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Veröffentlicht am 06.05.2021

Ein steiniger Weg

Die Senfblütensaga - Zeit für Träume
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Der erste Band der Senfblütensaga spielt in Metz in Elsass-Lothringen im Jahr 1908. Damals nahmen Deutsche viele wichtige Positionen in der Stadt ein und die französische Bevölkerung verlor ihre Arbeit ...

Der erste Band der Senfblütensaga spielt in Metz in Elsass-Lothringen im Jahr 1908. Damals nahmen Deutsche viele wichtige Positionen in der Stadt ein und die französische Bevölkerung verlor ihre Arbeit und wurde verdrängt. Auch Emmas Familie kam nach Metz, weil ihr Vater dort einen Posten angeboten bekommen hat. Emma selbst möchte mehr im Leben erreichen, als Ehefrau und Mutter zu sein, was damals der übliche Lebensplan für eine junge Frau war. Am liebsten würde sie in Straßburg studieren, wobei sie ihre Eltern aber nicht unterstützen wollen und das auch finanziell nicht können. Stattdessen suchen sie nach einer guten Partie für sie, wobei die Wahl zunächst auf Carl Seidel fällt, den Sohn eines Fuhrunternehmers. Beide sind auch recht voneinander angetan, da Carls wahre Leidenschaft aber nicht das elterliche Fuhrunternehmen, sondern die Senfherstellung ist, fällt er bei seiner eigenen und damit auch bei Emmas Familie in Ungnade und muss hart für die Erfüllung seines Traums kämpfen. Emma muss währenddessen verhindern, mit einem anderen Mann verheiratet zu werden und kämpft auch weiter dafür, irgendwann doch noch studieren zu dürfen.

Mir hat die Geschichte grundsätzlich gut gefallen, ich mochte es, mehr über das Leben in Metz Anfang des vergangenen Jahrhunderts zu erfahren und finde es auch immer wieder erschreckend, wie wenig Frauen damals mitentscheiden durften, was die Gestaltung ihres eigenen Lebens angeht. Die beiden Hauptpersonen Emma und Carl sind mir beide sehr sympathisch, wie sie für ihren Traum kämpfen und sich trotz aller Widrigkeiten nicht davon anbringen lassen. Teilweise waren mir aber eine Spur zu viel Drama und ungünstige Wendungen vorhanden, hiervon hätte es auch ein Tick weniger getan. Dafür hätte ich gerne noch etwas mehr über die Kunst der Senfherstellung erfahren, die ja die große Leidenschaft von Carl ist. Aber, vielleicht steht das dann erst im nächsten Band noch mehr im Mittelpunkt. Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf! Der Schreibstil der Autorin ist gut nachvollziehbar und anschaulich.

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Veröffentlicht am 02.05.2021

Back To The Roots

Der Wind singt unser Lied
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Ich habe schon mehrere Romane von Meike Werkmeister gelesen, da ich sehr gerne beim Lesen an die Nordsee reise, wo ihre Geschichten hauptsächlich spielen. Daher war mein Interesse für „Der Wind singt unser ...

Ich habe schon mehrere Romane von Meike Werkmeister gelesen, da ich sehr gerne beim Lesen an die Nordsee reise, wo ihre Geschichten hauptsächlich spielen. Daher war mein Interesse für „Der Wind singt unser Lied“ natürlich auch gleich geweckt. Aber auch das Cover des aktuellen Romans ist wieder sehr ansprechend gestaltet und macht wirklich Lust darauf, das Buch zu lesen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die Weltenbummlerin Toni, die wegen ihrer Eltern nach langer Zeit zurück nach St. Peter Ording auf deren Ferienhof kommt, nachdem sie zuletzt in Costa Rica recht zufrieden war. Für viele ein traumhafter Ort mit seinem tollen Strand und der Nordsee, nicht aber für Toni, die sich in ihrem Heimatort noch nie so richtig wohlgefühlt hat und sich auch wieder mit unangenehmen Erinnerungen aus ihrer Jugend konfrontiert fühlt. Und auch das Zusammensein mit ihren Eltern und ihrer Schwester gestaltet sich recht unentspannt und man scheint Toni etwas zu verheimlichen.
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, da es sich nicht ausschließlich um einen sommerlichen Liebesroman handelt, der an einem schönen Ort spielt, sondern auch eine gute Dosis Tiefgang enthalten ist. Besonders gut gefällt mir aber natürlich auch wieder der Lokalkolorit, sodass ich mir die Schauplätze an der Nordsee sehr gut vorstellen und zumindest in Gedanken dorthin reisen konnte. Die verschiedenen Charaktere sind mir trotz mancher Ecken und Kanten sympathisch und der Schreibstil der Autorin ist sehr anschaulich und angenehm lesbar. Sehr schön finde ich auch, dass immer wieder Songtexte von Toni an passender Stelle eingebunden wurden. Sehr gerne empfehle ich diesen Roman weiter.

