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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.05.2025

bezaubernd

Midnight Circus - Requiem of Dreams
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„Diese Tänzerin durfte nicht hierbleiben. Ich würde dafür sorgen müssen, dass sie freiwillig ging. Ganz gleich, was es kostete, ich würde sie vertreiben.“ (S. 27)

Néeira hat keine Familie und keine Erinnerungen ...

„Diese Tänzerin durfte nicht hierbleiben. Ich würde dafür sorgen müssen, dass sie freiwillig ging. Ganz gleich, was es kostete, ich würde sie vertreiben.“ (S. 27)

Néeira hat keine Familie und keine Erinnerungen an ihre Kindheit, doch das Tanzen begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Als Ballerina an der Wiener Oper, ist es ihr größter Traum, Primaballerina in Paris zu werden. Manchmal verliert sie sich jedoch in der Musik und kann so nicht einmal in der ersten Reihe in Wien tanzen. Doch dann erhält sie eine Chance, die sie nicht verfallen lassen kann: Sie bekommt eine Einladung um im Mitternachtszirkus zu tanzen. Jede Ballerina, die in einem Zirkus getanzt hat, hat bessere Chancen nach Paris zu kommen.
Im Zirkus trifft sie auf Morpheus, der nicht nur ihr mürrischer Tanzpartner sein soll, sondern auch ein Gefühl des Erkennens in ihr hinterlässt.

Morpheus trägt eine Maske über seinem halben Gesicht, denn darunter ist er entstellt. Dazu hat er noch zahlreiche Geheimnisse, die er Néeira auf keinen Fall offenbaren möchte. Nicht nur sein Leben, sondern das aller im Zirkus, steht auf dem Spiel. Deswegen gibt er sich alle Mühe, das Täubchen zu vertreiben. Er rechnet nicht mit Néeiras Durchhaltevermögen, um ihren Traum zu erreichen.

B.E.Pfeiffer schafft es einfach immer wieder, mich mit ihren Büchern zu verzaubern. Selbst ungeliebte Tropen stören mich nicht, denn bei der Autorin ist darauf Verlass, dass sie mich immer wieder überrascht. Kaum bin ich in den Midnight Circus eingetaucht, war die Vorstellung schon wieder zu Ende und es entsteht fast ein körperlicher Schmerz, den zweiten Teil noch nicht zu haben. Die Geschichte von Néeira und Morpheus ist einfach zauberhaft, mystisch, dunkel und absolut fesselnd. Ich möchte den Zirkus sehen und mich verzaubern lassen.

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Veröffentlicht am 26.04.2025

Ich kann das Buch nicht bewerten

Verlorene Städte (Die Lichter unter London 1)
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„Sie verstehen dich zwar nicht, aber besser, du gewöhnst dir Bezeichnungen wie Mann und Frau so schnell wie möglich ab. Gilt auch für sie und er. Nutz lieber dey. […] Solltest du nachvollziehen können. ...

„Sie verstehen dich zwar nicht, aber besser, du gewöhnst dir Bezeichnungen wie Mann und Frau so schnell wie möglich ab. Gilt auch für sie und er. Nutz lieber dey. […] Solltest du nachvollziehen können. Schließlich hast du mich für Mädchen ganz schön angefahren.“ (26%)

„Maeve O’Sullivan, drittes Semester an der wissenschaftlichen Fakultät der Universität Dublin, Schwerpunkt Katakombenforschung“ (4%) betritt zum ersten mal die Katakomben in London bei einer Touristenführung. Ihr Ziel ist es, einen Splitterkristall zu finden und ihren Kommilitonen zu beweisen, dass sie sehr wohl richtig in diesem Studiengang ist. Doch schnell wird ihr nicht nur bewusst, daß ihr Vorhaben fast aussichtslos ist, denn die Katakomben sind sehr tief und in den oberen Schichten komplett erschlossen, sondern auch, daß das eine wirklich dumme Idee ist.

Die Katakomben finde ich extrem spannend, vor allem wegen der Wesen, auf die Maeve dort trifft. Maeve finde ich jedoch ganz und gar nicht spannend. Von Anfang an hat mich irritiert, wie sie auf Ansprachen als „Mädchen“ oder „junge Dame“ reagiert, weil mir ihre Empörung unerklärlich war. Nach ca 30% hat sich meine Vermutung bestätigt, denn Maeve ist non-binär, ihre Pronomen sind aber sie/ ihr. Sie lehnt die Kategorisierung in Mann und Frau ab und möchte als Mensch wahrgenommen werden. Damit passt sie perfekt in die Stadt unter London und zu den Wesen dort.

Doch zu mir passt dieses Buch nicht. Das ist auch der Grund, warum ich es nicht bewerten kann und möchte. Es gibt einfach Dinge, die ich nicht in meinen Büchern haben möchte, Neo-Pronomen und non-binäre Protagonisten gehören ebenso dazu, wie dunkle Romanzen.

