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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.12.2018

Aktuelles Thema

Mit der Faust in die Welt schlagen
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Philip und Tobias wachsen in Sachsens Provinz auf. Das neugebaute Haus verspricht Wohlstand und ein neues Leben, doch bald schon schimmert das Grau des Alltags wieder auf, die Hinterlassenschaften der ...

Philip und Tobias wachsen in Sachsens Provinz auf. Das neugebaute Haus verspricht Wohlstand und ein neues Leben, doch bald schon schimmert das Grau des Alltags wieder auf, die Hinterlassenschaften der DDR sind noch viel zu präsent, die Perspektivlosigkeit lässt die Menschen verzweifeln. Dann sollen Asylsuchende im Ort untergebracht werden. Die Emotionen kochen hoch. Während der eine Bruder sich in sich selbst zurückzieht, bricht bei dem anderen die Wut durch.

Mit dieser Geschichte hat der Autor Lukas Rietzschel ein aktuelles Thema aufgegriffen. Kann er eine Erklärung liefern für den Fremdenhass in einer scheinbar idyllischen Atmosphäre? Doch es gibt keine Idylle, so wie es auch keine „blühenden Landschaften“ gibt, auf die viele gewartet hatten. Stattdessen breitet sich Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit aus. Dies spiegelt das Buch sehr genau, es herrscht eine deprimierende Atmosphäre vor.

Da diese Geschichte so hochgelobt wird, hatte ich mich auf eine interessante Lektüre gefreut. Doch ich habe mich schwer getan mit dem Schreibstil des Autors, mit dem abgehackten, teilweise unvollständigen Sätzen, mit dem sprunghaften Szenewechsel und den Lücken in der Chronologie der Ereignisse, die dadurch entstanden sind. So fiel es mir schwer, mich in die Protagonisten hineinzudenken, die Erzählung hat mich nicht erreichen können.

So kann ich diesem Buch mit viel gutem Willen gerade mal drei Sterne geben. Wirklich empfehlen kann ich es nicht.

Veröffentlicht am 06.12.2018

Seelenverwandtschaft und Liebe

Die Sonnenschwestern
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Nora ist erfolgreich im Beruf, doch kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag spürt sie, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ein Traum führt sie an den Ort, an dem ihre Mutter fröhliche Kindheitstage erlebt hat, ...

Nora ist erfolgreich im Beruf, doch kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag spürt sie, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ein Traum führt sie an den Ort, an dem ihre Mutter fröhliche Kindheitstage erlebt hat, nach Tenby in Wales. Dort möchte sie für eine Auszeit bleiben und vertieft sich immer mehr in die Geschichte ihrer Mutter. Seltsam nur, dass diese so gar nicht nach Tenby kommen möchte, sie geht viel lieber in einen Urlaub nach Italien. Und bald kommt Nora einem alten Familiengeheimnis auf die Spur…

Die Autorin Tracy Rees stellt in ihren Romanen Frauen auf der Suche nach sich und ihren Wurzeln in den Mittelpunkt. Dabei allerdings bewegt sie sich oft auf einem schmalen Grat zwischen Einzigartigkeit und Kitsch, und meiner Meinung nach ist ihr das in dem vorliegenden Buch nicht gelungen. Zu vorhersehbar finde ich die Entwicklung, während ich die Entscheidungen der Protagonisten oft nicht nachvollziehen konnte. Mit jeder Seite dieses Wälzers verlor die Geschichte für mich ihre Glaubhaftigkeit. Es klingt vieles zu sehr nach „Liebesgedöns“, einfach gestrickt nach altbewährtem Muster, das Schicksal ist vorherbestimmt und wird sich, wenn auch mit etwas Verzögerung, durchsetzen. – Wo bleiben da die schillernden, selbstbewussten Frauen, von denen die Autorin zumindest bisher geschrieben hat?

Liebe zwischen Seelenverwandten, die sich finden werden – das war nicht das, was ich mit diesem Buch lesen wollte. Deshalb kann ich diese Geschichte nur bedingt weiter empfehlen und vergebe 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 06.12.2018

Der Herzensjäger

Er will dein Herz (Ein Marina-Esposito-Thriller 7)
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Gemma Adderley entschließt sich, mit ihrer kleinen Tochter vor ihrem gewalttätigen Ehemann ins Frauenhaus zu flüchten. Doch die Tochter wird aus dem Auto geworfen, Gemma kommt nie an. Einen Monat später ...

Gemma Adderley entschließt sich, mit ihrer kleinen Tochter vor ihrem gewalttätigen Ehemann ins Frauenhaus zu flüchten. Doch die Tochter wird aus dem Auto geworfen, Gemma kommt nie an. Einen Monat später findet man ihren Leichnam – ohne Herz. Sie wird nicht die einzige misshandelte Frau bleiben, der der Täter das Herz entnimmt… DI Phil Brenann übernimmt die Ermittlungen. Er macht eine schwere Zeit durch, denn seine Frau Marina hat sich von ihm getrennt und wohnt allein mit der kleinen Tochter. Doch bald wird Marina zu dem Fall hinzugezogen, sie soll ein Profil des Täters erstellen.

Ein erschütterndes Szenario steht am Beginn dieses Thrillers, der wieder einmal einen recht brutalen Serienmörder ins Visier nimmt. Der Leser erhält Einblick sowohl in die Gedankenwelt des Täters wie auch der Opfer und natürlich der Ermittler. Geschickt werden mehrere Verdächtige in die Runde geworfen. Und obwohl ich diesmal sehr schnell den Täter herausgefunden hatte, blieb es nach wie vor spannend: Wie wird es gelingen, ihn zu fassen? Ist mein Verdacht überhaupt hieb- und stichfest? Das Buch birgt einige Gefahrenmomente, die den Spannungspegel nach oben treiben.

