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Veröffentlicht am 17.09.2020

Eintauchen in die reale Kriegsführung des 2. Weltkriegs

Caribou
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Der Roman "Caribou" von Kevin Major werden eindrücklich die Geschehnisse des 2. Weltkriegs thematisiert mit dem Hauptaugenmerkt auf die U-Boot-Kriegführung zwischen Deutschland und Kanada, sowie den USA.

Ulrich ...

Der Roman "Caribou" von Kevin Major werden eindrücklich die Geschehnisse des 2. Weltkriegs thematisiert mit dem Hauptaugenmerkt auf die U-Boot-Kriegführung zwischen Deutschland und Kanada, sowie den USA.

Ulrich Gräf ist Oberleutnant/ Kapitänleutnant der U69, ein ambitionierter Offizier, der zielstrebig seine Karriere verfolgt und Befehle ausführt. Gleichzeitig ein musischer Mann, den Künsten zugeneigt und voller Liebe für seine Elise. Dem gegenüber steht der junge John Gilbert, ein Steward auf der Caribou, der seine Rolle im Leben noch nicht gefunden hat. Er ist auf der Fähre umgeben von einem vielfältigen Potpourri an Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Bis zu jenem schicksalshaften Tag im Oktober 1942, als sich das Schicksal der beiden auf unwiderrufliche Weise kreuzt.

Mich hat vor allem der Detailreichtum des Romans begeistert über eine spezielle Materie des 2. Weltkrieges, die ich vorher für mich unbewusst ausgeklammert habe. Einzutauchen in die Logik der U-Boot Kriegsführung, den Regeln und Gebräuchen, dem Ehrenkodex näher zu kommen mit entsprechender realer, zeitlicher Verknüpfung hat das ganze Material in eine sehr lesenswerte Handlung verwandelt, die für mich einen wahren Wissensmehrwert bedeutet hat. Darüber hinaus war es sehr spannend, die Geschichte über das Unglück hinaus verfolgen zu können, den Charakteren weiter in ihrer Entwicklung zu folgen, genau das war für mich unvorhergesehen und dementsprechend sehr unterhaltsam. Der Stil ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, liest sich aber dann flüssig von der Hand. Am Anfang haben mich zudem die vielen Charaktere verwirrt, was sich jedoch auch im Verlauf des Buches legt. Was mir wiederum gefehlt hat, ist die Nähe zu den Charakteren, eine Reflektion ihrer Persönlichkeit, eine aktive Auseinandersetzung mit dem Kriegsgeschehen und den traumatischen Erlebnissen, um meine eigene Betroffenheit steigern zu können. Ein sehr lesenswerter Roman für historisch begeisterte Leser mit Anspruch auf Realitätsgehalt gepaart mit einem Schuss Menschlichkeit der guten Charakterstudie.

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Veröffentlicht am 17.09.2020

Brüderliebe, Freundschaften, Lügen und Geheimnisse

TREU
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In seinem Debütroman "Treu" schildert Sven Hornscheidt die Tücken der heutigen Jugend, die Ambivalenz von Freundschaften, gepaart mit dunklen Geheimnissen, einem düsteren Kraterwald und mysteriösen Charakteren. ...

In seinem Debütroman "Treu" schildert Sven Hornscheidt die Tücken der heutigen Jugend, die Ambivalenz von Freundschaften, gepaart mit dunklen Geheimnissen, einem düsteren Kraterwald und mysteriösen Charakteren. Unvorhersehbare Ereignisse fesseln den Leser bis zum dramatischen Ende.

Der Hauptprotagonist Moritz, ein schüchterner, introvertierter Junge, sieht sich mit sich selbst konfrontiert, den Herausforderungen des Erwachsenwerdens und somit auch seiner Freundschaft zu Lukas, dem verwegenen Lockenkopf, dem er sich gerne öffnen möchte und dessen Art und Weise ihn vollkommen gefangen nimmt. Lukas hingegen ist mit Marina zusammen, aber die Beziehung kriselt, was nicht zuletzt an Lukas mysteriösem Verhalten liegt und seiner abgeklärten Art. Was hat Lukas zu verbergen? Und was hat das alles mit seinem Bruder Jakob zu tun über den er nie sprechen will? Moritz rutscht immer mehr in Lukas Welt ab, die aus dunklen Geheimnissen, mysteriösen Ereignissen und vielen ungelösten Fragen besteht, bis es kein Zurück mehr gibt.

Der Roman ist in seiner Thematik sehr aktuell gehalten, die Zerrissenheit der heutigen Jugend gut und klar geschildert. Der Stil ist leicht und fließend und die Zeitsprünge sehr gut eingebettet, sodass der Leser gut folgen kann. Der Spannungsaufbau ist gelungen und das Ende mehr als unvorhergesehen, scheut sich nicht mit Tabus zu brechen. Und genau das spricht für den guten Stil, denn zeitweise wollte ich nicht tiefer in die Geheimnisse eintauchen aufgrund der bösen, innerlichen Vorahnung, die mich zurückschrecken ließ. Die Charaktere sind überzeugend gezeichnet, vor allem die Entwicklung von Moritz sei hier hervorzustellen. Der einzige Schwachpunkt für mich ist die anfängliche Konzentration auf recht nebensächliche innere Reflektionen, die jedoch nicht viel zur Geschichte beitragen. Dafür hätte ich mir wiederum andere Handlungsstränge vertieft gewünscht, um die weiteren Charaktere noch nahbarer zu empfinden, emotionaler mit ihnen verwoben und selbst betroffener zu sein. Ein sehr lesenswerter Roman für Freunde von jugendlich angehauchten, düsteren Thrillern, eingebettet in die Problematik der Generation Z.

