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Veröffentlicht am 04.02.2026

Misstrauen im eigenen Zuhause

Das Signal
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Ein neues Buch von Ursula Poznanski, für mich jedes Mal ein absoluter Pflichtkauf. Ich habe wirklich alle ihre Bücher gelesen. Und ich muss gestehen, dieses hier ist für mich bisher das schwächste.

Der ...

Ein neues Buch von Ursula Poznanski, für mich jedes Mal ein absoluter Pflichtkauf. Ich habe wirklich alle ihre Bücher gelesen. Und ich muss gestehen, dieses hier ist für mich bisher das schwächste.

Der Einstieg hat mich sofort gepackt. Viola wacht im Krankenhaus auf und erfährt, dass sie bei einem Unfall ihr Bein verloren hat. Ab da kippt ihr ganzes Leben. Zurück im Haus außerhalb von Wien fühlt sie sich nicht wie in Sicherheit, sondern wie unter Beobachtung. Ihr Mann wirkt überfürsorglich, engagiert eine Pflegerin, die mehr kontrolliert als hilft. Also beginnt Viola, selbst zu kontrollieren. Mit kleinen Trackern und viel Misstrauen.

Die Atmosphäre ist dicht, dieses unterschwellige Gefühl, dass etwas nicht stimmt, mochte ich sehr. Ich bin schnell durch die Seiten gekommen, wie so oft bei Poznanski. Trotzdem hat sich vor allem der Mittelteil gezogen. Einige Wendungen waren vorhersehbar, manches wirkte konstruiert.
Was mich aber diesmal wirklich gestört hat, war die Glaubwürdigkeit. In der Situation, in der sich Viola befindet, hätte man andere Unterstützung. Nach einer Amputation gibt es medizinische Begleitung, Reha, Therapeutinnen und Therapeuten, soziale Anlaufstellen. Vieles davon spielt kaum eine Rolle. Auch ihr Verhalten erschien mir stellenweise nicht nachvollziehbar. Ich hätte anders gehandelt.

Viola selbst ist eine interessante Figur, mit Ecken und einer eigenen Vergangenheit. Adam blieb für mich dagegen etwas blass. Da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um ihre Beziehung besser zu verstehen.

Trotz meiner Kritik habe ich das Buch gern gelesen. Es hat Spannung, eine beklemmende Stimmung und starke Momente. Aber im Vergleich zu ihren anderen Romanen fehlte mir hier das gewisse Etwas. Deshalb solide "nur" Sterne.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Picasso, Politik und tödliche Geheimnisse

Die Verschwörung
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„Die Verschwörung“ hat mich sofort gepackt. Ein Van-Gogh-Empfang in London, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und schon geht es um Mord, Beutekunst und einen verschwundenen Picasso. Kunstgeschichte ...

„Die Verschwörung“ hat mich sofort gepackt. Ein Van-Gogh-Empfang in London, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und schon geht es um Mord, Beutekunst und einen verschwundenen Picasso. Kunstgeschichte wird hier plötzlich richtig spannend und treibt die Handlung voller Gier, Gewalt und politischer Machtspiele voran.

Der Mord an der Oxford-Professorin Charlotte Blake ist der Auslöser. Zunächst sieht alles nach einem Serienmörder aus, doch Blake suchte nach einem im Zweiten Weltkrieg geraubten Picasso. Gabriel Allon mischt sich ein. Als Restaurator und Ex-Geheimdienstchef kennt er sich in Europa bestens aus. Seine Spur führt von London über Oxford nach Cornwall und weiter auf den Kontinent.

Besonders interessant ist, wie Silva die Kunstwelt mit Finanzgeschäften, Politik und Cyberkriminalität verknüpft. Hacker brechen selbst in gesicherte Systeme ein, was die Geschichte überraschend nah an die Realität rückt. Die Kapitel sind kurz, die Perspektivwechsel halten die Spannung hoch, und Allon wirkt trotz seiner Fähigkeiten menschlich. Rückblicke auf sein Privatleben machen den Einstieg auch für Neueinsteiger leicht.

Warum nur vier Sterne? Manche politischen Nebenhandlungen ziehen sich etwas in die Länge und bremsen die Picasso-Jagd. Trotzdem bleibt die Spannung bis zum Ende hoch.

Ein Politthriller, der Kunst, Intrigen und europäische Schauplätze spannend verbindet. Sehr unterhaltsam. Vier von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Zwischen Piraten, Magie und verbotenen Gefühlen

Nightweaver
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Nightweaver hat mich direkt im ersten Kapitel gepackt. Der Einstieg auf einem Piratenschiff ist intensiv und zieht einen sofort in die Geschichte. Genau das liebe ich. Ich wollte Meer, Kämpfe und dieses ...

Nightweaver hat mich direkt im ersten Kapitel gepackt. Der Einstieg auf einem Piratenschiff ist intensiv und zieht einen sofort in die Geschichte. Genau das liebe ich. Ich wollte Meer, Kämpfe und dieses raue Piratengefühl, und das bekomme ich am Anfang auch.

