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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.07.2019

Völlig anders als erwartet

Die Lotosblüte
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Die 15 Jahre alte Shim Chong wird von ihrer Stiefmutter verkauft und landet zunächst in einem chinesischen Haushalt als Konkubine des alten Familienoberhauptes. Doch das ist noch lange nicht das Ende ihrer ...

Die 15 Jahre alte Shim Chong wird von ihrer Stiefmutter verkauft und landet zunächst in einem chinesischen Haushalt als Konkubine des alten Familienoberhauptes. Doch das ist noch lange nicht das Ende ihrer Lebensreise, sie wird erneut verkauft und landet im Bordell. Doch Shim Chong lernt ihren eigenen Weg zu gehen…

Die Geschichte einer jungen Frau, die im zartesten Alter auf sich selbst gestellt ist und sich unter widrigsten Umständen ihren Weg durchs Leben finden muss – das hört sich sehr spannend an. Sehr angesprochen hat mich auch, dass diese Geschichte im Kontext des 19. Jahrhundert in Asien stattfindet und dabei in mehreren Ländern weilen wird. Leider konnte ich mich mit der Hauptperson sehr schlecht zurechtfinden, sie ist mir zu blass und emotionslos geblieben, ihre Handlungen konnte ich nicht immer nachvollziehen. Zudem erzählt der Autor immer wieder sehr ausführlich, während er wichtige historische Ereignisse eher kurz zusammenfasst. In diesem Dickicht der Geschehnisse habe ich mich etwas verheddert und immer wieder überlegt, das Buch abzubrechen. Unerwartet waren für mich die sehr ausführlichen erotischen Szenen, die mich durch das dahinterliegende Frauenbild eher abgeschreckt haben. Nachvollziehbar bleibt Shim Chongs Schicksal überhaupt nicht, die Geschichte driftet eher ins Unglaubliche ab.

Erwartet hatte ich einen historischen Roman, der mich in eine völlig fremde Umgebung führt und mir einen Einblick in das Leben von Frauen im Asien des 19. Jahrhunderts gibt. Das ist mir mit dieser Geschichte nur teilweise gelungen. Leider kann ich dem Buch nur zwei von fünf Sternen vergeben.

Veröffentlicht am 12.07.2019

Über die Liebe

Das Leuchten jenes Sommers
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Die junge Fotografin Chloe erhält den Auftrag, die Autorin Madeleine Hamilton zu fotografieren. Chloe, die sich in ihrer Ehe zunehmend eingeengt fühlt, kann schnell einen guten Draht zu der Autorin finden, ...

Die junge Fotografin Chloe erhält den Auftrag, die Autorin Madeleine Hamilton zu fotografieren. Chloe, die sich in ihrer Ehe zunehmend eingeengt fühlt, kann schnell einen guten Draht zu der Autorin finden, die sehr zurückgezogen auf ihrem Anwesen Summerhill lebt und die Öffentlichkeit eher scheut. Durch die Annäherung der beiden Frauen wird die Vergangenheit nochmal heraufbeschworen…

Mit dieser Erzählung verbindet die Autorin Nikola Scott die Geschichte zweier Frauen, die vielerlei Parallelen in ihrer Vergangenheit entdecken. Zudem hilft das Eintauchen in die Vergangenheit den beiden, sich neu in ihrer Gegenwart zurechtzufinden. Erst nach und nach arbeitet die Autorin diese Veränderungen heraus, wobei die Spannung darüber gut gehalten wird, auch wenn der Leser irgendwann ahnt, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Dabei streift und thematisiert die Autorin die verschiedenen Arten der Liebe: zwischen Partnern, zwischen Geschwistern, zu den Kindern. Sehr einfühlsam werden die handelnden Personen geschildert, die Geschehnisse sind gut nachvollziehbar. Nebenbei kann man sich fast schon auf das Gut Summerhill hinträumen (selbst wenn es dies überhaupt nicht gibt, wie die Autorin zum Schluss einräumt).

Für diese Geschichte, die sich auch nicht scheut, Probleme anzusprechen, vergebe ich sehr überzeugte 4 von 5 Sternen und empfehle das Buch gerne weiter.

Veröffentlicht am 11.07.2019

Routiniert geschrieben

Erbsünde
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Als die übel zugerichtete Leiche eines jungen Mannes entdeckt wird, erkennt Detective Peter Decker recht schnell, dass der Vater des Opfers seit 20 Jahren wegen Raubmord im Knast sitzt. Sein Bauchgefühl ...

Als die übel zugerichtete Leiche eines jungen Mannes entdeckt wird, erkennt Detective Peter Decker recht schnell, dass der Vater des Opfers seit 20 Jahren wegen Raubmord im Knast sitzt. Sein Bauchgefühl lässt nicht locker, er sucht nach Verbindungen zwischen dem Verbrechen von damals und dem Tod des jungen Mannes. Kurz danach verschwindet ein junger Mann, ein Arbeitskollege des Toten. Was steckt nur dahinter?

