Das Leben beantwortet dir nicht jede Frage
Der Garten meiner Großmutter"Im Leben passen nicht immer alle Puzzleteile hübsch zusammen. Und denk dran, du brauchst nicht alle Antworten."
Dieser kluge Spruch seiner amerikanischen Großmutter versteht der junge Emile erst nach ...
"Im Leben passen nicht immer alle Puzzleteile hübsch zusammen. Und denk dran, du brauchst nicht alle Antworten."
Dieser kluge Spruch seiner amerikanischen Großmutter versteht der junge Emile erst nach sehr langer Zeit. Nachdem der dreizehnjährige Emile mit seiner Mutter Janie Hals über Kopf das elterliche Gut väterlicherseits in der Nähe von Lyon in Frankreich verlassen musste um nach Amerika zu fliehen, hat sich die vormals heile Welt des Jungen auf den Kopf gestellt. Mutter und Sohn finden Aufnahme bei Großmutter Bridgeman in der Nähe von Atlanta im Bundesstaat Georgia. Dem traurigen Jungen fällt es schwer, sich in diese neue Welt, neue Sprache, neues Essen, neue Gepflogenheiten, die so gar nichts mit seinem geliebten Frankreich zu tun haben, einzuleben. In der Schule wird er sehr oft wegen seines Akzents gehänselt und ganz langsam freundet er sich mit Eternity an, seiner stacheligen Klassenkameradin, die genauso ein Außenseiterdasein führt wie Emile.
Für Emile ist seine amerikanische Großmutter ein wahrer Ruhepol und genau so auch ihr Garten, in den sie den traurigen Jungen oft mitnimmt und ihm wichtige Lektionen über das Leben lehrt, ganz sanft und natürlich. Das hilft dem Jungen, genau wie die Erinnerung an seinen Vater Jean-Baptiste, der in Frankreich bei der Resistance aktiv war und als verschollen gilt. Jean-Baptiste hat dem Jungen eine Reihe von Gegenständen hinterlassen, die für Emile ein Rätsel darstellen und an denen er sich festhält und seinen Vater zum Helden stilisiert. Diese Entwicklung erweist sich als nicht gerade förderlich für die Beziehung mit seiner Mutter, die viele Jahre sehr angespannt bleibt. Ebenso angespannt ist aus bestimmten Gründen auch die Beziehung von Janie zu ihrer Mutter und aus ganz persönlichen Gründen waren gerade diese Passagen für mich sehr wertvoll und heilsam.
"Ich habe tief in mir an der Hoffnung festgehalten. Du weißt, was für eine Hoffnung ich meine, oder? Wenn man nicht zweifelt, obwohl man etwas noch nicht sieht. Diese Hoffnung habe ich nicht losgelassen."
"Ich beschloss also, ihr trotz aller Wunden der Vergangenheit Liebe zu zeigen."
Elizabeth Musser hat einen ganz besonders wertvollen Roman über Vergebung, Versöhnung und Neuanfang geschrieben. Sehr kunstvoll und tiefgründig versteht sie es eine Familiengeschichte in die historische Geschichte einzubinden und die Entwicklungen dieser Zeit auf beiden Kontinenten zu beschreiben. Es war sehr spannend über die Entwicklung der Resistance in Frankreich zu lesen, ganz besonders in Lyon wo der Schlächter Klaus Barbie sein Unrechtsregime genoss auszuführen. Diese ineinander verschlungenen Vorkommnisse lösen sich im letzten Teil des Buches auf und das ist einfach so gut beschrieben. Ganz besonders hat mir die Entwicklung von Großmutter Bridgeman in Atlanta gefallen aus ganz bestimmten Gründen sowie auch die von Mamie Madeleine, dem französischen Pendant. Der christliche Glaube an einen guten Gott nimmt einen großen Stellenwert ein und das, obwohl am Ende nicht alles so gut ist, wie es sich der Leser vorstellt, doch auch da zeigt sich dass Gott immer andere Pläne hat als der Mensch.
Diese Geschichte war für mich ein absolutes Highlight und ich liebe die Geschichten dieser wunderbaren Autorin.
Absolut lesenswert