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Veröffentlicht am 24.06.2020

Vielschichtiger und spannender Krimi mit Sogwirkung

Ein Wort, um dich zu retten
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Auf der kleinen Île Beaumont geschieht ein entsetzlicher Mord, die achtunddreißigjährige Touristin Apolline Chapuis wird tot aufgefunden, nackt an den Stamm eines Eukalyptusbaumes genagelt.
Zeitgleich ...

Auf der kleinen Île Beaumont geschieht ein entsetzlicher Mord, die achtunddreißigjährige Touristin Apolline Chapuis wird tot aufgefunden, nackt an den Stamm eines Eukalyptusbaumes genagelt.
Zeitgleich taucht die geheimnisvolle Journalistin Mathilde Monney auf der Insel auf, die aus unbekannten Gründen ein sehr großes Interesse an dem Schriftsteller Nathan Fawles hat. Dieser hörte vor dreißig Jahren von einem Tag auf den anderen auf zu schreiben- nach der Veröffentlichung drei sehr erfolgreicher Bücher und dem Gewinn des Pulitzerpreises- und lebt nun extrem zurückgezogen auf der Insel. Auch Raphaël Bataille, der im Ort aushilfsweise in einer Buchhandlung arbeitet, sucht Kontakt zu dem geheimnisvollen Autor. Er hat ein Manuskript, „Die Unnahbarkeit der Baumkronen“, verfasst, das von mehreren Verlagen abgelehnt wurde und erhofft sich nun von Fawles professionelle Tipps, die es ihm dennoch ermöglichen, als Schriftsteller Fuß zu fassen.

Guillaume Musso ist für mich ein großartiger Erzähler. Er stellt die Geschichte auf ganz verschiedene Arten dar, aus der Perspektive Raphaëls, aus der Fawles, aber auch indem er Zeitungsausschnitte, Briefe oder andere Dokumente einfügt. Das gestaltet den Text abwechslungsreich und dadurch umso fesselnder. Musso widmet sich nicht nur dem aktuellen Geschehen des Falls. Er thematisiert auch im Diskurs immer wieder die Frage, was einen Schriftsteller, was das Schreiben ausmacht. In seinen Antworten zeigt sich seine besondere Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen, zum Beispiel: Der Schriftsteller ist für einen Moment lang „ein Schöpfergott, der die Schicksale gestaltet und Protagonisten auch wieder vernichten kann“ oder „Das Schreiben strukturiert das Leben und die Gedanken, es bringt oft Ordnung in das Chaos des Daseins.“

Autor Guillaume Musso hat unter anderem mit Nathan Fawles, Mathilde Monney diverse Figuren erfunden, die alle sehr ambivalent erscheinen. Je mehr der Leser über sie erfährt, desto misstrauischer wird er ihnen gegenüber. Einem Puzzle gleich wird das Bild der Charaktere immer wieder erweitert und neu zusammengesetzt. Der Leser übernimmt, adaptiert teilweise Raphaëls Sicht, der Sympathieträger fungiert als recht neutraler Beobachter.

Die Handlung verdichtet sich zunehmend, immer mehr Fragen, verschiedene Zusammenhänge tauchen auf, bis alles ein stimmiges Ganzes ergibt und der vielschichtige Kriminalfall klar und logisch nachvollziehbar wird. Die Geschichte ist geschickt aufgebaut, die Spannung steigert sich kontinuierlich. Musso hat als „Schöpfergott“ ein fast perfektes logisches Konstrukt geschaffen, das auf solidem Fundament steht. Vielleicht hat er an ein paar Stellen ein wenig überkonstruiert und übertrieben. Das sei ihm aber verziehen, das Gesamtkonstrukt hält definitiv stand.
Interessant auch, wie Musso noch sich selbst als fiktiven Musso in den Epilog einbaut. Kurze Zeit war ich darüber so verwirrt, dass ich dachte, alles sei tatsächlich real.

Für mich ist „Ein Wort um dich zu retten“ viel mehr als ein „Strandbuch“, wie auf dem Klappentext das Magazin „Grazia“ zitiert wird. Musso beweist für mich erneut, dass sein Erfolg absolut gerechtfertigt ist: Nicht bloße mitreißende Unterhaltung, sondern oft ganz schön abgründig, intelligent aufgebaut und genau durchdacht. Und immer wieder nimmt Musso als Thema im Thema fast literaturwissenschaftlichen Bezug und stellt die Frage, was einen guten Autor auszeichnet und was Schreiben bedeutet. Absolut empfehlenswerter Krimi mit Sogwirkung, der über den Tellerrand des Genres hinausgeht.

