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Veröffentlicht am 02.02.2026

✎ Felicitas Andresen - Die Frau mit den 3 Händen

Die Frau mit den 3 Händen
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Als ich „Die Frau mit den 3 Händen“ schließlich beendet hatte, war ich ehrlich überrascht von meinen eigenen Gefühlen. Zu Beginn wollte ich das Buch fast beiseitelegen. Nach mehreren Anläufen war ich kurz ...

Als ich „Die Frau mit den 3 Händen“ schließlich beendet hatte, war ich ehrlich überrascht von meinen eigenen Gefühlen. Zu Beginn wollte ich das Buch fast beiseitelegen. Nach mehreren Anläufen war ich kurz davor aufzugeben, wollte es dann aber doch noch ein letztes Mal versuchen - und genau da hat es mich plötzlich gepackt. Ab diesem Punkt konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen.

Der Einstieg fiel mir schwer, vor allem der Zugang zu Jessica, der neunjährigen Protagonistin. Die Ich-Perspektive aus Sicht eines Kindes verlangte mir einiges ab, und ich musste mich erst an den Ton und die Sprache der Geschichte gewöhnen. Jessicas Alltag in der Nachkriegszeit und ihre innere Welt wirkten auf mich zunächst überraschend distanziert, obwohl die Autorin viel Gefühl in leisen Zwischentönen transportiert. Jessica spielt mit imaginierten Geschwistern, lebt stark aus ihrer Fantasie heraus. Doch diese Tiefe erschloss sich mir nicht sofort.

Irgendwann jedoch änderte sich etwas. Plötzlich steckte ich mitten in Jessicas Welt, spürte ihre Unsicherheit, ihre Sehnsucht nach Nähe, ihre stille Hoffnung. Es war, als gäbe es kein Buch mehr zwischen uns, sondern als würde ich direkt neben ihr stehen, ihre Schritte begleiten und miterleben, wie sich ihr Leben langsam verändert. An diesem Punkt hat mich die Geschichte vollkommen eingenommen.

Mit dieser Nähe kam bei mir auch ein neuer Gedanke auf: Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass hier mehr mitschwingt als reine Fiktion. Die Art, wie Emotionen, Erinnerungen und Beobachtungen geschildert werden, wirkte auf mich so persönlich und präzise, dass ich mich fragte, ob es sich zumindest in Teilen um eine Autofiktion handeln könnte. Nicht als feststehende Behauptung, sondern als leises Gefühl, das beim Lesen entstand und die Geschichte für mich noch greifbarer machte.

Die Entwicklung dieser jungen Figur ist leise, aber intensiv. Trotz Armut, Einsamkeit und Hunger versucht Jessica, sich selbst treu zu bleiben - und genau das hat mich tief berührt. Sie ist authentisch gezeichnet, beschreibend und rührend, ohne je ins Sentimentale abzurutschen. Besonders gegen Ende tat sie mir immer mehr leid und gleichzeitig habe ich mit ihr gehofft. Als sich ihr Leben schließlich wendet, habe ich mich ehrlich für sie gefreut.

Und doch ist „Die Frau mit den 3 Händen“ kein Buch, das jede*r sofort lieben wird. Es ist keine leichte Lektüre, verlangt Geduld und Offenheit - belohnt einen aber genau dann mit einer intensiven Nähe zu seiner Figur.

Mich hat dieses Buch am Ende sehr bewegt. Nicht nur wegen der Geschichte selbst, sondern auch, weil es mir erneut gezeigt hat, wie unterschiedlich wir Literatur wahrnehmen und wie sehr ein Buch erst im Kopf der Lesenden lebendig wird. Die Nachkriegszeit, das Theaterleben, die Einsamkeit und die Fantasie eines Mädchens sind hier keine bloße Kulisse, sondern wurden während des Lesens zu einem Teil von mir.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 01.02.2026

✎ Julya Rabinowich - Mo & Moritz

Mo & Moritz
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Im Coming-of-Age-Roman „Mo & Moritz“ verbindet Julya Rabinowich eine Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen mit einer auffallenden Dichte gesellschaftlicher Themen. Alltagsrassismus, Identität, Homosexualität, ...

