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Veröffentlicht am 03.08.2025

Ein Leben in Einsamkeit

Deckname: Bird
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Heather Berriman, Mittfünfzigerin, Deckname Bird, arbeitet seit vielen Jahren, wie auch schon ihr verstorbener Vater, für den britischen Geheimdienst. Nie hat sie sich etwas zu Schulden kommen lassen. ...

Heather Berriman, Mittfünfzigerin, Deckname Bird, arbeitet seit vielen Jahren, wie auch schon ihr verstorbener Vater, für den britischen Geheimdienst. Nie hat sie sich etwas zu Schulden kommen lassen. Bis zu dem Tag, an dem auf ihrem Konto der größerer Geldbetrag eines unbekannten Absenders eingegangen ist. Geld, das sie damals wegen einer finanziellen Klemme gut gebrauchen konnte. Aber jetzt scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, an dem es ihr diese Verfehlung um die Ohren fliegt.

Ihr Vorgesetzter ruft die Abteilung zusammen und informiert diese während eines darüber, dass gegen einen seiner Mitarbeiter/innen ein begründeter Verdacht wegen Bestechlichkeit besteht. Heather weiß, dass sie gemeint ist und verschwindet ohne Erklärung aus dem Besprechungszimmer. Ein Szenario, mit dem sie gerechnet hat und auf das sie vorbereitet ist. Sie schnappt sich ihre gepackte Notfalltasche und flüchtet aus dem Gebäude Richtung Bahnhof.

Damit beginnt für sie ein Versteckspiel, bei dem sie ihren Verfolgern immer einen Schritt voraus ist, hat sie ihre Fluchtroute doch schon seit langer Zeit geplant und die einzelnen Stationen im Kopf. Zuerst Richtung Schottland, dann auf die vorgelagerten Inseln im Westen, anschließend mit der Fähre nach Norwegen und schließlich zu dem Endpunkt auf Island. Immer auf dem Sprung, in ständiger Alarmbereitschaft, hochkonzentriert, bereit zum Aufbruch, alles hinter sich zu lassen.

Doughty bleibt immer nahe an ihrer Protagonistin, lässt uns durch deren Augen auf Gegenwart und Vergangenheit blicken. In einer ausführlichen Retrospektive erfahren wir viel über das, was Heathers Leben bis zu diesem Zeitpunkt ausgemacht hat. Die Ausbildung beim Militär, die Anwerbung beim Service, das Leben, in dem Verschwiegenheit an erster Stelle steht und kaum Platz für Freundschaften ist. Ein Leben, geprägt von Misstrauen und Einsamkeit, in dem für Gefühle kaum Platz und Überleben alles ist.

Leise im Ton, eindringlich in den Beschreibungen, ohne Action und Effekthascherei à la James Bond ein Ende, das von Beginn an offensichtlich ist oder vermutet werden kann. Und ob der Verlag diesem fein gezeichneten psychologischen Porträt mit der Etikettierung als Thriller einen Gefallen getan und damit Erwartungen geweckt hat, die nicht eingelöst werden können, sei dahin gestellt.

Veröffentlicht am 02.08.2025

Bestandsaufnahme

Die Unbehausten
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Zwei Zeitebenen, zwei Familien, zwei Handlungsstränge mit 145 Jahren Abstand, und dennoch zwei Gemeinsamkeiten.

Die eine schafft der Handlungsort, die viktorianische Villa in Vineland, New Jersey. Alt, ...

Zwei Zeitebenen, zwei Familien, zwei Handlungsstränge mit 145 Jahren Abstand, und dennoch zwei Gemeinsamkeiten.

Die eine schafft der Handlungsort, die viktorianische Villa in Vineland, New Jersey. Alt, heruntergekommen, baufällig vom Dach bis zu den Grundmauern, aber sowohl damals (die Greenwoods) wie heute (die Knox‘) fehlen den Bewohnern die finanziellen Mittel für eine umfassende Renovierung, die ihnen das Dach über dem Kopf sichern würde.

