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Veröffentlicht am 14.09.2025

✎ Mechthild Gläser - Die Buchspringer

Die Buchspringer
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Vor einigen Jahren hatte ich selbst eine ähnliche Geschichte für Erwachsene angefangen, sie aber irgendwann abgebrochen, weil sie mich damals nicht überzeugen konnte. Als ich nun „Die Buchspringer“ von ...

Vor einigen Jahren hatte ich selbst eine ähnliche Geschichte für Erwachsene angefangen, sie aber irgendwann abgebrochen, weil sie mich damals nicht überzeugen konnte. Als ich nun „Die Buchspringer“ von Mechthild Gläser im Tauschschrank entdeckte, habe ich das Buch spontan mitgenommen. Ich dachte, es könnte vielleicht etwas für die Schulbibliothek sein, und außerdem wollte ich mitreden können. Also habe ich mich entschieden, es mir anzuhören.

Die Grundidee, in Bücher hineinspringen und mit literarischen Figuren interagieren zu können, fand ich zunächst spannend. Genau das hatte mich neugierig gemacht. Doch je weiter ich kam, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass die Umsetzung hinter dem Potenzial zurückbleibt. Auf der einen Seite ist die Geschichte fantasievoll, aber auch recht oberflächlich. Sowohl die Handlung als auch die Figuren wirkten auf mich wenig greifbar.

Besonders deutlich wurde das an der Enthüllung um Amys Vater. Ich hatte diese Wendung zwar geahnt, doch anstatt wirklich darauf einzugehen, bleibt der Roman an der Oberfläche. Gerade weil dieser Aspekt so wichtig für die gesamte Geschichte ist, hätte ich mir hier mehr Tiefe gewünscht. Leider wird er nur kurz erwähnt und spielt später gar keine Rolle mehr.

Auch an Klischees spart Mechthild Gläser nicht.
Die Mutter verheimlicht Amy ihre magischen Fähigkeiten? Check!
Amy als Neuling merkt sofort, dass etwas nicht stimmt? Check!
Die Protagonistin wird nicht ernst genommen? Check!
Es gibt eine superreiche Zicke? Check!
Der Gegenspieler ist böse und durchgeknallt? Check!
Protagonistin erfährt Mobbing in der Schule? Check!
Die Liste könnte man unendlich weiterführen …

Am Ende blieb bei mir von der Geschichte kaum etwas hängen. Ich habe das Hörbuch zwar bis zum Schluss durchgehört, aber wenn ich es als Printausgabe gelesen hätte, hätte ich vermutlich irgendwann abgebrochen. Das liegt nicht daran, dass „Die Buchspringer“ grundsätzlich schlecht wäre - die Idee ist wirklich reizvoll -, sondern daran, dass sich die Handlung für mich unglaublich in die Länge zog und Ideen einfach in den Raum geworfen und dann nicht weiterverfolgt wurden.

So sehr ich das Konzept mag, fehlt mir die emotionale Tiefe, die ein Buch unvergesslich macht. Für mich war es eine nette, aber schnell vergessene Lektüre, die mich leider nicht so begeistert hat, wie ich es mir erhofft hatte.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 10.09.2025

✎ Míriam Tirado - Das geheime Band der Liebe

Das geheime Band der Liebe
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Ich hatte große Erwartungen an „Das geheime Band der Liebe“ und tatsächlich ist das Buch sehr emotional. Im Mittelpunkt steht die schöne Idee, dass Kinder niemals allein sind, weil ein unsichtbares Band ...

Ich hatte große Erwartungen an „Das geheime Band der Liebe“ und tatsächlich ist das Buch sehr emotional. Im Mittelpunkt steht die schöne Idee, dass Kinder niemals allein sind, weil ein unsichtbares Band sie mit allen verbindet, die sie lieben. Diese Botschaft ist tröstlich und warmherzig, die beschriebenen Situationen sind (meist) behutsam gewählt und voller Zuneigung.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sehr viele Themen in die Geschichte gepackt wurden. Neben dem Kinderwunsch einer Frau geht es auch um den Tod, um ein Kind, das im Kindergarten weint, weil es die Mama vermisst, und sogar um den Wunsch nach einem Haustier. Für ein Bilderbuch mit rund 60 Seiten wirkt das fast ein wenig überladen.

Besonders das Thema Tod hat mich überrascht. Zwar ist es ein wichtiges Thema, doch ich persönlich würde einem kleinen Kind nicht ohne Anlass erklären, dass die Großeltern irgendwann sterben werden. In der Geschichte wird kein akuter Abschied thematisiert, und ich finde, dass ein vierjähriges Kind die Verbindung zwischen den Falten einer Oma und dem Altern kaum versteht.

