einige andere Figuren, die aus den ersten beiden Bänden bekannt sind, entwickeln sich weiter. Karl wird beispielsweise klar, dass seine Ausbildung anders als bei anderen Waisen besonders gefordert wird und er beschließt, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Der Kioskbesitzer Bert hat sich verliebt und Huldas Zimmerwirtin erhält Besuch. Anne Stern führt Hulda im privaten Bereich in neue Kreise ein und vergisst auch nicht eine Portion Zeitgeschehen in die Handlung einfließen zu lassen. Obwohl Hulda nicht religiös ist, wird sie dennoch zunehmend damit konfrontiert, dass der Antisemitismus im Deutschland der damaligen Zeit beginnt, sich zu entwickeln. Im Anhang befindet sich eine Leseprobe vom vierten Band der Serie, der im November 2021 erscheinen wird.

Der dritte Band der Romanreihe um die Hebamme Fräulein Gold von Anne Stern ist von der Atmosphäre her etwas heller gestaltet als die ersten beiden Bände und auch Hulda wirkt trotz des anstrengenden Klinikalltags hoffnungsvoller. Die Autorin schafft wie immer ein vorstellbares Zeitgeschehen mit Figuren, die realistisch handeln. Auch diesen Serienteil empfehle ich gerne weiter und freue mich auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 10.06.2021

Eine bis zum Schluss anhaltend spannende Fantasy

Der Ozean am Ende der Straße
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„Der Ozean am Ende der Straße“ von Neil Gaiman ist eine Fantasy. In der mir vorliegenden Ausgabe finden sich über hundert liebevoll gestaltete Tuschezeichnungen von Elise Hurst, die der Geschichte eine ...

„Der Ozean am Ende der Straße“ von Neil Gaiman ist eine Fantasy. In der mir vorliegenden Ausgabe finden sich über hundert liebevoll gestaltete Tuschezeichnungen von Elise Hurst, die der Geschichte eine passende, eher düstere Atmosphäre verleihen.
Ein Mann, etwa Mitte Vierzig, kehrt nach einer Beerdigung an den Wohnort seiner Kindheit zurück. Sein Elternhaus wurde längst abgerissen, neu errichtet und später verkauft, aber am Ende der Straße gibt es immer noch den Ententeich hinter einem alten Bauernhof. Hier lebte damals seine Spielgefährtin Lettie, vier Jahre älter als er selbst. Er erinnert sich daran, dass er damals Lettie im Wasser gesehen hat und allmählich kehren seine Erinnerungen an das große, vieles verändernde Abenteuer zurück, das er erlebt hat als er sieben Jahre alt war.
Als Leserin hat mich die Geschichte immer tiefer in das Geschehen gezogen. Der unbenannte Mann erzählt aus der Ich-Perspektive zunächst in der Gegenwart, um dann in Gedanken in die Vergangenheit einzutauchen hin zu einem Erlebnis, dass in den 1960er Jahren stattgefunden hat. Alles beginnt mit einem Besuch auf dem Bauernhof der Nachbarn im Rahmen einer außergewöhnlichen Begebenheit. Seltsam wird es für den Jungen dann, als Lettie ihm erzählt, dass sie von jenseits des Ozeans gekommen sind, von dem der Junge mit eigenen Augen sieht, dass sie damit den Teich hinter dem Haus meint. Ab diesem Zeitpunkt geschehen immer mehr Dinge, die nicht alltäglich sind und zunehmend mysteriös werden.
Neil Gaiman erzählt eine spannend aufgebaute Geschichte mit einzigartigen sagenhaften Gestalten. Als Leserin hielt ich es für denkbar, dass der kleine Junge die Ereignisse nur in seiner Fantasie erlebt hat, denn er fühlt sich allein gelassen, seine Eltern sind beide berufstätig, es sind Ferien und er hat keine Freunde zum Spielen. Stattdessen soll eine Haushälterin auf die beiden Kinder aufpassen, auf deren Anweisungen er nicht hören möchte und dadurch bei ihr in Misskredit gerät.
Zum ersten Mal erlebt er seinen Vater gewalttätig, was ihm seine Erfindungskraft auch durch die wahrgenommene angespannte finanzielle Situation der Eltern vorspielen könnte, die eventuell zu harschen ungewohnten lieblosen Worten und härterem Auftreten des Vaters führte. Die Veränderung im Verhalten seiner Eltern erklärt er sich durch magischen Einfluss. Der Roman lässt insgesamt großen Spielraum zur Interpretation offen, auch fragte ich mich, ob Neil Gaiman eigene Erlebnisse aus seiner eigenen Kindheit in der Erzählung verarbeitet hat.
Durch die Schilderungen des kleinen Jungen wirken die phantastischen Gestalten überdeutlich groß, seine Angst ist spürbar. Auf dem Bauernhof begegnet er drei Frauen verschiedenen Alters, darunter auch Lettie als jüngste von ihnen. Er fühlt sich rundum wohl in ihrer Nähe. Das Wissen um ihre vermeintliche Existenz gibt ihm Rückhalt und Kraft, die schwierige Zeit zu überstehen.
Neil Gaiman versteht es in seinem Roman „Der Ozean am Ende der Straße“ in einer mitreißenden, ausdrucksstarken Sprache aus einer zunächst scheinbar unbedeutenden Alltagssituation heraus eine zunehmend und bis zum Schluss anhaltend spannende Fantasiegeschichte zu erzählen. Von einem Lesesog erfasst flog ich über die mit stimmungsvollen schönen Tuschezeichnungen von Elise Hurst versehenen Seiten hinweg. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an Leserinnen und Leser, die eine besondere Geschichte mit mystischen Elementen mögen.

