Profilbild von Jecke

Jecke

Lesejury Star
offline

Jecke ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jecke über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2023

✎ Martha Strubinger - Gerti Das kleine Tigerkatzenmädchen

Gerti - Das kleine Tigerkatzenmädchen
0

Ich hatte mich sehr auf das vorliegende Werk gefreut, denn "ein Buch über Mut, Offenheit und Freundschaft" und einer besonderen Protagonistin klang interessant und vielversprechend. Im Moment bin ich jedoch ...

Ich hatte mich sehr auf das vorliegende Werk gefreut, denn "ein Buch über Mut, Offenheit und Freundschaft" und einer besonderen Protagonistin klang interessant und vielversprechend. Im Moment bin ich jedoch ein wenig enttäuscht ...

Schon als ich den Titel vorlas, meinte meine 4 1/2 Jährige: "Warum Mädchen? Eine Katze ist doch schon ein Mädchen, sonst wäre es doch ein Kater, oder?" Wie recht sie damit hat. Und wirklich leicht ist die Aussprache dieses langen Wortes natürlich auch nicht. Dennoch hat meine Tochter es geübt und sagt nun immer ganz stolz, was ihr kleines Kuscheltier ist: ein Tigerkatzenmädchen.

Bereits das erste Märchen verursachte mir Bauchschmerzen.
Nicht nur, dass es einen dicker Kater gibt, dem die Luft beim Klettern ausging. Auch eine zierliche Katze brauchte eine Pause. Lediglich der gefleckten Katze werden keine beschämenden Adjektive angehangen. Bereits an dieser Stelle werden Stereotype produziert, die es nicht braucht.
Und dann "erreichte Gerti als Einzige der Kätzchen hoch oben den Baumwipfel." Warum? Wieso hilft man sich als (angebliche) Freunde nicht? Schon Gerti wird anfangs einfach unten sitzen gelassen. Wie traurig!
Und die Moral - "Denn jeder ist großartig, wie er ist!" - kommt aus dieser Erzählung nicht rüber. Alle machen ihr Ding und nur Gerti ist am Ende das Superkätzchen.

Natürlich ist auch in der zweiten und dritten Geschichte Gerti die Superheldin.
Ich sehe da leider nichts von Freundschaft. Gerti stellt die anderen immer in den Schatten. Für mich ist die kleine Tigerkatze eine Einzelgängerin/-kämpferin.

Am Ende jeder Erzählung gibt es eine Moral. Diese ist süß gemacht und lädt zum Weiterreden mit Kindern ein. Doch die Geschichten passen für mich nicht zu den Worten, die Martha Strubinger den Kleinen mit auf den Weg geben mag.

Leider sind zudem die Illustrationen nicht immer sehr ansprechend. Das ist Geschmacksache, ich weiß, doch bereits meine Tochter merkte an, dass der Text nicht mit dem Bild übereinstimmt.

Bei Kinderbüchern gibt es bei uns immer 2 Meinungen: die von mir, einer Erwachsenen, und die meines Kindes, einer 4 1/2 Jährigen. Wenn meine Tochter "Gerti" einfordern würde, würde ich ihr sie (ohne Bodyshaming) vorlesen und ganz viel mit ihr darüber sprechen. Doch seitdem das Buch bei uns ist und wir es einmal gemeinsam angeschaut haben, ignoriert sie es. Selbst wenn ich gezielt danach frage, sucht sie sich eine andere Lektüre aus.

Wir haben hier wohl unglücklicherweise kein neues Lieblingsbuch für uns gefunden.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 24.03.2023

✎ Julie Bender - Die drei !!! Sonderband 29 Verdacht auf dem Reiterhof

Die drei !!!, Verdacht auf dem Reiterhof
0

Dies war mein erster Fall der drei !!! und nun verstehe ich, warum diese Reihe in unserer Schulbibliothek so beliebt ist.