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Veröffentlicht am 29.04.2021

Perspektivwechsel

Drei Kameradinnen
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Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die "Drei Kameradinnen" Hani, Saya und die Erzählerin Kasih, drei junge Frauen, deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind, als sie selbst noch Kinder waren. Sie ...

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die "Drei Kameradinnen" Hani, Saya und die Erzählerin Kasih, drei junge Frauen, deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind, als sie selbst noch Kinder waren. Sie freundeten sich an, weil sie in der gleichen Siedlung aufwuchsen und verbrachten viel Zeit zusammen. Mittlerweile lebt und arbeitet Saya in einem anderen Land und sie sehen sich seltener, aber anlässlich der Hochzeit einer Jugendfreundin verbringen sie nun wieder einige Tage gemeinsam und es kommt zu einem dramatischen Ereignis.

Was genau passiert ist, erfährt man aber erst am Ende des Romans. Dazwischen kommt es immer wieder zu episodenhaften Rückblicken auf Ereignisse, die alle drei Frauen oder besonders die Ich-Erzählerin Kasih geprägt haben und man erfährt mehr darüber, wie das Leben der jungen Frauen aktuell aussieht. Während Hani sich total bemüht, bei ihrer Arbeit alle Erwartungen am besten noch zu übertreffen und immer um Harmonie bemüht ist, widdert Saya überall Diskriminierung und Ungerechtigkeiten und tickt auch gerne mal aus. Kasih wirkt so, als ob sie ihren Weg noch nicht ganz gefunden hat und tut sich trotz eines Einser-Abschlusses schwer bei der Jobsuche, wofür sie auch ihren Migrationshintergrund als Ursache sieht. Als Erzählerin versucht sie, Erklärungen für das Verhalten ihrer Freundinnen zu bieten, spricht aber auch immer wieder den Leser direkt an und weist ihn so daraufhin, dass auch er nicht frei von Vorurteilen oder diskriminierenden Verhaltensweisen ist. Auch reale Ereignisse spielen im Roman eine Rolle, wie der Prozess um die NSU-Morde, dessen Verlauf vor allem Saya nicht kalt lässt.

Ich halte den Roman für sehr wichtig, um einmal die Perspektive zu wechseln und eigene Einstellungen und Verhaltensweisen zu überdenken und (wieder) darauf aufmerksam zu werden, wie verbreitet Alltagsrassismus heute noch ist, auch wenn man sich selbst eigentlich für weitgehend vorurteilsfrei hält. Der Roman bietet auf jeden Fall neue Sichtweisen und wichtige Denkanstöße und die Autorin schreibt sehr abwechslungsreich und sprachgewaltig. Man kann sich so sehr gut in ihre Protagonistinnen hineinversetzen und sie wirken auch sehr authentisch. Dass man als Leser auch immer wieder direkt von Kasih angesprochen wird, auch wenn es oft in einem provokanten und vorwurfsvollen Tonfall ist, hat mir ebenfalls gut gefallen. Ich empfehle das Buch daher gerne weiter.

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Veröffentlicht am 29.04.2021

Offen für Neues

Ich dachte schon, du fragst mich nie
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Bei "Ich dachte schon, du fragst mich nie" hat mich zunächst das Cover sehr angesprochen, es ist wirklich schön gestaltet, wobei es mich erst einmal vermuten lassen hat, dass der Roman fast ausschließlich ...

Bei "Ich dachte schon, du fragst mich nie" hat mich zunächst das Cover sehr angesprochen, es ist wirklich schön gestaltet, wobei es mich erst einmal vermuten lassen hat, dass der Roman fast ausschließlich auf Mallorca spielt. Hamburg als fast gleichwertiger Schauplatz bleibt da etwas außen vor.

