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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.01.2026

Zum nebenbei hören angenehm, aber falsche Genreeinordung

Schwarze Schuld
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Das Cover und der Klappentext haben mich zunächst wirklich sehr angesprochen, die Atmosphäre wirkte düster und mysteriös und auf genau so eine Geschichte hatte ich mich eigentlich eingestellt. Und zum ...

Das Cover und der Klappentext haben mich zunächst wirklich sehr angesprochen, die Atmosphäre wirkte düster und mysteriös und auf genau so eine Geschichte hatte ich mich eigentlich eingestellt. Und zum Anhören und etwas nebenher machen war es auch okay, die Sprecherin hat gut zur Geschichte gepasst und außer dass ( was ich jetzt nur aus dem Austausch mit Anderen weiß) die Dialektphrasen durch Hochdeutsch getauscht wurden, hatte ich das Gefühl, dass es schon zum Buch passte.

Der Schreibstil und auch die Grundidee sind auch durchaus gelungen, auch wenn die Charaktere schon sehr klischeehaft für meinen Geschmack gezeichnet sind. Leider verfehlt die Geschichte für mich auch die Kurve ins ( so wie ich mir es halt vorstelle) fesselnde, einen nicht mehr loslassende Krimigenre. Die Handlung dümpelt lange Zeit eher vor sich hin, es geschieht schon Verschiedenes, aber nichts wirklich Relevantes. Und auch die Auflösung war tendenziell nach meinem Empfinden eher schwach. Die Reihe wird mich also wohl nicht weitersehen, was schade ist, weil die Grundidee zunächst echt interessant anmutete. Aber ein Krimi ist es für mich leider maximal unter dem Banner "Cozy-Krimi".

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Teils schwere, aber auch zutiefst wichtige Themen

Niemands Töchter
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So richtig aufmerksam geworden auf das Buch bin ich zunächst eher durch das Coverdesign, ich bin einfach ein großer Fan von Covern, die im Stil von Gemälden gestaltet sind. Aber auch der Klappentext hat ...

So richtig aufmerksam geworden auf das Buch bin ich zunächst eher durch das Coverdesign, ich bin einfach ein großer Fan von Covern, die im Stil von Gemälden gestaltet sind. Aber auch der Klappentext hat mich dann gleich gepackt und in mir die Neugierde geweckt herauszufinden, was es mit all diesen Fragen über Verantwortung, familiäre (Ver-)Bindungen und gesellschaftliche Strukturen so auf sich hat.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Alma, die in den 1980er‑Jahren in der Eifel aufwächst, und Isabell, die 2019 in Berlin lebt und den Verlust ihrer Mutter nie ganz überwunden hat. Was die beide, für den Leser meiner Meinung nach schon früh deutlich, verbindet ist eine schmerzhafte Leerstelle in sich, die ihr Fühlen und auch ihre Beziehungen prägt.
Insgesamt wird die gesamte Geschichte über Mütter, Töchter und das (oft auch unterbewusste) Weitergeben von transgenerationalen Wunden von Judith Hoersch in einem wunderbar ruhigen, eher melancholischen Ton erzählt. Die verschiedenen Perspektiven der Frauen bauen langsam immer mehr ein Gesamtbild der Lage auf und bringen teils auch eine unterschwellige Spannung mit sich, was schön zu lesen ist.
Alles in allem ein eindrückliches, bewegendes Buch, das nicht nur Fragen von individuellem Interesse verarbeitet, sondern auch gesellschaftliche Themen toll verarbeitet. Worüber ich mir noch etwas unschlüssig bin, ist u.A. die Tatsache, wie ich dazu stehe, dass manche (durchaus meiner Meinung nach hochrelevante aber auch oft schwierige) Themen, wie z.B. Vergewaltigungen hier nur relativ kurz, in einem Nebensatz erwähnt werden. Da hätte es sicherlich Potential gegeben, das noch etwas auszuarbeiten.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Konnte mich leider nicht überzeugen

Ein stilles Mädchen
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Ich kannte die Autorin bisher nur vom Namen und hatte eigentlich auch recht viel Gutes über ihre Bücher gehört, weswegen vielleicht auch meine Erwartungen dementsprechend hoch waren.

Ich würde sagen alles ...

Ich kannte die Autorin bisher nur vom Namen und hatte eigentlich auch recht viel Gutes über ihre Bücher gehört, weswegen vielleicht auch meine Erwartungen dementsprechend hoch waren.

Ich würde sagen alles in allem kann man das Buch damit beschreiben, dass es sich von klassischen Thrillern abhebt. Statt auf spektakuläre Action oder blutige Details setzt Fossum auf psychologische Tiefe und eine stille, fast bedrückende Atmosphäre. Die Geschichte dreht sich um das Verschwinden eines jungen Mädchens und die Ermittlungen von Kommissar Feber, das Kind (hoffentlich) rechtzeitig wieder nachhause zu bringen.

Die Stimmung wird auch wirklich schön aufgebaut, der Schreibstil ist darauf ausgelegt mit wenigen Worten dennoch eine eindrückliche Atmosphäre aufzubauen. Für mich persönlich wurde daraus aber zu wenig gemacht, der Spannungsbogen bleibt überwiegend sehr flach und die langwirigen Dialoge erschweren das Lesen zusätzlich. Auch die Charakterzeichnungen sind leider an manchen Stellen, gerade wenn es um die sechsjährige Kandis geht, nicht wirklich authentisch ( es gibt einige Passagen, bei denen ich mir gedacht hab: so denkt/spricht/handelt kein Mädchen in diesem Alter ) Und leider hat auch das Ende nicht die erhoffte Auflösung ergeben, sondern eher sehr viel offen gelassen, von dem ich mir zwischendrin schon gedacht hatte, dass diese Masse an Nebensträngen wahrscheinlich eher kontraproduktiv sein wird.

