Nicht alles ist Gold was glänzt
Miez Marple und die Tatze der VerdammnisUrlaub hätte Miez Marple sich so ganz anders vorgestellt, als von ihrer Zweibeinerin entführt zu werden an einen unbekannten Ort. Doch die schnurrige Ermittlerin hat zumindest hier das große Los gezogen: ...
Urlaub hätte Miez Marple sich so ganz anders vorgestellt, als von ihrer Zweibeinerin entführt zu werden an einen unbekannten Ort. Doch die schnurrige Ermittlerin hat zumindest hier das große Los gezogen: sie darf im Bellagio einige Tage verbringen, während ihre Dösenöffnerin auf Wanderschaft geht. Doch dann passiert ausgerechnet in diesem Luxushotel der reichen und schönen Haustiere ein Mord. Und Miez Marple steckt mitten in den Ermittlungen ...
Katzenkrimis sind seit "Feldidae" aus der Krimiliteratur nicht mehr wegzudenken. Und irgendetwas hat gerade dieses Untergenre an sich, was sich von anderen Tierrassen abhebt. Katzen haben etwas an sich, was sie für einen Autor zu einem sehr interessanten Charakter macht, gerade wenn es um das Kriminalistische geht. Sie sind ohnehin natürliche Ermittler, und wenn sie auf einer Spur sind, dann lassen sie sich höchstens vom Rascheln der Leckerlitüte ablenken, aber von sonst nichts.
Die Welt, in die Navarro seine Leser hier entführt, ist die der Haus- und Stadttiere, sprich alles, was Mensch sich als tierischen Begleiter hält und auch das, was Mensch nicht unbedingt in seiner Umgebung, vor allem einer städtischen, sehen will. Die Tiere können miteinander sprechen, dabei gibt es offensichtlich kaum eine Grenze, von Ratte über Taube bis Hund und Katze, alles kann sich untereinander verständigen.
Das Bellagio als Ort der Handlung ist interessant und beinahe ist es schade, dass dem Gebäude und dem ganzen Anwesen nicht noch mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde. Als Leser wird man entführt in ein Haustierhotel der Sonderklasse, in dem alles was Rang und Namen hat in der Haustierszene, sich versammelt. Miez Marple ist darin ein ... kleiner Farbtupfer, der nicht so ganz ins Bild passen will. Das erfährt sie auch recht schnell.
Navarro hält dem Promileben den Spiegel vor, und das auf sehr humorige Weise. Showkatzen, häsische Spitzensportler, kätzische Schlagersänger - alles, was der Yellow-Press Herz begehrt, sogar der Adel ist vertreten, wenn auch nur durch Aussagen der Anwesenden. Die Gesellschaft der Tiere in diesem Roman verhält sich wie die menschliche Gesellschaft, oder wie man es sich vorstellt, wie es in einem solchen Etablissement wohl zugeht. Intrigen und Lügen und Show, alles gehabt, aber alles neu auf seine eigene tierische Weise.
Der Kriminalfall, den Miez Marple untersucht, ist verwirrend. Navarro ist hier wirklich ein Meisterstück gelungen, denn als Leser ist man wirklich bis zum großen Finale verwirrt darüber, wer denn nun eigentlich hinter all dem steckt, was im Bellagio vor sich geht. Und das ist nicht allein Mord, sondern es werden auch noch mehrere Anschläge verübt. Miez springt von einer Theorie zur nächsten und scheint ebenso ratlos wie der Leser. Und am Ende ... da ist es dann doch plötzlich ganz anders.
Ein humorvoller Kriminalroman, der zur Kurzweil und zum Rätseln einlädt. Sehr gut geschrieben mit viel Wortwitz, der zum Schmunzeln einlädt.