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Veröffentlicht am 14.08.2022

Mord im Kaiserreich - Wer ist Freund oder Feind?

Fabrik der Schatten
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"Fabrik der Schatten" ist der Auftaktroman der Craemer-und-Vogel-Reihe von Matthias Wittekind und Rainer Wittkamp. Major Albert Craemer und Lena Vogel von der Abteilung III-B des militärischen Geheimdienst ...

"Fabrik der Schatten" ist der Auftaktroman der Craemer-und-Vogel-Reihe von Matthias Wittekind und Rainer Wittkamp. Major Albert Craemer und Lena Vogel von der Abteilung III-B des militärischen Geheimdienst bekommen es mit einem ungewöhnlichen Fall zu tun. Nahe dem kleinen Ort Bingen kollidiert ein PKW mit einem Güterzug, dies eigentlich ein Fall für die örtliche Polizei. Doch der Fahrer des Unfallwagen wurde kurz nach dem Zusammenstoß mit je zwei Schüssen in den Kopf und in die Brust hingerichtet. In Bonn wird fast zeitgleich ein Chemiestudent ebenfalls auf die gleiche Weise erschossen. Was steckt hinter dem ganzen? Als auch noch die Überführung von drei Flugzeugen von Frankreich ins deutsche Kaiserreich von einem Absturz überschattet wird, glaubt man an eine feindliche Geheimoperation der Franzosen. Es gilt die Fäden zu entwirren und die Hintergründe aufzudecken. Das Buch ist in kurze Kapitel untergliedert und eröffnet viele Handlungsstränge. Erst nach und nach werden diese gebündelt, dabei erfährt der Leser auch die Vorgeschichte der beiden Protagonisten. Immer wieder ergeben sich Wendungen, der Leser erlebt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Teils rasante Ortswechsel tragen dazu bei Spannung zu erzeugen. Zwar wirken einzelne Szenen etwas konstruiert und Lena an manchen Stellen etwas unrealistisch, doch stört dies die Story und den Spannungsaufbau nicht. Geprägt von einer Atmosphäre von Misstrauen zwischen Militär und Geheimdienst taucht der Leser in die Jahre vor dem 1. Weltkrieg ein. "Fabrik der Schatten" ist ein vielversprechender Auftaktband dieser neuen Reihe des Autorenduos. Leider verstarb Rainer Wittkamp im Dezember 2020 kurz vor Fertigstellung des Manuskripts des Buches, doch Matthias Wittekindt will die Reihe fortsetzen und schreibt bereits an einem zweiten Band. Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht.

Veröffentlicht am 05.08.2022

Das Geheimnis hinter der kleinen Marie

Am Ende des Zorns
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"Am Ende des Zorns" ist der achtzehnte Band aus der Alexander-Gerlach-Reihe von Wolfgang Burger. Kurz vor Weihnachten wird Kriminaloberrat Alexander Gerlach zu einem vermeintlichem Selbstmord gerufen. ...

"Am Ende des Zorns" ist der achtzehnte Band aus der Alexander-Gerlach-Reihe von Wolfgang Burger. Kurz vor Weihnachten wird Kriminaloberrat Alexander Gerlach zu einem vermeintlichem Selbstmord gerufen. Doch schnell ergeben sich Zweifel und es steht fest, dass der Mann erschossen wurde. Zeitgleich ertappt er bei einem Bummel über den Heidelberger Weihnachtsmarkt eine kleine Taschendiebin. Das Mädchen Marie, erst noch sehr verstockt, fasst dann aber schnell Vertrauen zu Gerlach. Mit Zustimmung des Jugendamtes nimmt er die Neunjährige erst mal zu sich und seinen Töchtern, denn wie sich herausstellt ist der Tote der Vater der kleinen Marie. Es gilt den Täter zu finden und die familiären Hintergründe rund um Marie zu klären. Wie immer in dieser Reihe verknüpft Wolfgang Burger einen Kriminalfall mit dem Privatleben des Ermittlers. Im Hause Gerlach will man jetzt nachhaltiger leben, während die eine Tochter immer mehr eine Polizeilaufbahn nach der Schule ins Auge fasst, will die andere mit ihrem Freund auf ökologische Weise nach Australien reisen. Der Leser erlebt die Weihnachtsfeiertage im Hause Gerlach, aber auch das Zerbröckeln der Beziehung von Alexander Gerlach und seiner Lebensgefährtin Theresa. Der Kriminalfall nimmt wie immer klassisch Fahrt auf. Recherchearbeit, Befragungen, ein Team dass über die Feiertage ermitteln muss und dass sich nach und nach dem Täter nähert. Stellenweise mit kleinen Längen, aber gegen Ende steigt die Spannung wieder merklich an. Alexander Gerlach ermittelt mittlerweile zum achtzehnten Mal, der neueste Band steht im Herbst in den Startlöchern. Noch immer begleite ich die Heidelberger Kriminalfälle sehr gern, die Kombination aus Krimi, Lokalkolorit und Gerlachs Familienleben finde ich immer noch gelungen. Das teils offene Ende lässt mich gespannt auf Band 19 blicken.

