Rahel arbeitet als Küchenhilfe im Gasthaus. Ihr Vater ist ein einfacher Holzarbeiter. Doch Rahel hat ein Geheimnis: sie kann sich in eine Rehkuh verwandeln auf eigenen Wunsch. Sie ist eine Wandlerin. ...
Rahel arbeitet als Küchenhilfe im Gasthaus. Ihr Vater ist ein einfacher Holzarbeiter. Doch Rahel hat ein Geheimnis: sie kann sich in eine Rehkuh verwandeln auf eigenen Wunsch. Sie ist eine Wandlerin. Doch ihre Fähigkeit ist geächtet im Königreich, so muss sie sie vor fast allen verbergen, nur vor ihren Eltern nicht.
Als der Erlass des Königs kommt über die Brautschau für den Thronfolger weiß Rahel sofort, dass sie ganz sicher nicht daran teilnehmen wird. Und doch zwingt sie ein Ereignis, zum Schloss zu gehen. Dort arbeitet sie als Küchenhilfe und lernt den jungen Jäger kennen, nicht ahnend, dass er tatsächlich Prinz Leonard ist ...
Märchenhafte Fantasy ist heutzutage eher selten zu finden. Umso schöner, wenn man einmal ein solches Buch in die Hand bekommt. Und das ist es, was Diem hier präsentiert: Märchenhafte Fantasy. Wo sonst könnte man damit rechnen, dass eine einfache Magd in einem Spiel um die Hand des Prinzen enden würde?
Nun, ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit ausgetobt über Romantasy. Im groben würde ich dieses Buch diesem Genre zuordnen, wenn auch die eigentliche Liebesgeschichte nicht unbedingt den Großteil der Handlung einnimmt. Rahel und Leonard, da knistert es von ihrer ersten Begegnung an, das ist wahr. Und Leonard tut sein bestes, um Rahel fortzustoßen, während er sich gleichzeitig immer wieder für sie einsetzt und an einer Stelle sogar sein Leben für sie riskiert. Doch Diem gelingt es, den Rest der Handlung spannend zu halten, dass das Gefühlsdingsda zwischen den beiden zwar eine nicht zu kleine Rolle spielt, aber nicht die ganze Handlung einnimmt.
Der grausame König, der noch grausamere Regent, Leonard, der unter zwei verschiedenen Persönlichkeiten zu leiden scheint. Die Geheimnisse um das Schloss und dem titelgebenden Teil, dem Schattenthron selbst, all das nimmt einen Gutteil der Handlung ein, sodass auch Leser wie ich, die reine Lovestorys nicht mögen, noch etwas zu lesen hat. Zudem, dass sollte ich vielleicht auch erwähnen, ist diese Lovestory nachvollziehbar. Ja, es knistert vom ersten Moment an, ja, Rahel fällt für diesen schmucken Jäger, gleichzeitig piesakt sie ihn aber auch, oder sie beide einander. Es könnte bis zu einer gewissen Stelle auch auf eine gute Freundschaft hinauslaufen.
Und da ist noch dieses eigenartige Spiel, dass der König und der Regent sich da ausgedacht haben, um die richtige Braut zu finden. In den Wäldern jagen, Drachen füttern, vor Wargen durch eine verlassene unterirdische Ruinenstadt laufen ... Jede einzelne dieser Szenarios sind spannend geschildert aus Rahels Sicht. Zudem gibt es noch eine Nebenhandlung, in der einige Hintergründe beleuchtet werden und der Leser mehr und mehr erfährt, was im Schloss tatsächlich vor sich geht. All das ist ein gutes Rezept für einen spannenden Roman. Und Diem liefert diesen auch.
Was mich, wie immer, irritiert, ist die Erzählzeit. Alle Handlungen, die aus Rahels Sicht geschildert werden, sind in der Gegenwart geschrieben. Das kann einige Leser abschrecken, weil es doch sehr ungewöhnlich ist. Doch durchhalten, Leute, ihr werdet mit einem netten kleinen Roman belohnt, der gelesen werden möchte!
Alles in allem bleibt ein märchenhaftes Setting und eine spannende Handlung voller unvorhergesehener Wendungen, von denen ich einige wirklich nicht kommen sah. Ein nettes kleines Märchen.