Protagonistin Sophie Hartmann lebt mit ihren beiden Töchtern Pauli und Liv in einem umgebauten Bootshaus in Hamburg, ihr Mann ist vor fünf Jahren plötzlich verstorben, was sie immer noch sehr beschäftigt. Nun will sie ihre ältere Tochter Liv aber dabei unterstützen, ihren Traum von einem Pop-up-Restaurant zu verwirklichen. Ausgerechnet am Eröffnungstag bricht diese sich ein Bein. Am Abend der Eröffnung ist dann auch Marc anwesend, der in in Hamburg gerade eine Auszeit nimmt, nachdem er bei seiner Arbeit als Unternehmensberater für Restaurants und Hotels einen Zusammenbruch erlitten hat. Eigentlich lebt und arbeitet er auf Mallorca, wo er Sophie einige Zeit zuvor schon einmal begegnet ist, ohne dass einer von beiden sich getraut hatte, den anderen anzusprechen, obwohl damals schon ein Kribbeln in der Luft lag. Wie praktisch, dass Marcs eigentliche Leidenschaft dem Kochen gilt...

Bei der Geschichte handelt es sich um einen gut lesbaren Sommerroman, in dem kulinarische Genüsse auch immer wieder eine Rolle spielen. Was Mallorca angeht, ist auch eine gute Dosis Lokalkolorit vorhanden, von Hamburg hätte ich gerne noch etwas mehr "gesehen". Die Protagonist:innen sind mir weitgehend sympathisch, nur manchmal machen sie alles etwas zu kompliziert für meinen Geschmack und manch zusätzliche Erläuterung zu Gedankengängen oder auch Gerichten hätte es für mich nicht gebraucht, da sich da eigentlich von selbst erschloss oder eben allgemein bekannt ist. Ansonsten ist der Schreibstil der Autorin gut lesbar und anschaulich.

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Veröffentlicht am 26.04.2021

Familiengeheimnis(se) auf Island

Das Mädchen im Nordwind
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Der Roman "Das Mädchen im Nordwind" ist bereits der dritte Island Roman der Autorin. Die Handlung ist aber komplett unabhängig von der der früheren Bücher. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie auf zwei ...


Der Roman "Das Mädchen im Nordwind" ist bereits der dritte Island Roman der Autorin. Die Handlung ist aber komplett unabhängig von der der früheren Bücher. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie auf zwei Zeitebenen spielen, hier sind es die Gegenwart und die Zeit des Nationalsozialismus.

Die 34-jährige Tischlerin Sofie geht 2019 für einige Monate in den Norden Islands, um dort im Rahmen von Work and Travel ein Haus zu renovieren. Dabei stößt sie einerseits auf ein altes, auf Deutsch verfasstes, Tagebuch und lernt zudem den recht wortkargen Isländer Björkvin kennen.
Im Mittelpunkt der zweiten Zeitebene steht Luise, die Tochter eines jüdischen Kaufmanns aus Lüneburg, deren Familie immer mehr unter den mächtiger werdenden Nationalsozialisten zu leiden hat. 1936 lernt sie den Isländer Jónas kennen, der kein Problem mit ihrer jüdischen Herkunft hat und die beiden beginnen trotz aller Widerstände eine Beziehung miteinander.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, ich mag Island sehr und fand es schön, mit Sofie zumindest beim Lesen wieder dort hin zu reisen. Sofie und Luise als Protagonistinnen waren mir beide sehr sympathisch und besonders mit Luise, ihrer Familie und Jónas habe ich mitgelitten. Durch die beiden Zeitebenen bietet der Roman auch eine gute Portion Tiefgang, indem man viel über die Grausamkeiten der Nationalsozialisten gegenüber Juden erfährt. Aber auch der Teil, der in der Gegenwart spielt, ist nicht zu kitschig. Der Schreibstil der Autorin ist sehr gut lesbar, immer wieder baut sie auch einzelne isländische Begriffe mit ein, sodass man eine gewisse Vorstellung von der doch recht wenig verbreiteten Sprache bekommt. Eine Karte hinten im Umschlag trägt zu einer besseren Orientierung auf der Insel bei.

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