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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2025

Spannung direkt nebenan

Der Nachbar
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Ich lese Fitzek schon seit Jahren, habe keines seiner Bücher ausgelassen. „Der Nachbar“ hat mich mal wieder positiv überrascht. Schon nach wenigen Seiten war ich mitten in der Geschichte und wollte wissen, ...

Ich lese Fitzek schon seit Jahren, habe keines seiner Bücher ausgelassen. „Der Nachbar“ hat mich mal wieder positiv überrascht. Schon nach wenigen Seiten war ich mitten in der Geschichte und wollte wissen, was wirklich hinter Sarahs Angst steckt.

Die Handlung beginnt ruhig, wird aber schnell intensiv. Die Idee, dass das Bedrohliche aus der direkten Umgebung kommt, trifft einen direkten Nerv. Fitzek schafft es, alltägliche Situationen so zu beschreiben, dass sie plötzlich beunruhigend wirken. Ich hatte beim Lesen mehrfach Gänsehaut.
Besonders gelungen finde ich die psychologische Ebene. Man spürt Sarahs Angst und Unsicherheit in jeder Szene. Gleichzeitig rätselt man ständig, wem man trauen kann. Diese Ungewissheit hält die Spannung bis weit ins letzte Drittel.
Ein kleiner Kritikpunkt ist das Ende. Es kam für meinen Geschmack zu abrupt, und einige Nebenhandlungen wirkten etwas angehängt. Auch hätte ich mir persönlich an manchen Stellen etwas mehr Tiefe bei den Figuren gewünscht.

Trotzdem bleibt „Der Nachbar“ ein starker Psychothriller, der zeigt, warum Fitzek einer der meistgelesenen Autoren Deutschlands ist. Wer Spannung und Nervenkitzel sucht, wird hier fündig. Packend, temporeich und mit kleinen Schwächen im Schluss, aber insgesamt ein fesselndes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Emotional stark, aber nicht ganz rund

Calisto's Revenge - Eine Liebe wie Sterne
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Ich hatte mich sehr auf Calisto’s Revenge gefreut, weil ich Marijas Geschichte schon seit Band eins spannend fand. Die Idee, ihre Vergangenheit endlich zu beleuchten, hat mich sofort gepackt. Das Buch ...

Ich hatte mich sehr auf Calisto’s Revenge gefreut, weil ich Marijas Geschichte schon seit Band eins spannend fand. Die Idee, ihre Vergangenheit endlich zu beleuchten, hat mich sofort gepackt. Das Buch greift schwere Themen auf, die unter die Haut gehen, und tut das mit Respekt und Ernsthaftigkeit. Gerade der Umgang mit Gewalt, Trauma und Kontrolle ist intensiv und teilweise schwer zu ertragen. Dafür verdient Ursa Jaumann Anerkennung.

Marija ist eine starke Figur, auch wenn sie oft hart wirkt. Ihre Stärke kommt aus Schmerz, und das spürt man in fast jeder Szene. Vadim bleibt dagegen lange distanziert, was zwar zur Story passt, mir aber den Zugang zu ihm erschwert hat. Die Spannung zwischen den beiden funktioniert, dennoch hat mir die emotionale Nähe gefehlt, um wirklich mitzufühlen.

Das Setting in der alten Fabrik passt gut zu der düsteren Atmosphäre und zeigt den Kontrast zwischen äußerem Reichtum und innerer Leere. Trotzdem wirkte die Handlung zwischendurch für mich vorhersehbar. Einige Wendungen hätten mehr Tiefe vertragen, und auch das Magiesystem blieb für mich zu vage. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, aber an manchen Stellen etwas langatmig. Besonders zum Ende hin verliert das Buch an Tempo, und ein paar offene Handlungsstränge bleiben ungelöst. Ich hätte mir einen klareren Abschluss gewünscht.

Calisto’s Revenge ist kein leichtes Buch. Es hat emotionale Kraft und wichtige Botschaften, aber es gelingt nicht immer, die Balance zwischen Härte und Gefühl zu halten. Für mich solide, aber kein Highlight.

Fazit: Intensiv und ernst, mit starken Themen, aber erzählerisch nicht ganz ausgewogen.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Ein unvergessliches Debüt voller Gefühl und Tiefe

Das Buch der verlorenen Stunden
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Fünf Sterne für ein Buch, das mich noch lange begleiten wird. Das Buch der verlorenen Stunden von Hayley Gelfuso ist weit mehr als eine Geschichte über Zeit. Es ist ein Roman über Erinnerung, Verantwortung ...

Fünf Sterne für ein Buch, das mich noch lange begleiten wird. Das Buch der verlorenen Stunden von Hayley Gelfuso ist weit mehr als eine Geschichte über Zeit. Es ist ein Roman über Erinnerung, Verantwortung und die Frage, wer über Wahrheit entscheiden darf.

Ich war sofort in Lisavets Welt gefangen. Ein verborgenes Archiv voller Bücher, die jede Erinnerung der Menschheit bewahren, ist für mich ein faszinierender Gedanke. Die Autorin beschreibt diesen Ort so bildhaft, dass man fast den Staub alter Seiten riechen kann. Die Zeitsprünge zwischen 1938 und 1965 fügen sich nahtlos zusammen und zeigen, wie stark Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind.

