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Veröffentlicht am 28.08.2025

Zutiefst bewegend und nachhallend

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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„Du musst meine Hand fester halten, Nummer 104“ sagt die elfjährige Margret auf dem Weg zur Christmette 1947 zu dem sechs Jahre jüngeren Hartmut, den sie später Hardy nennen wird. Es ist eisig an diesem ...

„Du musst meine Hand fester halten, Nummer 104“ sagt die elfjährige Margret auf dem Weg zur Christmette 1947 zu dem sechs Jahre jüngeren Hartmut, den sie später Hardy nennen wird. Es ist eisig an diesem Tag im Sauerland und der kleine Junge droht hinzufallen. Die beiden wohnen in einem Kinderheim und sind die Hauptfiguren in dem nach dieser Szene benannten Roman von Susanne Abel.

Margret ist ein Waisenkind aus Gelsenkirchen. Auch Hardy ist vermutlich eine Waise. Er kam am Ende des Zweiten Weltkriegs mit einem Kindertransport aus Danzig. Sein Name auf dem Pappschild, das er umgehängt trägt, ist verwischt, sein Alter wird geschätzt. Als Margret eines Tages von einer Tante zu sich genommen wird, verliert sie Hardy zunächst aus den Augen. Nach ihrer Volljährigkeit beginnt Margret als Stationshilfe in einem Heim, in dem Hardy inzwischen lebt.

Parallel zu diesem Handlungsstrang erzählt Susanne Abel von Margret und Hardy in den Jahren 2006 bis 2017. Die beiden sind verheiratet und haben inzwischen eine Urenkelin, deren Mutter bei der Geburt noch recht jung war. Sie fällt dem Jugendamt durch eine Unregelmäßigkeit in der Betreuung ihres Kindes auf. Die Angelegenheit führt dazu, dass bei Margret und Hardy schmerzhafte Erinnerungen aus der Kindheit aufbrechen. Stillschweigend hatten sie bisher ihre Vergangenheit ruhen lassen.

In den folgenden Jahren werden sie immer wieder mit Situationen konfrontiert, die verdrängte Gefühle an die Oberfläche holen und sie an die Grenzen des Erträglichen bringen. Margret war stets diejenige und ist es immer noch, die sich um alltäglich zu verwaltende und organisatorische Aufgaben kümmert, während Hardys Stärken mehr im Praktischen liegen.

Es ist berührend, darüber zu lesen, wie Margret sich um Hardy kümmert. Doch die beiden haben ihre Ecken und Kanten, von denen sie einige voreinander zu verbergen suchen. Susanne Abel schreibt aus der Perspektive einer allwissenden Erzählerin und rückt in jeder Szene den Fokus auf eine Hauptfigur, deren Gedanken- und Gefühlswelt dadurch besonders erfahrbar wird. Dadurch kommt es bisweilen zu raschen Wechseln zwischen den Akteuren. Die Autorin war eine Weile als Erzieherin beschäftigt, so dass ihre Darstellung kindlicher Erfahrungen authentisch erscheinen.

Der Triggerhinweis zu Beginn des Romans ist berechtigt, denn die Jahre in einem Waisenhaus sind für beide Kinder verbunden mit Zurechtweisungen und harten Bestrafungen für unerwünschtes Verhalten. Beim Lesen hofft man die ganze Zeit, dass jedes Kind, das in einem der beschriebenen Heime lebt, von einer liebevollen Familie aufgenommen werden wird. Die Autorin verweist in diesem Zusammenhang auf die Arbeit des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes, der vor allem in den Nachkriegsjahren unzählige Kinder mit Familienangehörigen wiedervereinen konnte. Jedoch erfährt Margret bei ihren Verwandten keine ausreichende Wertschätzung und erlebt ein traumatisierendes Ereignis.

