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Veröffentlicht am 14.10.2025

✎ Eric Wrede - Wenn wir ins Gras beißen ...

Wenn wir ins Gras beißen - Das Buch vom Tod für große und kleine Menschen
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In den letzten drei Jahren habe ich an drei Beerdigungen teilgenommen - alles Menschen, die ich in meinem Herzen habe. Mein Kind, mittlerweile sieben Jahre alt, hat alle Trauerphasen von mir mitbekommen, ...

In den letzten drei Jahren habe ich an drei Beerdigungen teilgenommen - alles Menschen, die ich in meinem Herzen habe. Mein Kind, mittlerweile sieben Jahre alt, hat alle Trauerphasen von mir mitbekommen, doch erst in diesem Jahr begann es, wirklich zu begreifen, was „Tod“ bedeutet.

In den letzten Wochen ließ uns „Wenn wir ins Gras beißen …“ von Eric Wrede nicht mehr los. Es hat uns in unserer letzten Trauerphase intensiv begleitet. Die Lektüre spricht Themen an, die schwerer sind, als man denkt, und erklärt sie zugleich kindgerecht. Mein Kind zeigte großes Interesse an dem vielfältigen Spektrum, welches hier behandelt wird.
Eric Wrede erklärt mit klaren und ehrlichen Worten, was mit dem Körper passiert, welche Bestattungsformen bestehen und warum Trauer wichtig ist. Er geht zudem auf Rituale und kulturelle Unterschiede ein. Für sehr junge und / oder sensible Kinder könnten bestimmte Beschreibungen (z. B. körperlicher Zerfall) zu konkret sein.

Wir begleiten verschiedene Kinder, die verschiedene Familienangehörige verloren haben. Meistens sind es die Groéltern, einmal die Tante, einmal der Onkel und einmal der Papa.
Auch wird thematisiert, dass Babys, Jugendliche oder junge Erwachsene durch Krankheit oder Unfall sterben können.
Ich hätte mir noch eine konkrete Geschichte zu einem verstorbenen Geschwisterkind und zu einerm Freundin gewünscht, um noch stärkere Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen.

Ebenso mir als Erwachsene bot das Buch neue Erkenntnisse. Vor allem, dass Sterbehilfe in Deutschland mittlerweile erlaubt ist - meinen weiteren Recherchen nach unter strengen rechtlichen, ethischen und ärztlichen Voraussetzungen.

Mache Seiten enthalten Infoboxen, die sich an Erwachsene richten und die zusätzliche Tipps oder vertiefte Gedanken enthalten. Zu manchen Punkten hätte es ruhig ein bisschen mehr Wissen sein dürfen, da es doch schon manchmal speziell ist und mein Kind viele Nachfragen hatte. Auch ich als Erwachsene habe zu einigen Punkten zusätzlich recherchiert, weil es mich einfach interessierte.

Was das Thema Trauer betrifft, fand ich eine Stelle eher irritierend: Es wird mit Traurigkeit verbunden, weil ein Freund wegzieht - das erscheint mir unpassend in einem Buch, das explizit über Sterben und Tod sprechen will. Das lenkt vom zentralen Gegenstand ab.

Trotzdem bietet das Werk viel Raum, um ins Gespräch zu kommen. Für meine Siebenjährige war der Inhalt ideal - früher hätte sie vieles nicht verarbeiten können, weil es sehr komplex ist.

Die Illustrationen von Emily Claire Völker visualisieren das Thema wunderbar und überfordern dabei (meist) nicht.

Durch das Inhaltsverzeichnis lassen sich einzelne Punkte bei Bedarf rasch wiederfinden und ein Glossar erläutert wichtige Begriffe noch einmal präziser.

Für uns ist „Wenn wir ins Gras beißen …“ ein mutiges Buch, das Trauer und Tod aus der Tabuzone holt. Es erlaubt Kindern zu fragen, zu verstehen und Gefühle zu zeigen, und Erwachsenen, Antworten zu finden, die manchmal schwer auszusprechen sind.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 13.10.2025

✎ Susanne Abel - Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Ich hatte mich mental schon auf eine emotionale Achterbahnfahrt eingestellt. Was ich aber bekommen habe, überstieg meine Erwartung. Gleich zu Beginn legt die Autorin eine Triggerwarnung vor - ein kluger ...