"Verdacht auf dem Reiterhof" ist ein Sonderband, da er neben der Geschichte auch ...

Dies war mein erster Fall der drei !!! und nun verstehe ich, warum diese Reihe in unserer Schulbibliothek so beliebt ist.

"Verdacht auf dem Reiterhof" ist ein Sonderband, da er neben der Geschichte auch viele Sachwissenseiten enthält. So lernen Pferdeliebhaberinnen, die nicht so sehr in der Materie stecken, noch ganz neben etwas über Pferdesprache, -körper oder -pflege.

Die Erzählung an sich ist meist sehr unaufgeregt. Klar gilt es, einen Fall zu lösen, doch Hektik kommt dabei nicht auf. Es ist nichts zu verschachtelt oder unzusammenhängend. Trotzdem konnte man seinen eigenen Gedanken nachhängen, eigene Theorien aufstellen und am Schluss eventuell sogar ein wenig überrascht werden.

Julie Benders Schreibstil ist sehr bildhaft, sodass die Geschichte wie ein Film vor meinen Augen ablief.
Trotz einiger trauriger Begebenheiten herrscht doch ein humorvoller Grundton. Dieser ließ mich leicht durch die Seiten blättern.

Franzi, Kim und Marie sind authentische Charaktere, mit denen sich Leser
innen leicht identifizieren können. Sie haben - genau wie die anderen handelnden Personen - Ecken und Kanten.

Mich hat dieser Band positiv überrascht und daher darf er gerne in unsere Schulbibliothek einziehen, um von möglichst vielen Kindern gelesen zu werden.

©2023 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 22.03.2023

✎ Judith Allert - Trudi Trödelliese hat’s nie eilig

Trudi Trödelliese hat’s nie eilig
0

Jeder mit Kindern zu Hause weiß, was "trödeln" heißt. Wir Erwachsene haben oft einen Zeitplan im Kopf, den wir unbedingt einhalten wollen. Kinder wissen davon nichts. Und vor allem interessiert sie es ...

Jeder mit Kindern zu Hause weiß, was "trödeln" heißt. Wir Erwachsene haben oft einen Zeitplan im Kopf, den wir unbedingt einhalten wollen. Kinder wissen davon nichts. Und vor allem interessiert sie es meistens nicht, weil gerade kleine Kinder noch gar kein Konzept von 'Zeit' haben. Sie meinen es nicht böse, sondern achten einfach viel mehr auf sich.

Mich stresst sowas. Ich bin jemand, die gerne pünktlich ist - am liebsten vor der vereinbarten Zeit. Doch seitdem ich Mama bin, gibt es (mindestens) 2 Menschen, die fertig sein müssen, wenn wir das Haus verlassen.

Anfangs habe ich mich davon runter ziehen lassen. Ich war nervös, entkräftet, manchmal auch schlecht gelaunt. Obwohl ich immer früh genug anfing, alles fertig zu machen, musste ich am Ende feststellen, dass wir die Wohnung erneut unter Stress verließen.

Irgendwann habe ich bei mir selbst den Stopp-Knopf gedrückt.

Ich bin in mich gegangen und habe mich ganz bewusst gefragt, was passiert, wenn wir nicht pünktlich sind. Ich habe geschaut, ob wir, wenn wir 5 oder 10 Minuten später raus gehen, wirklich verspätet ankommen. Und vor allem habe ich geschaut, wie es die Beziehung zwischen mir und meiner Tochter verändert, wenn ich sie nicht permanent herumkommandiere, bevor wir los wollen.

Unser Aufbruch ist nun viel entspannter. Wir sind beide gut gelaunt und keine weint. Wir kommen trotzdem noch immer pünktlich, denn mein Zeitpuffer ist großzügig bemessen. Und falls es mal 10 Minuten später werden sollte, sage ich eben kurz Bescheid und keine
r ist sauer.