Als Margret älter ist und sich selbst um hilfsbedürftige Personen kümmert, erschrickt sie über sich selbst als sie feststellt, dass sie nach dem gleichen Muster von Strenge und Härte agiert, die sie in ihrer Kindheit und Jugend erlitten hat. Im Rahmen der Heimunterbringung von Hardy beschreibt Susanne Abel, wie er ruhig gestellt wurde, eine Begebenheit die äußerst berührend und erschütternd ist, jedoch leider keine Fiktion, sondern auf wahren Ereignissen beruht, die die Autorin recherchiert hat.

Erneut ist es Susanne Abel mit „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ gelungen einen zutiefst bewegenden Roman zu schreiben. Die Handlung reicht von den 1940er Jahren bis in die Gegenwart. Die Autorin beleuchtet dabei das Schicksal von Waisen ebenso wie die Herausforderungen berufstätiger, alleinerziehender Mütter sowie den aktuellen Einfluss von Social Media auf das Familienleben. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für dieses Buch, das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Interessanter Mix aus Graphic Novel, Sachbuch und amüsanter Erzählung

Cosmix
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Im Buch „Cosmix“ beschreibt Laurent Schafer entsprechend des Untertitels die Entstehung des Universums „Vom Urknall bis zum Menschen“. Der Autor ist Journalist mit einer Leidenschaft für Naturwissenschaften. ...

Im Buch „Cosmix“ beschreibt Laurent Schafer entsprechend des Untertitels die Entstehung des Universums „Vom Urknall bis zum Menschen“. Der Autor ist Journalist mit einer Leidenschaft für Naturwissenschaften. Er hat das Buch nicht nur verfasst, sondern auch selbst illustriert. Unterstützung erhielt er dabei von Fachwissenschaftlern verschiedener Disziplinen, deren Expertise in seine Texte eingeflossen sind.
Zunächst stellt Laurent Schafer die handelnden Personen vor, darunter mehrere Akademiker. Im Prolog nimmt er kurz Bezug auf die unendliche Anzahl der Atome aus denen alles Leben besteht. Die eigentliche Erzählung setzt ungewöhnlich ein: Zwei Hauptfiguren moderieren eine Kochshow im Fernsehen, in der sie den Zuschauern erklären, wie aus dem Nichts der Urknall entstand. Hier zeigt sich der besondere Humor des Autors, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht und vor allem darin sichtbar wird, dass er komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge durch Vergleiche mit Alltäglichem greifbar macht. Tierische Akteure, wie sie auch auf dem Cover zu sehen sind, werden augenzwinkernd in Szene gesetzt und lockern die Darstellung zusätzlich auf.
In zehn Kapiteln, die jeweils eine eigene humorvolle Handlung entfalten, entwickelt sich aus dem Chaos das Bewusstsein. Die Vermittlung der anspruchsvollen Themen enthält Fachbegriffe, weshalb die Graphic Novel eher für Leserinnen und Leser ab einem Alter geeignet ist, die bereits über naturwissenschaftliches Schulwissen verfügen. Die durchgehend farbigen Illustrationen bilden einen starken Anreiz, sich mit den ansonsten meist nüchternen Erklärungen zu den großen Themen der Menschheit auseinanderzusetzen.
Ich empfehle dieses Buch allen, die sich für Naturwissenschaften begeistern und diese auf anregende Weise vermittelt bekommen wollen.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Schöner Auftakt der Norrland-Saga: bewegend, unterhaltsam und tiefsinnig

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Im Roman „Wo die Moltebeeren leuchten“ von Ulrika Lagerlöf begegnet man zunächst der 17-jährigen Protagonistin Siv Engström. Im Frühjahr 1937 arbeitet sie bereits seit vier Jahren als Haushaltshilfe bei ...