Hinter diesem nicht gerade kurzem Titel verbergen sich weitere Hintergründe für den Roman "Der Aufstieg Thions", inklusive Zeittafeln, einer Götterliste und einem wahren Wörterbuch der im Roman gesprochenen ...
Hinter diesem nicht gerade kurzem Titel verbergen sich weitere Hintergründe für den Roman "Der Aufstieg Thions", inklusive Zeittafeln, einer Götterliste und einem wahren Wörterbuch der im Roman gesprochenen Sprache sowie ein Index über alles und jeden, der oder die im Verlauf des Buches auftaucht. Vergleichen wir es am besten mit einer nicht zu knappen Glossar oder, was wohl auch der Sinn hinter diesem Buch ist, die berühmten "Anhänge" des J. R. R. Tolkien zum Herrn der Ringe.
Warum die Autoren den Weg gewählt haben, beides getrennt voneinander zu veröffentlichen ist mir nicht so ganz klar, aber so ist es nun einmal. Der Inhalt gibt jedenfalls einiges mehr an Hintergrund zum Roman, dass ich mir wirklich gewünscht hätte, hin- und herblättern zu können. Nun, in einer Form konnte ich das auch, da Herr Fleischhauer so nett war, mir dieses Buch zur Verfügung zu stellen. Ich hätte beides parallel lesen können, doch ich wollte die unbedarfte Leserin spielen und entschied mich dafür, erst den Roman und dann die "Sagas und Mythen" zu verinhaltlichen.
Was mir während der Lektüre wirklich Kopfschmerzen bereitete, war schlicht die Tatsache, dass die Autoren fortwährend von einem "Goldenen Zeitalter" schrieben, in dem die Geschichte spielt. Als Normalsterblicher ohne die Vorbildung der "Sagas und Mythen" war ich zugegebenermaßen mehr als verwirrt. In der hiesigen, der unsrigen Welt, wird als "Goldenes Zeitalter" die Zeit von Wohlstand, Wachstum und Frieden beschrieben. Sprich, jedem (oder den meisten) geht es gut, es ist ein goldenes Zeitalter. Davon war aber im Roman nichts, aber auch rein gar nichts zu spüren. Im Gegenteil schien Schlacht au Schlacht, Gemetzel auf Gemetzel zu folgen. Und wo nicht gekämpft wurde, da verhungerten oder erfroren die Menschen. Also eher das Gegenteil eines Goldenen Zeitalters. Das brachte mich über die ganze Lektüre hinweg durcheinander. In "Sagas und Mythen" wird erklärt, dass man im Mutliversum Yi eben nicht so zählt, sondern die Zeitalter, abgesehen vom ältesten, in dem die Götter Yi schufen, Metalle zählt. Also: Eisernes, Bronzenes, Silbernes und schließlich das Goldene Zeitalter, in dem die Handlung spielt. Diese Information wäre vielleicht im Roman besser aufgehoben gewesen, dies nur am Rande erwähnt.
Die Götterliste ist erstaunlich kurz. Interessant fand ich, dass Zauberer mit zu den Göttlichen gezählt werden aufgrund der Art, wie sie geschaffen wurden. Nebenbei, selbst mir als Horrorfan gruselte es allein bei der Vorstellung.
Die ausführliche Schöpfungsgeschichte, im Gegensatz zu der deutlich gekürzten im Roman fand ich dagegen nicht ganz so interessant. Sicher, es wurde mehr darauf eingegangen, was Oth und die anderen Götter so trieben, vor allem Oth, aber am Ende kannte ich diese Geschichte schon. Nur das Ende, mit dem hatte ich nicht gerechnet. Dort wird beschrieben, wie aus dem vorher gradlinigen Universum Yi das Multiversum wurde, in dem Thion und seine Mannen und Frauen leben. Ich möchte für Interessierte nichts vorweg nehmen, darum gehe ich an dieser Stelle nicht näher ins Detail.
Die Zeittafel mit der Geschichte Yis war sicherlich interessant zu lesen, empfand ich allerdings nicht als unbedingt notwendig, um den Roman zu verstehen. Nettes Hintergrundwissen eben und der Beweis dafür, dass die Autoren sich wirklich Arbeit gemacht haben mit der Erschaffung ihres Multiversums.
