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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.09.2018

Gut ausgeklügelter Plot

Mörderisches Schweigen
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Toni Eichborn kehrt nach Hause zurück, da ihr Bruder Richard schwer krank ist. Ihr Traum von einer Schauspielkarriere in den Staaten ist geplatzt, sie ist pleite und arbeitslos. Ihr Bruder liegt im Koma, ...

Toni Eichborn kehrt nach Hause zurück, da ihr Bruder Richard schwer krank ist. Ihr Traum von einer Schauspielkarriere in den Staaten ist geplatzt, sie ist pleite und arbeitslos. Ihr Bruder liegt im Koma, sie bekommt keinen Kontakt zu ihm. Immer mehr hat sie das Gefühl, dass da was nicht stimmt. Als sie ihren Ex-Freund zufällig trifft, kann sie bei ihm als Kellnerin arbeiten. Doch was ist nur mit Richard los, warum gibt es bei ihm überhaupt keine Besserung?

Die kurzen Kapitel des Buches scheinen die Geschichte genauso weiterzutreiben wie auch die vielen kleinen Ereignisse, die sehr schnell Gefahr suggerieren sowohl für Toni wie auch für Richard. Toni selbst verwickelt sich so sehr in Lügengespinste, weil sie nicht zugeben möchte, dass sie gescheitert ist. Dadurch erscheint sie nicht wirklich sympathisch, und obwohl es schnell klar wird, dass sie in größter Gefahr ist, brauchte ich eine Weile, bis ich wirklich mit ihr mitleiden konnte. Doch wie ein Spinnennetz legt sich die Gefahr immer mehr um Toni herum, dabei zieht einen die Geschichte sehr schnell in ihren Sog hinein. Die Auflösung war für mich äußerst überraschend, im Nachhinein aber baut sich alles logisch aufeinander auf. Das Ende bringt alles zu einem guten Abschluss, der bestens zur Geschichte passt.

Ein interessant gesponnener Krimi, mit einem gut ausgeklügelten Plot, das hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn Toni anfangs nicht wirklich sympathisch erschien, habe ich gerne mitgerätselt, was hinter diesen Umständen steckt. Und obwohl manches recht schnell klar wurde, hat mich die Auflösung doch noch überraschen können. Das hat mir einige spannende Lesestunden beschert. Dafür möchte ich dem Buch vier von fünf Sternen geben und empfehle es gerne weiter.

Veröffentlicht am 08.09.2018

Anekdoten über Helikopter-Eltern

Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen!
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Helikopter-Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder. Damit gehen sie ihrer Umwelt sehr auf die Nerven, denn sie setzen ihren Kindern kaum Grenzen. Dafür erwarten sie von Erziehern, Lehrern, Ärzten, ...

Helikopter-Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder. Damit gehen sie ihrer Umwelt sehr auf die Nerven, denn sie setzen ihren Kindern kaum Grenzen. Dafür erwarten sie von Erziehern, Lehrern, Ärzten, überhaupt jedem soviel Entgegenkommen wie nur möglich, oft sogar auf unzumutbare Art und Weise. Sie wirken oft übergriffig. Die Kinder stattdessen lernen nicht, mit Frustrationen umzugehen.

Wieder einmal haben die Autorinnen Lena Greiner und Carola Padtberg-Kruse Anekdoten zusammengesammelt, diesmal über kleinere und größere Vorkommnisse mit Helikopter-Eltern. Das sorgt für sehr viel Gelächter, doch manchmal sind die Ereignisse so krass, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Wenn Eltern andere Menschen gefährden, sollten sie doch eigentlich ihren gesunden Menschenverstand einschalten – sehr oft gelingt ihnen das nicht. Da kann man nur hoffen, dass man nicht selbst in Not gerät, wenn Helikopter-Eltern ihre Umwelt in Beschlag nehmen.

Diese amüsante Sammlung empfiehlt sich allen Eltern, die sich manchmal überfordert fühlen und dadurch drohen, zu Helikopter-Eltern zu mutieren. Aber auch alle, die sich über diese Eltern ärgern, dürfen gern mal über all diese skurrilen Vorkommnisse schmunzeln.

Veröffentlicht am 07.09.2018

Eine Berliner Familie zwischen den Weltkriegen

Das Jahrhundertversprechen (Jahrhundertsturm-Serie 3)
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Berlin 1921: Die Familie von Briest tut sich finanziell immer noch schwer nach dem Ersten Weltkrieg, wie so viele andere Menschen in Deutschland überhaupt. Als Detektive erhalten sie so gut wie keine Aufträge, ...

Berlin 1921: Die Familie von Briest tut sich finanziell immer noch schwer nach dem Ersten Weltkrieg, wie so viele andere Menschen in Deutschland überhaupt. Als Detektive erhalten sie so gut wie keine Aufträge, denn ihr Klientel kann sie nicht bezahlen. Das bedeutet aber, dass Otto von Briest immer wieder überlegen muss, ob er das Gut noch halten kann oder ob er es verkaufen muss. Währenddessen ist Tochter Luisa begeistert von der Idee einer Karriere als Filmstar. Sie ist verliebt in den Ziehsohn der Familie, Max, ein Berliner Gassenjunge, der begeisterter Automechaniker und Rennfahrer ist.