Danach verlagert sich vieles an Land. Das hat mich kurz überrascht, weil ich mit mehr Seefahrerleben gerechnet hatte. Trotzdem wurde es nicht langweilig. Die politische Spannung zwischen Menschen und Nightweavern, die Geheimnisse und die vielen Enthüllungen haben mich bei der Stange gehalten. Vor allem im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse. Da konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

Aster mochte ich insgesamt sehr. Sie ist 17, impulsiv, stolz, manchmal anstrengend. Aber genau das macht sie glaubwürdig. Ihre enge Bindung zur Familie hat mir besonders gefallen. Das gibt der Geschichte Herz. Die Romance ist langsam aufgebaut, eher zart als dramatisch, und lebt von Blicken, Nähe und inneren Konflikten. Ich war komplett investiert. Und ja, ich stelle mir auch Fragen, in welche Richtung sich das noch entwickelt.

Das Magiesystem mit den Nightweavern fand ich interessant, auch wenn ich an manchen Stellen kurz überlegen musste. Es passiert viel, es gibt viele Namen und Hintergründe. Man muss wirklich aufmerksam lesen. Manche Twists habe ich kommen sehen, andere haben mich kalt erwischt.

Für mich sind es solide vier Sterne. Nicht perfekt im Tempo, aber mit einem starken Ende, viel Gefühl und genug offenen Fragen, damit ich unbedingt Band zwei lesen will.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Eine Königin bekommt ihr Herz zurück

Kleopatra
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Dieses Buch hat mich stärker berührt, als ich erwartet habe. Ich lese seit meiner Kindheit alles, was ich über Ägypten finden kann. Geschichte, Mythen, Fakten. Kleopatra hat mich dabei immer begleitet, ...

Dieses Buch hat mich stärker berührt, als ich erwartet habe. Ich lese seit meiner Kindheit alles, was ich über Ägypten finden kann. Geschichte, Mythen, Fakten. Kleopatra hat mich dabei immer begleitet, aber fast nie von ihrer Persönlichkeit überzeugt. Zu oft blieb sie eine Rolle, ein Bild, eine Zuschreibung. Diese Erzählung hat das Bild von ihr in meinem Kopf gewandelt.

Saara El-Arifi erzählt Kleopatra von innen heraus. Als Mädchen, als Frau, als Herrscherin. Ich habe ihre Unsicherheit gespürt, ihre Entschlossenheit, ihre Müdigkeit. Macht wirkt hier schwer. Verantwortung fühlt sich real an. Besonders berührt hat mich, wie viel Raum Freundschaft, Familie und Mutterschaft bekommen. Das ist äußerst selten und tut gut.

Der Fakt, dass hier die vierte Wand durchbrochen wird hat mich schnell abgeholt. Ich hatte das Gefühl, sie spricht wirklich mit mir. Nicht perfekt, nicht glatt, sondern ehrlich. Manche Passagen haben wehgetan. Andere waren leise und warm. Ich habe oft pausiert, um Gedanken wirken zu lassen.

Als jemand, der sich seit Jahren mit Ägypten beschäftigt, habe ich vieles wiedererkannt. Und doch habe ich Kleopatra neu gesehen. Nicht als Symbol, sondern als Frau, die in einer harten Welt ihren eigenen Weg sucht. Das Ende kannte ich. Trotzdem hat es mich getroffen.

Für mich ist das eine der stärksten literarischen Annäherungen an Kleopatra, die ich gelesen habe. Persönlich, nah und lange nachhallend.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Düsterer Inselthriller mit Sogwirkung

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Ich bin mit großer Neugier an Die Housesitterin herangegangen, weil mich das Setting sofort angesprochen hat, und bin am Ende mit einem sehr guten Lesegefühl zurückgeblieben, auch wenn es für mich nicht ...

Ich bin mit großer Neugier an Die Housesitterin herangegangen, weil mich das Setting sofort angesprochen hat, und bin am Ende mit einem sehr guten Lesegefühl zurückgeblieben, auch wenn es für mich nicht ganz zur Höchstwertung gereicht hat. Die Idee, dass Cecilia beim Betreten fremder Häuser in andere Rollen schlüpft, fand ich reizvoll. Vor allem vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Verluste und ihrer finanziellen Notlage, die ihr Handeln nachvollziehbar machen. Die abgelegene Villa auf der Ostseeinsel erzeugt von Beginn an eine dichte Stimmung, bei der man schnell merkt, dass hinter der schönen Fassade etwas Bedrohliches lauert.

Besonders gefallen hat mir der Aufbau mit wechselnden Perspektiven und Zeitebenen, weil man als Leser*in nie das ganze Bild kennt und ständig gezwungen ist, Annahmen zu hinterfragen. Cecilia war mir anfangs etwas fremd und unnahbar, doch mit jeder neuen Information wuchs mein Verständnis für sie, bis sie gegen Ende für mich deutlich an Tiefe gewann. Die Geschichte bleibt durchgehend spannend, auch wenn manche Entwicklungen für meinen Geschmack etwas stärker hätten zugespitzt sein dürfen.

Insgesamt ist Die Housesitterin ein packender Thriller mit starker Atmosphäre und Figuren, die sich nicht sofort durchschauen lassen.

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