So ähnlich hatte ich mir auch "Trudi Trödelliese hat’s nie eilig" vorgestellt. Eben dass wir Erwachsene einen Spiegel vorgehalten bekommen und Kinder in ihrem Trödeln sowohl bestärkt werden, als auch dass aufgezeigt wird, wann man trotzdem vielleicht mal pünktlich aus dem Haus gehen muss. (Arzttermine oder Kinobesuche oder dergleichen) Eine Geschichte, aus der beide Parteien lernen können.

Doch das vorliegende Werk ist ein bisschen anders.

Alle Tiere des Waldes flitzen an Trudi vorbei, weil sie es eilig haben, ein Fest zu organisieren. Als die Schildkröte fragt, was es zu feiern gibt, kann dies niemand beantworten. Am Ende vergessen alle die Hektik und erfreuen sich an den wunderschönen Sachen drumherum und an der Gemeinschaft.

Ich finde, die Erzählung ist ein bisschen an der Zielgruppe vorbei geschrieben. Meine 5-Jährige kann sich damit kaum identifizieren. Ja, sie ist langsamer als ich, doch sie hat immer etwas zu tun. Ob das jetzt wichtig ist oder nicht, liegt nicht in meinem Ermessen. Für sie scheint es wichtig zu sein (noch schnell ein Bild zu malen oder sich die Haare zu machen), sonst würde sie es nicht tun.
Es liegt in meiner Verantwortung als Erwachsene, dass wir trotzdem pünktlich zu einem Arzttermin kommen. Oder ich lerne eben, mich auch mal zu entspannen, wenn es die Zeit zulässt.

Die Botschaft - dass wir manchmal nicht wissen, warum wir uns eigentlich so stressen -, verstehen die Kinder nicht. Sie ist eindeutig an Erwachsene gerichtet. Kinder stressen sich nicht.

Auch die Message, dass nicht alles perfekt sein muss, um toll zu sein, ist in unserer Familie ein längst gelebter Glaubenssatz. Wir sind zwar beide perfektionistisch, doch erinnern uns oft gegenseitig daran, dass der Weg zum Ergebnis (beim Basteln zum Beispiel) uns Freude bereitet hat. Daher genießen wir die Leistung am Ende umso mehr.

Die Illustrationen von Marlit Kraus sind wunderschön anzusehen und laden dazu ein, eine eigene kleine Geschichte zu erzählen. Doch so, wie sie niedergeschrieben steht, mag sie meine Tochter nach dem ersten Hören nicht mehr vorgelesen bekommen.

©2023 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 21.03.2023

✎ Brad Meltzer - Jede*r kann die Welt verändern! 4 Ich bin Martin Luther King Jr.

Jede*r kann die Welt verändern! - Ich bin Martin Luther King Jr.
0

Ich denke, allen ist Martin Luther King Jr. ein Begriff. Auch ich wusste, wofür der Name steht, jedoch habe ich mich noch nie intensiver mit ihm auseinander gesetzt. Dank "Jede*r kann die Welt verändern! ...

Ich denke, allen ist Martin Luther King Jr. ein Begriff. Auch ich wusste, wofür der Name steht, jedoch habe ich mich noch nie intensiver mit ihm auseinander gesetzt. Dank "Jede*r kann die Welt verändern! - Ich bin Martin Luther King Jr." weiß ich nun genauer Bescheid.

Der Mix aus Comic und Fließtext lässt die Geschichte sehr dynamisch erscheinen. Die Illustrationen von Christopher Eliopoulos lassen so auch Lesemuffel Spaß an Biografien haben.

Alles ist kindgerecht und nicht reißerisch geschrieben. Das Attentat auf Martin Luther King Jr. wird zum Beispiel nur am Ende im Zeitstrahl erwähnt. So bleiben eher die positiven Veränderungen im Kopf hängen. Generell liegt der Fokus auf seinen politischen Stationen.