Die Glossar am Ende mit allem, was wichtig ist, hätte ich mir gern in den Roman gewünscht. Wer sie kennt, am Ende der "Das Rad der Zeit"-Romane wird jedesmal eine Glossar mit allen Figuren aufgeführt. Ähnlich wie dort wäre es hier nicht schlecht gewesen. Unter all den Namen und Worten geht man als Leser schnell verloren und nicht jeder wird sich die "Sagas und Mythen" zulegen, der "Der Aufstieg Thions" liest.
Was das Wörterbuch mit der eigenen Sprache angeht sowie der Literaturverweis auf Werke, die nicht einmal im Roman erwähnt werden ... Es steckt in beiden ein Haufen Arbeit, das gebe ich zu und ich mag es, wenn Autoren sich tiefer mit ihren Werken auseinandersetzen, gerade Fantasy-Autoren, die die Freiheit haben, ihre eigenen Welten zu erschaffen und auch ihre eigenen Regeln aufzustellen. Die meisten tun es nicht, und das merkt man leider meist auch den Romanen an. Insofern haben die Autoren hier hundertprozentig ihre Arbeit gemacht.
Aber ich kann mir denken, warum diese Dinge Eingang in dieses Buch fanden. Am Ende findet sich nämlich ein Kapitel, das die Aufklärung bringt: Das Open-Yi-Project. Albrecht und Fleischhauer haben nicht nur ein Multiversum geschaffen, sie wollen es teilen mit solchen, die daran interessiert sind, Geschichten in ihren Welten und Dimensionen spielen zu lassen. Nein, keine Fanfiktion, wie Fleischhauer betont, sondern eigene Geschichten. Über eine angegebene eMail-Adresse können sich Interessierte bei ihm melden.
Nun, was halte ich von "Sagas und Mythen"? Es ist definitiv hilfreich und macht für Interessierte den Einstieg leichter. Dennoch, wie bereits eingangs erwähnt, glaube ich nicht, dass sich jeder, der den Roman kauft, auch dieses Buch zulegen wird, obgleich es viele Dinge erklärt, die einen Leser von "Der Aufstieg Thions" erst einmal verwirren und ratlos zurücklassen. Um ehrlich zu sein, meine vorhergehende Rezension wäre um einiges harscher ausgefallen, hätte ich nicht dieses Buch gelesen. Vielleicht wirklich ein Must-have für solche, die irgendwann auf Thions Reise verloren gegangen sind so wie ich.
Das Multiniversum Yi wurde von Göttern erschaffen. In diesem Multiversum existiert der blau-grüne Planet namens Ithrum. Und auf diesem Planeten lebt ein Mann namens Thion. Ein Krieger, ein ehemaliger ...
Das Multiniversum Yi wurde von Göttern erschaffen. In diesem Multiversum existiert der blau-grüne Planet namens Ithrum. Und auf diesem Planeten lebt ein Mann namens Thion. Ein Krieger, ein ehemaliger Paladin, dem die Pflicht durch und durch geht. Als er mit einer wichtigen Botschaft unterwegs ist, wird er von seinen Gefährten getrennt durch den Kampf gegen Symgymlion. Nach diesem Kampf beginnt seine wahre Odyssee ...
Als ich damals vor langer, langer Zeit entschied, dass ich Geschichten schreiben wollte, ging es mir eben darum: Geschichten erzählen. Erzählen von den Helden und Schurken, was mit ihnen passiert und wie. In fremde Welten eintauchen und sie entdecken. Nie ging es mir darum, besonders wortgewandt zu sein oder sprachliche Kunst in einen Text zu setzen.
Es ist nichts falsches daran, andere zu imitieren. Ich kenne einige wahre Meister darin, u.a. den von mir vielgelobten Markus K. Korb, der es wie kein anderer versteht, Poes Stimme wieder auferstehen zu lassen in senen Geschichten. Und imitiert haben alle Autoren irgendwann einmal, und sei es nur ganz zu Beginn ihres schreiberischen Lebens. Da war dieses eine Werk, diese eine Geschichte oder dieser eine Roman, der einfach perfekt war. Nein, ich rede nicht von Fanfiktion, ich rede davon, diese anderen Autoren zu imitieren, sie nachzumachen. Wie gesagt, daran ist nichts schlechtes, jeder, den ich kenne, hat so begonnen. Das besondere ist, die eigene Stimme zu finden, den eigenen Stil zu entwickeln - aus dem, was man vorher imitiert hat heraus.