Veröffentlicht am 24.04.2025

Empfhelenswerte Anthologie

Aqua obscura
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„Wenn er sich Geschichten über holde Meerjungfrauen ins Gedächtnis rief, musste die Autoren wohl stark kurzsichtig oder arg betrunken gewesen sein, denn das vor ihm war keine zarte Forelle, wie man es ...

„Wenn er sich Geschichten über holde Meerjungfrauen ins Gedächtnis rief, musste die Autoren wohl stark kurzsichtig oder arg betrunken gewesen sein, denn das vor ihm war keine zarte Forelle, wie man es sich vorstellte, sondern ein ausgewachsener Wal, der seine Jugendjahre lange hinter sich gelassen hatte.“ (Baba Olga von Silke Pahl, 21%)

Kurzgeschichtensammlungen zu einem bestimmten Thema sprechen mich immer besonders an, ich habe ein ganzes Regalfach mit Anthologien. Als ich Aqua obscura entdeckte, mußte ich es sofort lesen und habe es nicht bereut. Jede einzelne Geschichte war interessant und bis zum Ende war ich gefesselt. Wasser bietet ein großes Spektrum an Unheimlichkeiten und alle Autoren haben sie wunderbar ausgeschöpft.

Der Einstig „Heimweg“ von Olivia Meyer setzt den Ton für die gesamte Sammlung, denn ein Mädchen wird auf dem Heimweg von zwei Männern verfolgt, doch wer genau die Monster sind, wird erst am Ende klar. Ähnlich ist auch „Mondlichtbaden“ von Maya Malou. Beide Geschichten haben mir sehr gut gefallen.
„Reichelts Garten“ von Sabine Frambach besitzt einen Hauch von Lovecraft-Atmosphäre, was in einer Kurzgeschichtensammlung über Wasser nicht fehlen darf. Genauso wenig wie Meerjungfrauen, auch wenn „Baba Olga“ von Silke Pahl eine ganz besondere Meerjungfrau aufweist.

„Energien“ von Tobias Lagemann war ein guter Einstieg in Kanalarbeiten der besonderen Art, bei denen ich mir auch gut ein ganzes Buch vorstellen kann.

Am besten gefallen hat mir „Salz auf der Haut“ von Jules B. Asches, weil diese Geschichte seltsam ist und ich mir nicht sicher bin, worum es genau ging. Doch die Stimmung war wundervoll.

Aqua obscura ist eine durchwachsene Geschichtensammlung mit Fabelwesen, echten Monstern und manchmal auch ganz normalen Menschen. Jede Geschichte erzeugt ihre ganz eigene Stimmung und oft sind sie einfach zu kurz. Diese Anthologie lohnt sich und ich kann sie sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

ich weiß nicht, warum ich das Buch bekommen habe

Air
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„Das Leben war voller Sorgen, aber auch nicht wirklich.“ (Erster Satz)

Ich habe dieses Buch ohne Absender, Notiz oder Widmung zugeschickt bekommen und weiß nicht warum. Nichts an diesem Buch spricht mich ...

„Das Leben war voller Sorgen, aber auch nicht wirklich.“ (Erster Satz)

Ich habe dieses Buch ohne Absender, Notiz oder Widmung zugeschickt bekommen und weiß nicht warum. Nichts an diesem Buch spricht mich an: dem Cover hätte ich in freier Wildbahn nicht mal einen Blick gegönnt, dementsprechend hätte ich es nicht in die Hand genommen, um den Klappentext zu lesen. Der ist im übrigen ziemlich nichts sagend und ebenso wenig ansprechend.

Anhand meines Blogs sollte leicht ersichtlich sein, welche Literatur ich bevorzuge. Dennoch hat mir irgendjemand dieses Buch geschickt. Also habe ich begonnen Air zu lesen, um den Grund dafür herauszufinden.

Der erste Satz hat die Stimmung für das Buch schon gesetzt, und so ging es fleißig weiter. Der Autor verliert sich in Details und Beschreibungen, die keinen wirklichen Sinn ergeben. Vielleicht wurde er ja nach Wörtern bezahlt.
Es gibt zwei Protagonisten: Paul, ein Inneneinrichter, der zurückgezogen auf den Orkney-Inseln lebt; Ildr, eine alte weise Frau im Körper eines neunjähriges Mädchen mit Muskeln aus Stahl.
Paul lebt anscheinend in der modernen Welt, denn er kommuniziert via Mail und genießt den Luxus von Arbeitsorten auf der ganzen Welt.
Ildr dagegen ist ein neunjähriges Mädchen, deren Mutter vor einem Jahr am Gelben Fieber gestorben ist, und die im Wald mit Pfeil und Bogen Wild jagen geht. Sie „spannte die Sehne zwischen Zeige- und Mittelfinger, hob die rechte Hand zum Auge und wartete.
Stundenlang konnte sie so ausharren, […]“ (S. 22) Niemand kann eine Sehne stundenlang gespannt halten, am allerwenigsten ein kleines Mädchen. Aber vielleicht nehme ich das auch zu genau.
Während Paul also Brot kauft und sich auf den Weg nach Norwegen zu einem lukrativen Job macht, trifft Ildr einen Mann, mit ihrem Pfeil, und anstatt in Panik zu verfallen, baut sie eine Trage und zieht ihn durch den Wald in ihr Haus. Dort versorgt sie ihn, wie eine weise Heilerin, und trägt ihn mehr, als das er selber läuft, wie ein starker Mann. Was ist das für ein Mädchen?

