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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2026

Ein Abschluss

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Ich habe die Geschichte von Evelyn und Silvia schon sehr gern gelesen. Deshalb war ich neugierig auf Hannah. Und ich war sofort wieder drin.

Der Roman springt zwischen 1945, 1989 und 2023. Das funktioniert ...

Ich habe die Geschichte von Evelyn und Silvia schon sehr gern gelesen. Deshalb war ich neugierig auf Hannah. Und ich war sofort wieder drin.

Der Roman springt zwischen 1945, 1989 und 2023. Das funktioniert erstaunlich gut. Ich mochte vor allem die Gegenwartsebene mit Hannah. Ihre Auseinandersetzung mit dem Vater hat für mich die größte Kraft. Diese Mischung aus Wut, Neugier und alter Sehnsucht hat mich sehr beschäftigt. Ich konnte Hannah gut verstehen, auch wenn ich sie manchmal gern geschüttelt hätte.
Die Vergangenheit ist stark erzählt, hätte an manchen Stellen für meinen Geschmack noch mehr Tiefe vertragen. Die Szenen im Forsthaus mit der Malerin Wilma und der eigenwilligen Haushälterin haben mich besonders berührt. Das Leben in der frühen DDR, die Enge, die politischen Erwartungen, der Wunsch nach eigener Kunst, das alles wirkt erstaunlich greifbar.

Das verschwundene Bild, das sich durch alle drei Bücher zieht, spielt hier eine leisere Rolle, als ich erwartet hatte. Das fand ich dann doch etwas schade. Trotzdem hat mich die Geschichte gepackt. Ich habe viele Passagen einfach in einem Rutsch gelesen.

Für mich ein stimmiger Abschluss dieser Familiengeschichte, wenn auch nicht ganz so eindringlich wie der erste Band, aber nah dran.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Minnesota mit starkem Ende und viel Leerlauf

Minnesota
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Minnesota von Jo Nesbø hat mich zwiegespalten zurückgelassen.

Der Einstieg zieht sich. Ich musste mich durch die ersten Seiten kämpfen und hatte lange das Gefühl, dass die Geschichte nicht richtig in ...

Minnesota von Jo Nesbø hat mich zwiegespalten zurückgelassen.

Der Einstieg zieht sich. Ich musste mich durch die ersten Seiten kämpfen und hatte lange das Gefühl, dass die Geschichte nicht richtig in Gang kommt. Die Perspektivwechsel wirkten teils sprunghaft, vor allem in den Abschnitten, die zeitlich anders gelagert sind. Dieser zusätzliche Erzählstrang hat für mich wenig Mehrwert gebracht und ist mit der Zeit fast verschwunden.

Der Ermittler konnte mich diesmal absolut nicht packen. Er erinnert stark an bekannte Figuren des Autors, bleibt für mich aber blasser und wenig sympathisch. Seine privaten Probleme nehmen viel Raum ein, ohne dass sich daraus eine echte Entwicklung ergibt. Das hat mich eher genervt als berührt.

Positiv ist die eigentliche Krimihandlung. Der Fall ist gut konstruiert, die Idee hinter dem Täter fand ich interessant. Auch das Thema Waffenrecht in den USA spielt eine wichtige Rolle und gibt dem Ganzen einen gesellschaftlichen Rahmen. Das letzte Viertel hat mehr Tempo. Hier zieht die Spannung deutlich an, und die Auflösung ist packend erzählt. Dafür vergebe ich die Sterne, mit ganz viel Gnade.

Insgesamt solide Unterhaltung, aber für mich eines der schwächeren Bücher des Autors.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Wärme zwischen Kochtopf und Erinnerung

Das Restaurant der verlorenen Rezepte (Die Food Detectives von Kyoto 1)
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Kein klassischer Krimi! Hier geht es um Gerichte, Erinnerungen und um die Frage, ob ein Geschmack Vergangenes zurückholen kann.

Das Kamogawa Diner in Kyoto trägt kein Schild, es gibt auch keine Speisekarte. ...

Kein klassischer Krimi! Hier geht es um Gerichte, Erinnerungen und um die Frage, ob ein Geschmack Vergangenes zurückholen kann.

Das Kamogawa Diner in Kyoto trägt kein Schild, es gibt auch keine Speisekarte. Wer es findet, sucht mehr als Essen. Im hinteren Teil arbeitet eine kleine Detektei. Vater Nagare, früher Polizist, und seine Tochter Koishi nehmen besondere Aufträge an. Menschen wollen ein Gericht wiederfinden, das sie mit einer wichtigen Person oder einem Wendepunkt verbinden. Der Ablauf wiederholt sich in sechs Episoden. Erst das Gespräch mit Koishi, dann Nagares Recherche. Zwei Wochen später steht das rekonstruierte Gericht auf dem Tisch. Mit dem ersten Bissen kommen Gefühle zurück, die lange verdrängt waren.

Besonders nah ging mir die Geschichte einer älteren Frau, die Jahrzehnte später noch einmal den Eintopf kosten möchte, den sie bei einem Heiratsantrag gegessen hat. Damals ist sie einfach gegangen. Als sie das Gericht erneut probiert, wird deutlich, dass es nie nur um das Essen ging.

Beim Lesen bekommt man Hunger. Udon, Sushi, Tonkatsu oder einfache Hausgerichte werden so anschaulich beschrieben, dass ich zwischendurch am liebsten selbst gekocht hätte. Hungrig sollte man dieses Buch nicht beginnen.