Auch das Ende mit dem Hund hat bei uns eher für Unruhe gesorgt. Mein Kind wünscht sich seither ebenfalls einen Hund, was wir aus persönlichen Gründen nicht erfüllen können. An dieser Stelle zeigt sich, dass die Geschichte je nach Familiensituation sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrufen kann.

Die Illustrationen sind in Ordnung, aber sie wirken recht schlicht. Auf den Bildern gibt es wenig Details zu entdecken, und alle Figuren sind weiß dargestellt. Hier hätte ich mir mehr Diversität gewünscht, damit sich unterschiedliche Kinder besser wiederfinden können.

Insgesamt bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck: „Das geheime Band der Liebe“ hat eine berührende Botschaft, aber die Fülle an Themen - und manche Darstellungen davon - sind nicht unproblematisch. Das Buch ist in meinen Augen daher wertvoll und tröstlich, aber es beinhaltet ebenso schwer greifbare Aspekte für jüngere Kinder.

Ganz toll finde ich übrigens, dass es hier wieder eine kostenlose Hörversion dazu gibt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.09.2025

✎ Rashid Hamid - Freundschaft kennt kein Alter

Freundschaft kennt kein Alter
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Ich bin irgendwann zufällig auf Videos von Oma Lotti gestoßen. Sie tauchten immer mal wieder in meinem Feed auf und ich habe mir einige angeschaut, ohne mich jedoch näher mit dem Hintergrund zu beschäftigen. ...

Ich bin irgendwann zufällig auf Videos von Oma Lotti gestoßen. Sie tauchten immer mal wieder in meinem Feed auf und ich habe mir einige angeschaut, ohne mich jedoch näher mit dem Hintergrund zu beschäftigen. Erst als ich auf das Hörbuch „Freundschaft kennt kein Alter - Wie Oma Lotti und alle anderen mein Leben verändert haben“ von Rashid Hamid aufmerksam wurde, habe ich mich bewusst damit auseinandergesetzt. Vielleicht lag es auch daran, dass eine meiner Angehörigen selbst keine guten Erfahrungen mit einem Pflegedienst gemacht hat und ich deshalb neugierig war, wie jemand aus der Praxis darüber berichtet.

Hamid erzählt in seinem Buch von Begegnungen mit älteren Menschen, die er betreut, und schafft es, ihre Lebensgeschichten mit großem Respekt und spürbarer Zuneigung zu schildern. Auch wenn mir außer Oma Lotti niemand ein Begriff war, habe ich schnell gemerkt, wie einzigartig und berührend die Biografien sind. Diese Erzählungen holen die Menschen aus der Anonymität der Pflege heraus und machen sie zu Persönlichkeiten, die man nicht so schnell vergisst.

Besonders beeindruckt hat mich, wie viel Wärme, Humor und Empathie in seinen Worten mitschwingen. Man spürt, dass er die Pflege nicht als lästige Pflicht, sondern als Begegnung auf Augenhöhe versteht. Gerade in einer Zeit, in der oft über Personalmangel, Überforderung und Gleichgültigkeit im Pflegealltag berichtet wird, wirkt seine Haltung erfrischend und hoffnungsvoll. Ich wünsche mir, es gäbe mehr Menschen in diesem Beruf, die ihre Arbeit mit so viel Herz ausüben. Denn hier geht es nicht um Routinen oder Abläufe, sondern um das Leben und die Würde von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Die sehr emotionale Erzählweise empfand ich persönlich als bereichernd. Diese Nähe macht das Buch authentisch und hebt es von nüchternen Erfahrungsberichten ab.

Für mich ist „Freundschaft kennt kein Alter“ mehr als nur ein Einblick in den Pflegealltag. Es ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und für das, was Begegnungen zwischen Generationen möglich machen können. Der Pfleger zeigt, dass selbst in schwierigen Situationen Freundschaft und Vertrauen eine Brücke schlagen - und dass daraus Beziehungen entstehen, die das Leben nachhaltig verändern können.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 08.09.2025

✎ Katharina von der Lane - Haribo 2 Goldene Zeiten brechen an

Haribo - Goldene Zeiten brechen an
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Nachdem mir „Haribo 1 So schmeckt das Glück“ ziemlich gut gefallen hatte, griff ich direkt zu „Haribo 2 Goldene Zeiten brechen an“. Während wir im ersten Teil die Geschichte der Familie und des Unternehmens ...

Nachdem mir „Haribo 1 So schmeckt das Glück“ ziemlich gut gefallen hatte, griff ich direkt zu „Haribo 2 Goldene Zeiten brechen an“. Während wir im ersten Teil die Geschichte der Familie und des Unternehmens von 1920 bis 1939 begleiten, setzt der zweite Band direkt im Jahr 1939 an und führt uns bis 1960. Damit deckt er eine deutlich längere und ereignisreichere Zeitspanne ab.