Autor Richard Dübell hat mit diesem Band den dritten Teil der Trilogie um die Familie von Briest geschrieben. Sehr anschaulich wird das Leben der Familie in de Zeit zwischen den Weltkriegen geschildert, die Ängste um die Zukunft, die Geschehnisse um die Judenverfolgungen, die politischen Verwicklungen dieser Zeit. Leider gerät manches dabei auch recht langatmig, und so mancher Handlungsstrang scheint mir nicht mehr ganz realistisch, sondern viel zu sehr vom Zufall gesteuert. Dennoch ergibt sich ein ziemlich gutes Abbild der damaligen Zeit, wie schon bei seinen bisherigen historischen Romanen merkt man dem Autor an, dass er gut recherchiert hat. Die historischen Fakten und die fiktiven Geschehnisse sind sehr gut miteinander verwoben.

Das Buch ist ein interessanter Abschluss der Trilogie, ist jedoch so in sich abgeschlossen, dass man es auch ohne die Kenntnis der Vorgänger lesen kann. Trotz der leisen Kritikpunkte meinerseits möchte ich das Buch gerne weiter empfehlen und vergebe vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 04.09.2018

Berührende und authentische Südstaatengeschichte

Alligatoren
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Das Schicksal dreier Frauen verbindet sich in den 1920er Jahren in den Südstaaten: Gertrude, die in größter Armut lebt und zusehen muss, wie ihre vier Töchter Hunger leiden, während ihr Mann das bisschen ...

Das Schicksal dreier Frauen verbindet sich in den 1920er Jahren in den Südstaaten: Gertrude, die in größter Armut lebt und zusehen muss, wie ihre vier Töchter Hunger leiden, während ihr Mann das bisschen Geld versäuft und Gertrude verprügelt; Annie, die Plantagenbesitzerin, die mit einem der Söhne eine Näherei unterhält, während ihr Mann sich nach einer verheerenden Baumwollkäferplage auf Tabak spezialisierte; und Oretta, Annies schwarze Haushälterin, die vieles aus dem Haushalt der Coles sehr genau kennt. In ihrer Not lässt Gertrude ihre jüngste kranke Tochter für einige Tage bei Oretta. Jede der Frauen möchte ihre Familie nicht nur über die Runden bringen, sondern auch das Beste für ihre Lieben herausholen.

Es scheint, als würden Welten die Frauen trennen, und so beginnt eine Geschichte, die es schafft, die drei Frauen in größter Not zusammenzubringen. Der Roman ist abwechselnd aus der Sicht der drei Frauen geschrieben, so dass die Protagonistinnen sehr authentisch wirken. Der historische Hintergrund ist der Familiengeschichte der Autorin selbst angelehnt, und so entsteht eine fiktive Geschichte auf dem Hintergrund echter Ereignisse. Starke Frauen sind diese drei Mütter, so stark wie die Alligatorenweibchen in den Sümpfen.

Dieses Buch hat mich sehr berührt, ich möchte es unbedingt weiter empfehlen.

Veröffentlicht am 03.09.2018

Warmherzige Geschichte über das Leben schlechthin

Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren
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Suzy ist zwölf Jahre alt, und sie hat beschlossen, nichts mehr zu sprechen, wenn es nicht wirklich Wichtiges zu sagen gibt. Das tut sie seit dem Tod ihrer Freundin Franny, die vor einigen Wochen im Urlaub ...

Suzy ist zwölf Jahre alt, und sie hat beschlossen, nichts mehr zu sprechen, wenn es nicht wirklich Wichtiges zu sagen gibt. Das tut sie seit dem Tod ihrer Freundin Franny, die vor einigen Wochen im Urlaub ertrunken ist. Suzy hat mehr und mehr das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Sie sucht nach einem Grund, warum Franny ertrunken sein könnte, denn diese konnte doch so gut schwimmen. Vielleicht lag es an einem Quallenbiss, überlegt Suzy. Und während sie alle nur möglichen Informationen über Quallen zusammensucht, kommen ihr die Erinnerung an Franny, die ihr jahrelang die beste Freundin war, doch dann zum Schuljahresende hin zerbrach diese Freundschaft.

Der Autorin Ali Benjamin gelingt es wunderbar, sich in die Lebenswelt einer Zwölfjährigen hineinzudenken und den Leser ihre Geschichte miterleben lassen. Damit ist die Erzählung sehr nah an der eigentlichen Zielgruppe, man kann Suzys Gedanken gut nachvollziehen. Die eher kurzen Kapitel sind flüssig zu lesen, die Erinnerungen an Franny sind kursiv geschrieben und richten sich an die Freundin selbst, so dass der Leser gut durch die Geschichte geführt wird. Und obwohl das Buch von Anfang bis Ende Trauer atmet, ist eine Veränderung zu bemerken: So, wie Suzy beginnt, ihre Trauer anzunehmen als Teil des Lebens, so wird auch die Erzählung wieder langsam zuversichtlicher. Und am Ende des Buches hat Suzy eine gewaltige Erkenntnis für sich mitgenommen, über „Dinge, die einfach passieren“. Und ist damit ein gewaltiges Stück daran gewachsen. Dadurch wirkt das Buch auch ganz leicht philosophisch angehaucht.

Das Buch ist sehr schön aufgemacht, die Quallen, die Suzys Gedanken in Beschlag nehmen, begleiten durch die gesamte Erzählung, nicht nur auf dem Coverbild, sondern auch zu Beginn eines jeden Kapitels. Suzys Gedankenwelt wir dadurch gut gespiegelt.

Dieses warmherzige Buch empfehle ich sehr gerne weiter, nicht nur für Jugendliche, und vergebe auch sehr überzeugte fünf Sterne.