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Veröffentlicht am 14.11.2025

Nicht alles ist Gold was glänzt

Miez Marple und die Tatze der Verdammnis
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Urlaub hätte Miez Marple sich so ganz anders vorgestellt, als von ihrer Zweibeinerin entführt zu werden an einen unbekannten Ort. Doch die schnurrige Ermittlerin hat zumindest hier das große Los gezogen: ...

Urlaub hätte Miez Marple sich so ganz anders vorgestellt, als von ihrer Zweibeinerin entführt zu werden an einen unbekannten Ort. Doch die schnurrige Ermittlerin hat zumindest hier das große Los gezogen: sie darf im Bellagio einige Tage verbringen, während ihre Dösenöffnerin auf Wanderschaft geht. Doch dann passiert ausgerechnet in diesem Luxushotel der reichen und schönen Haustiere ein Mord. Und Miez Marple steckt mitten in den Ermittlungen ...

Katzenkrimis sind seit "Feldidae" aus der Krimiliteratur nicht mehr wegzudenken. Und irgendetwas hat gerade dieses Untergenre an sich, was sich von anderen Tierrassen abhebt. Katzen haben etwas an sich, was sie für einen Autor zu einem sehr interessanten Charakter macht, gerade wenn es um das Kriminalistische geht. Sie sind ohnehin natürliche Ermittler, und wenn sie auf einer Spur sind, dann lassen sie sich höchstens vom Rascheln der Leckerlitüte ablenken, aber von sonst nichts.

Die Welt, in die Navarro seine Leser hier entführt, ist die der Haus- und Stadttiere, sprich alles, was Mensch sich als tierischen Begleiter hält und auch das, was Mensch nicht unbedingt in seiner Umgebung, vor allem einer städtischen, sehen will. Die Tiere können miteinander sprechen, dabei gibt es offensichtlich kaum eine Grenze, von Ratte über Taube bis Hund und Katze, alles kann sich untereinander verständigen.

Das Bellagio als Ort der Handlung ist interessant und beinahe ist es schade, dass dem Gebäude und dem ganzen Anwesen nicht noch mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde. Als Leser wird man entführt in ein Haustierhotel der Sonderklasse, in dem alles was Rang und Namen hat in der Haustierszene, sich versammelt. Miez Marple ist darin ein ... kleiner Farbtupfer, der nicht so ganz ins Bild passen will. Das erfährt sie auch recht schnell.

Navarro hält dem Promileben den Spiegel vor, und das auf sehr humorige Weise. Showkatzen, häsische Spitzensportler, kätzische Schlagersänger - alles, was der Yellow-Press Herz begehrt, sogar der Adel ist vertreten, wenn auch nur durch Aussagen der Anwesenden. Die Gesellschaft der Tiere in diesem Roman verhält sich wie die menschliche Gesellschaft, oder wie man es sich vorstellt, wie es in einem solchen Etablissement wohl zugeht. Intrigen und Lügen und Show, alles gehabt, aber alles neu auf seine eigene tierische Weise.

Der Kriminalfall, den Miez Marple untersucht, ist verwirrend. Navarro ist hier wirklich ein Meisterstück gelungen, denn als Leser ist man wirklich bis zum großen Finale verwirrt darüber, wer denn nun eigentlich hinter all dem steckt, was im Bellagio vor sich geht. Und das ist nicht allein Mord, sondern es werden auch noch mehrere Anschläge verübt. Miez springt von einer Theorie zur nächsten und scheint ebenso ratlos wie der Leser. Und am Ende ... da ist es dann doch plötzlich ganz anders.

Ein humorvoller Kriminalroman, der zur Kurzweil und zum Rätseln einlädt. Sehr gut geschrieben mit viel Wortwitz, der zum Schmunzeln einlädt.

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Ein kleines Buch mit großer Wirkung

Neun Leben
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Ginger verbraucht ihr achtes Leben, als sie von einem Auto angefahren wird. Doch sie ist nicht das einzige Opfer dieses Unfalls. Da gibt es noch das Mädchen Julia, das danach im Koma liegt und vielleicht ...

Ginger verbraucht ihr achtes Leben, als sie von einem Auto angefahren wird. Doch sie ist nicht das einzige Opfer dieses Unfalls. Da gibt es noch das Mädchen Julia, das danach im Koma liegt und vielleicht sterben wird. Kann Ginger Julia helfen?