Im Coming-of-Age-Roman „Mo & Moritz“ verbindet Julya Rabinowich eine Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen mit einer auffallenden Dichte gesellschaftlicher Themen. Alltagsrassismus, Identität, Homosexualität, familiäre Erwartungen, Vorurteile, Antisemitismus, Trauma, Flucht, Fremdenfeindlichkeit (und einiges mehr) stehen nebeneinander und wollen gleichzeitig erzählt werden. Dieser Anspruch ist spürbar und prägt das gesamte Buch.

Gerade diese thematische Fülle empfand ich als ambivalent. Einerseits beeindruckt der Mut, so viele relevante Fragen aufzugreifen, andererseits entsteht der Eindruck, dass das Buch zu viel auf einmal will. Mehrfach bleiben Konflikte nur angerissen, statt wirklich vertieft zu werden. Dadurch verlieren einige Entwicklungen an Schärfe, obwohl ihr Potenzial deutlich erkennbar ist.

Trotzdem gelingen Rabinowich starke, lebendige Momente. Besonders Mos Chef im Friseursalon bleibt hängen: als ruhiger Gegenpol zur familiären Enge, als Figur, die Wärme ausstrahlt und dem Protagonisten Halt gibt.

Auch die Beziehung zwischen Mo und Moritz ist feinfühlig angelegt und emotional nachvollziehbar. Die Perspektiven der beiden wirken authentisch, ihre inneren Konflikte sind verständlich und nahbar. Gleichzeitig fehlt es manchen Szenen an Tiefe, um diese Gefühle wirklich auszukosten. Einige Figuren und Konfliktlinien bleiben eher Skizzen als ausgearbeitete Porträts.

Rabinowichs Sprache trägt den Roman spürbar. Der Stil ist zugänglich, lebendig und nah an den Emotionen der Figuren. Von Beginn an entsteht ein Sog, der das Weiterlesen leicht macht. Diese erzählerische Kraft sorgt dafür, dass die Geschichte berührt, selbst dort, wo sie inhaltlich zu viel auf einmal schultern will.

Am Ende bleibt „Mo & Moritz“ für mich ein Jugendroman mit großem thematischem Mut und ehrlicher emotionaler Wirkung, der jedoch zeigt, wie schwer es ist, eine so dichte Stofffülle auf engem Raum wirklich auszuerzählen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 31.01.2026

✎ Sherif Rizkallah - Kennst du deine Rechte?

Kennst du deine Rechte?
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Das Kindersachbuch „Kennst du deine Rechte? Die Grundrechte vom logo!-Moderator erklärt“ von Sherif Rizkallah hat den Anspruch, Kindern ab etwa zehn Jahren die Grundrechte des deutschen Grundgesetzes verständlich ...

Das Kindersachbuch „Kennst du deine Rechte? Die Grundrechte vom logo!-Moderator erklärt“ von Sherif Rizkallah hat den Anspruch, Kindern ab etwa zehn Jahren die Grundrechte des deutschen Grundgesetzes verständlich zu machen. Im Mittelpunkt stehen 14 ausgewählte Artikel, die in insgesamt 16 illustrierten Comics aus dem Schulalltag aufgegriffen werden. Ergänzt werden diese durch erklärende Texte, historische Einordnungen und kurze Ausblicke über Deutschland hinaus. Der Ansatz ist klar: komplexe Inhalte sollen niedrigschwellig, visuell und alltagsnah vermittelt werden.

Beim Lesen zeigt sich jedoch schnell eine strukturelle Unschärfe. Es wird nicht eindeutig benannt, wie viele Grundrechte das Grundgesetz insgesamt umfasst, obwohl genau das für politische Bildung zentral wäre. Durch die Anzahl der Comics entsteht zunächst der Eindruck, es handele sich um 16 Grundrechte. Erst beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass Artikel 5, die sogenannten Kommunikationsgrundrechte, auf drei Comics aufgeteilt ist, während Artikel 7 zum Schulwesen vollständig fehlt. Gerade weil sämtliche Comics im schulischen Kontext spielen, wirkt diese Auslassung wie eine verpasste Chance.