Die zweite Verbindung ergibt sich aus dem Wirken der historisch verbürgten Mary Treat, einer Biologin und Entomologin, die damals im Haus nebenan lebte und mit der Thatcher Greenwood die Darwinsche Evolutionstheorie diskutiert, was im konservativen Vineland zu dieser Zeit einer Gotteslästerung gleichkommt. Soll man in alten Denkmustern verharren oder Neues willkommen heißen? Thatcher entscheidet sich für den Fortschritt. Er lässt sich nicht entmutigen und mundtot machen, kämpft gegen alle Widerstände für das, was ihm wichtig ist.

Auch in der Gegenwart ist Willa Fox nicht bereit, kampflos aufzugeben. Die Mitfünfzigerin will die drohende Obdachlosigkeit ihrer Familie abwenden, setzt ihre journalistischen Fähigkeiten ein und recherchiert. Auch wenn sie aktuell ohne Job ist, beherrscht sie ihr Metier aus dem Effeff und findet heraus, dass die Villa als historisch wertvolles Gebäude, nicht zuletzt wegen Mary Treat und den Greenwoods, einen Anspruch auf Fördergelder haben müsste. Eigentlich. Es folgen endlose Kämpfe mit den Behörden, die sie ausfechten wird.

Auf den ersten Blick scheint „Die Unbehausten“ eine Familiengeschichte zu sein, aber im Kern ist es ein höchst politisches Buch. Die Probleme, mit der Familie Knox in der Gegenwart zu kämpfen hat, speisen sich überwiegend aus Unsicherheiten, auf die sie keinen Einfluss nehmen können und die für sehr viele Amerikaner täglich Brot sind. Befristete Arbeitsverhältnisse, die nicht verlängert werden, die Rückzahlung hoher Studienkredite, ein Gesundheitssystem, das bei Inanspruchnahme den finanziellen Ruin nach sich zieht. Money makes the world go round. Der amerikanische Traum, für viele Menschen schon längst zum desaströsen Albtraum verkommen.

Im Original wurde der Roman 2018 veröffentlicht, also kurz nachdem Trump zum Präsidenten gewählt wurde. 2021 folgte Biden, seit diesem Jahr wieder Trump, aber großartig zum Besseren hat sich seither leider nichts für die Menschen in den Vereinigten Staaten verändert. Im Gegenteil. Die Alltagsprobleme der weißen, amerikanischen Familien, die Kingsolver hier ungeschönt beschreibt, bestehen weiter.

Unter diesem Aspekt hat der Roman für politisch interessiert Leserinnen und Leser wenig Neues zu bieten, aber dennoch habe ich „Die Unbehausten“ gerne gelesen, Zum einen mochte ich Kingsolvers Menschen, die trotz aller Probleme nicht klein beigeben, zum anderen aber auch die von ironischem Humor getragenen Passagen. Weniger gelungen waren allerdings die langatmigen, erklärenden Einschübe. Überflüssige und hölzerne Fremdkörper, die Dialoge langatmig und gescriptet wirken ließen. Darauf hätte ich gut verzichten können.

Veröffentlicht am 24.07.2025

Dolce Vita mit Knalleffekt

Teddy
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Emily Dunlay nimmt uns mit nach Rom, Ende der sechziger Jahre das glamouröse Zentrum der Reichen und Schönen, in dem der äußere Schein das Sein bestimmt.

Im Zentrum steht Teddy, die mit ihren 34 Jahren ...

Emily Dunlay nimmt uns mit nach Rom, Ende der sechziger Jahre das glamouröse Zentrum der Reichen und Schönen, in dem der äußere Schein das Sein bestimmt.