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Veröffentlicht am 22.06.2020

Spannend, aber zu kurz und nicht so mitreißend wie die Fjällbacka-Krimis

No Mercy. Rache ist weiblich
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Ingrid Steen, Mutter einer kleinen Tochter, ist mit Tommy, dem Chefredakteur der Aftonpressen verheiratet. Ihr Verdacht, dass er sie betrügt, bestätigt sich. Zudem toleriert Timmy sexistisches Verhalten ...

Ingrid Steen, Mutter einer kleinen Tochter, ist mit Tommy, dem Chefredakteur der Aftonpressen verheiratet. Ihr Verdacht, dass er sie betrügt, bestätigt sich. Zudem toleriert Timmy sexistisches Verhalten seiner Mitarbeiter, ohne darauf angemessen zu reagieren.
Viktoria Brunberg stammt aus dem russischen Jekaterinenburg. Über das Internet lernt sie Malte aus dem kleinen Dorf Silbo in Schweden kennen und heiratet ihn. Doch er behandelt sie ohne jeden Respekt und Viktoria lebt nun kreuzunglücklich und mutterseelenallein in einem fremden Land.
Lehrerin Brigitta Nilsson hat nur noch zwei Jahre bis zu ihrer Pensionierung, ihre Zwillinge Max und Jesper sind längst erwachsen. Hinter verschlossenen Türen verprügelt ihr Mann Jakob Brigitta regelmäßig brutal.
Die drei unterschiedlichen Frauen treten über ein Internetforum in Kontakt und schmieden einen mörderischen Racheplan gegen ihre tyrannischen Ehemänner...

„No mercy. Rache ist weiblich“ liest sich, wie von Autorin Camilla Läckberg gewohnt, flott und ohne Anstrengung. Ich habe den Kurzkrimi in einem Rutsch beendet. Der Titel ist mir persönlich allerdings zu reißerisch formuliert und spricht mich nicht an.

Ingrid, Viktoria und Brigitta leiden auf verschiedene Arten unter ihren Männern, die sie unterdrücken und nicht respektieren. Die Frauen werden von der Autorin nicht tiefergehend charakterisiert, der Leser erfährt nur, wie sie nach außen hin auf die Demütigungen ihrer Männer reagieren, geduldig und ohne sich offenkundig zu wehren. Für jede der Figuren habe ich anfangs Mitleid empfunden. Innen sieht es bei den Dreien jedoch ganz anders aus: Im Verborgenen entwickeln sie Pläne, ihre Männer zu bestrafen, vieles wird dabei nur angedeutet. Wie kaltblütig und berechnend sie vorgehen, wie sie ihre Emotionen kontrollieren, wird eindrücklich dargestellt. Schon bald merkt der Leser, dass die starken Frauen nicht auf Mitleid angewiesen sind, sondern durchaus in der Lage sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und dabei auch über Leichen gehen. Für mich hätten die Figuren noch ein wenig intensiver und genauer ausgestaltet werden können, etwas menschlicher und nahbarer, weniger hölzern, auch wenn die plakative, schlichte Charakterisierung sicherlich von der Autorin so beabsichtig ist. Läckberg setzt bewusst mehr auf Effekt und weniger auf Emotion.

Die Handlung ist sehr spannend und nachvollziehbar aufgebaut. Wie die Geschichte enden wird, wird relativ schnell klar. Aber welchen Weg die Figuren nehmen, um ihr Ziel zu erreichen, bleibt über weite Strecken ein Rätsel. Insgesamt ein solider Plot, nicht in jeder Szene aber durchgehend glaubwürdig und logisch.

Ich wurde von Läckbergs Kurzkrimi gut unterhalten, hab das Buch innerhalb von knapp zwei Stunden durchgelesen. Von mir aus hätte das Buch aber auch deutlich umfangreicher ausfallen können. So bekommt man doch relativ wenig für sein Geld, erlebt nur ein kurzes Lesevergnügen. Das, was für mich Läckbergs Romane um Erika Falck ausmachen, intensives Mitfiebern mit sympathischen Charakteren, fehlt hier gänzlich. Ich hoffe auf baldige Neuigkeiten aus Fjällbacka. Dieser Roman war deutlich zu „dünn“, um mir die Wartezeit ernsthaft zu verkürzen ....