Als ich dieses Buch bei Lovelybooks sah war es keine Frage für mich, mich auf die Leserunde zu bewerben. Und käme Hölle und Feuer, ich WOLLTE dieses Buch lesen! Ich wurde nicht enttäuscht.

Was den Leser erwartet ist kein normales Buch, es ist ein Bilderbuch mit einer kurzen Geschichte darin. Kein Kinder-Bilderbuch, sondern eher für Heranwachsende und Erwachsene gedacht. Etwas ungewöhnlich, gewiss, aber warum nicht etwas ungewöhnlichem eine Chance einräumen? Enttäuscht wird man bei diesem kleinen Buch sicher nicht.

Das Märchen wird aus Gingers Sicht berichtet. Es ist herzzerreißend, wie die Sanitäter sich um die schwer verletzte Julia kümmern, aber die Katze am Straßenrand liegenlassen. Tiere sind nach der deutschen Rechtssprechung noch immer "Dinge", etwas worüber ich mich schon seit Jahrzehnten aufrege. Tiere sind mehr als Dinge, es sind Lebewesen, und als solche haben sie etwas besseres verdient, als am Straßenrand elendig zu verrecken. Sicher, in der realen Welt hätte die Polizei sich vielleicht gekümmert und Ginger entweder zu einem Tierarzt gebracht oder es beendet. So ist es hier aber nicht. Ginger bleibt zurück, unfähig sich zu regen und muss zusehen, wie Autowrack und Verletzte abtransportiert werden, ehe sie allein in ihrem Schmerz zurückbleibt.

Die Rettung kommt in Form einer Frau, die Ginger mit zu sich nach Hause nimmt und ihr hilft. Die Frau ist mehr als nur eine Frau, sie ist magisch und sie weiß Dinge. Dinge wie, dass Ginger nun ihr letztes, ihr neuntes Leben lebt. Dinge wie, dass das Mädchen am Straßenrand Julia heißt und im Krankenhaus um ihr Leben kämpft. Und sie weiß, dass Ginger und Julia miteinander verbunden sind. Ginger wird vor eine Wahl gestellt. Für einen Menschen eine schreckliche Wahl.

Wie weit würden wir gehen für einen Wildfremden, dessen Leben zu retten. Für Familienmitglieder ist es leicht(er). Es ist einerseits eine Pflicht zu helfen, andererseits wird man vielleicht vom Rest der Familie für den Rest seines Lebens schief angesehen, weil man eben nicht das entscheidene getan hat, um jenem Angehörigen zu helfen. Aber darum geht es nicht. Es geht um jemanden, den man nicht kennt, es geht um zwei Leben. Wer wäre wirklich bereit, sein Leben zu geben, um jemanden, den man einmal gesehen, nie ein Wort gesprochen hat? Wer würde dieses Opfer bringen? Und ich meine es hier ehrlich. Sehe in dein Herz, Leser, sehe tief hinein und stelle dir diese Frage: Würdest du dein Leben beenden, damit ein Wildfremder leben kann?

Es ist eine tiefgehende Frage, die sich hier stellt. So tiefgehend und ergreifend, dass es mir beim Lesen die Kehle zusammengeschnürt hat. Nein, nicht für jemanden, den ich nicht kenne. Nicht solange ich lebe. Ich habe einen Organspendeausweis, mit Ausnahme meiner rechten Augenhaut (weil erkrankt seit Kindertagen) können sich die Mediziner nach meinem Tod bedienen. Danach. Und dann ist es mir herzlich gleich, an wen meine Organe gehen. Ich werde dann hoffentlich auf dem Weg in ein besseres Leben sein. Aber vor die Frage gestellt zu werden, ob man geht, um einen anderen zu retten? Nein, diese Frage beantworte ich klar mit Nein. Und das von jemanden, der immer noch mit Suizidgedanken kämpft, wenn auch nicht mehr täglich.

Um von diesem schweren Thema wegzukommen noch einige Worte über die Bilder in diesem Bilderbuch: Sie wurden gemalt von einer 15 Jährigen. Jawohl, 15 Jahre ist die Künstlerin jung, und sie hat ihre Arbeit herausragend getan. Die Bilder sind wunderschön gestaltet, die Farben brillant, die Figuren erkennt man eindeutig. Sie machen einen guten Teil des Reizes und des Zaubers des Bandes aus und ich drücke der jugendlichen Künstlerin beide Daumen für ihren Lebensweg. Schon allein für die Bilder lohnt es sich, das Buch zu kaufen.