Veröffentlicht am 30.07.2022

Wenn in Berlin die Lichter ausgehen ...

Verdunkelung
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"Verdunkelung" ist das Thrillerdebüt von Simon Scarrow, der bis dato der Leserschaft hierzulande mit seinen historischen Romanen bekannt ist. Mit seinem Ermittler Horst Schenke betritt er nun neues Terrain. ...

"Verdunkelung" ist das Thrillerdebüt von Simon Scarrow, der bis dato der Leserschaft hierzulande mit seinen historischen Romanen bekannt ist. Mit seinem Ermittler Horst Schenke betritt er nun neues Terrain. 1939, die Deutschen sind in Polen einmarschiert, die Berliner Bevölkerung spürt die ersten Auswirkungen des Krieges. Während in den Nächten Verdunkelung angeordnet ist, treibt ein Frauenmörder sein Unwesen. Schnell stellt sich heraus, dass mehrere Morde nach dem gleichen Muster auf das Konto des Täters gehen. Als aber eine junge jüdische Frau sich zur Wehr setzen kann und dem Mörder entkommt, ergibt sich für die Berliner Kriminalpolizei eine erste heiße Spur. Die Augenzeugin kann entscheidende Hinweise geben, aber die Spur führt auf gefährliches Terrain innerhalb der deutschen Abwehr. Simon Scarrow platziert seinen Ermittler im Berlin 1939. Ein gesetzestreuer Kriminalinspektor ohne Parteibuch, aber mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Zwischen SS, Gestapo und Abwehrdienst gerät er immer wieder an seine Grenzen. Der Autor gibt neben dem klassischen Kriminalfall der Schilderung der damaligen politischen Situation viel Raum. Die Machtspiele zwischen den jeweiligen Einheiten und der damit verbundenen latenten Gefahr für die agierenden Personen. Die Augenzeugin eine Jüdin, der Ermittler nicht in der NSDAP, Vertuschungsversuche um das Regime im Glanze erscheinen zu lassen, all dies bildet genügend Zündstoff rund um die Tätersuche. Diese Kombination macht dieses Buch zu einem lesenswerten Krimi. Die Spannung nimmt immer mehr zu und speziell im letzten Drittel erreicht sie ihren Höhepunkt. Kriminalinspektor Schenke ist sicherlich kein Ermittler des Herzens, aber kommt klar strukturiert und authentisch rüber. In Summe ist dieses Buch für mich kein Thriller, aber ein guter Krimi im Setting des Naziregime. Lt. Verlag sollen weitere Bände in Vorbereitung sein, man darf gespannt sein wie es mit Horst Schenke und seinen Ermittlungen weitergehen wird.

Veröffentlicht am 20.07.2022

Im Visier des Samariter

Deiner Seele Grab (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 6)
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"Deiner Seele Grab" ist der sechste Band aus der Kommissar-Dühnfort-Reihe von Inge Löhnig. Als mehrere alte Menschen in München in ihren Wohnungen erstickt werden, verhärtet sich schnell der Verdacht auf ...