Im Roman „Wo die Moltebeeren leuchten“ von Ulrika Lagerlöf begegnet man zunächst der 17-jährigen Protagonistin Siv Engström. Im Frühjahr 1937 arbeitet sie bereits seit vier Jahren als Haushaltshilfe bei einer wohlhabenden Familie in dem nordschwedischen Ort, in dem sie mit ihren Eltern und jüngeren Geschwistern lebt. Gerne hätte Siv weiter die Schule besucht, doch die angespannte finanzielle Lage ihrer Familie machte dies unmöglich. Sie träumt davon, eines Tages selbst über ihre Zukunft zu bestimmen, aber eines Tages erfährt sie, dass ihr Vater sie verpflichtet hat, schon bald für einige Wochen als Köchin für einen Holzfällertrupp zu arbeiten. Ihr bleibt keine andere Wahl, als die Stellung anzutreten. Die Unterkunft ist eine Hütte mit nur einem Raum, in dem außer ihr noch zehn Männer übernachten. Ihr Bett ist lediglich durch einen Vorhang abgeteilt. Für die neue Tätigkeit erhält Siv deutlich mehr Lohn als zuvor.

Mehr als achtzig Jahre später wird die 48-jährige Eva Wallman als weitere Protagonistin des Romans, von ihrem Arbeitgeber an den Ort ihrer Kindheit im Norden Schwedens geschickt. Die geschiedene Mutter eines Teenagers arbeitet als Forstwirtin in der Öffentlichkeitsarbeit, im Stab für Waldpflege und Naturschutz eines Holzunternehmens. Als Umweltaktivisten ein Abholzungsprojekt stoppen möchten, soll Eva zwischen den Interessen des Unternehmens und den Forderungen der Naturschützer vermitteln.

Die Erinnerungen an ihre Großmutter inspirierten Ulrika Lagerlöf zu der Figur der Lagerköchin Siv. Rund um diese Rolle entfaltet sich das harte Leben mit und in der Natur Nordschwedens am Ende der 1930er Jahre. Neben den Siedlern rangen dort auch die Waldsami ums tägliche Überleben, die mit ihren Rentierherden durchs Land zogen. Ihnen wurde durch den Staat kein eigenes Land zugebilligt. Der daraus entstandene Konflikt wird in der Erzählung kaum mehr als angedeutet.

Nach der Eingewöhnung begreift Siv erst, wie frei und selbstbestimmt sie in ihrer neuen Arbeit agieren kann. Jedoch kann sie sich aufkeimenden zarten Gefühlen zu einem Mann nicht entziehen, was sie schließlich dazu bringt, über ihre Unabhängigkeit und mögliche Einschränkungen in einer künftigen Ehe nachzudenken.

Mit dem Handlungsstrang, in dem Eva die Hauptfigur ist, schlägt die Autorin einen Bogen in die Gegenwart. Auch hier blitzt das Thema „Freiheit“ auf. Eva hat ihre persönlichen Interessen, hinter die ihres Arbeitgebers zu stellen. Manchmal würde sie ihr Leben gern nach eigenen Vorstellungen und sich dabei mehr selbst verwirklichen, aber sie ist durch die Verantwortung für ihr Kind gebunden. Sie weiß, dass der Klimaschutz ein Anliegen ihres Sohnes ist und sieht seine Meinung in denen der Aktivisten widergespiegelt, was es ihr nicht leicht macht, Stellung zu beziehen.

„Wo die Moltebeeren leuchten“ ist der erste Band einer bewegenden Trilogie von Ulrika Lagerlöf, die auf zwei Zeitebenen spielt. Die Verbindung der beiden Protagonistinnen offenbart sich dem Lesenden ebenso wie ein verborgenes Familiengeheimnis. Am Ende bleiben Fragen offen, die in den Folgebänden sicherlich beantwortete werden. Dank der wunderschönen Gestaltung mit Farbschnitt ist es eine besondere Freude, den Roman in den Händen zu halten. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für diese ebenso unterhaltsame wie tiefsinnige Geschichte.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Ein gefühlvoller Roman: Bewegend, unterhaltsam und nachhallend

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Phoebe Stone hat nicht damit gerechnet, dass sie ausgerechnet an dem Tag, an dem sie beschlossen hat zu sterben, mitten in eine trubelige Hochzeitsgesellschaft geraten wird. Sie ist eine der beiden Protagonistinnen ...