Amelia und Lisavet haben beide Ecken und Kanten, was sie umso echter wirken lässt. Ihre Entscheidungen schmerzen, ihre Verluste treffen. Besonders beeindruckt hat mich, wie das Buch zeigt, dass Erinnerungen nicht nur Trost spenden, sondern auch Verantwortung bedeuten. Man kann die Vergangenheit nicht löschen, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Der Schreibstil ist poetisch, aber klar. Die Handlung baut sich langsam auf, dann zieht sie einen unwiderstehlich hinein. Am Ende hatte ich wirklich Tränen in den Augen und das Gefühl, etwas Bedeutendes gelesen zu haben.

Ein außergewöhnlich starker erster Roman, der Fragen stellt, die lange nachhallen. Für Leserinnen und Leser, die Geschichten über Zeit, Erinnerung und Menschlichkeit lieben.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Ein Trauerredner zwischen Humor und Gefahr - ein gelungener Reihenauftakt!

Über die Toten nur Gutes
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Andreas Izquierdo verbindet in „Über die Toten nur Gutes“ Krimi, Humor und Menschlichkeit auf besondere Weise. Die Idee, einen Trauerredner zum Ermittler zu machen, ist ungewöhnlich und funktioniert erstaunlich ...

Andreas Izquierdo verbindet in „Über die Toten nur Gutes“ Krimi, Humor und Menschlichkeit auf besondere Weise. Die Idee, einen Trauerredner zum Ermittler zu machen, ist ungewöhnlich und funktioniert erstaunlich gut.

Izquierdo schafft es, ernste Themen wie Tod, Schuld und Freundschaft mit Leichtigkeit und Witz zu erzählen. Mads ist eine Figur, die man sofort mag. Er ist höflich, manchmal zu gutgläubig, aber immer aufrichtig. Besonders das Zusammenspiel mit seinem exzentrischen Vater Fridtjof sorgt für viele humorvolle Szenen, die dem Buch eine warme Note geben. Auch Nebenfiguren wie Herr Barnardy oder Kommissarin Mills bleiben im Gedächtnis.

Der Spannungsbogen trägt über weite Strecken, die Handlung überrascht mit Wendungen und emotionalen Momenten. Gegen Ende wird es packend und berührend zugleich. Izquierdos Stil bleibt zugänglich, präzise und lebendig.

Kleine Längen in der Mitte haben meinen Lesefluss etwas ausgebremst, doch die Mischung aus Witz, Gefühl und Krimispannung haben das wieder ausgeglichen. „Über die Toten nur Gutes“ ist ein Auftakt, der Lust auf mehr macht. Ich freue mich sehr auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Magie, Wut und zweite Chancen

Velvet Falls, but the Gods forgot to die (Velvet-Dilogie 1)
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„Velvet Falls – But the Gods Forgot to Die“ von Julia Dippel ist der Auftakt einer fesselnden Romantasy-Dilogie. Die Geschichte spielt in einer zukünftigen Version unserer Welt, in der Götter, Magie und ...


„Velvet Falls – But the Gods Forgot to Die“ von Julia Dippel ist der Auftakt einer fesselnden Romantasy-Dilogie. Die Geschichte spielt in einer zukünftigen Version unserer Welt, in der Götter, Magie und Dämonen zurückgekehrt sind.

Im Mittelpunkt steht Velvet, eine entschlossene Dämonenreiterin mit einer schwierigen Vergangenheit. Als Visionen vom Untergang der Götter sie heimsuchen, muss sie sich mit ihrem Ex-Freund und Göttersohn Kash zusammenschließen. Die beiden verbindet eine tiefe, aber schmerzhafte Geschichte. Ihre Dynamik ist intensiv, voller Konflikte und Emotionen.
Velvet ist keine typische Heldin, sondern eine starke, verletzte Frau, die genau weiß, was sie will, und was nicht. Ihre Wut, ihr Schmerz und ihr Mut machen sie unglaublich greifbar.

Die Dynamik zwischen ihr und Kash hat mich besonders mitgenommen. Zwei Menschen mit einer gemeinsamen Vergangenheit, die sich eigentlich hassen sollten, aber noch immer etwas verbindet. Ihre Gespräche sind bissig, ehrlich und voller Spannung. Man spürt, dass da mehr ist als nur alte Wunden.

Das Setting hat mir richtig gut gefallen. Eine Welt, in der Götter zurückgekehrt sind, Magie wieder existiert und Dämonen in den Straßen lauern. Julia Dippel beschreibt das alles so bildhaft, dass man sofort mittendrin ist. Ich konnte mir New Orleans mit seinen dunklen Ecken und magischen Schauplätzen genau vorstellen.

Ein paar Szenen hätte ich mir etwas spannender gewünscht, aber insgesamt hat mich die Geschichte überzeugt. Sie ist düster, emotional und hat genau die richtige Prise Humor.

Für mich ist „Velvet Falls“ eines dieser Bücher, bei denen man am Ende denkt: Ich will sofort wissen, wie es weitergeht.

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