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Veröffentlicht am 27.01.2018

✎ Kristin Harmel - Heute fängt der Himmel an

Heute fängt der Himmel an
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Kristin Harmel wird dem ein oder anderen sicher bekannt sein. Ich hatte bisher noch keines ihrer Bücher gelesen und konnte mich somit ohne große Erwartungen an das vorliegende begeben.

Ihr Schreibstil ...

Kristin Harmel wird dem ein oder anderen sicher bekannt sein. Ich hatte bisher noch keines ihrer Bücher gelesen und konnte mich somit ohne große Erwartungen an das vorliegende begeben.

Ihr Schreibstil ist leicht und beschwingt, sodass man manchmal das Gefühl hatte, durch die Seiten zu fliegen. Gleichzeitig kommt er jedoch teilweise ein wenig langweilig daher, sodass ich nicht immer große Lust verspürte, meinen Kobo in die Hand zu nehmen.

Besonders interessant fand ich die Vergangenheit von Emilys Großmutter. Dort erfuhr ich einige Details, die mir bisher nicht bekannt waren. Dieser Zweig war sehr emotional und mit den Charakteren habe ich wirklich mitgelitten.

Die Gegenwart hingegen füllte die Autorin mir stellenweise mit zu viel Kitsch. Nicht immer waren mir die Beweggründe klar. Nicht immer wollte sich bei mir ein stimmiges Bild einstellen. Ich empfand es am Schluss einfach als zu überladen. Happy Ends sind grundsätzlich absolut mein Ding - aber in einem gesunden Maße.

Ich mag Familiensagen und Dramen, ich mag Geschichten, die auf mehreren (Zeit)Ebenen spielen, aber hier war es mir vereinzelt einfach zu viel ... Ich gebe daher nur eine bedingte Leseempfehlung.

©2018

Veröffentlicht am 25.01.2018

✎ Herbert Rosendorfer - Vorstadt-Miniaturen

Vorstadtminiaturen
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Als ich das Buch in die Hand gedrückt bekam, konnte ich nicht wirklich etwas damit anfangen. Der Klappentext vermochte mich auch nicht zu überzeugen und so suchte ich erstmal nach dem Hörbuch, um wenigstens ...

Als ich das Buch in die Hand gedrückt bekam, konnte ich nicht wirklich etwas damit anfangen. Der Klappentext vermochte mich auch nicht zu überzeugen und so suchte ich erstmal nach dem Hörbuch, um wenigstens ein wenig eine Ahnung vom Ganzen zu bekommen.

Mein erster Fehler war, nicht zu schauen, wie lang das Hörbuch ist. Das Büchlein an sich hat schon nur 213 Seiten. Das Hörbuch, welches ich fand, war auch noch gekürzt. Aber normalerweise stört mich so etwas nicht. Hier hab ich mich jedoch absolut veräppelt gefühlt.

Es steigt direkt mit einer Szene ein, derer ich unheimlich gern lauschte. Sie brachte mich zum Lachen und ich freute mich auf den Rest. Auch weil die Sprecher Veronika von Quast & Wolf Euba supergut zueinander passen und die Sprache total angepasst ist. Die anderen - ich glaube - 3 Darstellungen amüsierten mich nicht weniger.

Als das Hörbuch auf einmal zu Ende war, glaubte ich zuerst an einen Fehler. Aber nein. Es ist tatsächlich nur ca. 1 Stunde lang und beinhaltet, wenn ich mich recht erinnere, 4 Szenen. Im Buch sind 18 Stücke niedergeschrieben. Das heißt, man hat hier nicht mal die Hälfte vertont. Damit bleibt mir abschließend zum Hörbuch nur zu sagen: Es lohnt sich nicht.

Ich griff dann also doch zum geschriebenen Werk und nahm mir vor, immer mal wieder einen Schauplatz zu lesen. Bei einem blieb es meist auch, denn solch lustige Sachen kann ich oft nur in kleinen Dosen genießen - zumindest selbstlesend.

Die meisten Sachen belustigten mich wahrhaftig. Da ich die Stimmen im Ohr hatte, machte es noch mal so viel Spaß.

Es gab natürlich auch Auftritte, die meinen Humor nicht trafen. Und gerade das letzte Stück wollte für mich einfach kein Ende nehmen.

Alles in allem kann ich 'Vorstadt-Miniaturen' weiterempfehlen. Am besten hört man sich eine Szene an, damit ein inneres Bild bekommt und dann liest man die Sachen einfach selbst, damit man die guten nicht verpasst.

©2018

Veröffentlicht am 25.01.2018

✎ Raquel J. Palacio - Wunder

Wunder
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Es ist erstaunlich, wie lange dieses Buch bereits auf dem Markt ist und wie oft es mir seitdem über den Weg läuft ...