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Veröffentlicht am 17.09.2020

Die große Liebe, die in den Drogenabgrund führt

8.540 Kilometer
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In ihrem Roman "8.540 Kilometer gegen das System" schildert Jennifer Schmitz die Liebesbeziehung der jungen Sunny, komplett verankert im strukturierten Leben mit einem klaren Plan für ihre Zukunft, zu ...

In ihrem Roman "8.540 Kilometer gegen das System" schildert Jennifer Schmitz die Liebesbeziehung der jungen Sunny, komplett verankert im strukturierten Leben mit einem klaren Plan für ihre Zukunft, zu Jasper, dem verwegenen, gutaussehenden Amerikaner, den sie auf einem Festival kennenlernt. Sie verfällt ihm sofort komplett und somit auch allen Geheimnissen und Mysterien, die sie erst komplett begreift, als sie sich für ihn ins Unbekannte wagt, fernab ihrer Pläne einfach nur ihren Gefühlen folgt.

Der Schreibstil ist leicht, einfach und liest sich schnell und flüssig. Sunny ist eine junge, naive Frau, die sich Hals über Kopf in Jasper verliebt, was mehr Probleme mit sich führt, als sie zu erahnen vermag. Mir imponiert ihr Mut, alles hinter sich zu lassen, um sich komplett dieser Liebe zu widmen. Und Jasper ist gut skizziert und immer für eine Überraschung gut. Insgesamt überzeugen mich jedoch nicht alle Handlungsstränge komplett. Mir fehlen etwas Tiefgang und mehr Reflektion der Situationen, denn somit bleiben die Charaktere etwas oberflächlich für mich. Trotzdem sehr lesenswert für Freunde von jungen Liebesgeschichten mit Thriller artigen Momenten.

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Veröffentlicht am 17.09.2020

Biographisch, emotional und nahbar- eine etwas andere Annährung an das Thema Fleischkonsum

Fleisch ist mir nicht Wurst
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Klaus Reichert schildert in seinem Sachbuch "Fleischbuch ist mir nicht Wurst" seinen persönlichen, familiären Zugang zum Thema Fleischkonsum. Als Sprössling der dritten Generation einer renommierten Metzgerfamilie ...

Klaus Reichert schildert in seinem Sachbuch "Fleischbuch ist mir nicht Wurst" seinen persönlichen, familiären Zugang zum Thema Fleischkonsum. Als Sprössling der dritten Generation einer renommierten Metzgerfamilie in Frankfurt kennt er sich aus mit Hausschlachtungen, der permanenten Arbeit hinter der Fleischtheke, den verschiedenen Wurstsorten und wie Fleisch sein Leben bestimmt hat von klein auf. Er kennt jedoch auch die andere Seite, denn anders als sein Bruder, Vater und Opa hat er sich einer anderen Berufssparte zugewandt, dem Journalismus. Er kennt genauso gut den Blick von außen auf diesen mittlerweile verpönten Berufsstand, dem er die nötige Akzeptanz über sein Werk zuschreiben lässt. Mit eben diesem reflektierten Blick schildert er die Anfänge seines Opas, die Herausforderungen, die das Geschäft bietet, die Übergabe an seinen Vater und eben auch den nächsten Schritt, den sein Bruder nun bestreitet in eine ungewisse Zukunft, die immer kritischer hinterfragt, wieviel Fleisch wir noch konsumieren sollen und vielleicht auch müssen. Sehr emotional, nahbar und fast wie ein Roman lesen sie die meisten sehr biographisch angehauchten Kapitel. Die Beschreibungen wirken so echt, dass mir teilweise Gänsehaut widerfahren ist. Mir hat jedoch eine größere Auseinandersetzung mit dem Thema Fleischkonsum gefehlt, weshalb ich nur drei Sterne vergeben kann. Der Titel hat in mir andere Erwartungen geweckt, als das Buch letztlich einhalten konnte. Nichtsdestotrotz ist es ein wunderbar geschriebenes, unterhaltsames Werk mit viel Nähe zur Familie und der Intention eben die ungesehene Seite der Metzger klarer zu beleuchten.

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Veröffentlicht am 17.09.2020

Kleinkrimineller im Netz der Machenschaften

Ein abgezockter Sauhund
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Der Krimi "Ein abgezockter Sauhund" von Roland Krause ist ein locker flockig, derb und rotzig gefärbter Krimi mit unterhaltsamen Dialogen und Wendungen.

Das Cover gefällt mir, wenig aufregend, dabei authentisch ...

Der Krimi "Ein abgezockter Sauhund" von Roland Krause ist ein locker flockig, derb und rotzig gefärbter Krimi mit unterhaltsamen Dialogen und Wendungen.

Das Cover gefällt mir, wenig aufregend, dabei authentisch und ich mag die Farbelemente.

Die Geschichte dreht sich um Samson, einen Kleinkriminellen, der durch den Mord an seinem Kumpel Pauli in die Fänge weitaus größerer Mächte gerät.

Insgesamt ist der Schreibstil kurz, knackig und sehr mileaugetrieben. Samson ist ein unsympathischer Kerl von der Straße, auf seinen eigenen Vorteil bedacht und kennt sich aus mit dem Untergrund und seinen Regeln. Die anderen Akteuere sind interessant, vielfältig und beleben die Geschichte immer wieder aufs Neue. Die Sprache ist mir teilweise zu aggressiv und derb, die Vergleiche nicht immer hunderprozent getroffen und der Humor teilweise nicht meins. Jedoch eine spannende, lesenwerte Geschichte mit vielen Wendungen, Überraschungen und Akteuren, die aus dem klein wirkenden Krimi einen riesen Coup hervorzaubern. Definitiv lesenswert für Freunde des schwarzen Humors, rotzigem Straßenslang und verstrickten Krimigeschichten!

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