Im Zentrum steht Teddy, die mit ihren 34 Jahren zum Leidwesen ihrer einflussreichen, texanischen Familie ein „spätes Mädchen“ ist, das dringend unter die Haube gebracht werden muss, bevor sie zu „verdorbener Milch“ wird. Der Plan ihrer Cousine Marcia gelingt, die Teddys Telefonnummer an David, Studienfreund ihres Mannes und mittlerweile in der römischen Botschaft beschäftigt, weitergibt. Nach einer sehr kurzen Phase des Kennenlernens heiraten die beiden und Teddy folgt ihrem Mann nach Rom. Zwanghaft bemüht versucht sie sich in ihrem neuen Leben einzurichten, perfekt zu sein, alles richtig zu machen und den Ansprüchen ihres Ehemannes zu genügen. Aber dass das in die Hose gehen wird, ist zu vermuten.

Teddy ist zu Beginn ein Ausbund an Oberflächlichkeit ist, aber dennoch eine sympathische Protagonistin, die sich leider den gesellschaftlichen Zwängen einer Zeit unterordnet, in der die Rolle der Frau zwar sehr eng gefasst ist, es durchaus aber Möglichkeiten gäbe, dieses Rollenmuster zu durchbrechen. Und dass sie es kann, zeigen die Wochen nach dem Unabhängigkeitstag.

Es sind die stimmungsvollen Beschreibungen der Örtlichkeiten, die mir beim Lesen immer wieder das Gefühl vermittelt haben, einen Film über das römische Dolce Vita aus der Glanzzeit von Hollywood anzuschauen, gesehen und beschrieben durch die Augen einer Amerikanerin. Das ist der Autorin sehr gut gelungen, ebenso von Beginn an die die leise Spannung, die suggeriert, dass im Verlauf der Story noch ein Knalleffekt zu erwarten ist und die Handlung eine andere Richtung einschlägt.

Mit leichten Abstrichen ein schönes Sommerbuch, das man durchaus in den Urlaubskoffer packen kann, auch wenn man nicht nach Rom fährt.

Veröffentlicht am 17.07.2025

Aneinanderreihung von Klischees

Moorlande
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Auf der kleinen Insel M’sauga Island im Sumpfland vor einem Städtchen in Michigan, lebt Hermine Zook mit ihrer Enkelin Donkey. Hermine, genannt Herself, ist eine Heilerin, von Männern misstrauisch beäugt, ...

Auf der kleinen Insel M’sauga Island im Sumpfland vor einem Städtchen in Michigan, lebt Hermine Zook mit ihrer Enkelin Donkey. Hermine, genannt Herself, ist eine Heilerin, von Männern misstrauisch beäugt, aber für viele Frauen der letzte Rettungsanker, wenn es darum geht, entweder eine Schwangerschaft zu verhindern oder zu beenden oder, wenn alles zu spät ist, sich um ein ungewolltes Neugeborenes zu kümmern. Sie macht keinen Unterschied zwischen eigenen und fremden Kindern, hat selbst hat drei Mädchen großgezogen, die längst fernab der Insel ihr eigenes Leben leben. Rose, Donkeys Mutter, Molly, die mit ihrer Schwester Primrose in Kalifornien lebt und sich nur hin und wieder auf M’sauga Island blicken lässt, und Molly, die in einem Krankenhaus in der Nähe arbeitet und offenbar die einzige ist, die sich Gedanken um die Zukunft ihrer Nichte macht.

Donkey, eigentlich Dorothy, ist ein cleveres Mädchen mit großem Interesse an Zahlen, das Hermine in allen Belangen unterstützt, von dieser in die Wirkungsweise und Zubereitung der Heilmittel eingeweiht wird, besucht aber keine Schule. Deshalb stellt sich für Molly die Frage, wie sie sich im späteren Leben ohne richtige Ausbildung zurechtfinden soll, wenn zum einen Hermine stirbt und zum anderen ihr Lebensraum verschwindet? Letzteres eine reale Bedrohung, da ein Farmer seine Anbaufläche vergrößern möchte und dafür bereits die Insel ins Auge gefasst hat, obwohl giftige Abwässer die Marsch und das Ackerland verseuchen und unheilbare Krankheiten hervorbringen…

Leider konnte die Autorin meine Erwartungen nur in Ansätzen erfüllen. Campbells Naturbeschreibungen haben die Atmosphäre dieses einzigartigen Ökosystems gut eingefangen, aber die Handlung war, mit Ausnahme der Schlusssequenz, dermaßen von Längen geprägt, dass ich mich immer wieder zum Weiterlesen überwinden musste, wozu aber auch die Personenkonstellation beigetragen hat.