"Deiner Seele Grab" ist der sechste Band aus der Kommissar-Dühnfort-Reihe von Inge Löhnig. Als mehrere alte Menschen in München in ihren Wohnungen erstickt werden, verhärtet sich schnell der Verdacht auf einen Serientäter. Es gibt ein Bekennerschreiben, in dem sich der Täter als Samariter bezeichnet, der die alten Menschen von ihren Qualen erlöst. Die Boulevardpresse schießt sich schnell darauf ein, aber Kommissar Dühnfort und sein Team haben Zweifel. Steckt wirklich ein Serientäter hinter den Taten und was haben die Taten gemeinsam? Immer mehr Motive und Tatverdächtige offenbaren sich und rücken die Morde in ein neues Licht. Aus wechselnden Perspektiven erzählt die Autorin diesen Kriminalfall. Als thematischer Hintergrund spielen dabei pflegebedürftige ältere Menschen die Hauptrolle und wie versucht wird, deren Situation auszunützen. Das Privatleben der Ermittler wird in diesem Band ebenfalls weitererzählt, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Das Hauptaugenmerk liegt klar auf dem Kriminalfall, den Inge Löhnig in gewohnter Weise facettenreich erzählt. So kommen einige Personen als Täter ins Spiel, aber erst spät offenbaren sich die wahren Zusammenhänge. Dies hält einen als Leser bei der Stange und man ist gespannt, wie sich die Fäden entwirren. Eine durchdachte Story, die viele ermittlungstechnischen Sackgassen zulässt, um dann doch eines der ältesten Tatmotive zu präsentieren. Auch dieser sechste Band der Reihe konnte mich überzeugen und ich lese immer wieder gern vom Münchner Kommissar und seinen Fällen.

Veröffentlicht am 10.07.2022

Der Ruf des Falken am Himmel

Legenden des Krieges: Im Schatten des Falken
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"Im Schatten des Falken" ist der siebte Band der Legenden-des-Krieges-Reihe von David Gilman. Winter 1364 - Seit knapp 30 Jahren tobt der hundertjährige Krieg. Sir Thomas Blackstone, aufgestiegen vom einfachen ...

"Im Schatten des Falken" ist der siebte Band der Legenden-des-Krieges-Reihe von David Gilman. Winter 1364 - Seit knapp 30 Jahren tobt der hundertjährige Krieg. Sir Thomas Blackstone, aufgestiegen vom einfachen Bogenschützen zum gefürchteten Kriegsherr König Edwards III., sichert die Bretagne für England. Doch es dauert nicht lange, da erhält er einen neuen Auftrag. Don Pedro I., der König von Kastilien, muss in Sicherheit gebracht werden vor dessen Halbbruder den die Franzosen auf den Thron zu setzen gedenken. Doch Don Pedro ist kein Mann von Ehre, im Gegenteil. Er steht im Ruf ein lasterhafter und böser König zu sein, sogar der Verdacht seine junge Gemahlin Blanche de Bourbon vergiftet zu haben steht im Raum. Ein kleiner Junge war Zeuge dieses schrecklichen Verbrechen, skrupellose Söldner machen Jagd auf ihn um ihn zu beseitigen. Thomas Blackstone steht zwischen den Stühlen. Zum einen den verhassten Don Pedro zu schützen und seine Flucht zu unterstützen, aber auch die ganze Wahrheit aufzudecken. In diesem siebten Band begleitet der Leser Blackstone auf seiner Route durch Frankreich und Spanien in den Jahren 1364 - 1366. Der spanische Erbfolgekrieg bietet den Rahmen zu dieser Geschichte. Zudem lässt der Autor in diesem Band Hexerei und Aberglaube einfließen. Denn die schöne Velasquita hat die Gabe die Zukunft zu sehen und scheint mit dem Teufel im Bunde. Sie kündet Blackstones bevorstehenden Tod an und scheint eine gefährliche Drahtzieherin zu sein. War in den bisherigen Bänden das Hauptaugenmerk des Autors auf den teils epischen Schlachten, Ränkespiele und geschichtlichen Ereignissen, zeigt dieser Band andere Seiten. Thomas Blackstone wirkt verletzlich, man erkennt nicht nur äußerliche Narben des Krieges an ihm. Verluste enger Kameraden, die Fürsorglichkeit und Zuneigung für dem kleinen kastilischen Jungen Lázaro aber auch die Sehnsucht zur toten Gattin und Tochter und dem noch im fernen England lebenden Sohn. Und so bietet dieser Band mehr tragische und dramatische Ereignisse innerhalb Blackstones Truppe, die man als treuer Leser dieser Reihe teils auch sehr bewegt aufnimmt. Blackstones enge Weggefährten werden weniger und damit verbunden schleicht sich beim Lesen auch etwas Melancholie ein. Die Grausamkeit des Krieges ist einmal mehr spürbar. Für mich nicht ganz der stärkste, aber mit Sicherheit ein guter Band dieser Reihe. Thomas Blackstone und seine Weggefährten sind mir ans Herz gewachsen und David Gilman trifft damit absolut meinen Geschmack.