✎ Louise Gooding - Wundervoll anders
Wundervoll andersIch bin mit dem Untertitel „Autismus, ADHS und Legasthenie: Neurodiversität als Stärke entdecken“ gestartet und habe ein Werk erwartet, das Empowerment liefert. Stattdessen bekam ich ein Sachbuch, das ...
Ich bin mit dem Untertitel „Autismus, ADHS und Legasthenie: Neurodiversität als Stärke entdecken“ gestartet und habe ein Werk erwartet, das Empowerment liefert. Stattdessen bekam ich ein Sachbuch, das größtenteils grundlegende Informationen über Neurodivergenzen vermittelt.
Die ersten Kapitel widmen sich dem Aufbau und der Funktion des Gehirns. Ich fand diese Erklärungen anschaulich und gut visualisiert, die Illustrationen bleiben im Gedächtnis und machen den Einstieg besonders für junge Lesende ab etwa sieben Jahren zugänglich. Trotz meiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich Neues gelernt, etwa dass es ein offizielles Symbol für Neurodiversität gibt - und dass meine siebenjährige Tochter es kürzlich einfach so gemalt hat.
Im Anschluss folgen die Abschnitte zu konkreten Diagnosen. Hier zeigt sich für mich ein Ungleichgewicht: Manche Variationen bekommen umfangreiche Erläuterungen - bis zu 2 Doppelseiten-, andere werden nur oberflächlich auf einer halben Seite dargestellt. Dass nicht jede Thematik tiefgehend behandelt werden kann, ist nachvollziehbar, aber ich hätte mir eine gleichmäßigere Darstellung gewünscht.
Der abschließende Teil verortet Neurodiversität historisch und präsentiert bekannte Persönlichkeiten mit verschiedenen neurologischen Profilen.
Ich sehe das Buch als geeignete Einführung für Menschen, die bislang wenig Berührungspunkte mit diesem Thema hatten. Die klare Sprache und die strukturierten Erklärungen erleichtern den Zugang.
Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch nicht nur erklärt, sondern auch auf den respektvollen Umgang mit anderen eingeht. Mir gefiel besonders, dass aufgezeigt wird, welche konkrete Hilfe man anbieten kann. Dies fördert echte Inklusion und verhindert, dass Kinder in entsprechenden Situationen überfordert sind.
Was ich vermisst habe, war die Auseinandersetzung mit Hochbegabung, die im Kontext von Neurodiversität oft eine Rolle spielt. Erst dachte ich, dass sie nicht vorkommt, weil sie nicht pathologisiert wird, doch im Buch ist Synästhesie thematisiert.
Am Ende bietet das Werk ein Register sowie eine Erklärung zentraler Begriffe, was die Nachschlagefunktion verbessert. Insgesamt zeigt sich: In einem Land, das Vielfalt feiert und Unterschiede betont, reicht es nicht aus, nur zu akzeptieren. Wahre Inklusion bedeutet für mich, den gemeinsamen Nenner in den Vordergrund zu stellen, weit über die bloße Aufzählung neurologischer Profile hinaus.
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