Ein wunderschöner kleiner Band, der aber harte Fragen in einer kleinen magischen Geschichte aufwirft. Das Buch ist für Kinder nicht oder nur bedingt geeignet, aber für Heranwachsende und Erwachsene sicherlich eine wunderschöne Erweiterung ihrer Bibliothek - und ein Band, zu dem man sicher immer einmal wieder greifen wird.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Am Ende des Krieges

Opalus
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Eigentlich sollte doch alles im reinen sein, jetzt, da Georg seinen Titel und sein Land zurück hat. Eigentlich. Doch da ist die Ungewißheit über seine Halbschwester Pascale. Georg hätte sie gern an seiner ...

Eigentlich sollte doch alles im reinen sein, jetzt, da Georg seinen Titel und sein Land zurück hat. Eigentlich. Doch da ist die Ungewißheit über seine Halbschwester Pascale. Georg hätte sie gern an seiner Seite, wäre wieder eine Familie, doch Pascale ist verschwunden und niemand weiß, wo sie steckt.

Dabei müsste man gar nicht so weit weg nachsehen, nämlich im Lager der Kaiserlichen ...

Dies ist der dritte Teil einer Saga. Die Autorin war so nett und hat mir eine Zusammenfassung der ersten beiden Bände zukommen lassen, sodass ich auf dem Laufenden war. Zunächst war es doch ein klein wenig verwirrend, zugegeben, aber ich kam gut ins Buch hinein und die Verwirrung war spätestens auf Seite 20 Geschichte.

Bernhardi schreibt sehr gut, die Figuren sind lebendig und man bibbert die ganze Zeit mit ihnen mit. Gerade Pascale, die den Großteil des Romans im Mittelpunkt steht, ist gut herausgearbeitet und eine interessante Frau, und das nicht nur, weil sie einen guten Teil ihrer Geschichte in Männerkleidern verbringt. Pascale wurde von den Kaiserlichen Soldaten als möglicher Spion gefangen genommen, so spielt also ein nicht unwesentlicher Teil der Handlung in eben diesem Lager und der Leser erlebt dort ihr Leben mit. Gerettet von einem alten Bekannten, dem Soldaten Reisinger, wird sie von ihm unter seine Fittiche genommen. Er bringt ihr das Fechten bei und befiehlt ihr, sich selbst zu verteidigen. Nicht dass er nicht hilft, oh nein. Und so kommt es mit der Zeit, wie es kommen muss.

Die Fechtszenen sind sehr gut erzählt und meist authentisch. So wurde gekämpft, mit Rapier und Dolch, nicht wie heute mit nur einer Waffe. Man nannte es das "dreckige" Fechten und es wurde überwiegend eben von Soldaten und Söldnern angewandt, aber auch von den meisten, die am Leben bleiben wollten. Man setzte eine Reihe schmutziger Tricks ein, damit man den Gegner besiegen konnte. Also ja, hier stimmt alles.

Was ein bisschen hochgegriffen ist, ist die eine Folterszene im Roman. 50 Peitschenhiebe. Eigentlich hätte Pascale bewusstlos sein müssen, da die wenigsten mehr als 20 bei Bewusstsein überstehen können, wenn überhaupt. 50 ist sehr hoch gegriffen und mir ist kein Fall bekannt, in dem so viele Peitschenschläge "verordnet" wurden. Aber das nur am Rande.

Was ich ebenfalls erwähnen sollte an dieser Stelle: Der Roman ist bebildert an verschiedenen Stellen. Sehr schöne Zeichnungen der Autorin selbst. Man erlebt es selten, dass Erwachsenen-Bücher so geschmückt werden, es ist also mehr als erwähnenswert und um einiges Mehrarbeit, die Bernhardi sich hier gemacht hat. Mein Kompliment dafür!

Die Zeit, gegen Ende des 30 Jährigen Krieges, wird gerade im Bereich des Heerlagers ein wenig ausführlicher geschildert, während die Handlung in und um Nirnberg dagegen vom Krieg nicht zuviel mitbekommen zu haben scheint. Es finden dort keine Plünderungen und Raubmorde statt, oder zumindest werden sie im Roman nicht erwähnt. Der eine Graf, der sich den Kaiserlichen Verbänden anschließen möchte, ist Wochen unterwegs, was darauf schließen lässt, dass die Kriegshandlungen tatsächlich weiter entfernt statt finden. Gerade hier hätte ich mir ein wenig mehr erwartet über den Schrecken des Krieges und die Entvölkerung der Landstriche. Aber der Schrecken des Lagerlebens wird anschaulich und nachvollziehbar dargestellt.