Ich muss gestehen, dass ich bisher nur gute Meinungen zum Inhalt gehört habe. Gibt ...

Es ist erstaunlich, wie lange dieses Buch bereits auf dem Markt ist und wie oft es mir seitdem über den Weg läuft ...

Ich muss gestehen, dass ich bisher nur gute Meinungen zum Inhalt gehört habe. Gibt es keine kritischen? Traut sich niemand, etwas Schlechtes zu sagen, weil das Thema so wichtig ist? Ich für mich habe einfach (fast) nichts auszusetzen. Man sollte die Geschichte auch aus mehreren Perspektiven sehen, um das Gesamtbild einfangen zu können.

Von Anfang an habe ich mich auf eine emotionale Achterbahn der Gefühle eingestellt. Ich hatte meine Markierzettelchen bereit gelegt, um Stellen nicht aus den Augen zu verlieren, die ich später nochmals wiedergeben wollte. Meine Zeit habe ich extra so geplant, dass ich viel am Stück lesen konnte. Und doch kam einiges anders.

Die knapp 450 Seiten habe ich tatsächlich in ca. 2 oder 3 Tagen durchgesuchtet. Meine Augen klebten am Text, meine Umwelt spielte keine Rolle zu dieser Zeit. August und sein Erlebtes fesselten mich und die Sprache der Autorin ließ die Zeilen nur so vorüberfliegen.

Das Zuklappen des Buches bedeutete für mich dieses Mal nicht, dass ich es beiseite lege, meine Meinung niederschreibe und es vergesse. Ganz bewusst habe ich ein paar Tage verstreichen lassen, um zu sehen, wie es auch hinterher auf mich wirkt.

Es ist jetzt kein Buch, welches mich tief im Herzen getroffen hat, obwohl ich sehr viel Mitleid mit dem Protagonisten hatte. (aber das ist wahrscheinlich vorprogrammiert bei diesem Thema) Dennoch ist es ein Beitrag, den ich gerne gelesen habe.

Bei der Seitenanzahl wurde wirklich sehr viel angesprochen. Es wurden mehrere Seiten beleuchtet. Und es kamen sogar einige Personen zu Wort, sodass man das Ganze nicht nur aus einer Betrachtungsweise wahrnahm. Aber es war vieles so weichgekocht. Selbst das Ende kam nicht überraschend, sondern man ahnte, worauf es hinauslaufen wird. Es war schön anzusehen und ich habe mich für August gefreut. Jedoch hätte es ein anderer Ausgang auch getan.

Es gibt Konflikte, ja. Und es gibt Hürden, die der Junge überwinden muss. Und ich fand es gut, dass Raquel J. Palacio auch die beiden Seiten aufgezeigt, was es heißt, die Schwester zu sein. Oder einfach nur ein Junge, der mit dem Aussehen von August nicht klar kommen mag.

Aber es war zu weichgespült.

Ich denke, die Schriftstellerin hat ein Anliegen verarbeitet, welches viel Gewicht hat. Und dennoch wollte sie eher einen Wohlfühlroman herausbringen - was sie auch super geschafft hat. Genau unter diesem Aspekt sollte man das Debüt zur Hand nehmen.

Mir hat auf alle Fälle geholfen, dass ich den Filmtrailer bereits kenne. Denn obwohl es detaillierte Beschreibungen im Buch von August gibt und die nicht wirklich übereinstimmen, konnte ich mir dennoch so ein besseres Bild von allem machen.

Ganz nüchtern betrachtet: Ja, es ist ein wichtiges Buch. Es wird auch einen hart umkämpften Platz in meinem Regal erhalten und ich werde es mit Sicherheit oft weiterempfehlen. Und trotzdem habe ich irgendwie die Taschentuchmomente vermisst ...

©2018

Zitat:

"Ich werde immer die Schwester eines Jungen mit Geburtsfehler sein: Das ist nicht das Problem. Ich will bloß nicht immer darauf reduziert werden." (S. 138)

Veröffentlicht am 23.01.2018

✎ Joy Fielding - Schlaf nicht, wenn es dunkel wird

Schlaf nicht, wenn es dunkel wird
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Dies war mal wieder eins der Werke von Joy Fielding, welches mir gut gefallen hat. Von Anfang an war ich gefangen und wollte stets wissen, wie es weitergeht.

Der Stil der Autorin ist mir hinreichend bekannt. ...

Dies war mal wieder eins der Werke von Joy Fielding, welches mir gut gefallen hat. Von Anfang an war ich gefangen und wollte stets wissen, wie es weitergeht.