Ein rot getigerter Kater streift durch jedes Kapitel und sorgt für leise, warme Momente, genauso wie auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Ruhig, eingespielt, mit trockenem Humor.

Ein kleiner Abzug, weil das Muster der Fälle ähnlich bleibt und manche Wendung absehbar ist. Trotzdem habe ich die Geschichten wirklich gern gelesen. Am Ende blieb vor allem Appetit - auf japanisches Essen. Und auch auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Fünf Sterne für Robin und ihren Dämon

Kein Kuchen für Vampire
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Ich habe bisher alle Bände der Spellbound Reihe und auch den ersten Teil der Demonized Reihe gelesen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Kein Kuchen für Vampire. Und ja, ich war von der ersten ...

Ich habe bisher alle Bände der Spellbound Reihe und auch den ersten Teil der Demonized Reihe gelesen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Kein Kuchen für Vampire. Und ja, ich war von der ersten Seite an komplett drin.

Dieser zweite Band fühlt sich ruhiger an als die Schwesterserie. Gleichzeitig trifft er emotional viel härter. Nach zwei Büchern bin ich so stark in Robin und Zylas "vernarrt", dass es fast weh tut. Nicht nur im Hinblick auf eine mögliche Liebesgeschichte. Ihre Verbindung als Zweckgemeinschaft, als unfreiwilliges Team, als zwei Wesen aus völlig verschiedenen Welten, steht für mich im Mittelpunkt.

Robin ist keine Heldin im klassischen Sinne. Sie ist unsicher, körperlich unterlegen, oft überfordert. Aber genau darin liegt ihre Stärke. Sie ist aufmerksam, loyal, mitfühlend und bleibt selbst dann menschlich, wenn alles um sie herum eskaliert. Diese stille Art von Mut wirkt für mich echter als jede oft so überzeichnete Kämpferin.

Und dann ist da Zylas. Ich liebe alles an ihm! Seine Neugier auf banale menschliche Dinge, seine direkte Art, eine Mischung aus Arroganz, Intelligenz und unerwarteter Fürsorge. Jeder Dialog zwischen den beiden sitzt einfach. Man spürt, wie sich etwas verändert, auch wenn sie es selbst kaum greifen können.

Inhaltlich hat mich vor allem der Umgang mit Vampiren begeistert. Ein Motiv, das man schon hundertmal gelesen hat, bekommt hier eine frische und düstere Note. Es passt perfekt in die bestehende Welt und treibt die größere Handlung spürbar voran. Die Verknüpfungen zur anderen Reihe werden immer deutlicher. Die Spannung zieht spürbar an. Es gibt endlich Antworten, aber mindestens genauso viele neue Fragen.

Ich habe den Band an einem Tag verschlungen. Das war ein Fehler, weil das Warten auf Teil drei jetzt noch schwerer fällt. Für mich ist diese Reihe inzwischen auf Augenhöhe mit Spellbound, wenn nicht sogar ein klein wenig darüber.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Misstrauen im eigenen Zuhause

Das Signal
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Ein neues Buch von Ursula Poznanski, für mich jedes Mal ein absoluter Pflichtkauf. Ich habe wirklich alle ihre Bücher gelesen. Und ich muss gestehen, dieses hier ist für mich bisher das schwächste.

Der ...

Ein neues Buch von Ursula Poznanski, für mich jedes Mal ein absoluter Pflichtkauf. Ich habe wirklich alle ihre Bücher gelesen. Und ich muss gestehen, dieses hier ist für mich bisher das schwächste.

Der Einstieg hat mich sofort gepackt. Viola wacht im Krankenhaus auf und erfährt, dass sie bei einem Unfall ihr Bein verloren hat. Ab da kippt ihr ganzes Leben. Zurück im Haus außerhalb von Wien fühlt sie sich nicht wie in Sicherheit, sondern wie unter Beobachtung. Ihr Mann wirkt überfürsorglich, engagiert eine Pflegerin, die mehr kontrolliert als hilft. Also beginnt Viola, selbst zu kontrollieren. Mit kleinen Trackern und viel Misstrauen.

Die Atmosphäre ist dicht, dieses unterschwellige Gefühl, dass etwas nicht stimmt, mochte ich sehr. Ich bin schnell durch die Seiten gekommen, wie so oft bei Poznanski. Trotzdem hat sich vor allem der Mittelteil gezogen. Einige Wendungen waren vorhersehbar, manches wirkte konstruiert.
Was mich aber diesmal wirklich gestört hat, war die Glaubwürdigkeit. In der Situation, in der sich Viola befindet, hätte man andere Unterstützung. Nach einer Amputation gibt es medizinische Begleitung, Reha, Therapeutinnen und Therapeuten, soziale Anlaufstellen. Vieles davon spielt kaum eine Rolle. Auch ihr Verhalten erschien mir stellenweise nicht nachvollziehbar. Ich hätte anders gehandelt.

Viola selbst ist eine interessante Figur, mit Ecken und einer eigenen Vergangenheit. Adam blieb für mich dagegen etwas blass. Da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um ihre Beziehung besser zu verstehen.

Trotz meiner Kritik habe ich das Buch gern gelesen. Es hat Spannung, eine beklemmende Stimmung und starke Momente. Aber im Vergleich zu ihren anderen Romanen fehlte mir hier das gewisse Etwas. Deshalb solide "nur" Sterne.

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