Auch diesmal wieder ist die Geschichte spannend von Anfang bis zum Ende und lässt dem Leser immer mal wieder kalte Schauer über den Rücken rieseln. Das Buch liest sich auch gut, ohne die Vorgänger dieser Reihe zu kennen, den wahren Genuss aber hat man, wenn man auch die Entwicklung der beiden Ermittler Phil Brennan und Marina Esposito vom Beginn der Reihe an verfolgen kann.

Veröffentlicht am 03.12.2018

Historischer Roman, Krimi, Liebesgeschichte

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
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London, 1920: Die 19jährige Louisa, Tochter einer überarbeiteten Wäscherin, erhält eine Anstellung als Kindermädchen in Mitford House - nachdem sie gerade ihrem Onkel entfliehen konnte, der ihren Körper ...

London, 1920: Die 19jährige Louisa, Tochter einer überarbeiteten Wäscherin, erhält eine Anstellung als Kindermädchen in Mitford House - nachdem sie gerade ihrem Onkel entfliehen konnte, der ihren Körper als Bezahlung für seine Schulden angeboten hatte. Dabei lernt sie den jungen Polizisten Guy Sullivan kennen, der ihr gerne hilft. Er ist gerade mit dem Mord an einer Krankenschwester beschäftigt, der einiges an Rätseln aufgibt. Und auch Louisa lässt der Tod der Krankenschwester nicht ganz los, sie kann einiges zur Auflösung des Falles beitragen.

Opulent erscheint das Buch mit seinen knapp 500 Seiten, das die Atmosphäre der 1920er Jahre gut trifft. Man merkt es der Autorin Jessica Fellowes an, dass sie sich durch ihre Begleitbücher zur Serie „Downtown Abbey“ bestens in die Materie eingearbeitet hat. Allerdings hätte man meiner Meinung nach manches etwas zusammenkürzen können, stellenweise ist der Roman doch recht langatmig geraten. Die Protagonisten werden sehr schnell sympathisch, während die Autorin durchgehend ihre Hinweise auf den möglichen Täter streut, mal mehr, mal weniger gut zu finden. Die verschiedenen Handlungsebenen werden zum Schluss gut miteinander verknüpft, die Auflösung wartet mit einer kleinen Überraschung auf. Der Roman vereinigt Merkmale von historischen Romanen, Krimis und Liebesgeschichten. Manches dieser Genres ist besser, manches nicht so gut getroffen.

Insgesamt ist das Buch eine gelungene Mischung aus Fiktion und Realität, gibt es doch die Schwestern Mitford und das Gutshaus tatsächlich. Dennoch dienen sie hier nur als Möglichkeit, den Roman zu gestalten. Der Mord an der Krankenschwester Florence Nightingale Shore ist allerdings tatsächlich belegt.

Insgesamt ist das Buch flüssig geschrieben und hat mir einige spannende Lesestunden beschert. Ich möchte der Geschichte deshalb vier von fünf Sternen vergeben und empfehle es gerne weiter.

Veröffentlicht am 01.12.2018

Überraschend anders als erwartet

Ich, Santa
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Mit sechzehn Jahren verliert der Protagonist seine Mutter und kommt in den Haushalt seines Onkels Frank mit dessen beiden Söhnen Bastian und Tobias. Der Onkel pflegt seine Sammlung kurioser Sachen ganz ...

Mit sechzehn Jahren verliert der Protagonist seine Mutter und kommt in den Haushalt seines Onkels Frank mit dessen beiden Söhnen Bastian und Tobias. Der Onkel pflegt seine Sammlung kurioser Sachen ganz besonders, seine Regeln sind streng, was diese betrifft. Als eine Jahrmarkttruppe im Ort Halt macht, sind die Jungs besonders begeistert von Jules, einem begabten Motorradfahrer. Doch dies ist nur einer seiner Berufe, wie unser junger Erzähler bald merkt. Und schon ist er mittendrin in einer schier unglaublichen Geschichte, in deren Mittelpunkt er plötzlich selbst steht…

Diese Geschichte ist keine Weihnachtsgeschichte, wie der Titel suggerieren mag, sondern eine Erzählung über die Kinder der Erde, deren Teil Santa ist. Ihre Welt ist in Gefahr, und es liegt an dem jungen Erzähler, seine Rolle zu finden und anzunehmen. Viele Mythen sind in dieses Buch hineingearbeitet, die der Autor Jay Kay mit viel Liebe zum Detail weiter gesponnen hat. Mit dem Ich-Erzähler erlebt der Leser seine Suche nach sich selbst, nach all dem, was nun plötzlich wichtig für ihn wird und von dem er bisher keine Ahnung hatte. Das wird manchmal ein bisschen verwirrend, doch insgesamt werden die einzelnen Handlungsfäden zum Schluss gekonnt zusammengeführt. Der Schreibstil ist teilweise nicht ganz einfach zu lesen, und dennoch passt er genau zu dieser märchenhaften Geschichte voller Figuren aus dem Fantasy-Bereich.

Dieses Buch gehört dem Genre des Magischen Realismus an, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie vermischt werden. Mit „Ich, Santa“ ist eine Geschichte entstanden, die Teil eines größeren Ganzen um die Kinder der Erde ist. Wer sich auf den Schreibstil des Autors einlassen kann, wird eine Geschichte für sich finden, die eine ganz besondere Welt eröffnet.