Nach 70 Seiten habe ich aufgegeben. Immerhin 30%! Der Schreibstil ist sehr bildhaft, fast schon ausufernd in den Beschreibungen, und so nichts sagend. Die Gespräche zwischen Ildr und dem Mann erfolgen in Stichpunkten, statt in wörtlicher Rede. Es gibt Gedankensprünge und Themenwechsel, die so abrupt sind, daß ich zwei mal nachlesen mußte, ob ich einen Satz übersprungen habe. Der Grund, mir dieses Buch zu schicken, erschließt sich mir nicht. Ich bin irritiert. Vom Inhalt des Buches und den Umständen, wie es mich erreicht hat. Danke für nichts!

Veröffentlicht am 16.04.2025

hätte/ könnte besser sein

Die Skaland-Saga, Band 1 - A Fate Inked in Blood
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Immer wieder lasse ich mich mitreißen von Büchern, die nordische Mythologie beinhalten, oder sogar, wie in diesem Fall, eine Schildmaid. Jedes Mal freue ich mich auf eine fesselnde Geschichte, die mich ...

Immer wieder lasse ich mich mitreißen von Büchern, die nordische Mythologie beinhalten, oder sogar, wie in diesem Fall, eine Schildmaid. Jedes Mal freue ich mich auf eine fesselnde Geschichte, die mich gut unterhält, die die nordischen Götter in aller ihrer grausamen Wunderbarkeit darstellt und mich mitzieht. Und viel zu häufig werde ich von den weiblichen Protagonistinnen enttäuscht. Dabei hatte ich für Freya so große Hoffnungen, denn A Fate inked in Blood fing richtig gut an.

Freya hat ein Geheimnis, doch weiß sie gar nicht so richtig, warum sie es niemandem erzählen soll. Stattdessen quält sie sich als Fischweib in einer lieblosen Ehe und tut alles, damit es allen anderen, die ihr am Herzen liegen, gut geht. Doch tief in ihr drin hegt sie den Wunsch, mit ihrem Bruder auf Beutzug zu gehen und Ruhm und Ehre zu erlangen. Stattdessen nimmt sie Fisch aus und verkauft ihn.
Nach einem Streit mit ihrem Mann Vargi, der einen Tropfen Blut des Meeresgottes in sich trägt und daher Fische befehligen kann, findet Freya sich zwischen unzähligen sterbenden Fischen am Strand und versucht verzweifelt, diese wieder ins Meer zu werfen. Dabei wirft sie einem Fremden einen Fisch genau ins Gesicht und es folgt ein amüsanter Schlagabtausch.

Dieser Schlagabtausch hat mich schon große Hoffnungen in das Buch setzen lassen, denn Freya hat es nicht nur satt, von allen nur benutzt zu werden, sondern auch eine freche Zunge. Und als der Kampfgeist in ihr geweckt wird, gibt es kein Halten mehr. Oder zumindest dachte ich es, denn ab da ging es eigentlich nur noch bergab. Sie wird verraten, wird die Frau des Fürsten und der Spielball der Menschen um sie herum. Obwohl sie es satt hat, immer nur benutzt zu werden, findet sie nicht den Mut, einfach etwas für sich zu entscheiden. Wenn sie nicht an das Wohl ihrer Familie denkt, die nicht besonders dankbar für Freyas Opfer sind, dann an das Wohl ihres Clans. Während der Fürstensohn sein Bestes tut und möchte, dass Freya ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, tritt sie seine Hingabe mit Füßen. Es ist zum Verrückt werden und nicht nachvollziehbar.
Und das schlimmste an dem Ganzen, was mich bei vielen Büchern in letzter Zeit stört, das nicht-zuhören. Freya wird etwas großes offenbart und sie hört nur die Hälfte. Sie ist so gefangen in ihren widersprüchlichen Gefühlen und dem zwanghaften Schutz von Menschen, denen sie egal ist, dass sie das offensichtliche übersieht.

So viel Hoffnung ich für dieses Buch hatte, so groß ist mein Unwille, es weiter zu lesen. Freya hat sich so in ihren Gefühlen verloren, dass sie am Ende keinen klaren Gedanken fassen konnte. Dieses ewige Hin und Her hat mich einfach lustlos zurück gelassen und ich war froh, als es endlich vorbei war. Dabei sind der Fürstensohn und sie ganz spannende Charaktere (gewesen).

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