Profilbild von Hanne2

Hanne2

Lesejury Profi
offline

Hanne2 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Hanne2 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.11.2025

Witzig und direkt aus dem Leben gegriffen

Gregs Tagebuch 20 - Bock auf Party?
2


Tatsächlich kannten wir die Reihe "Gregs Tagebuch" bereits durch unsere große Tochter (12), die die Reihe verschlungen hat. Für unseren Sohn war Teil 20 das erste Buch aus der Reihe, und es funktionierte ...


Tatsächlich kannten wir die Reihe "Gregs Tagebuch" bereits durch unsere große Tochter (12), die die Reihe verschlungen hat. Für unseren Sohn war Teil 20 das erste Buch aus der Reihe, und es funktionierte wunderbar – man kann das Buch problemlos lesen, auch ohne die vorherigen Teile zu kennen. Diesmal dreht sich thematisch alles um Gregs Geburtstagsparty. Die Dialoge und Gedanken sind direkt aus dem Leben gegriffen und schwanken zwischen skurril und witzig.

Auch wenn unser Sohn bisher Comics sehr gerne gelesen hat, waren Bücher mit "richtig viel Text" bisher nicht seins. Umso überraschter waren wir, als er sich mit dem Buch aufs Sofa zurückzog und wirklich lange und sehr vertieft darin verschwand. Hin und wieder haben wir ein leichtes Kichern gehört oder uns wurden besonders lustige Stellen vorgelesen.

Die Mischung aus Text und Comicelementen ist sehr abwechslungsreich und einladend. Der Stil ist witzig und trifft die Alltagskomik der Altersgruppe sehr gut. Viele Momente und Floskeln aus dem eigenen Leben konnten wir wiederentdecken.

Alles in allem ist es ein sehr unterhaltsames Buch und eignet sich perfekt für Leseanfänger, die im Übergang stehen zwischen sehr leichter Erstleselektüre und umfangreicherer Textmenge. Aber auch ältere Kinder werden an dem Humor ihre Freude haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Humor
Veröffentlicht am 07.11.2025

Trotz seiner nüchternen Sprache bewegender Roman

Schwebende Lasten
0

An den Roman musste ich im Anschluss immer wieder denken, so hat er bei mir doch viele Bilder im Kopf hinterlassen - Magdeburg im 2.Weltkrieg, die erste Waschmaschine zu DDR-Zeiten, die Arbeit im Kran, ...

An den Roman musste ich im Anschluss immer wieder denken, so hat er bei mir doch viele Bilder im Kopf hinterlassen - Magdeburg im 2.Weltkrieg, die erste Waschmaschine zu DDR-Zeiten, die Arbeit im Kran, die umstrukturierte Plattenbausiedlung nach der Wende. Als Leser begleitet man Hanna, eine Blumenverkäuferin aus Magdeburg, durch das 20.Jahrhundert. Der zeitliche Bogen spannt sich beginnend in den 20er Jahren bis nach der Wende.
Es ist unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit Annette Gröscher die geschichtlichen Fakten zusammengetragen hat. Dabei ist der Roman nie trockener Geschichtsstoff, sondern lebendig und bisweilen auch erschütternd und intensiv. Zu der Hauptfigur bleibt eine gewisse Distanz. Vielleicht weil Pragmatismus und Nüchternheit wichtig für das Überleben und den Aufrechterhalt der "kleinbürgerlichen Wohlanständigkeit" (S.135) waren und wenig Raum für eine tiefe emotionale Innenschau zulässt. Vielmehr hatte ich beim Lesen das Gefühl, mit Hannas Augen durch die deutsche Geschichte zu reisen und das was ich "sah" hat mich manchmal schmunzeln lassen, mich manchmal aber auch sehr bewegt und mich gleichzeitig fast etwas demütig werden lassen, wenn ich lese, was diese Frauen erlebt und geleistet haben. Der Roman hat seine nachdenklichen ("Im Kapitalismus stirbt die Individualität, weil alle individuell sein wollen." (S.217)), aber auch seine leisen, poetischen Alltagsmomente.
Trotz seiner teilweise nüchternen Darstellung konnte mich das Buch sehr begeistern. Ein wunderbarer Roman über Widerstandskraft und innere Stärke, der sich zu lesen lohnt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.11.2025

Bleibt etwas an der Oberfläche

Einfach Weike - Nicht perfekt, aber genau richtig
0

"Einfach Weike" ist ein Kinderbuch für 10–12-Jährige und wurde von unserer 12jährigen Tochter gelesen, daher gibt die Rezension vor allem ihre Meinung wider.
Weike zieht eher unfreiwillig aus der Großstadt ...

