Platzhalter für Profilbild

Gisel

Lesejury Star
offline

Gisel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gisel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2018

Viel Nervenkitzel mit einem Schuss Übersinnlichen

Blind Walk
0

Die 17jährige Lida bricht mit ihrem Freund Jesper zu einem Abenteuer auf: Zusammen mit fünf anderen Jugendlichen werden sie an einem unbekannten Ort in einem Wald ausgesetzt und sollen aus dieser Situation ...

Die 17jährige Lida bricht mit ihrem Freund Jesper zu einem Abenteuer auf: Zusammen mit fünf anderen Jugendlichen werden sie an einem unbekannten Ort in einem Wald ausgesetzt und sollen aus dieser Situation herausfinden. Nicht nur die Zusammensetzung der Gruppe macht den Jugendlichen zu schaffen. Lida findet heraus, dass ihr Freund die Nähe gar nicht wünscht. Zudem scheint ein Fremder Jagd auf die Jugendlichen zu machen. Währenddessen liegt Sten nach einem Autounfall im Krankenhaus im Koma. Sein Geist macht sich auf die Suche, obwohl er noch gar nicht genau weiß wonach eigentlich.

Vieles strömt auf die Gruppe der Jugendlichen ein, die einfach nur ein Abenteuer erleben wollen. Doch es wird gefährlich werden, das ahnen sie noch nicht. Der Leser wird schnell hineingezogen in diesen Sog aus Gruppendynamik und Lebensgefahr. Sehr lange bleibt unklar, was die beiden Handlungsstränge um Lida bzw. Sten miteinander zu tun haben, was die Spannung weiter steigert. Nach und nach entwickelt sich ein Mystery-Thriller mit Fantasy-Aspekten, der durch die Perspektive der Protagonisten vorrangig auf jugendliche Leserschaft zielt, jedoch auch als All-Age-Mystery durchgehen kann. Die Auflösung ist äußerst überraschend, wenn auch manchmal vielleicht etwas zu sehr dem Zufall überlassen. Das Buch ist insgesamt sehr flüssig geschrieben, dass man es kaum aus der Hand legen mag.

Die Geschichte vereinigt viel Nervenkitzel mit einem Schuss Übersinnlichen und macht daraus einen spannenden Mystery-Thriller, den ich gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 27.07.2018

Dramatisch und emotionsgeladen

Sturmherz
0

Alexa Petri hat schon seit Jahren ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter. Nun wird sie nach Hamburg gerufen, nachdem ihre Mutter einen Herzinfarkt hatte und im Koma liegt. Während sie sich überlegt, ...

Alexa Petri hat schon seit Jahren ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter. Nun wird sie nach Hamburg gerufen, nachdem ihre Mutter einen Herzinfarkt hatte und im Koma liegt. Während sie sich überlegt, deren Betreuung zu übernehmen, lernt sie ihre unnahbare Mutter von einer anderen Seite kennen: Sie erfährt die Geschichte der unglücklichen Liebe ihres Lebens und wie sehr diese ihre Mutter verändert hat. Das bringt auch sie zum Nachdenken, sie kann ihrer Mutter nun anders begegnen.

Mit viel Dramatik und sehr emotionsgeladen erzählt Corina Bomann die Geschichte der Liebe, wie sie sich während der großen Sturmflut 1962 in Hamburg hätte ereignen können. Wie in ihren bisherigen Romanen verbindet die Autorin ein großes geschichtliches Ereignis mit einer romantischen Liebesgeschichte. Die hervorragenden Recherchen zu der Sturmflut und der Katastrophe, die sie hervorgebracht hat, schimmern durch die Erzählung hindurch, der Leser kann sich in das damalige Geschehen sehr gut hineinfühlen.

Wer sich nicht daran stört, dass die Geschichten der Autorin ein einheitliches Grundgerüst verfolgen (und damit recht vorhersehbar werden), wird mit einer äußerst dramatischen Liebesgeschichte belohnt werden, die der Realität gut nachempfunden ist. Ich vergebe vier von fünf Sternen für ein spannendes Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 27.07.2018

Neuanfang für Juliette

Das Mädchen, das in der Metro las
0

Juliette liebt Bücher. Jeden Morgen hat sie eines dabei, wenn sie mit der Metro ins Büro fährt. Mindestens genauso gern liebt sie es aber, die Mitreisenden jeden Tag zu beobachten. Eines Tages jedoch steigt ...

Juliette liebt Bücher. Jeden Morgen hat sie eines dabei, wenn sie mit der Metro ins Büro fährt. Mindestens genauso gern liebt sie es aber, die Mitreisenden jeden Tag zu beobachten. Eines Tages jedoch steigt sie zwei Stationen früher aus und begegnet Soliman, der mit seiner Tochter zusammen inmitten von Büchern lebt. Er schickt jeden Tag Boten aus, um Bücher an Menschen zu verteilen: Er glaubt, dass jedes Buch die Macht hat, den Menschen zu verändern, wenn es an den Richtigen verteilt wird. Bald ist auch Juliette mittendrin in der Faszination dieser Bücher, wird zunächst selbst zur Botin, dann soll sie Soliman vertreten, der einige Tage verhindert ist.

Gemächlich breitet sich diese Geschichte vor dem Leser aus. Es ist eine Erzählung über Bücherliebhaber, für Bücherliebhaber geschrieben. Juliette ist nicht glücklich in ihrem Leben als Immobilienmaklerin, sie wagt einen völligen Neuanfang und geht ganz darin auf. So gesehen macht das Büchlein Mut, sich selbst zu finden und seinen Sinn im Leben.