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Veröffentlicht am 18.06.2020

Außen hui- innen na ja - Schönes Cover, belanglose, wenig originelle Geschichte

Das kleine Hotel auf Island
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Seit Wochen ist Hotelmanagerin Lucy auf der Suche nach einem neuen Job. Ihre letztes Arbeitsverhältnis endete sehr unschön. Als einziger Ausweg bietet sich schließlich die Möglichkeit, eine Lodge in Island ...

Seit Wochen ist Hotelmanagerin Lucy auf der Suche nach einem neuen Job. Ihre letztes Arbeitsverhältnis endete sehr unschön. Als einziger Ausweg bietet sich schließlich die Möglichkeit, eine Lodge in Island auf Vordermann zu bringen. Im idyllischen Hygge-Hotel hat sie zunächst mit ungewöhnlichen Herausforderungen zu kämpfen: die Technik versagt, mystische Gestalten, Geister und Angestellte müssen besänftigt und Schafe aus dem Whirlpool geborgen werden. Bei all dem steht Barman Alex Lucy stets unterstützend zur Seite. Doch er hat wie Lucy selbst ein Geheimnis...

Besonders gut gefällt mir das Cover von Julie Caplin Romans „Das kleine Hotel auf Island“. In dezenten Farben sind darauf eine Teekanne im Meer, ein Papageientaucher und ein schwimmender Wal zu sehen. Die Motive sind beim Darüberstreichen erhaben, fühlen sich fast samtig an. Wirklich sehr hübsch aufgemacht das Ganze!
Doch leider hält der Inhalt nicht, was das Cover verspricht: Caplin schreibt einfach und klar, gut verständlich, für mich aber fast etwas eintönig und wenig abwechslungsreich. Es brauchte einige Zeit, bis sich bei mir „Lesefluss“ einstellen wollte.

Die Hauptfiguren Lucy und Alex sind nett und sympathisch, mehr nicht. Beide haben Geheimnisse. Lucy musste in der Vergangenheit beschämende Erfahrungen machen, die sie geprägt haben und die sie lieber vergessen möchte. Alex ist nicht der, der er zu sein scheint. Lucy wirkt etwas verloren und traurig, hat Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen. Richtige Ecken und Kanten findet man bei ihr kaum, Alex kommt sogar noch glatter und perfekter rüber. Aus diesem Grund habe ich mit den Figuren nicht richtig mitfiebern können. Sie bleiben für mich zu blass.

Die Handlung empfand ich schlicht als „nett“, unterhaltsam, aber ziemlich vorhersehbar, das Ende gar als etwas plump. Alles in allem halte ich den Stoff für wenig innovativ und originell. „Packend“ ist anders.

Ich hatte von diesem Roman nach der Leseprobe mehr erwartet. Sogenannte Eskapismus-Lektüren sorgen bei mir normalerweise dafür, dass ich in eine Geschichte voll eintauchen kann und den Alltag und alles um mich herum während des Lesens vergesse. Dieser Zustand wollte sich bei mir durch Caplins aktuellen Roman leider nicht einstellen. Das Buch hat mich sehr neugierig auf Island, den eigentlichen Star der Geschichte, gemacht. Die Hauptfiguren, vor allem Alex, werden vom traumhaften, interessanten Schauplatz regelrecht in den Schatten gestellt. „Das kleine Hotel auf Island“ kann man lesen, muss man aber nicht. Für mich gibt es Wohlfühlbücher mit mehr Hygge, die ihren Zweck deutlich besser erfüllen.

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Veröffentlicht am 11.06.2020

Seuche und Mord- Spannender historischer Krimi vor düsterer Kulisse

Die Henkerstochter und der Fluch der Pest (Die Henkerstochter-Saga 8)
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Wir sollten alle zu unseren Schutzpatronen gegen Pest und Seuchen beten, zum heiligen Sebastian und zur heiligen Corona“.

Die Pest breitet sich 1679 erneut in Bayern aus. Magdalena und Simon sind gerade ...

Wir sollten alle zu unseren Schutzpatronen gegen Pest und Seuchen beten, zum heiligen Sebastian und zur heiligen Corona“.