Phoebe Stone hat nicht damit gerechnet, dass sie ausgerechnet an dem Tag, an dem sie beschlossen hat zu sterben, mitten in eine trubelige Hochzeitsgesellschaft geraten wird. Sie ist eine der beiden Protagonistinnen des Romans „Wedding People“ der US-Amerikanerin Alison Espach. Als Professorin für Literatur des 19. Jahrhunderts lehrt sie in St.Louis/ Missouri und ist 40 Jahre jung. Vieles in ihrem Leben ist nicht nach Wunsch verlaufen. Ein Luxushotel im zweitausend Kilometer entfernten Newport/Rhode Island, das bisher für einen Urlaub aufgrund der hohen Kosten für sie nicht in Frage kam, soll ihr Glücksort sein. Doch will sie ihre letzten Stunden verbringen.

Die zweite Protagonistin ist Delilah Lancaster, von allen kurz Lila gerufen. Sie steht kurz vor ihrer Heirat mit ihrem Freund Gary. Um den Anlass ausgiebig zu feiern, hat Lila für ihre Gäste eine ganze Woche lang alle Zimmer eben jenes Hotels in Newport gemietet. Die 28-Jährige stammt aus einer großen Familie, hat ein beträchtliches Vermögen geerbt, arbeitet in der nahegelegenen Kunstgalerie ihrer Mutter und die Festwoche bis ins Detail geplant. Sie glaubt, dass es ein Irrtum sein muss, wenn nun ausgerechnet Phoebe das schönste aller Zimmer erhält. Nachdem sie von Phoebes Plänen erfahren hat, will sie diese um jeden Preis verhindern.

Für ihren Lebenstraum hat Phoebe beruflich zurückgesteckt, doch sie ist in manchem gescheitert. Einmal jedoch möchte sie es sich uneingeschränkt gut gehen lassen. Lila hingegen erfüllt sich dank ihrer soliden finanziellen Lage jeden Wunsch und macht gern auch anderen eine Freude. Wenn sie erst einmal von etwas begeistert ist, redet sie endlos darüber.

Was zunächst so erscheint, als ob beide keine gemeinsame Gesprächsebene finden, erweist sich später als ein Glücksfall, dass sie einander begegnet sind. Lila hat zwar einige FreundInnen, aber niemanden, der ihr offen begegnet und sie auch in schwierigen Momenten stützt. Phoebe erkennt das sehr schnell. Weil sie einander fremd sind, erzählen sie sich Dinge, die man Nahestehenden nicht anvertrauen würde, ohne Risiko für Ansehen oder Beziehungen, da ihre Probleme keine Berührungspunkte haben. Endlich hat Lila jemanden, mit der sie über ihre eigene und die Familie ihres Auserwählten reden kann. Beide Protagonistinnen haben ihre Ecken und Kanten, die sie auf ihre ganz eigene Weise interessant machen.

Zu Beginn wirkte der Roman wegen Phoebes Plan auf mich bedrückend. Doch Alison Espach schafft es, genau die richtige Dosierung Zynismus und Witz in die Geschichte einzubringen, ohne ihr die inhaltliche Tiefe zu nehmen. Jedem Tag der Hochzeitswoche ist ein eigenes Kapitel gewidmet, dessen Titel das jeweilige Highlight der anstehenden Aktivitäten verrät. In Rückblenden erfährt man, wieso Phoebes Ehe mit Matt, ihre Arbeit an der Universität und ihr Wunsch nach einem eigenen Kind dazu geführt haben, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ebenso liest man von Lilas Verlust des Vaters und wie sie ihren zukünftigen Mann kennenlernte. Bald verweben sich die beiden zunächst getrennten Handlungssträngen zu einer gemeinsamen Erzählung, in der immer wieder Neues und Unerwartetes geschieht.