Ich hatte mich mental schon auf eine emotionale Achterbahnfahrt eingestellt. Was ich aber bekommen habe, überstieg meine Erwartung. Gleich zu Beginn legt die Autorin eine Triggerwarnung vor - ein kluger Schritt, denn die Schilderungen später sind nichts für Zartbesaitete. Man merkt von der ersten Seite an, dass hier kein Wohlfühlroman wartet, sondern einer, der aufrüttelt und nachklingt.

Der Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ entfaltet sich über vier Generationen. Und anders als ich es oft erlebt habe, sind wirklich alle vier noch lebendig. In der Gegenwart steht Emily, die Urenkelin, im Zentrum. Durch sie wird der Schatten, den unausgesprochene Schrecken der Vergangenheit über Jahrzehnte werfen, spürbar. Die Vergangenheitsszenen verschmelzen mit dem Heute, und immer wieder kommen Gestern und Jetzt in ein Zerren - und das macht das Hören so intensiv.

Susanne Abel hält sich nicht zurück. Die Zustände im katholischen Kinderheim, die körperlichen und seelischen Gewalterfahrungen, Erniedrigungen - manches Mal musste ich kurz tief durchatmen, bevor ich weiterhören konnte, denn einige Szenen sind fast schwer zu ertragen.

Aber - und das ist für mich das Besondere - Abel verknüpft die Härte nicht mit Kälte, sondern mit Mitgefühl und Würde. Margret und Hartmut (Hardy) sind mehr als Opferfiguren: ihre Beziehung zueinander zeigt, was Nähe und Schutz in unmenschlichen Umständen bedeuten kann. Diese Figuren bleiben auch nach den Rückblenden noch präsent - nicht als Schatten, sondern als Lebende mit Brüchen, Wiederaufstehen, mit Liebe, mit Schuldgefühlen.

Nicht weniger stark wirkt, wie das Schweigen in der Familie weiterwirkt; wie Vergangenheit, wenn sie nicht ausgesprochen wird, sich durch Generationen zieht und sich in Verhaltensmustern, Ängsten und Geheimnissen manifestiert. Die Urenkelin Emily wird zur Figur, die Fragen stellt, wo andere weggeschwiegen haben - und das hat mich emotional vielleicht am meisten bewegt.

Wer eher leichtere Unterhaltung möchte, wer Bücher ohne tiefere, belastende Themen bevorzugt, wird hier mit der Schwere zu tun haben. Das Buch ist in manchen Abschnitten besonders düster und die Zeitsprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind gelegentlich etwas abrupt. Trotzdem empfinde ich, dass diese Struktur dem Roman dient: Die Brüche spiegeln die zerrissenen Leben, das Verdrängte und das Wiederaufflammen. Die Spannung bleibt über weite Strecken erhalten und das Ende überrascht nochmal unerwartet: Nach dem Gedanken, man habe schon alles gehört, kommt Abel mit etwas, das neu schmerzt.

Schreibstil und Tonfall sind ein weiterer Pluspunkt: klar, ehrlich, fast reduziert - ohne Schnörkel, aber niemals nüchtern. Abel schafft es, die Grausamkeit zu schildern ohne Voyeurismus, die Figuren zu zeigen ohne ihnen Opferrolle aufzuzwingen. Dieser respektvolle Umgang mit dem Thema macht für mich den Unterschied. Es wird nie pathetisch, obwohl die Gefühle sehr stark sind.

Wer sich auf dieses Buch einlässt, wird nicht nur mitgerissen, sondern muss auch aushalten können. Es ist kein Buch, das man schnell „wegliest“, sondern eines, das nachwirkt - in Gedanken, vielleicht in Gesprächen, vielleicht in der Erinnerung.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 10.10.2025

✎ Andreas Völlinger - Leos wilde Abenteuer 3 Mond-Fieber

Leos wilde Abenteuer – Mond-Fieber
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Wer hat als Kind nicht davon geträumt, den Mond zu besuchen? In „Leos wilde Abenteuer 3 Mond-Fieber“ lässt Andreas Völlinger diesen Traum mit Witz, Spannung und einem Schuss Wissenschaft Wirklichkeit werden.

Gemeinsam ...

Wer hat als Kind nicht davon geträumt, den Mond zu besuchen? In „Leos wilde Abenteuer 3 Mond-Fieber“ lässt Andreas Völlinger diesen Traum mit Witz, Spannung und einem Schuss Wissenschaft Wirklichkeit werden.

Gemeinsam mit Leo, seiner erfinderischen Tante Agnetha und dem Haushaltsroboter Albert geht es auf ein galaktisches Abenteuer zum Mond. Schon beim Start in der „Amelia“ spürt man: Diese Geschichte ist anders - spannend, lehrreich und voller Fantasie. Der Autor verbindet Wissen über die Mondlandung und die besonderen Bedingungen auf dem Mond mit einer Handlung, die unterhält und gleichzeitig neugierig macht.

