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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2025

Schön geschrieben, aber leider nicht meins

House of Hollow - Ein Horror-Fantasy-Roman
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Ich bin mit ganz anderen Erwartungen an House of Hollow herangegangen, und genau das hat meine Bewertung stark geprägt.

Ich muss ehrlich sagen, dass Krystal Sutherland sehr gut schreiben kann. Der Stil ...

Ich bin mit ganz anderen Erwartungen an House of Hollow herangegangen, und genau das hat meine Bewertung stark geprägt.

Ich muss ehrlich sagen, dass Krystal Sutherland sehr gut schreiben kann. Der Stil ist auffallend atmosphärisch, stellenweise fast poetisch, dabei aber immer düster und unangenehm auf eine Weise, die gut zur Geschichte passt. Gerade für diese Art von unheimlichem Märchen funktioniert die Sprache extrem gut, und das habe ich beim Lesen auch wirklich geschätzt, selbst wenn mich die Handlung emotional nie ganz abgeholt hat.

Inhaltlich war es dann leider nicht meine Geschichte. Die Grundidee ist eigenartig, stellenweise verstörend, und ich verstehe sehr gut, warum viele Leserinnen und Leser davon begeistert sind, denn dunkle, märchenhafte Stoffe liegen gerade sehr im Trend. Für mich blieb aber immer eine Distanz, weil ich mit den übernatürlichen Erklärungen und der Richtung, die die Geschichte einschlägt, nicht warm geworden bin.

Unterm Strich bleibt für mich ein Buch, das handwerklich überzeugt und eine starke Stimmung aufbaut, mich persönlich aber wegen meiner Abneigung gegen magischen Realismus nicht wirklich mitnehmen konnte. Deshalb ehrliche 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

Kalte Kulisse & viele Geheimnisse

Eisnebel
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Eisnebel hat mich schnell gepackt, vor allem wegen der abgeschiedenen Winterkulisse, die sich von Anfang an bedrohlich anfühlt und mit jeder Seite enger wird, während Theodora mit einer Familie konfrontiert ...

Eisnebel hat mich schnell gepackt, vor allem wegen der abgeschiedenen Winterkulisse, die sich von Anfang an bedrohlich anfühlt und mit jeder Seite enger wird, während Theodora mit einer Familie konfrontiert ist, bei der Reichtum vor allem eines bedeutet, nämlich Macht und das gnadenlose Bewahren von Geheimnissen.

Ich mochte Theo sehr, weil sie verletzlich wirkt, ohne naiv zu sein, und weil ihre Suche nach der eigenen Vergangenheit sich langsam, aber stetig zuspitzt, sodass man als Leserin ständig mit ihr zweifelt, misstraut und versucht, kleine Hinweise richtig einzuordnen. Ich lag bei vielen Wendungen daneben, auch wenn mir manche Entwicklungen im letzten Drittel einen Tick zu glatt aufgelöst wurden.

Besonders stark fand ich die Dynamik innerhalb der Familie, da fast jede Begegnung von unterschwelliger Feindseligkeit geprägt ist und ich bis zum Schluss nicht sicher war, wer hier welche Rolle spielt und wie viel Wahrheit überhaupt ausgesprochen wird. Die Schneestürme, die Abgeschiedenheit und das Gefühl, nirgendwohin fliehen zu können, verstärken diese Stimmung spürbar und machen das Buch für mich zu einem echten Winterthriller, den man am besten an einem kalten Wochenende liest.

Ein Stern Abzug bleibt, weil mir einzelne Erklärungen etwas konstruiert vorkamen und ich mir an ein oder zwei Stellen mehr Raum für Zwischentöne gewünscht hätte, trotzdem habe ich das Buch sehr gern gelesen und werde die Geschichte noch eine Weile im Kopf behalten.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Rückkehr in eine harte Zukunftswelt

To Cage a Wild Bird
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Ich hatte während des Lesens das Gefühl, wieder in diese Zeit einzutauchen, in der ich mit weit aufgerissenen Augen meine ersten dystopischen Reihen verschlungen habe, auch wenn ich heute natürlich einiges ...

Ich hatte während des Lesens das Gefühl, wieder in diese Zeit einzutauchen, in der ich mit weit aufgerissenen Augen meine ersten dystopischen Reihen verschlungen habe, auch wenn ich heute natürlich einiges kritischer sehe. Die Idee einer streng geschichteten Gesellschaft, in der Menschen aus der untersten Stufe in ein Gefängnis geschickt werden, das eher an eine Jagdarena erinnert, hat mich sofort gepackt. Die Mischung aus Gefahr, moralischer Schieflage und persönlichem Einsatz der Figuren lässt viel Raum für Spannung .

Raven begleitet man mit wachsendem Mitgefühl, weil sie sich einer Situation aussetzt, die kaum auszuhalten ist, nur um ihren Bruder zu retten. Obwohl ich an manchen Stellen gern mehr über das Umfeld erfahren hätte, war die Welt für mich greifbar genug, damit ich mich gut zurechtfand. Dabei fand ich es angenehm, wie leicht ich in die Handlung hineinkam, da vieles verständlich aufgebaut wird und die Beziehungen zwischen den Figuren im Verlauf langsam an Tiefe gewinnen.