Doch fehlte mir in der Erzählung die Spannung, zu langsam plätschert die Geschichte voran, und irgendwann war mir die sehr poetische Sprache zu wenig für ein Buch, in dem so wenig vorangeht. Insgesamt hat mich das Buch nicht begeistern können, ich vergebe 3 von 5 Sternen. Es wird wohl Leser geben, die sich eher in dieser Geschichte wiederfinden als ich.

Veröffentlicht am 26.07.2018

Eine Frau zwischen Pflicht und Liebe

Die Frauen vom Löwenhof - Agnetas Erbe (Die Löwenhof-Saga 1)
0

Agneta hat sich ihr Leben als Studentin der Malerei gut eingerichtet in Stockholm, entgegen der Erwartungen ihrer Eltern auf Gut Löwenhof, denen sie zu feministisch geworden ist. Doch als ihr Vater und ...

Agneta hat sich ihr Leben als Studentin der Malerei gut eingerichtet in Stockholm, entgegen der Erwartungen ihrer Eltern auf Gut Löwenhof, denen sie zu feministisch geworden ist. Doch als ihr Vater und ihr Bruder bei einem Brand getötet werden, tritt sie ihr Erbe als Gutsherrin vom Löwenhof an. Zunächst geht es darum, das Gestüt weiterhin am Laufen zu halten. Während ihre Mutter sie immer wieder zur Heirat drängt, hofft sie auf die große Liebe ihres Lebens. Muss sie sich zwischen Liebe und Pflicht entscheiden, wird es für sie keine Möglichkeit geben, beides zu vereinen?

Mit der auf drei Bände angelegten Trilogie um die starken Frauen vom Löwenhof hat Autorin Corina Bomann eine große Geschichte begonnen um ein südschwedisches Landgut und die Geschichte der Familie Lejongård. Die Erzählung um Agneta handelt in den Jahren vor und während dem Ersten Weltkrieg. Die Suffragetten behaupten sich in Stockholm, doch auf dem Land sind es nach wie vor die Männer, die die Richtung vorgeben. Agneta ist stark, sie wächst mit der Aufgabe, die sie doch gar nicht übernehmen wollte, und es gelingt ihr, den guten Ruf des Löwenhofs zu erhalten. Wortgewaltig und mit viel Dramatik erlebt der Leser die Suche nach Agnetas Glück. Der flüssige Schreibstil lässt die gut 700 Seiten des Buches schnell dahinschmelzen beim Lesen. Spannend und authentisch wirkt es, wenn die Autorin das Leben im damaligen Schweden beschreibt.

Wieder einmal ist Corina Bomann eine Geschichte um das Leben einer Frau gelungen, das sie in einen passenden historischen Hintergrund bettet. Wie so viele ihrer Bücher finde ich den Plot recht vorhersehbar, andererseits aber auch sehr spannend geschrieben. Wer eines ihrer Bücher kennt, weiß, was ihn dabei erwartet: bewährte Qualität in einer gut recherchierten Geschichte. Die historischen Hintergründe sind gut wiedergegeben, die Familie Lejongård ist hervorragend darin eingebettet. Insgesamt also ein spannender Roman mit einer passenden Geschichte, dem ich gerne vier von fünf Sternen geben möchte.

Veröffentlicht am 26.07.2018

Turbulent mit viel derbem Humor

Bülent Rambichler und die fliegende Sau
0

Im fränkischen Strunzheim wird die Fleischereifachverkäuferin Kerstin tot und völlig nackt aufgefunden. Erkan Rambichler ist sich schnell klar, dass hier sein Sohn ermitteln muss, ist er doch schließlich ...

Im fränkischen Strunzheim wird die Fleischereifachverkäuferin Kerstin tot und völlig nackt aufgefunden. Erkan Rambichler ist sich schnell klar, dass hier sein Sohn ermitteln muss, ist er doch schließlich bei der Mordkommission Nürnberg tätig. Dafür setzt er alle Hebel in Bewegung, auch wenn er dafür die Wahrheit etwas krummbiegen muss. Dass der Sohn diese Ermittlung gar nicht möchte, ist völlig nebensächlich, und so fliegt er ein, der Bülent, zusammen mit seiner Assistentin Astrid. Eine Ermittlung wird in Gang gesetzt, wie sie so nur in Strunzheim im Fränkischen stattfinden kann.

Mit viel Augenzwinkern und noch mehr Lokalkolorit hat die Autorin Anja Bogner einen Krimi um diesen Ermittler wider Willen geschrieben. Die Geschichte nimmt sich selbst und auch seine Protagonisten nicht immer ganz ernst. Man kennt sich in Strunzheim, da fährt man auch schon mal seit Jahrzehnten ohne Führerschein (wissen alle im Dorf), spricht voneinander in lieblichen Spitznamen (die Tote ist die „Gelbwurscht-Pflunzn“, der ewig betrunkene Franz der „Suff“). Dazu passen auch die beiden Ermittler, der türkischfränkische Bülent mit dem Spleen um seine Körperpflege und die vegane Assistentin mit den Yoga-Allüren, von denen der eine so gar keinen Ehrgeiz und die andere dafür umso mehr zeigt. Es gibt kein Klischee, das nicht bis zum Anschlag ausgereizt wurde, kein Lacher, der hier verschenkt wurde. Und es geht eigentlich auch gar nicht so sehr um die Tote, sondern um das Biotop Strunzheim mit all seinen urigen Individuen.

Turbulent, chaotisch, mit viel derbem Humor - wer das mag, ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Das Buch benutzt viele lokale Ausdrücke, doch keine Sorge, es gibt eine Übersetzung dazu, so dass sich alle in die Seele dieser fränkischen Gemeinde einlesen können. Mir hat die besondere Geschichte um den türkischfränkischen Ermittler wider Willen und seine clevere Assistentin gut gefallen, ich freue mich bereits auf die Fortsetzung dieser Reihe.