Dass der Protagonist immer als Erwachsener im Kinderkörper dargestellt wird, irritiert anfangs. Ich habe meinem Kind gegenüber auch keine zufriedenstellende Erklärung dafür gefunden. Vielleicht soll es zur leichteren Identifizierung dienen oder es ist einfach ein Erkennungsmerkmal der Buchreihe.

Was uns fast verzweifeln ließ, war jedoch ein Hinweis im Text, dass man eine Deskription bestimmter Wörter auf Seite 40 findet. Blöd nur, dass es keine Seitenzahlen gibt. Und dann war die Erklärung so winzig, dass man sie leicht überlesen hat.

Schade finde ich, dass sich Martin Luther King Jr. am Ende so heraushebt. ("Ich bin [...]", "Ich habe [...]", "Ich stehe [...]") Das passt irgendwie nicht zu ihm. Auch der Ausspruch "[...] du musst [...]" scheint mir hier fehl am Platz. Dass wir gemeinsam etwas schaffen können, kann man Kindern auch anders vermitteln.

Der Verlag vergibt eine Altersempfehlung ab ca. 7 Jahren. Wenn man den Text kürz und vor allem die Bilder für sich sprechen lässt, kann man bereits mit Kindergartenkindern über diesen Mann ins Gespräch kommen. Sie werden niemals die ganze Tragweite seines Tuns verstehen, jedoch verinnerlichen, dass es Menschen gibt, die für sich und andere kämpfen - die Vorbilder sind.
Egal ob Kindergarten oder Grundschule: Kinder benötigen hier eine intensive Begleitung, da sich viele Fragen auftun, die man mithilfe des Werkes nicht beantworten kann und die in der Verantwortung Erwachsener liegt.

Von uns bekommt die Lektüre eine (Vor)Leseempfehlung an alle Interessierten - egal, ob Kinder oder Erwachsene.

Auf meinem Instagramprofil gibt es einen kleinen Einblick ins Buch.

»Wenn jemand dir mit Hass begegnet, zeige ihm Liebe.
Wenn jemand dir mit Gewalt begegnet, zeige ihm Freundlichkeit.«

©2023 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 20.03.2023

✎ Mary E. Garner - Das Buch der gelöschten Wörter 3 Die letzten Zeilen

Das Buch der gelöschten Wörter - Die letzten Zeilen
0

So, das ist es nun - das Ende der Trilogie.

Leider sind viele Ereignisse so eingetroffen, wie ich sie vorausgeahnt hatte. Die Autorin konnte mich kaum überraschen. Daher blieb die Spannung auf der Strecke.

Selbst ...

So, das ist es nun - das Ende der Trilogie.

Leider sind viele Ereignisse so eingetroffen, wie ich sie vorausgeahnt hatte. Die Autorin konnte mich kaum überraschen. Daher blieb die Spannung auf der Strecke.

Selbst als es dann zu einer Wende kam, wurde diese so plump eingebaut, dass ich fast schon darüber lachen musste.

Auch finde ich, dass man die Erzählung gut hätte kürzen können. Vielleicht einen richtig dicken Wälzer, maximal eine Dilogie. Es gab einfach so viele Lückenfüller, die allesamt hinten runter gefallen sind.

Was mir weiterhin schleierhaft bleibt, ist die Tatsache, dass Hope bereits 42 Jahre alt sein soll. Es gibt fast nichts Unpassenderes für dieses Genre. Ich hätte mir eine taffe 17-Jährige gewünscht, dich sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Doch Entwicklung sucht man bei den Charakteren - bei allen! - vergebens.

Bereits jetzt beginnt "Der erste Federstrich" zu verblassen. Details aus "Zwischen den Seiten" sind bei mir kaum noch im Kopf. Und auch der dritte Band wird bald nur noch eine nette Erinnerung sein. "Das Buch der gelöschten Wörter" wird also nichts werden, was ich empfehle. Dafür hallt es mir einfach zu wenig nach.

©2023 Mademoiselle Cake