Mit diesem Band legt die Autorin Faye Kellermann bereits den 25. Band der Reihe um Detective Peter Decker vor. Für mich allerdings war es das erste Buch der Autorin. Zwar merkte ich bald, dass es Teil einer Reihe ist, denn die Teamkollegen um Peter Decker waren sich doch recht vertraut, dennoch gelingt der Einstieg in das Buch jederzeit, denn der Fall ist in sich abgeschlossen. Routiniert werden die Abläufe geschildert, für meinen Geschmack war das vielleicht sogar etwas zu routiniert. Gut verständlich wird der Fall aufgerollt, die Ermittlungen sind gut nachvollziehbar dargestellt. Etwas unglaubwürdig wurde für mich die Geschichte nach dem großen Showdown, aber das muss nun jeder für sich selbst entscheiden.

Insgesamt ist das Buch ganz spannend geschrieben, hat allerdings nicht wirklich großen Eindruck bei mir hinterlassen. Ich vergebe knappe 4 von 5 Sternen dafür.

Veröffentlicht am 09.07.2019

Einblicke in Jasmijns Welt

Mein Leben als Sonntagskind
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Jasmijn ist ein bisschen anders als die anderen Kinder. Eine Flut von Eindrücken stürmt auf sie zu, doch sie kann sie nicht kanalisieren oder teilweise ausblenden. Das zeigt sich zum ersten Mal in der ...

Jasmijn ist ein bisschen anders als die anderen Kinder. Eine Flut von Eindrücken stürmt auf sie zu, doch sie kann sie nicht kanalisieren oder teilweise ausblenden. Das zeigt sich zum ersten Mal in der Vorschule, als sie sich plötzlich getrennt von ihrer Hündin Senta und ihrer Mutter in einer Gruppe mit anderen Kindern und Erwachsenen zurechtfinden soll. Das geht durch ihre gesamte Schullaufbahn bis hin zum Versuch, den Führerschein zu machen. Bis sie von der Diagnose Autismus hört.

Die Autorin Judith Visser leidet selbst am Asperger-Syndrom, und so gelingt ihr die Geschichte über ihre Protagonistin Jasmijn Vink sehr überzeugend. Sie nimmt den Leser mit in Jasmijns Welt, die doch so gar nicht anders erscheint als die unsere und doch in manchen Einzelheiten völlig anders ist. Während Jasmijn als hochnäsig bezeichnet wird, weil niemand ihre Eigenheiten einordnen kann, erkennt der Leser schnell, dass dies die Symptome des Asperger-Syndroms sind, die dem Kind und später der jungen Erwachsenen die uneingeschränkte Teilnahme am öffentlichen Leben erschweren. Durch ihre einfühlsame Erzählweise schafft es die Autorin, Verständnis sowohl für Jasmijn wie auch für deren Umwelt zu zeigen, und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Aus dem Sichtwinkel der Protaginistin erzählt, entsteht so eine Geschichte, die nicht nur die Geschehnisse aus Jasmijns Leben wiedergibt, sondern auch ihre ganz eigenen Gedanken, als wäre es ein Tagebuch, nur für sich selbst geschrieben. Genau das lässt manche Wiederholung entstehen und wirkt streckenweise etwas langatmig, andererseits ist die Erzählung dadurch besonders authentisch.

Mit Jasmijns Geschichte ist eine sehr beeindruckende Erzählung entstanden, die noch sehr lange nachhallt und für das Thema Autismus sensibilisiert. Ich empfehle sie gerne weiter und vergebe alle fünf möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 07.07.2019

Eine Freundschaft fürs Leben

Bell und Harry
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Die Londoner Familie Bateman hat sich für den Sommer auf einer Farm in Yorkshire eingemietet. Es ist der Beginn einer Freundschaft zwischen den Jungen Bell und Harry, zwischen den beiden Familien Teesdale ...

Die Londoner Familie Bateman hat sich für den Sommer auf einer Farm in Yorkshire eingemietet. Es ist der Beginn einer Freundschaft zwischen den Jungen Bell und Harry, zwischen den beiden Familien Teesdale und Bateman. Sommer für Sommer wird diese Freundschaft erneuert und vertieft, auch wenn die Unterschiede zwischen den Stadtmenschen und den Landmenschen zunächst viel zu groß erschienen.

Die Autorin Jane Gardam beschreibt in diesem Buch die Sommerfreuden zweier Jungen, die die Basis für eine Freundschaft fürs Leben entstehen lassen. Im Mittelpunkt stehen das Landleben mit seinen manchmal etwas kauzigen Bewohnern, aber auch der Zusammenhalt der Menschen, die füreinander einstehen. Wie Anekdoten reihen sich die Erzählungen aneinander und bilden eine einzigartige Geschichte voller sprachlicher Eleganz.

Dieses besondere Buch über eine Freundschaft fürs Leben strahlt einen besonderen Charme aus, deswegen möchte ich es sehr gerne weiter empfehlen.