Natürlich schwankt so eine Stimme je nachdem, was man schreibt. Meine Wortwahl in "Die Expedition" (ich weiß, schamlose Eigenwerbung) ist eine komplett andere als die, die ich im Moment für den Fantasy-Roman benutze. Warum? Weil es zwei unterschiedliche Themen sind, zwei unterschiedliche Welten und andere Charaktere.
Wie ich schon oft geschrieben habe, wer schreiben will, der sollte auch viel lesen. Zum einen, um den "Tank" aufzufüllen, zum anderen aber auch zur Erholung und dazu, sich selbst weiterzubilden. Ich habe in meinem Leben viele, tausende Bücher gelesen und werde hoffentlich noch weitere tausende lesen bis zu meinem Ende (zumindest meine Büchersammlung versucht mich davon zu überzeugen). Was ich gelesen habe? So ziemlich alles vom "Gilgamesh-Epos", über Homers "Ilias" und "Odyssee" bis hin zu modernen Klassikern wie Tolkiens "Der kleine Hobbit" und "Der Herr der Ringe" oder Robin Hobbs' "Weitseher"-Zyklus oder Robert Jordans "Das Rad der Zeit". Ich lese fast alle Genres von Krimi bis Science Fiction, wie man ja auch in diesem Blog sieht. Und in vielen Büchern finde ich noch immer Dinge, die ich dann versuche, in meine eigene Schreibe einzuarbeiten.
Warum ich hier soviel über mich selbst schreibe? Die Antwort kommt, sie fängt jetzt an.
Das größte Problem, was ich mit Thion hatte war schlicht die Wortwahl. Wie Fleischhauer selbst schrieb ging es ihm weniger um das Erzählen als vielmehr um die sprachliche Kunst. Dass man von Anfang an an Werke wie die "Odyssee" erinnert wird, ist also geplant. Die Sache ist die: Imitation will gelernt sein. Und der Vergleich ist ein schlechter an dieser Stelle. Etwas wie Homers Werke zu imitieren ohne über den Wortschatz zu verfügen kann nicht gelingen. So kommt es immer wieder zu eigenartigen Vergleichen, die so gar nicht passen wollen in der altertümlichen Sprachsetzung, und Wortwiederholungen. Oh, die Wortwiederholungen! Eine der ersten Regeln, die ich in der Grundschule lernte, war es, Wortwiederholungen zu vermeiden, es sei denn, ich wollte eine Aussage verstärken. Aber diese hier, viele davon wären mit einem einfachen Griff zum Synonym-Lexikon vermieden worden.
Der nächste Punkt sind die Charakter, vor allem Thion. Er ist der Held, derjenige, dem man durch das Buch folgt. Er sollte wachsen und sympatisch werden an irgendeiner Stelle. Dass er zwischen Ordnung und Chaos balanciert, das hat der Leser schnell heraus. Dass es etwas mit dem zu tun hat, was er bei Synkymlion findet, wird ebenfalls klar. Doch Thion bewegt sich nicht. Er wächst nicht, sondern bleibt gleich. Seine "Opferbereitschaft" MUSS am Ende eingefordert werden, er selbst denkt entweder nicht daran oder er will nicht. Es ist keine Bewegung in dem Charakter selbst. Er hinterfragt nicht, er erschreckt nicht darüber, was mit ihm passiert. Er handelt, teils angetrieben, zwar moralisch konform, aber das wirkt alles sehr steif.
Den anderen Charakteren ergeht es nicht viel besser: Bitor hat einen kurzen Moment, in dem etwas in ihm aufblitzt, ehe er wieder zum Sidekick verkommt, seine Ehefrau Fanyr ist die archetypische Hausfrau und Mutter (abgesehen von der Tatsache, dass die Autoren sich nicht einigen können, wie viele Kinder da eigentlich herumspringen), der aber ein kriegerischer Instinkt bescheinigt wird. Von dem konnte ich allerdings nicht einmal einen Funken finden. Die Zauberin Pextagonia bleibt sogar noch blasser.