Die Kapitel sind angenehm kurz, die Schrift gut lesbar - ideal für geübte Leseanfänger*innen. Besonders gelungen finde ich die Balance zwischen Wissensvermittlung und Abenteuer: Man erfährt ganz nebenbei viel über den Mond und seine Eigenheiten, ohne dass es je belehrend wirkt. Wissen, das mit Emotionen verknüpft ist, bleibt einfach besser im Kopf.

Leo und Tante Agnetha bilden ein starkes Team - kreativ, mutig und herzlich. Auch Albert trägt mit seinen Eigenheiten zum Charme der Geschichte bei. Es wird gelacht, wenn etwas nicht ganz rund läuft, und zugleich spürt man Respekt vor Technik und Wissenschaft. Der Ton bleibt locker und freundlich, perfekt für Kinder ab etwa sieben Jahren zum Selberlesen oder zum gemeinsamen Vorlesen.

Für meine 7-Jährige, die zwar gerne und gut liest, sich von viel Text aber schnell erschlagen fühlt, war es an manchen Stellen etwas zu konzentriert. Der Textumfang kann für Erstlesende daher schon herausfordernd sein. Wir haben das Problem einfach gelöst, in dem wir uns beim Lesen abgewechselt haben. So hatten wir auch noch wunderbare Mama-Kind-Momente.

Ein echtes Highlight sind die Illustrationen von David Füleki. Die frühere Ausgabe erschien in Schwarz-Weiß, die neue ab 2025 endlich farbig - und das hebt das Leseerlebnis enorm. Die Mimik wirkt lebendiger, Details treten hervor. Mein Kind meinte treffend: „Farben machen einfach alles schöner.“

Unser Exemplar wird in unsere Schulbibliothek einziehen und hoffentlich viele kleine Mond-Fans begeistern. Für Familien und Schulen sehe ich das Buch als lohnende Wahl, weil es Kinder motiviert, sich mit dem Weltraum auseinanderzusetzen, ohne sie zu überfordern.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 08.10.2025

✎ Amia von Arenberg und Malte Zierden - Malte & Oßkar 2 und der Lauf der Dinge

Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge
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Letzte Woche mussten wir einen guten Freund zu Grabe tragen. In solch einer Phase greift man nach Büchern, die den Lauf der Dinge in Worte fassen - und genau da erschien mir dieses Werk gerade richtig. ...

Letzte Woche mussten wir einen guten Freund zu Grabe tragen. In solch einer Phase greift man nach Büchern, die den Lauf der Dinge in Worte fassen - und genau da erschien mir dieses Werk gerade richtig. Es geht um Trauer, Verlust, Verlustangst, Trost, Erinnerungen und den Mut, aktiv um Hilfe zu bitten. Alles wichtige Themen - zu viele auf einmal vielleicht, zumindest für mein Empfinden.

Das Buch spricht so viele Aspekte an, dass man leicht überfordert sein kann. Für mich waren es zu viele Impulse zugleich, sodass nicht alle gleich stark bei mir ankamen. Trotz meiner Offenheit für solche Inhalte konnte ich mich nicht mit jedem Abschnitt hundertprozentig verbunden fühlen.

Visuell hat mich die Farbgebung meist beeindruckt. Viele Illustrationen nutzen schöne Farbkontraste und reichlich Details laden zum Verweilen ein. Doch mitunter dominieren sehr dunkle Töne. Insbesondere abends fällt es dann schwer, alles klar zu erkennen.

Was ich besonders gelungen fand, ist die Betonung von Individualität: wie Phias Kleidung, Maltes Hobbys oder die Darstellung der Krankheit eines Tieres gezeigt werden. Solche Details sind nicht ausgeführt als zentrale Themen, aber sie sind sichtbar und geben Tiefe. Das macht das Buch auch nahbar, nicht nur weil die großen Themen behandelt werden, sondern weil Leben mit all seinen Eigenheiten sichtbar wird.

Ich weiß nicht, ob mein kürzlicher Verlust mich besonders empfänglich gemacht hat - wahrscheinlich schon. Trotzdem hat mich dieses Buch nicht in jedem Augenblick vollständig abgeholt. Es spendet jedoch Trost und das in einer Weise, die sich echt und authentisch anfühlt. Es erlaubt Trauer, zeigt, dass sie sein darf und dass Erinnerungen wichtig sind. Ich fand vieles inspirierend: die Art, wie Verlusthaftes benannt wird, ohne zu dramatisieren und wie Trost sich leise einschleicht.