Insgesamt leider kein Buch, dass mich nachhaltig fesseln konnte, zu viel Unrealistisches, das ohne die für mich in einem Krimi eigentlich unvermeintliche Spannung aneinander gereiht wurde.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Gemütlicher Roman, der aber nicht zwingend weihnachtlich ist

Weihnachten mit Tony
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Wir befinden uns rund um den Loch Lomond und begleiten Carrie, eine junge Frau, die nach Jahren in Australien in ihre Heimat zurückkehrt, um ihren kranken Vater zu unterstützen und sich einer wichtigen ...

Wir befinden uns rund um den Loch Lomond und begleiten Carrie, eine junge Frau, die nach Jahren in Australien in ihre Heimat zurückkehrt, um ihren kranken Vater zu unterstützen und sich einer wichtigen Mission zu stellen: der Rettung der schottischen Wallabys, insbesondere des namensgebenden und auch schon auf dem Cover verewigten Wallabys Tony. Dabei trifft sie unerwartet auf Marc, ihre Jugendliebe, der nun (vermeintlich) zielgerichtet die entgegenstehenden Interessen vertritt.

Grundsätzlich hätte diese Konstellation meiner Meinung nach einiges an Potential für emotionale Spannung, Konflikte und authentische Momente zwischen den Figuren gehabt, was aber leider bei weitem nicht genutzt wurde. Ich wurde auch leider nicht mit Carrie als Hauptperson warm, viel zu launisch und unnachvollziehbar war ihr Handeln in den meisten Fälle.
Auch der weihnachtliche Funke, der hier vermutlich miteingeflochten sein sollte, konnte so gar nicht auf mich überspringen, zeitweise hatte ich sogar vergessen, dass es hier um eine weihnachtliche Atmosphäre geht.
Der Aspekt mit den Wallabys und dem Naturschutz ist nett eingebunden, wenn auch für meinen Geschmack etwas sparsam, wenn man schon ein Tier aufs Cover druckt und teils auch etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Ich verstehe den Gedanken, den man mit den Kapitel aus Tierperspektive vielleicht verfolgen wollte, an manchen Stellen war es für aber leider eher unnötig diese Facette einzubringen. Da wären ein paar mehr Stellen von Carrie ( und vielleicht Marc) auf der Insel mit den Wallabys schöner gewesen.

Insgesamt ein netter Roman, der sich zügig lesen ließ, der aber für mich persönlich einige Schwächen hat, nicht zuletzt, dass ich mich bei einem Buch, das schon "Weihnachten" im Titel hat, etwas mehr vorweihnachtliche Atmosphäre erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Ein ehrlicher, warmherziger Coming-of-Age-Roman

Und morgen dann erwachsen
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Die Geschichte ist ein einfühlsamer Roman über das Erwachsenwerden mit all seinen Unsicherheiten, Hoffnungen und kleinen Katastrophen. Im Mittelpunkt steht eine (namenslose) Hauptfigur, die sich zwischen ...

Die Geschichte ist ein einfühlsamer Roman über das Erwachsenwerden mit all seinen Unsicherheiten, Hoffnungen und kleinen Katastrophen. Im Mittelpunkt steht eine (namenslose) Hauptfigur, die sich zwischen jugendlicher Freiheit und den Erwartungen der Erwachsenenwelt wiederfindet und das auch in seiner Freundesgruppe, in den verschiedensten Formen miterlebt.

Ein wichtiges Motiv ist dabei auch der Vergleich zwischen dem was nach außen sichtbar ist und den inneren Krisen der Figuren: Für Außenstehende wirken die Partys, Witze und Social Media-Posts vielleicht zunächst sorglos, innerlich kämpfen die Protagonisten aber mit Krisen, Leistungsdruck und dem Gefühl, hinter den eigenen und gesellschaftlichen Erwartungen zurückzubleiben. Das geheimnisvolle Notizbuch ( es wirkt ein wenig, als wäre es wie eine erste Version des Buches) bündelt diese Konflikte symbolisch sehr schön, weil es dazu zwingt, die Dinge konkret zu benennen und sich auch damit auseinander zu setzen.

Insgesamt wirken die Figuren allesamt lebendig und glaubwürdig. Ihre Dialoge sind realistisch, oft humorvoll und spiegeln die typischen Gedankengänge einer Generation wider, die sich auf der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet. Sehr gut gelungen ist dabei für mich auch die Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe. Neben witzigen Momenten gibt es auch immer wieder nachdenkliche Passagen, die zum Innehalten einladen.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und leicht verständlich, sodass man schnell in die Geschichte eintaucht. Auch dass auf "typische" Jugendsprache verzichtet wird, tut dem Lesegenuss keinen Abbruch, im Gegenteil, es hilft, besser in die Geschichte hineinzukommen, weil man eben nicht sofort in einem Chaos aus ( für einen selbst eventuell total zusammenhangslosen) Anglizismen/Neologismen, etc. landet.

Alles in allem gelingt es Lenssen, die Atmosphäre einer Jugend voller Träume und Zweifel einzufangen, ein Gefühl, mit dem eigentlich alle auf irgendeine Art etwas anfangen können, denn jung sind/ waren wir alle mal !

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