Ein solider Roman, flüssig zu lesen, mit nachvollziehbaren Figuren. Wer historische Romane mag, der wird mit Opalus auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Am Anfang

Palineas: Erstes Buch - Aufbruch
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Palineas ist ein ganz normaler Junge - oder er glaubt es zu sein. Klar, er hat seine Träume, große Träume, in denen er die Welt bereist, aber am Ende ist er doch nur der Sohn des Wirtes - oder so war ...

Palineas ist ein ganz normaler Junge - oder er glaubt es zu sein. Klar, er hat seine Träume, große Träume, in denen er die Welt bereist, aber am Ende ist er doch nur der Sohn des Wirtes - oder so war es, ehe auf dem Dorfplatz ein eigenartiges Tor erscheint ...

Vor einigen Tagen besprach ich das zweite Buch der Reihe. Dank des Autors Mario Hackel, erhielt ich daraufhin die Möglichkeit, den ersten Teil seiner Triologie zu lesen. Dafür erst einmal einen großen Dank! Es war die Lektüre mehr als wert.

Hackel selbst schreibt im Vorwort, dass diese Story schon alt ist und er wenig daran geändert hat bevor der Veröffentlichung. Das geht einigen so, mir selbst inklusive. Vor einigen Jahren holte ich ein uraltes Manuskript hervor, das ich mit 13 schrieb, und ich war bas erstaunt darüber, welche Qualität ich damals bereits mein eigen nannte. Noch polieren und aufhübschen, das eine oder andere ändern, dann wäre es vielleicht bereit für eine weitere Runde durch die Verlage (seinerzeit hatte es schon mehr als 20 Verlage gesehen und wurde immer abgelehnt). Und ich denke, es ist immer richtig, wenn man sich auf seine alten Ideen verlässt. Die größte Kreativität besitzen wir Menschen in der Kindheit und Jugend. Warum also nicht die alten Ideen neu aufgreifen? Den Zyklus, an dem ich jetzt schreibe, fand seine Geburt, als ich 15 war.

Anyway, zurück zum Buch. Was mich in Teil 2 überwältigte waren die ganzen Figuren, mit denen Hackel aufwartete. Ich war froh um das Personenregister am Ende, sodass ich dort nachsehen konnte, wer welche Rolle spielt. Mit Band 1 haben sich da für mich noch offene Fragen geschlossen, die ich hatte. Ich bleibe dabei, man kann Band 2 lesen ohne die Kenntnis von Teil 1, aber es wird um einiges leichter, WENN man "Aufbruch" gelesen hat.

Die Welt, in die Hackel seine Leser entführt, ist keine märchenhafte, wenn aber doch bunte Weltt. Es herrscht ein Kalter Krieg zwischen Menschen und Elfen, letztere gewannen die letzte heiße Phase und schoben die Menschen in Gebiete ab, die sie für richtig hielten. Die Menschen wiederum sind alles andere als begeistert, doch die meisten wollen einfach nur ihr Leben leben. Da die Elfen sich weitestgehend aus den menschlichen Belangen heraushalten ist das kein zu großes Problem. Nur dort, wo beide Rassen aufeinandertreffen gibt es immer wieder böses Blut.

Hackel spart nicht an Blut, wenn auch nur bedingt in Schlachtenform. Die Spannungen und das Leben in Städten ist immer zu einem gewissen Maße auch gefährlich. Schade ist es, dass es vor allem Palineas trifft - oder auch nicht? So erhält sein Charakter die Chance zu wachsen und erwachsen zu werden, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Charaktere sind interessant und teilweise mysteriös. Man muss einfach weiterlesen, weil man hinter die Masken sehen will, die die meisten in der Öffentlichkeit tragen. Nicht jeder, der gut ist, ist in seinem Herzen gut. Gerade bei Palineas trifft das auf doppelte Weise zu. Wie wir aus Buch 2 wissen, oder zu wissen glauben, ist da nicht nur Finsternis in ihm, doch er kann kaum gegen die dunkle Seite seiner Seele ankämpfen. Das macht ihn zu einem faszinierenden Charakter, der eigentlich nur die Wahl hat zwischen schlecht und richtig schlecht. Dennoch bleibt irgendwie die Hoffnung, dass er das Dunkle in sich bekämpfen kann so wie er sich auch einen Teil Naivität erhalten konnte.