"Einfach Weike" ist ein Kinderbuch für 10–12-Jährige und wurde von unserer 12jährigen Tochter gelesen, daher gibt die Rezension vor allem ihre Meinung wider.
Weike zieht eher unfreiwillig aus der Großstadt auf's Land, wo sie erst ihren Platz mit Freunden und Zugehörigkeit finden muss. Jedes Kapitel wird mit einer passenden Illustration eingeleitet, die die Handlung widerspiegeln. Inhaltlich streift das Buch viele Themen, die eigentlich viele Kinder kennen und wiedererkennen wie Freundschaft, authentisch sein, Selbstfindung, Mut. Das könnte durchaus unterhaltsam sein, erweckt hier jedoch irgendwie einen oberflächlichen Eindruck. Immer wieder gibt es originelle Szenen mit einem charmanten Humor. Allerdings bleiben die Charaktere – inklusive Weike – blass und schemenhaft.
Für Kinder in Umbruchphasen oder mit Fragen zum Dazugehören kann "Einfach Weike" durchaus inspirierend sein. Unsere Tochter konnte das Buch jedoch nicht wirklich packen. Alles in allem ein nettes Kinderbuch, das man aber vielleicht nicht unbedingt gelesen haben muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.11.2025

Über die kleinen Glücksmomente im Leben

6 aus 49
0

Zugegeben, das Cover hat leider dazu geführt, dass ich das Buch anfangs völlig übersehen hab. Sah es für mich irgendwie nach IKEA, Fußball und Glücksspiel aus. Erst durch die positiven Leserstimmen bin ...

Zugegeben, das Cover hat leider dazu geführt, dass ich das Buch anfangs völlig übersehen hab. Sah es für mich irgendwie nach IKEA, Fußball und Glücksspiel aus. Erst durch die positiven Leserstimmen bin ich doch neugierig geworden.
Vordergründig erzählt Jaqueline Kornmüller vom Leben ihrer Großmutter Lina, die aus einfachsten Verhältnissen stammte und mit viel Fleiß und Lebenstüchtigkeit ein Hotel in Garmisch-Partenkirchen führte. Daneben besaß sie eine große Gabe - das Glück zu sehen und beim Schopfe zu packen. Es hat etwas Berührende, mit wieviel Wärme und Respekt diese Großmutter beschrieben wird.
"In meinem Leben war Lina sicherlich mein persönlicher Sechser im Lotto. Vor allem, weil sie etwas Liebevolles, etwas Konstanten und zugleich etwas Irrlichterndes hatte. Das Irrlichternde war kostbar, weil sie dadurch den Raum zur Verfügung hatte, den andere in sich verschlossen hatten."(S.114)
Doch "6 aus 49" ist mehr als eine reine Familienchronik. In der Metabene behandelt Kornmüller auf eine leise Weise auch den Umgang der Deutschen mit ihrer eigenen Vergangenheit und braunen Historie.
Die verwendeten Ausdrücke haben manchmal etwas Verspieltes und Leichtes. Wenn Beziehungen kompliziert bzw. komplexer sind, schafft die Autorin durch Benennungen wie "Tochter von Lina" (für ihre Mutter) oder "Bindestrich" (für Garmisch-Partenkirchen) eine eigenwillige, fast schon poetische Distanz.
Für mich war es ein Buch mit feinen Zwischentönen, das etwas Helles und Lebensbejahendes hat. Ich empfehle das Buch gerne allen weiter, die Geschichten über Familie und die kleinen Glücksmomente im Leben mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2025

Eine literarische Annäherung an das Trauma

Die Ausweichschule
0


Der Autor nähert sich in seinem Roman "Die Ausweichschule" einem Teil seiner eigenen Biografie an - das Erfurter Attentat, welches er als 5.Klässler selber miterlebte. Dabei wechselt er zwischen
Schulerinnerungen, ...


Der Autor nähert sich in seinem Roman "Die Ausweichschule" einem Teil seiner eigenen Biografie an - das Erfurter Attentat, welches er als 5.Klässler selber miterlebte. Dabei wechselt er zwischen
Schulerinnerungen, Schreibprozessreflexionen und Fremdstimmen (ehemaliger Mitschüler, damals behandelnde Therapeutin, Dramaturg).
Schmunzeln musste ich über den Einstieg, in dem sich der Autor mit einem Lektor unterhält, der ihm rät, doch mehr wie Joachim Meyerhoff zu schreiben. Ok, ganz wie Meyerhoff klingt der Roman dann nicht... Immer wieder geht es um die Metaebene - warum schreibt man über Gewalt? Warum braucht es gerade vom Autor eine solche Auseinandersetzung? Und trotz einem gewissen Hang zum Intellektualisieren und einer fast Hyperselbstreflexion liest man zwischen den Zeilen die Spuren heraus, die dieses für die Stadt Erfurt traumatische Ereignis beim Autor hinterlassen hat. Wenngleich er immer wieder betont, ja eigentlich nichts gesehen zu haben, erfährt man
viel über die anschließende (Nicht-)Verarbeitung.
Als Leser muss man vielleicht eine gewisse Freude für das stete Wechseln von Perspektiven und bisweilen Artifizielle haben. Dennoch habe ich den Roman gerne gelesen - tolle Sprachbilder, kluge Gedanken, interessante Perspektiven. Ich hab hier das Schreiben des Autors vielleicht sogar als eine Art Sich-Freischreibens erlebt und ihn gerne dabei begleitet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere