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Veröffentlicht am 03.05.2025

✎ Vanessa Walder - Das geheime Leben der Tiere: Wald 1 Die weiße Wölfin

Das geheime Leben der Tiere (Wald) - Die weiße Wölfin
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Auf „Das geheime Leben der Tiere: Wald 1 Die weiße Wölfin“ von Vanessa Walder wurde ich aufmerksam, als die Buchreihe in unsere Schulbibliothek einzog. Schon der Titel, das atmosphärische Cover und der ...

Auf „Das geheime Leben der Tiere: Wald 1 Die weiße Wölfin“ von Vanessa Walder wurde ich aufmerksam, als die Buchreihe in unsere Schulbibliothek einzog. Schon der Titel, das atmosphärische Cover und der spannend formulierte Klappentext weckten meine Neugier. Ich erwartete ein realistisches Kinderbuch über das Leben einer Wölfin in freier Wildbahn - und genau das bekam ich, zumindest größtenteils.

Vanessa Walder verbindet in dieser auf wahren Begebenheiten basierenden Geschichte packende Erzählkunst mit fundiertem Fachwissen. Die Verhaltensweisen der Wölfe sind äußerst natürlich beschrieben, wodurch die Geschichte eine starke Authentizität erhält.

Die weiße Wölfin namens Fünf ist dabei mehr als nur eine Hauptfigur - sie steht stellvertretend für das soziale Gefüge innerhalb eines Wolfsrudels. Die Dynamik in der Gruppe, die Rolle weiblicher Anführerinnen und die Bedeutung jedes einzelnen Rudelmitglieds - vom Leitwolf bis zum scheinbar unbedeutenden Nachzügler - werden nachvollziehbar und eindrucksvoll dargestellt. Besonders wertvoll ist die Botschaft, dass nicht nur der Erste zählt, sondern auch der Letzte eine wichtige Rolle in der Gemeinschaft spielt.

Die Erzählung zeichnet ein schonungsloses Bild vom Überlebenskampf in der Natur. Gewalt, Gefahr und Verlust werden offen thematisiert, was das Buch von vielen anderen Tiergeschichten für Kinder deutlich abhebt. Für empfindsame Kinder ist dieser erste Band der Reihe definitiv eine Herausforderung - aber genau diese realistische Darstellung macht auch die Stärke des Buches aus.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Vanessa Walder Themen wie Mut, Ausdauer und Zusammenhalt aufgreift. Trotz aller Härte schenkt das Buch Lesenden Momente der Hoffnung - zumindest bis zum Ende.

Denn das Ende hat mich als erwachsene Leserin regelrecht erschüttert. Es ist drastisch, brutal und könnte für Zartbesaitete sehr verstörend wirken. Die emotionale Fallhöhe, die sich über das ganze Buch aufbaut, wird mit einem einzigen Satz zerstört. In meinen Augen ist das Finale unnötig traumatisierend.

Daher halte ich die Altersempfehlung des Verlages ab 8 Jahren für zu niedrig. Kinder, die dieses Buch lesen, sollten über eine gewisse emotionale Reife verfügen und mit der Realität des Tierlebens in der Natur umgehen können.

Schade ist, dass bislang nur wenige Titel der Reihe als Hörbuch erschienen sind. Für viele Familien – wie auch für uns - wären Hörbücher eine ideale Ergänzung. Ich hoffe, dass in Zukunft noch mehr Bände vertont werden.

Trotz meiner Kritik am Ende des ersten Bandes hat mich die Reihe neugierig gemacht. Ich plane, auch die weiteren Bücher über Tiere in der Arktis, Savanne oder im Ozean zu lesen – mit der Hoffnung auf ebenso starke, aber vielleicht etwas kindgerechter erzählte Geschichten.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.05.2025

✎ Michael Ende - Die unendliche Geschichte

Die unendliche Geschichte
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Ich gehöre vermutlich zu den wenigen Menschen, die „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende weder als Kind gelesen noch den Film gesehen haben. Einzig das ikonische Bild von Bastian auf dem Glücksdrachen ...

Ich gehöre vermutlich zu den wenigen Menschen, die „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende weder als Kind gelesen noch den Film gesehen haben. Einzig das ikonische Bild von Bastian auf dem Glücksdrachen Fuchur ist mir vertraut - woher auch immer.

Umso neugieriger war ich, als sich mir die Gelegenheit bot, das Buch im Rahmen einer kleinen Leserunde zu lesen. Vor allem stellte ich mir die Frage: Wäre dieses berühmte Fantasy-Werk vielleicht auch etwas für unsere Grundschulbibliothek?

Der Anfang hat mich sofort begeistert. Endes lebendiger, bildhafter Schreibstil entführte mich direkt in die. Obwohl ich sonst kein großer Fantasy-Fan bin, konnte ich mir die Wesen und Landschaften sehr gut vorstellen.

Die Idee und der Plot hatten mich anfangs richtig gecatcht. Ich las Seite um Seite und tauchte durch Endes lebendigen Schreibstil tief ins Geschehen ein. Obwohl ich nicht so der Fantasytyp bin, konnte selbst ich mir durch die bildhaften Beschreibungen die magischen Wesen und Landschaften vorstellen. Ich mochte es, wie der Autor die fantasievolle Welt Phantásiens vor meinen Augen Zeile um Zeile entstehen lassen konnte.

Doch etwa zur Mitte des Buches, als Bastian selbst nach Phantásien gelangt, veränderte sich der Ton der Geschichte deutlich. Der einst mitfühlende Protagonist wurde zunehmend selbstverliebt und allmächtig. Die Handlung verlor für mich an Spannung, und ich musste mich immer öfter zum Weiterlesen zwingen.

Wie meine Mitleserin es treffend ausdrückte: „Es zog sich wie Kaugummi.“ Ich war mehrfach kurz davor, das Buch abzubrechen. Zeitgleich wollte ich unbedingt verstehen, warum dieser Klassiker bis heute so viele Fans hat.

Erst die letzten 10% konnten mich wieder abholen, und ich schlug die letzte Seite schließlich mit einem Lächeln um. Dennoch bleibt mein Fazit: Für unsere Grundschüler ist „Die unendliche Geschichte“ eher ungeeignet.

Die offizielle Altersempfehlung des Verlags liegt bei ab 12 Jahren, und dieser Einschätzung kann ich mich nur anschließen. Die Tiefe, die psychologische Entwicklung Bastians und die Komplexität der Handlung setzen ein gewisses Maß an Reife voraus.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 02.05.2025

✎ Anne-Kristin zur Brügge - Wie kleine Tiere schlafen gehen

Wie kleine Tiere schlafen gehen. Das große Vorlesebuch
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Wenn meine 7-Jährige abends nicht schon vorher eingeschlafen ist - was ehrlich gesagt selten der Fall ist -, gehört eine Gute-Nacht-Geschichte fest zu unserem abendlichen Ritual. Es ist unser Moment zum ...

Wenn meine 7-Jährige abends nicht schon vorher eingeschlafen ist - was ehrlich gesagt selten der Fall ist -, gehört eine Gute-Nacht-Geschichte fest zu unserem abendlichen Ritual. Es ist unser Moment zum Kuscheln, Runterkommen und um den Tag gemeinsam ruhig ausklingen zu lassen.

Ein Vorlesebuch, das uns in letzter Zeit besonders begeistert hat, ist „Wie kleine Tiere schlafen gehen“. Das Buch stellt auf liebevolle Weise die Einschlafrituale von elf verschiedenen Tierkindern vor - darunter überraschenderweise auch eher ungewöhnliche Tiere wie ein Hummer oder ein Nilpferd. Aber ebenso bekannte Tiere wie Löwen und Katzen finden ihren Platz. Zum Schluss gibt es sogar ein Kapitel über das Einschlafen von Menschenkindern - ein schöner Abschluss, der besonders mein Mamaherz berührt hat.

Wir haben meist zwei Geschichten pro Abend gelesen - das war für uns ideal. Jede Geschichte umfasst rund fünf Seiten und endet mit einem kleinen Gedicht, das das Einschlafen zusätzlich versüßt. Besonders schön: Mein Kind liest inzwischen oft selbst das Kapitel und das Gedicht vor - so wird das Vorlesen für uns beide noch intensiver.

Offiziell wird „Wie kleine Tiere schlafen gehen“ ab 3 Jahren empfohlen. Für unser Kind wäre das damals noch zu textlastig gewesen. Doch jetzt mit 7 Jahren passt es perfekt - sowohl inhaltlich als auch vom Umfang her.

Die Illustrationen sind kindgerecht, farbenfroh und angenehm unaufgeregt. Sie begleiten die kleinen Abenteuer der Tiere wunderbar und laden zum Entdecken ein, ohne zu überladen zu wirken.

Für uns ist „Wie kleine Tiere schlafen gehen“ ein liebgewonnenes Einschlafritual geworden. Liebevoll erzählt, abwechslungsreich und mit schönen Reimen - ein echter Geheimtipp für alle, die ein hochwertiges Einschlafbuch für Kinder suchen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 28.04.2025

✎ Dr. Abbré McClain & Dr. Jacqueline Salazar - Selbstregulation für 3- bis 6-Jährige

Selbstregulation für 3- bis 6-Jährige
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Wer nach einem kompakten und zugleich fundierten Ratgeber zum Thema Selbstregulation bei Kleinkindern sucht, wird mit dem Buch „Selbstregulation für 3- bis 6-Jährige“ fündig. Auf rund 110 Seiten bietet ...

Wer nach einem kompakten und zugleich fundierten Ratgeber zum Thema Selbstregulation bei Kleinkindern sucht, wird mit dem Buch „Selbstregulation für 3- bis 6-Jährige“ fündig. Auf rund 110 Seiten bietet das Werk wertvolle Einblicke und praxiserprobte Anregungen für alle, die mit Kindern arbeiten - ob im pädagogischen Beruf oder im privaten Alltag.

Schon zu Beginn richtet sich das Buch gezielt an unterschiedliche Gruppen: Eltern, pädagogische & therapeutische Fachkräfte. Die ersten vier Seiten liefern eine hilfreiche Einleitung mit spezifischen Hinweisen für jede Zielgruppe.

Im Anschluss folgt ein ausführlicher theoretischer Teil zur „Selbstregulation aus wissenschaftlicher Sicht“. Dieser Abschnitt reicht bis Seite 33 und legt eine fundierte Grundlage für das Verständnis kindlicher Emotions- und Verhaltensregulation.

Ab Seite 34 beginnt der praktische Teil des Buches mit 20 unterhaltsamen und alltagsnahen Aktivitäten, die gezielt die Fähigkeit zur Selbstregulation bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren stärken.

Jede der Aktivitäten enthält:
- eine klare Beschreibung von Ziel, Zweck und Ablauf,
- eine Liste mit benötigten Materialien,
- eine schrittweise Anleitung mit hilfreichen Impulsen zur Umsetzung,
- zusätzliche Tipps für das „Dorf“ - also das erweiterte Umfeld des Kindes - und Hinweise zur Durchführung in verschiedenen Kontexten.

Viele Materialien hat man bereits zu Hause, andere sind einfach zu besorgen oder flexibel abwandelbar. Auch mit älteren Kindern lassen sich viele der Übungen umsetzen: Mit meiner siebenjährigen Tochter konnten wir zahlreiche Ideen erfolgreich ausprobieren - einige haben uns emotional besonders berührt und begleiten uns noch heute.

Ein Highlight ist das Gefühlsrad auf Seite 71, das zwar zunächst komplex wirkt, sich jedoch als wertvolles Werkzeug zur Emotionsbenennung und -verarbeitung erweist.

Den Abschluss bilden „Reflexionsbögen für Erwachsene“ sowie eine Sammlung hilfreicher Literaturtipps - sowohl für Eltern als auch für Kinder. Damit bietet das Buch nicht nur direkte Unterstützung im Alltag, sondern auch vertiefende Inhalte für alle, die mehr über kindliche Entwicklung erfahren möchten.

„Selbstregulation für 3- bis 6-Jährige“ ist besonders geeignet für junge Eltern oder Menschen, die neu im pädagogischen Bereich arbeiten. Das Buch verbindet fundiertes Wissen mit konkreten Handlungsideen und zeigt, wie wichtig emotionale Selbstregulation für die kindliche Entwicklung ist - und wie wir sie im Alltag fördern können.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 23.04.2025

✎ Lucy Foley - Sommernacht

Sommernacht
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Vor zehn Jahren habe ich bereits einmal ein Buch von Lucy Foley gelesen. Welches das war? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht mehr. Es hat einfach keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Als ich nun auf ...

Vor zehn Jahren habe ich bereits einmal ein Buch von Lucy Foley gelesen. Welches das war? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht mehr. Es hat einfach keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Als ich nun auf das Hörbuch „Sommernacht“ stieß, war meine Neugier dennoch geweckt - ein Thriller, klang vielversprechend. Also habe ich es ausprobiert.

Was mir zunächst positiv aufgefallen ist: Die Produktion des Hörbuchs ist wirklich gelungen. Die einzelnen Charaktere werden von verschiedenen Sprecherinnen vertont, was das Zuhören angenehm abwechslungsreich macht. Vor jedem Perspektivwechsel wird klar gesagt, wer gerade spricht und in welcher Rolle die Person auftritt (z. B. Braut, Brautjungfer, Begleitung …). Das war gerade bei der Vielzahl an Figuren hilfreich und sorgte dafür, dass ich stets den Überblick behalten konnte.

Auch die Beschreibungen der Insel, auf der die Geschichte spielt, fand ich atmosphärisch dicht. Ich konnte mir die Umgebung gut vorstellen und hatte beim Hören ein klares Bild vor Augen.

Leider war’s das dann auch schon mit den Pluspunkten.

Denn als Thriller konnte mich „Sommernacht“ nicht überzeugen. Spannung? Kaum. Stattdessen viele Rückblenden und lange Passagen, in denen die Vergangenheit der Figuren beleuchtet wird. Gegen Ende versucht Foley zwar, Tempo aufzubauen - bei mir entstand jedoch eher der Eindruck, eine Gruppe von Menschen mit komplexen emotionalen Hintergründen zu begleiten, als einem nervenaufreibenden Thriller zu folgen.

Hinzu kommen eine Vielzahl an Klischees und Figuren, die für mich allesamt austauschbar wirkten. Kein
e einziger der Protagonistinnen hatte für mich einen wirklich markanten, erinnerungswürdigen Charakter.

Immerhin: Das Ende hat mich dann doch noch ein Stück weit berührt. Es war ein kleiner Lichtblick nach einer ansonsten eher schleppenden Handlung, die mir zunehmend konstruiert erschien.

Fazit: Wer einen echten Thriller sucht, sollte seine Erwartungen runterschrauben. Wer hingegen ein dramatisch inszeniertes Beziehungsgeflecht auf einer abgelegenen Insel hören möchte, könnte hier vielleicht fündig werden.

©2025 Mademoiselle Cake