Der Stil der Autorin ist mir hinreichend bekannt. So setzt sie meist auf den Psychoteil und weniger auf blutige Details des Thrillerelements. Hier ist es ganz genauso. Und das ist auch das, was mir oft an ihren Büchern zusagt.

Seit Beginn der Geschichte lief neben der eigentlichen Handlung ebenfalls ein Kopfkino bei mir ab. Ich habe beständig versucht, einen Schritt voraus zu sein, um zu ergründen, was die Schriftstellerin uns mit auf den Weg geben mag. Spuren und Hinweise gab es genug.

Im Mittelteil schwächelt das Erzählte ein wenig. Zwar bleibt die unterschwellige Anspannung bestehen, jedoch konnte ich die naive Art von Terry nicht immer begreifen.

Sehr überrascht war ich vom Ende. Ich habe zwar stets gedacht, dass die Fährte, die Fielding legt, nicht richtig sein kann, aber irgendwie hatte ich dennoch mit etwas anderem gerechnet.

Leider blieben ein paar Fragen ungeklärt. Aber vielleicht ist dies Absicht und die Fantasie des Lesers soll angeregt werden, damit man auch nach dem Lesen noch über das Werk nachdenkt. Dies entspricht nicht ganz meiner Vorstellung.

Es ist nichts Herausragendes und die Klischees sind sicher abgelutscht, aber mir hat der Psychothriller ein paar nette Stunden beschert, daher empfehle ich ihn gerne weiter.

©2018

Veröffentlicht am 22.01.2018

✎ Arno Geiger - Der alte König in seinem Exil

Der Alte König in seinem Exil
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Als ich dieses Buch sah und die Möglichkeit hatte, es mit jemanden zusammen zu lesen, ergriff ich diese. Ich hatte mich auf viel Gesprächsstoff und einige Emotionen eingestellt, denn für mich war dieses ...

Als ich dieses Buch sah und die Möglichkeit hatte, es mit jemanden zusammen zu lesen, ergriff ich diese. Ich hatte mich auf viel Gesprächsstoff und einige Emotionen eingestellt, denn für mich war dieses Thema in einem Buch neu und auch persönlich habe ich keine Erfahrungen damit.

Schon zu Anfang jedoch merkte ich, dass ich mit dem Erzähler so gar nicht klarkomme. Es ist nicht nur der nüchterne Schreibstil, der alles sehr distanziert wirken lässt, sondern vor allem seine Wortwahl, mit der ich ganz oft auf Kriegsfuß stand.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die Alzheimer, wenn es in der Familie auftritt, erstmal ignorieren. Es ist wahrscheinlich sehr einfach, sich etwas anderes einzureden, als die offensichtlichen Zeichen zu sehen. Dies ist ein Schutzmechanismus, den einige anwenden. Da ich noch nie in solch einer Situation war, kann ich nicht beurteilen, wie es mir ergehen würde. Aber da auch ich bereits mit Krankheit und Tod eines geliebten Menschen zu kämpfen hatte, weiß ich, wie viel Hilfe und vor allem Respekt dieser benötigte. Bei Arno Geiger fehlte beides.

Wenn ich seine Einstellung zu lesen bekam, war ich oft fassungslos und teilweise auch sehr wütend. Ich konnte nicht verstehen, wie man so denken kann.

"Ich helfe ihm beim Anziehen, damit das Prozedere nicht ewig dauert, [...]" (S. 7)

"Unserem damaligen Empfinden nach überstiegen seine endlosen Wiederholungen jedes erträgliche Maß." (S. 37)

"[...] wir alle hatten weiß Gott auch anderes zu tun und hätten uns unser Leben immer wieder etwas einfacher gewünscht." (S. 45)

Für manch einen mögen solche Worte authentisch klingen, für mich waren sie fehl am Platz, ja geradezu anmaßend. Einfach auch, weil ich mich fragte, wie der Vater sich fühlen muss, wenn er diese Worte seines Sohnes lesen würde ...

Warum ich ebenfalls so denke, ist die Tatsache, dass der Autor kein Kind oder Jugendlicher mehr ist. Er ist erwachsen und sollte daher in meinen Augen etwas mehr Verständnis aufbringen. Für mich kommt sein Blickpunkt wenig bis gar nicht reflektiert herüber.

Zwischendurch werden in kursiver Schrift kurze Passagen zwischen 2 Personen eingeblendet. Handelt es sich hierbei um Augenblicke in "lichten" Momenten? Es klang alles ziemlich hingeklatscht.

Mir haben die Zeilen leider gar nicht zugesagt und ich werde mich wohl nach anderen Lektüren umschauen, die diese Krankheit zum Thema haben - vielleicht bringen diese mir die Erkrankung näher.

©2018