Die Verbindung zwischen Raven und Vale hat mich nicht komplett abgeholt, doch ich mochte, wie sich ihre vorsichtigen Annäherungen in einer Umgebung entwickeln, die jede Form von Nähe sofort gefährlich macht. Gleichzeitig gab es einige Wendungen, die ich früh kommen sah, was meiner Begeisterung an einzelnen Stellen etwas den Schwung genommen hat. Auch wenn ich trotzdem jedes Kapitel lesen wollte, um zu wissen, wie es für Raven und die anderen weitergeht.

Das Ende hat mich überrascht und mich mit einem Gefühl zurückgelassen, das mich trotz kleiner Schwächen neugierig auf den zweiten Band macht. Ich will wissen, wie sich diese Welt weiter entfaltet und welche Entscheidungen die Figuren noch treffen müssen.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Unheimlich nah am perfekten Thriller

Verschließ jede Tür
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Ich konnte dieses Buch nicht weglegen. Das Haus wirkte zuerst harmlos, schön sogar, zu schön. Genau das machte mir früh ein ungutes Gefühl. Ich fühlte mich wie die Hauptfigur selbst, neugierig, misstrauisch ...

Ich konnte dieses Buch nicht weglegen. Das Haus wirkte zuerst harmlos, schön sogar, zu schön. Genau das machte mir früh ein ungutes Gefühl. Ich fühlte mich wie die Hauptfigur selbst, neugierig, misstrauisch und allein.

Die Regeln im Bartholomew sind simpel und sofort beängstigend. Keine Besucher, jede Nacht im Apartment verbringen, keine Kontakte zu den Bewohnern. Trotzdem bleibt Jules, aus Geldnot, Hoffnung und Trotz. Ich habe oft den Kopf geschüttelt, weil sie Warnzeichen ignoriert. Gleichzeitig konnte ich ihr nicht böse sein, da sich ihre Einsamkeit und ihr Druck so real angefühlt haben.

Der Aufbau mit Zeitwechseln steigerte die Spannung deutlich, jede einzelne Rückblende zog die noch Schlinge enger. Ich konnte das drohende Ende spüren, lange bevor es kam. Das machte das Lesen intensiv. Die Atmosphäre des Hauses war kalt, schwer und ständig präsent.

Thematisch geht es um Macht, um soziale Unterschiede und darum, wie leicht Menschen verschwinden können, wenn sie niemand vermisst. Das hat mich mehr getroffen, als ich erwartet hatte. Es geht nicht nur um das Rätsel. Es geht um Verlust und um das Gefühl, nichts mehr zu haben.

Das Finale war für mich der einzige Schwachpunkt. Überraschend, ja. Für meinen Geschmack aber doch etwas zu konstruiert. Ein paar Abläufe wirkten unglaubwürdig.

Trotzdem bleibt ein sehr spannender Thriller mit starkem Sog. Düster, eng, beklemmend.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ein freundlicher Rundgang durch den eigenen Körper

Organisch
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Ich habe mich beim Hören von Organisch gut unterhalten gefühlt. Man sitzt zusammen, hört zu, staunt und geht mit ein paar neuen Gedanken nach Hause. Giulia Enders nimmt ihre Leser mit zu Haut, Lunge, Muskeln, ...

Ich habe mich beim Hören von Organisch gut unterhalten gefühlt. Man sitzt zusammen, hört zu, staunt und geht mit ein paar neuen Gedanken nach Hause. Giulia Enders nimmt ihre Leser mit zu Haut, Lunge, Muskeln, Immunsystem und Gehirn. Sie erklärt, wie diese Organe arbeiten, wo sie herkommen und warum sie heute so reagieren, wie sie es tun. Das gelingt leicht verständlich und ohne belehrenden Ton.

Besonders gefallen hat mir, wie sie Funktionen mit verständlichen Bildern aus dem Alltag verknüpft. Die Entwicklung über viele Jahrmillionen bekommt dadurch Gewicht. Man merkt, wie klug diese Systeme gebaut sind. Neben der Biologie geht es auch um neue Forschung und um einfache Zusammenhänge, die man im Alltag spürt. Schlaf, Bewegung, Berührung, alles greift ineinander.

Ich habe das Hörbuch gehört. Giulia Enders spricht selbst und das macht es sehr persönlich. Man spürt, wie sorgfältig und zugewandt sie das Buch geschrieben hat. Die Zeichnungen ihrer Schwester Jill Enders hätte ich mir gerne angesehen. Ein eindeutiger Vorteil beim physischen Buch. Als Hörerin bleiben sie mir leider verborgen. An einigen Stellen hätte ich auch gern kurz angehalten und etwas nachgelesen. Dafür eignet sich das gedruckte Buch sicherlich besser.

Organisch ist ein sehr guter Einstieg in ein Sachthema, ohne dass es trocken wurde. Trotz meiner Medizinischen Vorkenntnisse, konnte auch ich einiges Neues mitnehmen. Zudem habe ich auch über mein eigenes Verhalten nachgedacht. Kleine eingeschlichene Gewohnheiten bekommen plötzlich eine neue Bedeutung. Vor allem aber ist eine große Wertschätzung für den eigenen Körper geblieben.

Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen. Es ist informativ, persönlich und gut zu hören. Ein rundum angenehmer Begleiter für alle, die ihren Körper etwas besser kennenlernen möchten.

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