Dazu kommt, dass es meiner Ansicht nach Ungereimtheiten gibt, was die Ursache für die Handlung generell betrifft. Ja, der Gott/Göttin des Chaos Oth säte die Samen und kreierte die "intelligenten" Lebewesen. Aber schon im Prolog bleibt der Leser ratlos zurück (zumindest ich tat das), als eine vorgeschlagene Allianz nicht einmal einen Keim erlebt im Angesicht von Gefahr, weil kein Stamm dem anderen traut. Warum keiner dem anderen traut wird nicht erwähnt, und auch aus dem Codex konnte ich mir keinen anderen Grund zusammenreimen, als dass es Oths Schuld war, weil er/sie Dunkelheit in die Seelen säte. Aber selbst Misstrauen sollte irgendeinen Ursprung haben, und sei der noch so weit hergeholt.
Ich gebe zu, die Autoren haben eine Menge Arbeit in ihr Werk gesteckt und nicht nur versucht, eine Welt zu schaffen, aber Abermillionen. Nur war das vielleicht ein bisschen zuviel. Soweit ich das einsehen konnte, spielt zumindest die Handlung der geplanten Trilogie, deren Auftakt dieses Buch darstellt, auf einem Planeten. Möglicherweise kommt da noch mehr, ich weiß es nicht. Wie gesagt, es ist eine Menge Hintergrundmaterial vorhanden, in dem einiges an Arbeit und Zeit steckt. Die Frage ist da eher, hätte man die Zeit nicht sinnvoller nutzen können in Charakterentwicklung und erst einmal der Festlegung nach Hintergründen. Chaos allein ist zumindest mir nicht genug und hinterlässt nur ein riesiges Fragezeichen in meinem Kopf.
Mit der Zeit gewöhnt man sich an den ungewöhnlichen Stil, zugegeben. Dass oder die Autoren wurden flüssiger darin, ihn zu verwenden. Wo mir dann wieder die Frage kommt, ob der Roman überhaupt jemals beta-gelesen wurde oder ob es ein Lektorat gab. Irgendwie drängt sich mir da eine andere Vermutung auf, aber ich möchte keine Gerüchte in die Welt setzen.
Es ist schade, wie viel Potenzial dieser Roman verschenkt. Und ich rede jetzt nicht vom Stil, sondern davon, die Idee besser umzusetzen, ein klares Motiv zu schaffen. Wenn wir bei Tolkien sind: Motiv im "kleinen Hobbit" war das Abenteuer, Motiv im "Herrn der Ringe" war klar der Ring und was er anrichten konnte. Tolkien arbeitete den Großteil seines Lebens an der Erschaffung und Gestaltung Mittelerdes und der dort gesprochenen Sprachen. Er war Professor für Literatur und Sprachen in seinem Hauptberuf. Insofern liegt die Entwicklung nicht zu weit fort von dem, was er ohnehin tat, um sein Geld zu verdienen.
Ich will diesen Roman damit nicht verreißen, er wird sicherlich seine Fans finden, diejenigen, die ihn mögen und es kaum erwarten können, die anderen Bücher der Reihe in die Hand zu bekommen. Nur leider gehöre ich selbst nicht dazu. Es wurde zu viel auf unnötige Details geachtet und zu wenig auf die Handlung. Das ist schade, denn im großen gesehen könnte "Der Aufstieg Thions" sicherlich ein solider Roman sein - wenn auch nicht für mich.
Großvater Michael erzählt seinem Enkel Jonathan einmal in der Woche Gute-Nacht-Geschichten. Ein Highlight für den 10-jährigen, auf dass er sich jede Woche freut und dem er entgegen harrt. Doch weiß Jonathan ...
Großvater Michael erzählt seinem Enkel Jonathan einmal in der Woche Gute-Nacht-Geschichten. Ein Highlight für den 10-jährigen, auf dass er sich jede Woche freut und dem er entgegen harrt. Doch weiß Jonathan nicht das ganze, hat keine Ahnung, was es mit den spannenden Geschichten über die Siegelmeister wirklich auf sich hat. Als dann, Jahre später, ein Unglück geschieht, sieht Jonathan sich einer ganz neuen Realität gegenüber ...