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Veröffentlicht am 10.06.2021

Fundgrube an ungewöhnlichem Wissen über die Natur

Mikroorgasmen überall
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"Mikroorgasmen überall“ hat der studierte Ökologe, vielen aber als Techno-DJ bekannte Dominik Eulberg sein Buch genannt. Sicher bindet der ungewöhnliche Titel die Aufmerksamkeit der interessierten Leserinnen ...

"Mikroorgasmen überall“ hat der studierte Ökologe, vielen aber als Techno-DJ bekannte Dominik Eulberg sein Buch genannt. Sicher bindet der ungewöhnliche Titel die Aufmerksamkeit der interessierten Leserinnen und Leser, macht aber auch darauf aufmerksam, dass die kleinen Freuden im Leben allseits zu finden sind. Musik und Natur verbinden sich auf natürliche Weise durch die Geräusche aller Bewohner unserer Erde und sind die Leidenschaften des Autors. Das Eintauchen in die Natur ist entspannend, was auch dadurch zum Ausdruck kommt, wenn man in Japan von „Waldbaden“ für einen Spaziergang im Wald spricht.

Die Natur ruht nie, alles ist im ständigen Wandel. Dominik Eulberg als Naturschützer weist im Vorwort darauf hin, dass die Vielfalt von Leben bedroht ist, es aber immer Existenzen geben wird, die sich an die Gegebenheiten anpassen. Jedoch ist die Anpassungsfähigkeit des Menschen beschränkt und wenn wir nicht jetzt für eine gesunde Erde sorgen, wird diese uns überleben. Der Autor bemängelt, dass wir Menschen so wenig Aufmerksamkeit unserer Umwelt widmen. Mit seinem Buch möchte er die Leserinnen und Leser zum Staunen anregen und motivieren, genau hinzuschauen und sich für die kleinen Geheimnisse des Lebens zu öffnen.

Auf dem Cover sind 26 Illustrationen von Naturschönheiten der Cramers Gallery of Nature abgebildet, auf der ersten Seite des Buchs finden sich die Bezeichnungen dazu. Es sind aber weit mehr Kapitel im Buch, die von eben diesen und anderen entsprechend passenden Zeichnungen begleitet werden. Jedes Mal findet sich eine bemerkenswerte Tatsache zur Abbildung in der folgenden Textpassage.

Die Kapitel folgen keiner bestimmten Ordnung und stellen manchmal über den Gedankenfluss des Autors Verbindungen zwischen unterschiedliches Leben her, manchmal bewundernswert und immer wissenswert. Aus den Texten liest sich die Begeisterung von Dominik Eulberg für unsere Pflanzen- und Tierwelt heraus. Der Schreibstil liest sich leicht und gut, schwierigere Begriffe sind kurz erläutert.

Der Autor weiß von manchen Kuriositäten zu berichten z.B. warum man glaubte, dass der Salamander eine Feuersbrunst bekämpfen konnte, wieso es möglich war, dass Biber während der Fastenzeit verzehrt werden durften und warum die Birke als hexenabwehrend galt. Er erklärt auch beispielsweise wie es zu der Bezeichnung Turteltauben und Zeitungsenten kam.

Dominik Eulberg schaut auf die tierische Navigationssysteme genauso wie auf pflanzliche Kommunikation und weist darauf hin, welche Möglichkeiten es in der Fauna und Flora gibt, sich vor Feinden zu schützen und sich fortzupflanzen. Wer Antworten zu den aufgeführten Themen und noch viel mehr Bemerkenswertes darüber hinaus erfahren möchte, der sollte zu diesem Buch greifen.

Insgesamt ist das Buch eine Fundgrube an Wissen über die Natur und ich habe mich durch den abwechslungsreichen Inhalt, die zahlreich aufgezeigten Zusammenhänge und so vielen kleinen Anmerkungen sehr gut unterhalten gefühlt. Es inspiriert mich, mit Neugier hinaus zu gehen und die Schönheit des Lebens auf mich wirken zu lassen wie z.B. das Vogelnest im Rosenstrauch in unserem Garten. Sicher werde ich das Buch immer wieder zur Hand nehmen und nachlesen. Für ein schnelleres Auffinden gibt es ein Register im Anhand. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.

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