Auch die Darstellung von Vielfalt bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Die Figuren sind farblos gehalten, was zwar stilistisch einheitlich wirkt, aber reale gesellschaftliche Vielfalt kaum abbildet. Es gibt einen Charakter im Rollstuhl und eine Figur mit Patka, doch darüber hinaus fehlen sichtbare Unterschiede in Hautfarbe, sozialen Lebensrealitäten oder kulturellen Hintergründen. Für ein Buch, das sich mit Grundrechten beschäftigt und junge Menschen sensibilisieren will, wirkt diese Zurückhaltung auffällig.

Überzeugend ist hingegen der grundsätzliche Aufbau. Jedes Thema folgt einem klaren Schema: Zunächst wird das jeweilige Grundrecht erläutert, anschließend in einem Comic aus dem Schulalltag veranschaulicht und danach durch zusätzliche Informationen eingeordnet. Besonders sinnvoll ist, dass die Comics im Nachhinein noch einmal kritisch geprüft werden - also ob das, was dort behauptet wird, tatsächlich so zutrifft. Am Ende erweitert das Buch den Blick über die einzelnen Rechte hinaus, indem es das politische System Deutschlands mithilfe von Mindmaps erklärt und kurz auf die UN-Kinderrechte eingeht.

Insgesamt ist das Buch gut zugänglich und anschaulich gestaltet, lässt aber an entscheidenden Stellen Präzision vermissen. Vor allem die Auswahl der behandelten Artikel und die eingeschränkte Repräsentation mindern das Potenzial eines ansonsten durchdachten Konzepts.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 26.01.2026

✎ Marie Matisek - Marita 1 Sonnensegeln

Sonnensegeln
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Ich habe „Sonnensegeln“ von Marie Matisek völlig anders erlebt, als es Cover und Titel nahelegen. Was nach sommerlicher Urlaubslektüre aussieht, entpuppt sich für mich als Roman, der mehr irritiert als ...

Ich habe „Sonnensegeln“ von Marie Matisek völlig anders erlebt, als es Cover und Titel nahelegen. Was nach sommerlicher Urlaubslektüre aussieht, entpuppt sich für mich als Roman, der mehr irritiert als trägt. Die Grundidee - eine Krankenschwester, die auf eine Anzeige für eine Privatpflege in Südfrankreich reagiert - wirkt auf dem Papier durchaus reizvoll. In der Umsetzung verliert sie jedoch schnell an Glaubwürdigkeit.

Mein Unbehagen setzt früh ein: Eine etwa fünfzigjährige Frau bewirbt sich über eine ausländische Stellenanzeige - in einer deutschen Zeitung (!) - und spricht kein Wort Französisch. Es erfolgt lediglich ein 4-wöchiger Intensivkurs. Dass sie als ausgebildete Krankenschwester trotzdem problemlos arbeitet und Gespräche führt, erscheint mir unrealistisch. Gerade in diesem Beruf ist Sprache kein Beiwerk, sondern Voraussetzung. Aus eigener Erfahrung mit dem Auswandern weiß ich, wie anspruchsvoll selbst einfache Alltagskommunikation sein kann - hier wird sie erstaunlich beiläufig behandelt.

Im weiteren Verlauf häufen sich Logiklücken, die sich nicht mehr überlesen lassen. Ein Charakter verbringt regelmäßig stundenlang Zeit in einem verqualmten Zimmer, angeblich während einer Dialyse, und niemand bemerkt Geruch oder äußere (fehlende) Veränderungen. Ebenso irritierend ist, dass Aussagen über die Selbstständigkeit eines gelähmten Menschen widerspruchslos hingenommen werden, obwohl sie offenkundig Fragen aufwerfen müssten. Auch die Episode mit dem fremdsprachigen Navigationssystem wirkt konstruiert, weil naheliegende Lösungen schlicht ignoriert werden. Diese Details summieren sich und untergraben zunehmend das Vertrauen in die Erzählung.