Was fast wie ein Kinderbuch beginnt, verwandelt sich spätestens ab Seite 117 in einen Krimi. Jonathan, der Junge, dem der Großvater früher Geschichten über Siegelmeister und Sagengestalten erzählte, erwacht nach einem Mord in einer vollkommen anderen Realität. Und plötzlich ergeben die früheren Gute-Nacht-Geschichten seines Großvaters einen schrecklichen Sinn. Und Jonathan muss sich die Frage stellen, ob er bereit ist, in die Fußstapfen des alten Herrn zu treten oder ob er all das hinter sich lässt.
Der Roman ist spannend geschrieben. Man legt ihn kaum aus der Hand. Die Figuren sind ausreichend gezeichnet, wenn ich auch nur bei Jonathan und dem Mörder eine wirklich dunkle Seite entdeckte. Ersterer kann die seine überwinden - oder so scheint es. Letzterer ... nun ja.
Was dem Roman sichtlich gut getan hätte wären ein paar mehr Absätze gewesen. So sieht sich der Leser einem fast ausschließlichem Blocksatz gegenüber, was mit der Zeit frustrierend zumindest auf die Rezensentin wirkte. Das allerdings ist auch schon meine größte Kritik an dem gesamten Werk. Der Roman ist in sich schlüssig geschrieben und man erkennt auch sehr schnell den Hintergrund des ersten Kapitels, das sich doch recht drastisch vom Rest der Handlung abhebt. Aber es ist auch gut so.
Dass der Roman in Frankfurt, besser einigen Stadtteilen, spielt, lernt man schnell, ist aber kein Abbruch. Die Rezensentin war noch nie in Frankfurt, konnte sich aber trotz diverser Straßennamen und Wegebeschreibungen sehr gut zurechtfinden im Buch. Ehrlich gesagt, hat der Roman einen gewissen Wunsch geweckt, sich die Stadt, oder zumindest die beschriebenen Örtlichkeiten, einmal anzusehen. Frankfurt scheint um einiges mehr zu sein als nur die Skyline mit ihren Highrisings.
Die Figuren sind, wie bereits gesagt, ausreichend beschrieben, um mit ihnen fühlen zu können. Gerade die Perspektiven von Großvater Michael und später Enkel Jonathan ließen mich immer wieder mitfiebern und mitleiden mit den beiden. Zudem liegt hier und da auch ein gewisser Humor, der den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringt. So macht das Lesen Spaß! Vor allem, weil es durchweg spannend bleibt und man tatsächlich erst fast am Ende erfährt, wer denn nun der Mörder ist.
Vor allem ließ mich immer wieder die Beschreibungen der Kobolde schmunzeln mit ihrem ... wirren Modeverstand (Paisleyhemd und Gummistiefel - zum Schreien!). Auch hier wurde sehr viel Wert darauf gelegt, die Spannung zu erhalten, während die Begegnungen selbst eher humorig zu lesen sind. Erlebach verkauft seine eigene Fantasyspielart wirklich überzeugend und mit einem zwinkernden Auge.
Alles in allem ist der Roman kurzweilig und lesenswert, gerade wenn man über die Blocksatz-Hochhäuser klettert und sich von der Geschichte mitreißen lässt. Es steht offensichtlich zu hoffen, dass Nachfolger folgen werden. Also werde ich meine Augen danach offen lassen. Ich persönlich würde nur zu gern wissen, wie Jonathan seinen Weg zum Siegelmeister fortschreitet.
Artemis hat ein Problem: die Menschen beten sie nicht mehr an und kein einziger ihrer Tempel hat es bis in die Gegenwart geschafft. Und um das alles noch schlimmer zu machen schickt ihr Vater Zeus sie ...
Artemis hat ein Problem: die Menschen beten sie nicht mehr an und kein einziger ihrer Tempel hat es bis in die Gegenwart geschafft. Und um das alles noch schlimmer zu machen schickt ihr Vater Zeus sie mit einem Ultimatum auf die Erde: Entweder es gelingt ihr vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin die keryntische Hirschkuh zu fangen. Keine leichte Aufgabe im modernen Deutschland ...