Über das System der Drachen sprach ich bereits in meiner Rezension zum zweiten Teil, doch ich finde es immer noch faszinierend. Palineas, der keine Ahnung hat, wer dieser alte Greis ist, zu dem er geschleppt wird, weiß trotzdem, was sich unter der Verkleidung versteckt. Die größte Überraschung dagegen erlebt der Leser am Ende des letzten Kapitels. Auch wenn ich es wusste, es hat mich trotzdem überrascht. Diese Enthüllung war hervorragend gemacht!

Was bleibt ist ein solider erster Teil einer Triologie, die Leser von High Fantasy eigentlich verschlingen sollten. Sicher, es gibt ein paar Schwächen im Roman, aber die schiebe ich eher auf die Tatsache, dass der Autor eben viel vom Original übrig ließ. Der Geschichte an sich tut es keinen Abbruch, wirklich nicht. Ein gutes Buch, das man kaum aus der Hand legen kann, nachdem man mit dem Lesen begonnen hat.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

In einer magischen Kürbiswelt

Leni und die Flüsterkürbisse
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Leni ist eine aufgeweckte 7 Jährige, die gern bei ihrer Oma ist und voller Phantasie und Abenteuerlust. Ihre liebste Zeit ist rund um Halloween, denn sie mag es ein bisschen gruselig. Ihr bester Freund ...

Leni ist eine aufgeweckte 7 Jährige, die gern bei ihrer Oma ist und voller Phantasie und Abenteuerlust. Ihre liebste Zeit ist rund um Halloween, denn sie mag es ein bisschen gruselig. Ihr bester Freund ist Tim, der eher mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Bis ... ja, bis die beiden auf dem Wochenmarkt einen Kürbis hören, der leise flüstert. Und damit beginnt das Abenteuer.

Ich wünschte, zu meiner Zeit hätte es solche Bücher gegeben. Als Kind war Halloween nichts als ein Produkt aus den USA, dass man einmal im Jahr im Fernsehen sah mit Charlie Brown und seinen Freunden. Erst als ich älter war begriff ich, dass es wohl doch älter war, als es den Anschein hatte und was hinter diesem Tag (oder besser der Nacht) auf sich hatte. Der Halloween-Kult, der heutzutage herrscht, war mir als Kind vollkommen unbekannt.

Dennoch brachte die Autorin mich dazu, mich in Leni hineinversetzen zu können. Auch ich liebte als Kind den Dachboden, nur kam ich selten da hoch. Wenn, dann konnte ich dort oben Stunden verbringen zwischen zerbrochenem Spielzeug und allerlei Tand, der sich in den Jahren angesammelt hatte. Da es, wie gesagt, zu meiner Zeit noch kein Halloween wie heute gab, fand sich dort oben allerdings wenig bis gar nichts, was auf diesen einen Tag hingedeutet hätte.

Lenis magische Reise, die sie zusammen mit Tim und ihrem Kater Fauchi (besser Kinderbuchname ever!) antritt, beginnt ein wenig gruselig und überraschend. Mit dem Utensil, mit dem die drei es in die andere Welt verschlägt, hatte ich gar nicht mehr gerechnet, auch wenn es bereits im ersten Kapitel aufgetaucht war.

Die Sprecherin versteht ihren Job und bringt den Hörer mit sich in diese magische Welt, in der Leni, Tim und Fauchi ihr Abenteuer erleben. Man bangt selbst als Erwachsene mit, als Tim beinahe im Nebel versinkt oder später auf der Brücke. Da darf Fauchi als Held des Tages glänzen. Und er tut das mit der stoischen Ruhe aller Katzen. Was? Ich bin ein Held? Ich bin immer ein Held! Und putzt sich nonchalant die Pfote. Ein Bild, das ich wirklich vor Augen hatte und mich köstlich darüber amüsierte.

Der letzte Teil der Reise ist wunderbar magisch und herrlich beschrieben von der Autorin, und die Sprecherin vertont ihn sehr gut - wie sie überhaupt sehr gute Arbeit durch das ganze Buch leistet. Die Auflösung war nicht wirklich überraschend für mich als Erwachsene, doch das Kind in mir war trotzdem begeistert über den Ausgang.

Ein wunderbares kleines Hörbuch, das Kinder mit Sicherheit begeistern wird, vor allem junge Kinder. Ein Abenteuer voller Magie und genau der richtigen Würzung Grusel, der mehr spannend ist als Gänsehautcharakter besitzt. Ein herrliches Hörerlebnis!

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