Die Pest breitet sich 1679 erneut in Bayern aus. Magdalena und Simon sind gerade mit ihren Kindern zu Besuch in Schongau bei Magdalenas Vater dem Henker Jakob Kuisl und dessen Sohn Georg, als der Scharfrichter von Kaufbeuren plötzlich dort auftaucht. Kurz bevor er tot zusammenbricht, bittet er seinen Freund Jakob, Kaufbeuren zu retten, denn dort spiele ein schwarzer Reiter, ein Mörder, zum Tanz auf. Mit Simon und Magdalena reist Jakob nach Kaufbeuren und wird Zeuge mehrerer mysteriöser Todesfälle. Die Opfer scheinen an der Pest gestorben zu sein, aber ganz untypisch kommt es nicht zur Epidemie. Ist die Pest dort etwa noch aufzuhalten? Magdalena muss sich zudem noch um ihre beiden Söhne sorgen: Peter sollte eigentlich in Kaufbeuren einen wichtigen Brief des bayrischen Thronfolgers zu überbringen, taucht aber nicht am Ziel auf. Und der oft unbeherrschte, temperamentvolle Paul, der bei Onkel Georg in Schongau bleibt, bringt sich selbst durch seine Neugier in Lebensgefahr.....

Oliver Pötzsch schreibt sehr flüssig, klar und gut verständlich. Der angenehm unkomplizierte Schreibstil macht es dem Leser leicht, in die Geschichte hineinzufinden, sich gar ganz in ihr zu verlieren und in die düstere Zeit des 17. Jahrhunderts einzutauchen.

Pötzsch Figuren sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen: Die schlaue scharfsinnige und vorwitzige Magdalena steht ihrem brummigen Vater in nichts nach, wenn es darum geht, ein Verbrechen zu wittern und es tatkräftig aufzuklären. Ehemann Simon, der mittlerweile in München als Arzt arbeitet, macht die Verbrecherjagd ebenso viel Freude, doch geht er die Dinge etwas theoretischer an, studiert lieber Bücher, während sich Magdalena und ihr Vater kopfüber ins Geschehen stürzen. Ein Henker ist sicherlich nicht unbedingt ein sympathischer Zeitgenosse, doch bei Jakob Kuisl vergisst man regelmäßig, welcher grausamen Tätigkeit er eigentlich nachgeht. So unangenehm sein Beruf, so sympathisch und menschlich wirkt er auf mich. So kümmert er sich engagiert um Kranke und Verletzte und seine Familie ist für ihn das Wichtigste überhaupt. Simon, Magdalena und Jakob sind definitiv ein interessantes, äußerst unterhaltsames Detektivtrio. Auch Peter, Paul und Sophia, Magdalenas Kinder oder ihre Geschwister Barbara und Georg sind Figuren mit großem Potenzial, deren Entwicklung mich immer neugieriger machen.

Oliver Pötzsch hat einen zweifelsfrei fesselnden, stellenweise aber etwas abstrusen Kriminalfall konstruiert. Bis zum Ende bleibt es spannend und mehr als einmal verdächtigt der Leser den Falschen. Langweilig wird es dabei nie. Das Ende kommt recht unerwartet, scheint aber logisch und stimmig.

Der Autor beteuert im Nachwort, nicht beabsichtigt zu haben, einen Roman mit Anspielungen auf die aktuelle Corona-Pandemie schreiben zu wollen. Als er mit dem umfangreichen Buch anfing, waren die Ereignisse noch ganz weit weg. Mit dem Corona-Ausbruch gewinnen manche Ereignisse im Roman eine ganz neue Bedeutung, sind dem Leser nun viel nachvollziehbarer und realistischer.
Nach ein, zwei schwächeren Romanen aus der Reihe hat mich „Die Henkerstochter und der Fluch der Pest“ erneut überzeugt. Ich habe den historischen Krimi sehr gerne gelesen, hatte trotz erschreckender Parallelen zur aktuellen Situation einige kurzweilige, unterhaltsame Lesestunden und bin beim nächsten Fall gerne wieder mit von der Partie.

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Veröffentlicht am 25.05.2020

Fesselnder Schmöker um eine starke Frau mit großen Ambitionen

Das Juliusspital. Ärztin aus Leidenschaft
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Viviana, Tochter des Würzburger Bankiers Johann Winkelmann, wird 1850 ledig und ungewollt schwanger. Zur damaligen Zeit eine Schande! Vivianas Familie beschließt, dass Viviana zur Wahrung des guten Rufs, ...