Nun, noch ist nicht klar (zumindest habe ich nichts dergleichen finden können im Internet), ob Berlin 2036 oder 2040 die Olympischen Spiele austragen wird oder nicht. Angesichts der Geschichte Deutschlands, und wenn ich persönlich die Wahl zwischen den beiden Terminen hätte, würde ich persönlich eher für 2040 stimmen, denn 2036. Aber das ist meine persönliche Wahl, zudem halte ich nicht wirklich viel von diesen Sportevents, also lassen wir dieses Thema und die möglicherweise sehr politischen Debatten dazu mal außen vor und nehmen einfach an, es werde diese Spiele geben in einer nahen Zukunft.
Artemis, die sich so überhaupt gar nicht in der modernen Welt zurecht findet bringt einen erst einmal zum Schmunzeln. Autos sind für sie Käfige, Wind- und Seitenscheiben magische Unsichtbarkeit. Handys sind kleine leuchtende Kästchen ... wie gesagt, es brachte mich an mehr als einer Stelle zum Schmunzeln, wie die jungfräuliche Jägerin verzweifelt versucht, Kontakt herzustellen unter der Prämisse, dass sich die Menschheit doch nicht so sehr verändert haben kann - oder etwa doch? Nun, sie hat.
Dank des Mitleids und der Dankbarkeit Phoebes, einer Bibliothekarin, und ihrer Schwester findet Artemis dann doch Hilfe. Nur dass Phoebe an mehr als einer Stelle ihre Hilfsbereitschaft sehr bereuen wird. Innerhalb kürzester Zeit herrscht im Haushalt der Schwestern pures Chaos, der darin mündet, dass Phoebe sogar ihren Job verliert dank Artemis. Die nämlich lässt voll und ganz die Göttin raushängen mit allem, was dazu gehört.
Hier zeigt Dunkel einmal mehr ihre Stärke: Artemis beginnt allmählich zu zweifeln an sich selbst. Ja, sie ist eine Göttin, ja, sie ist unsterblich, aber ist sie auch allmächtig? Als dann auch noch ihr Zwillingsbruder Apollon auftaucht, ist sie vollkommen zerrissen. Einerseits freut sie sich über die plötzliche Hilfe, andererseits aber bemerkt sie sehr schnell, dass Apollon nicht nur wegen ihr in Berlin eintrifft, sondern mehr als ein Auge auf Phoebe geworfen hat. Etwas, was eine jungfräuliche Göttin natürlich überhaupt nicht gebrauchen kann mitten in einer wichtigen Aufgabe.
Und Phoebe? Die sitzt zwischen allen Stühlen: ihre Schwester will, dass sie diese beiden Götter möglichst schnell und schmerzlos vor die Tür setzt - vor allem Artemis. Apollon, in den sie sich sehr schnell verliebt und der ihr eben auch nicht abgeneigt ist. Und dann ist da natürlich noch Artemis, einen Moment lang am Boden zerstört, im nächsten egozentrische Göttin.
Charakerentwicklung kann Dunkel, und das sehr gut. Dabei bleibt ihr Stil leicht und auch humorvoll, was mir schon in ihren früheren Romanen aufgefallen ist. Ich habe immer Schwierigkeiten mit der Ich-Perspektive, aber bei dieser Autorin fällt es mir relativ leicht, mich darauf einzulassen.
Wenn ich überhaupt etwas zu bekritteln habe, dann den Umstand, dass Artemis keine Probleme hat, moderne Schrift zu lesen. Sie ist eine griechische Göttin, sie sollte das Schriftsystem der alten Griechen lesen können, aber nicht die modernen Buchstaben. Das hat mich zu Beginn ziemlich verwirrt. Dass es ihr als Göttin vielleicht leichter fällt sich umzustellen und schnell lernt, das hätte ich noch verstanden.
Mit einem Schmunzeln muss ich gestehen, dass mir die moderne Handhabung von Social Media und dem Internet in diesem Roman sehr gut gefällt. Dass Artemis am Ende behauptet, ihr Tempel stehe jetzt bei Instagram hat mich wirklich zum Lachen gebracht. Und der Trick mit den PC-Spielen war wirklich sehr gut. Auf diese Idee wäre ich nie gekommen, allerdings bin ich auch kein Gamer. Aber es machte Sinn, dass Artemis sich als solche entpuppte.
Am Ende bleibt ein kurzweiliges Vergnügen mit einer nicht zu deftigen Love-Story und einer geläuterten Göttin. Ein wirklich gelungener Roman, genau das richtige für einen Sommertag auf dem Balkon oder am Strand.