Der Roman „Wedding People“ überrascht mit zwei Protagonistinnen, die sich trotz unterschiedlicher Charakterzüge und verschiedener Ansichten über manche Dinge dennoch gut austauschen können. Alison Espach bringt eine Fülle von Gefühlen zum Ausdruck: von bitterer Enttäuschung bis zu ausgelassener Freude, von Respekt bis zu Liebe und Anerkennung. Die Geschichte bewegt, unterhält und hallt nach, weswegen ich gerne eine Leseempfehlung vergebe.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Berührende Geschichte, die sich zwischen zwei Kulturen bewegt

Onigiri
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In ihrem Debütroman „Onigiri“ (dt: Reisbällchen nach japanischem Rezept) erzählt Yuko Kuhn die fiktive Geschichte von Aki und ihrer Familie. Aki ist um die vierzig, verheiratet und Mutter von drei Kindern. ...

In ihrem Debütroman „Onigiri“ (dt: Reisbällchen nach japanischem Rezept) erzählt Yuko Kuhn die fiktive Geschichte von Aki und ihrer Familie. Aki ist um die vierzig, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Ihr Vater ist Deutscher, ihre Mutter Keiko wurde in Japan geboren und ist dort aufgewachsen. Keiko vergisst zunehmend Dinge, weswegen sie seit geraumer Zeit in einem Wohnstift lebt. Die Nachricht vom Tod ihrer über hundert Jahre alten Großmutter in Japan erreicht Aki spät, weil der Kontakt zur mütterlichen Verwandtschaft inzwischen abgebrochen ist. Doch Aki hat Fragen. Zwar war sie einige Male in der Heimat ihrer Mutter und kennt die Umstände, unter denen diese einst als Lehrerin nach Deutschland gekommen ist. Dennoch versteht sie nicht ganz, wieso Keiko so ist wie sie ist. Sie schlägt ihr eine mehrtägige Reise zum Bruder nach Kobe vor auf der sie sie begleiten möchte.
Der Roman besteht zu einem großen Teil aus Erinnerungen von Aki. Sie schildert Szenen aus ihrer Kindheit und Jugend, die sich nicht nur in ihrem Elternhaus abspielen, sondern auch im Haus der Großmutter in Japan und bei den deutschen Großeltern. Die Liebesgeschichte ihrer Eltern findet ebenfalls ihren Platz, soweit Keiko ihr davon erzählt hat. Die Ehe scheiterte nach einigen Jahren und Aki blieb bei ihrer Mutter. Aki erinnert sich auch an die Schilderungen ihrer Eltern über die eigene Jugendzeit.

Feinsinnig arbeitet Yuko Kuhn aus dem Mosaik dieser Rückblicke kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Japanern heraus. Auch ihre Wurzeln liegen in Japan, wodurch sie eigene Erfahrungen einbringen kann. Die Verwendung von japanischen Begriffen, von denen die meisten in einem Glossar am Buchende übersetzt werden, tragen zu einer authentische Atmosphäre bei. Zudem wird deutlich, welche hohen Erwartungen ein Elternhaus an ein Kind stellen kann und welche inneren Konflikte und Herausforderungen dadurch bei der persönlichen Zukunftsgestaltung möglich sind..

Die Autorin zeigt verschiedene Ausdrucksformen von Liebe, die sich nicht immer in Gesten und Worten äußern. Dadurch wirkt der Roman stellenweise zurückhaltend, aber gerade darin liegt seine Tiefe. Auf ihrer gemeinsamen Reise nach Japan finden Keiko und Aki eine besondere Verbindung zueinander.

Das Debüt „Onigiri“ von Yuko Kuhn erfordert aufmerksames Lesen, denn Akis Erinnerungen sind nicht chronologisch geordnet, sondern setzen sich wie Puzzlestücke zum größeren Bild zusammen. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer berührenden Geschichte belohnt, die sich zwischen zwei Kulturen bewegt und die Welten schildert, in denen Aki lebt: ihre eigene, die ihrer Mutter und die gegensätzliche der beiden Großelternpaare. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für diesen interessanten, einfühlsam geschriebenen Roman.

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