Wenn ich reflektiere, was dieses Buch für mich leistet, kann ich ganz klar sagen, dass es ein Begleiter in einer schwierigen Zeit ist. Es bietet Gedanken, Bilder, Gefühle, Zugang zum Nachfühlen. Nicht zum schnellen Verstehen, aber manchmal ist das genau das, was man braucht.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.10.2025

✎ Thomas Brussig - Am kürzeren Ende der Sonnenallee

Am kürzeren Ende der Sonnenallee
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Ich war kurz davor, „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ abzubrechen. Doch ich habe dem Roman noch eine Chance gegeben und so landet er jetzt zumindest in meiner Liste der gelesenen Bücher. Leider muss ich ...

Ich war kurz davor, „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ abzubrechen. Doch ich habe dem Roman noch eine Chance gegeben und so landet er jetzt zumindest in meiner Liste der gelesenen Bücher. Leider muss ich sagen: Er hat mich nicht überzeugen können.

Die Handlung bleibt für mich überwiegend farblos. Es gibt wenige Momente, in denen Spannung aufkommt - eine einzige Stelle ließ mein Herz kurz schneller schlagen -, doch viel zu häufig driftet die Geschichte ins Banale ab. Die Sprache greift gerne zu Ausdrücken, die unter die Gürtellinie gehen, was bei manchen Szenen ablenkt statt zu verstärken. Ich hatte gehofft, dass gerade das Leben in der DDR, das mich interessiert, lebendiger und tiefer gezeichnet wird - denn in meiner Familie erzählen nur noch meine Mutter und meine Tante davon -, aber ich habe schon bessere literarische Darstellungen dieser Zeit erlebt.

Dass das Buch als Schullektüre verwendet wird, überrascht mich nicht. Es bietet zweifelsfrei Material für Diskussionen über Alltag, Ideologie und Jugendjahre zwischen Mauern und Idealen. Doch für mich funktioniert der Coming-of-Age-Ansatz nicht. Die Jugendlichen und ihre Erlebnisse wirken in vielen Passagen unfertig, wie Skizzen statt vollständige Charaktere. Der Roman reiht Episoden an Episoden, ohne dass große Entwicklung oder Nachdruck spürbar wären.

Manchmal gibt es humorvolle, pointierte Szenen, nostalgische Erinnerung an Kleinigkeiten im DDR-Alltag und Darstellungen westlicher Einflüsse wie Musik oder Lebensstil. Meist hat das Buch einen leichten, nicht allzu bedrückenden Zugang zur Geschichte, aber ich denke, es ist nicht dafür gedacht, jeden Aspekt realitätsnah darzustellen.

Und genau dieser Mangel an Tiefgang stört mich. Wenn alles locker und poetisch vermittelt wird, leidet oft die Glaubwürdigkeit und das Mitgefühl. Ich vermisste echt Momente, in denen die Härte und Komplexität der DDR-Realität mehr Gewicht bekommen.

Die Erzählsprache hat Stilmittel, die Authentizität schaffen wollen - Umgangs- und Jugendsprache, lokale Bezüge, gedankliche Abschweifungen. Diese Elemente sind mir allerdings nicht konsistent genug eingesetzt, um das Buch über das Mittelmaß hinauszuheben. Stattdessen entstehen Abschnitte, die wie unfertige Überlegungen wirken, nicht wie sorgfältig gearbeitete Szenen. Vielleicht mögen manche das als „Wohlfühlroman“ empfinden, als sanfte Nostalgie ohne große Widerstände, und für sie funktioniert das - bei mir jedoch nicht.

Insgesamt hat „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ seine Stärken: kleine, charmante Beobachtungen, ein leichter Zugang zur Jugendzeit in einer besonderen historischen Situation und Szenen, die man nicht sofort vergisst. Für mich überwiegen aber die Schwächen: mangelnde Tiefgründigkeit, uneinheitliche Gestaltung, gelegentliche Geschmacklosigkeiten. Für mich ist es ok, dass ich das Buch schlussendlich gelesen habe, denn es regt zum Nachdenken an. Aber ich würde es nicht weiterempfehlen, wenn man auf der Suche ist nach einem Roman, der wirklich eindringlich und vollständig das Leben in der DDR abbildet.

©2025 Mademoiselle Cake