Viviana, Tochter des Würzburger Bankiers Johann Winkelmann, wird 1850 ledig und ungewollt schwanger. Zur damaligen Zeit eine Schande! Vivianas Familie beschließt, dass Viviana zur Wahrung des guten Rufs, ihr Kind heimlich im Kloster gebären und danach weggeben soll. Doch die junge Frau möchte ihre Tochter nicht aufgeben, flieht und findet im Pleicher Viertel Unterschlupf bei der Witwe Magda Vogelhuber und deren beiden Kindern. Die Frauen unterstützen sich gegenseitig. Während Magda auf die Kinder aufpasst, arbeitet Viviana als Helfnerin in der Apotheke des Juliusspitals. Durch ihre Tätigkeit in der Apotheke wird Vivianas Interesse an der Medizin geweckt. Heimlich belauscht sie Vorlesungen, lernt die hiesigen Professoren, wie Karl Friedrich von Markus oder den weltberühmten Rudolph Virchow kennen. Die junge Frau träumt davon, eines Tages selbst als Ärztin Patienten behandeln zu können. Doch das ist Frauen verboten.

Das Cover des Romans zeigt eine junge hübsche Frau, in der Mode des 19. Jahrhunderts gekleidete. Sie steht vor dem berühmten Juliusspital. Teile des Titels und des Bildes sind in Gold gedruckt. Das Titelbild ist ansprechend gestaltet und erregt definitiv Aufmerksamkeit, auf mich persönlich wirkt es allerdings etwas zu kitschig.

Claudia und Nadja Beinert schreiben gut verständlich und klar. Ihr Roman liest sich angenehm leicht und unkompliziert. Mein Einstieg in die Geschichte gelang daher mühelos.

Protagonistin Viviana ist eine besondere, beeindruckende Frau: willensstark, eigensinnig, leidenschaftlich. Sie entscheidet sich für ihre Tochter und gibt ihr bisheriges luxuriöses Leben auf. Im ärmlichen Pleicher Viertel arbeitet sie hart für ihr Geld und beginnt sich für den Arztberuf zu interessieren. Doch leider dürfen Frauen zu dieser Zeit keine Ärztinnen werden, was Viviana aber nicht daran hindert, an ihrem Traum festzuhalten. Imponiert hat mir auch Magda Vogelhuber, die Viviana vorbehaltlos unterstützt, als sie ganz unten ist, obwohl sie sie gerade erst kennengelernt hat. Im Gegensatz zu ihr, will Vivianas Familie nichts mehr von der „gefallenen Tochter“ wissen. Vor allem Bruder Valentin und Mutter Elisabeth schämen sich sehr für sie und sind nur auf den guten Ruf bedacht. Doch auch sie haben Geheimnisse, die besser nicht an die Öffentlichkeit dringen sollten.
Interessante faszinierende Charaktere sind auch die historischen Figuren der Professoren, der weltberühmte Rudolf Virchow, Karl Friedrich von Marcus, Franz von Rinecker und Rudolf Albert Kölliker. Real existierende Personen machen einen historischen Roman für mich immer noch glaubwürdiger. Mehr über ihre Forschung zu erfahren, fand ich sehr aufschlussreich und informativ.

Die vielen unterschiedlichen Figuren - teils aus verschiedenen Milieus- sorgen für eine abwechslungsreiche Handlung. Als stimmig und rund empfand ich auch den Aufbau des Buchs. So hat mich die Geschichte zu jeder Zeit sehr gut unterhalten, mit der sympathischen Viviana musste ich einfach mitfiebern. Durch die zahlreichen Schicksalsschläge und Herausforderungen, die Viviana überstehen muss, ist der Plot bis zum Ende spannend und sehr fesselnd.

„Das Julius Spital-Ärztin aus Leidenschaft“ ist ein perfekter Schmöker, ein historischer Roman ganz nach meinem Geschmack, mit einer starken Frau als Hauptfigur. Nebenher gibt es einiges über bestimmte Aspekte und wichtige Personen aus der Geschichte der Medizin zu erfahren, dadurch wirkt der Roman authentisch und realistisch. Gut gefallen hat mir auch der Schauplatz Würzburg. Die Stadt wird anschaulich und genau beschrieben, ich habe einige Ecken wiedererkannt und konnte mir alles lebhaft vorstellen. Nicht nur für Würzburger ein kurzweiliger Lesegenuss. Ich kann die Fortsetzung schon jetzt kaum erwarten und bin gespannt, wie es mit Viviana und ihrer Familie weitergeht.

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