Romane, die in den amerikanischen Sumpflandschaften verortet sind, gibt es zuhauf. Ganz gleich, ob das die Bayous in Louisiana oder die Sümpfe in Florida sind, es gibt fast immer einen Schlangenkult und das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist meist auch identisch. Hier ist es die heilkundige Außenseiterin, die sich in ihrem Leben außerhalb der Gemeinschaft eingerichtet hat. Kennt man ebenfalls aus zahlreichen historischen Romanen. Ihre besonderen Fähigkeiten, von verzweifelten Frauen geschätzt, von trinkfesten, gewaltbereiten Männern verachtet, höchstens dann in Anspruch genommen, wenn alles andere versagt hat. Frauen als diejenigen, die bewahren. Männer, die rücksichtslos zerstören. Und so reiht sich auch hier Klischee an Klischee. Schade.

Veröffentlicht am 16.07.2025

Gespenster der Vergangenheit

Mittsommer
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Sommersonnenwende. The Manor, ein exklusives Luxushotel für zahlungskräftige Gäste in den Wäldern Dorsets. Die Einweihung,, die jeden Rahmen sprengt. So hat es sich zumindest Francesca vorgestellt, als ...

Sommersonnenwende. The Manor, ein exklusives Luxushotel für zahlungskräftige Gäste in den Wäldern Dorsets. Die Einweihung,, die jeden Rahmen sprengt. So hat es sich zumindest Francesca vorgestellt, als sie gemeinsam mit ihrem Mann Owen, einem Stararchitekten, den Um- und Ausbau des geerbten Familienanwesens geplant hat. Alles soll für den großen Tag perfekt sein. Ein Mega-Event, aber nicht für die Einheimischen, denn nicht nur sie kennen die dunkle Vergangenheit des ehemaligen Familienanwesens. Und einmal mehr wird es sich zeigen, dass es nur des richtigen Zeitpunkts bedarf, um sich für lange zurückliegende Verletzungen zu rächen.

Lucy Foley baut die Handlung ihres Thrillers „Mittsommer“ langsam, aber sehr geschickt auf. Sie erzählt multiperspektivisch und bindet nicht nur durch die Auszüge eines Tagebuchs weit zurückliegende Ereignisse in die Gegenwart ein. Zusätzlich lässt sie uns nicht nur an Erinnerungen, sondern auch an den zwiespältigen Überlegungen derjenigen teilhaben, die Francesca mehr oder weniger freiwillig bei ihrem ehrgeizigen Projekt unterstützen. Koste es, was es wolle.

Es sind immer nur kleine Häppchen, mit denen uns die Autorin versorgt, aber genau diese wecken das Interesse, halten die Spannung konstant hoch und fügen Bruchstück um Bruchstück zu den anfangs vagen Vermutungen hinzu. Wir wissen zwar immer mehr als die beteiligten Personen, können aber lediglich Vermutungen anstellen, wie und warum es zu dem von Beginn an bekannten Ereignis kommen wird. Aber das Dunkel lichtet sich natürlich erst gegen Ende, das durch einige unvorhersehbare, aber durchaus logisch nachvollziehbare Wendungen eingeläutet wird und gelungen ist.

Übrigens, die im Klappentext angesprochene Mystik wird nur sparsam eingesetzt, was ich durchaus als sehr angenehm empfunden habe.

Hier heißt es zugreifen, falls ihr noch eine spannende Urlaubslektüre sucht.