Hinzu kommen die romantischen Verstrickungen. Die Beziehung zwischen Marita und Lucien folgt bekannten Mustern und bleibt für mich vorhersehbar. Problematischer ist jedoch, dass nahezu jeder männliche Kontakt sofort romantisch aufgeladen wird. Dadurch verliert die Geschichte weiter an Bodenhaftung, und meine emotionale Distanz zur Hauptfigur wächst, statt sich zu verringern.

Grundsätzlich schätze ich Romane mit mehreren Handlungsebenen. In „Sonnensegeln“ trägt die zweite Ebene jedoch nichts zur Entwicklung der Hauptgeschichte bei. Ihr Ende wirkt konstruiert und steht für mich in keinem Verhältnis zu dem, was zuvor aufgebaut wurde. Hier hatte ich den Eindruck, dass Erwartungen geweckt werden, die sich am Ende nicht einlösen.

Zwar gibt es atmosphärisch schöne Beschreibungen der südfranzösischen Landschaft, doch sie können die erzählerischen Schwächen nicht ausgleichen. Am Ende bleibt ein Roman, der bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Entsprechend werde ich auch den Folgeband „Mirabellensommer“ nicht zur Hand nehmen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 25.01.2026

🚫 Edith Nesbit - Der Sandelf

Der Sandelf
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Neulich ist in unserer Schulbibliothek fast die gesamte „Zeit Edition - Fantastische Geschichten für junge Leser“ auf einmal gespendet worden - darunter auch „Der Sandelf“ von Edith Nesbit. Die Reihe fällt ...

Neulich ist in unserer Schulbibliothek fast die gesamte „Zeit Edition - Fantastische Geschichten für junge Leser“ auf einmal gespendet worden - darunter auch „Der Sandelf“ von Edith Nesbit. Die Reihe fällt mit ihren kräftigen Farben sofort ins Auge. Und weil ich viele der enthaltenen Erzählungen noch nicht kannte, habe ich mir vorgenommen, jeden Monat ein Buch daraus auszuleihen und zu lesen.

„Der Sandelf“ klang nach einem vielversprechenden Einstieg: Eine klassische fantastische Geschichte über erfüllte Wünsche und die Frage, ob das wirklich immer ein Segen ist. Die Grundidee ist vertraut, aber reizvoll. Kinder begegnen einem seltsamen Wesen, das Wünsche wahr werden lässt und müssen mit den Konsequenzen leben.

Der Einstieg war solide. Ruhig, vielleicht etwas zu zurückhaltend, aber gerade noch fesselnd genug, um weiterzulesen. Mit jeder weiteren Episode wurde jedoch deutlicher, dass sich die Geschichte kaum weiterentwickelt. Wünsche werden erfüllt, Probleme entstehen und statt daraus zu lernen, tappen die Kinder immer wieder in dieselbe Falle. Was anfangs noch wie ein bewusstes erzählerisches Muster wirkte, ermüdete mich zunehmend.

Nach 130 von insgesamt 240 Seiten habe ich abgebrochen. Nicht aus Ungeduld, sondern weil sich nichts mehr veränderte. Die Handlung drehte sich im Kreis, der anfängliche Reiz der Idee verpuffte und die Figuren blieben für mich erstaunlich statisch. Die Magie hatte keine Tiefe, sie war eher schmückendes Beiwerk als Motor für Entwicklung.

Ich verstehe, warum solche Geschichten zur klassischen Kinderfantasy gehören und welchen Stellenwert Edith Nesbit im Genre hat. Für mich persönlich hat „Der Sandelf“ jedoch nicht funktioniert. Zu vorhersehbar, zu repetitiv, zu wenig emotionaler Sog - und damit kein Buch, das ich bis zur letzten Seite lesen wollte.

©2026 Mademoiselle Cake