Das macht sich auch in der Handlung bemerkbar. Die Kinder werden älter, die Familie entwickelt sich weiter, und natürlich verändert sich auch Haribo als Marke. Gerade dieser Mix aus privater Familiengeschichte und Unternehmensentwicklung macht das Hören besonders spannend. Man spürt, wie eng historische Ereignisse mit dem Alltag der Figuren verknüpft sind. Diese Verknüpfung, macht Fakten greifbar und sorgt gleichzeitig für Unterhaltung.

Meine Kritik aus Band 1 muss ich auch hier leider wieder anbringen: Manche Inhalte wiederholen sich - vor allem gegen Ende des Romans. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Straffung und neue Perspektiven gewünscht. Trotzdem bleibt die Geschichte insgesamt stimmig und verliert nicht ihren roten Faden.

Sehr gelungen fand ich die klare Struktur. Jedes Kapitel beginnt mit einem Hinweis zu Zeit und Ort, sodass man nie den Überblick verliert. Auch die abschließenden Erläuterungen der Autorin, welche Elemente historisch belegt und welche frei erfunden sind, sorgen für Transparenz. Dadurch bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie nah das Geschehen an der Realität bleibt.

Mit diesem zweiten Band ist die Saga rund um Haribo abgeschlossen. Ich persönlich hätte mir gut noch einen dritten Teil vorstellen können, denn die Entwicklung des Unternehmens nach 1960 wäre sicherlich ebenso spannend gewesen. Gerade, weil Haribo bis heute Kultstatus hat, bleibt man neugierig, wie es mit der Familie und der Marke weiterging.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.09.2025

✎ Kerstin Löwe & Katja Schmiedeskamp - Anton will Prinzessin sein

Anton will Prinzessin sein
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Ich finde es großartig, dass Anton in dem Bilderbuch „Anton will Prinzessin sein“ von Kerstin Löwe und Katja Schmiedeskamp so unbeirrbar bei seinem Wunsch bleibt. Er lässt sich nicht davon abbringen, Prinzessin ...

Ich finde es großartig, dass Anton in dem Bilderbuch „Anton will Prinzessin sein“ von Kerstin Löwe und Katja Schmiedeskamp so unbeirrbar bei seinem Wunsch bleibt. Er lässt sich nicht davon abbringen, Prinzessin zu sein - auch nicht von seiner Schwester Ella, die ihm andere Kostüme vorschlägt. Genau das macht die Geschichte für mich so stark: Kinder erleben hier, dass es okay ist, bei sich selbst zu bleiben, egal, was andere sagen.

Gleichzeitig zeigt das Buch, wie früh Kinder mit Geschlechterklischees konfrontiert werden. Der Satz „Aber du bist ein Junge!“ wirkt auf den ersten Blick harmlos, kann aber viel auslösen. Eltern bemühen sich oft, Rollenbilder aufzubrechen, doch der Einfluss von Kindergarten, Schule und Freunden ist groß. Ich erinnere mich gut daran, wie mein eigenes Kind plötzlich meinte, ein bestimmtes Kleidungsstück sei nur für Jungen - obwohl es bei uns zu Hause keine solche Einteilung gab. Da wird deutlich, wie tief solche Denkmuster sitzen, selbst wenn man sie im Alltag bewusst vermeidet.

Was mich am Erzählstil etwas gestört hat, ist, dass Ella ihrem Bruder zunächst nicht wirklich zuhört. Anton sagt sehr klar, dass er Prinzessin sein möchte, doch Ella kontert jedes Mal mit einem anderen Kostümvorschlag. Dieses ständige Wiederholen kann einerseits anstrengend wirken, andererseits spiegelt es vielleicht genau das Verhalten wider, das viele Erwachsene zeigen: statt einfach zuzuhören, meinen sie besser zu wissen, was passt.

Die Illustrationen sind zweifellos ein Highlight. Farbenfroh, lebendig und ausdrucksstark unterstützen sie Antons Geschichte auf eine Weise, die Kinder sofort anspricht. Allerdings hätten die Figuren für meinen Geschmack noch vielfältiger gestaltet sein können. Von sieben Kindern sind fünf weiß, und obwohl die Geschlechter auf den Gesichtern nicht klar festgelegt sind - was ich positiv finde -, bleibt die Darstellung in puncto Diversität hinter den Erwartungen zurück. Hier wäre noch mehr möglich gewesen.

Trotz kleiner Schwächen ist die Botschaft eindeutig und wichtig: Kinder sollen alles sein dürfen, unabhängig von Geschlecht und Erwartungen. Genau das bringt die letzte Seite wunderschön auf den Punkt: „Denn: Jungs können alles sein. Mädchen auch.“

©2025 Mademoiselle Cake