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Veröffentlicht am 14.09.2025

Groths Archiv der Unmenschlichkeit

Die Farbe des Schattens
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Vor eineinhalb Jahren lernte ich die Autorin Susanne Tägder mit ihrem ersten Kriminalroman „Das Schweigen des Wassers“ kennen und war begeistert vom Stil und der Empathie für ihre Protagonisten. Denn sie ...

Vor eineinhalb Jahren lernte ich die Autorin Susanne Tägder mit ihrem ersten Kriminalroman „Das Schweigen des Wassers“ kennen und war begeistert vom Stil und der Empathie für ihre Protagonisten. Denn sie behandelt alle gleich, seien es die Opfer, die Täter, die betroffenen Familien oder die Zeugen, das war damals so und auch im neuen Roman ist es nicht anders. Ich schreibe bewusst im neuen Roman und nicht Krimi, denn Susanne Tägder sucht nicht nur kriminelle Aufhänger für ihre Geschichten, sie verpackt sie kunstvoll in zeitgenössische Romane. Der Leser befindet sich innerhalb kürzester Zeit in den frühen 1990er-Jahren, ohne Handy, ohne Internet, ohne Facebook, Whatsapp oder Instagram, keine KI hilft. Jedes Stück Papier, jedes Stück Wissen wird noch per Hand bewegt, die kleinen Zettel sind es dann auch, die das Zünglein an der Waage sein werden bei den Ermittlungen im neuen Fall.
Der Leser begegnet Arno Groth wieder, der gebürtige Wechternhagener, der über 20 Jahre in Hamburg lebte und Polizist war, nun zurück ist in der ostdeutschen Kleinstadt. Der Unterschied könnte nicht größer sein, der sich ihm zeigt und doch wurde und wird sein Archiv der Unmenschlichkeit im Westen wie im Osten gleichermaßen gefüllt.
An einen dunklen Winterabend mitten in der Woche verschwindet ein Kind, Matti Beck, auf dem kurzen Weg zwischen Wohnung und Kaufhalle, den er schon so viele Male gegangen ist. Zuerst suchen die Eltern, dann die Polizei, vergeblich. Der Elfjährige bleibt verschwunden, Groth und sein Team drehen jeden Stein um, befragen die Eltern, Kinder, Lehrer, Mieter der Wohnsiedlung. Nichts. Aber es liegt ein Raunen in der Luft, zuerst leise, dann deutlicher, es sei schon einmal ein Junge verschwunden, der Fall nie aufgeklärt. Groth beißt sich fest, glaubt, es könnte derselbe Täter sein. Sein Ex-Kollege Gerstacker, kürzlich aus dem Dienst entlassen wegen seiner früheren Stasitätigkeit, war vor sechs Jahren der leitende Kommissar. Ihn wird Groth um Hilfe bitten. Denn der Vermisstenfall wird zum Mordfall, als das tote Kind endlich gefunden wird.
Ein spannender und bewegender Seitenblick gelingt der Autorin auf die Lebensgeschichte der Taxifahrerin Ina und ihrem Sohn Benno. Hier zeigt sich die erzählerische Kraft von Susanne Tägder genauso, wie bei der Schilderung der Verhältnisse, in denen der Verdächtige Karl lebt. Mir gefällt diese Art der Annäherung an ihre Protagonisten, auch wenn ich sie vielleicht nicht alle mag oder nicht verstehen kann.
Der Leser erlebt im Roman eine Zeit, die von Missgunst, Ärger, Verlusten, Alkohol, Gewalt, Arbeitslosigkeit, Misstrauen, Armut und auch von rechten Einflüssen gezeichnet ist. Obwohl seitdem über 30 Jahre vergangen sind, kommt an mancher Stelle beim Lesen der Gedanke auf, dass diese nach der Wende für die Menschen ungünstigen Verhältnisse bis heute nachwirken. Das Leben auf dem Mönkeberg, der Plattenbausiedlung am Rande Wechtershagens, ist ein Siedekessel für entstehendes Unheil. Der Roman spielt vor allem dort und zeichnet ein tristes und trauriges Bild. Die nun neu entstandenen „blühenden Landschaften“ sind das eine, die innere Zufriedenheit mit den Ereignissen und politischen Entwicklungen sind die andere Seite der Medaille. Wie mag das jetzt sein auf dem Mönkeberg?
Groth geht seinen Weg, aber nicht immer den, den die Vorgesetzten erwarten. Auch mit seiner ehemaligen Schulkameradin Irina Diehl und ihrer nun neuen Beziehung läuft nicht alles rund, er weiß nicht einmal, ob er überhaupt eine neue Beziehung hat. Das gemeinsame Interesse an Uwe Johnson ist ein schönes literarisches Bindeglied. Erst nach langen Anläufen wagt er Irina zu erzählen, was mit seiner Tochter Saskia geschah. Dass Groth weitere Fälle lösen könnte, davon bin ich überzeugt, wie es in seinem Privatleben weitergehen wird, das interessiert mich fast noch mehr.
So wie es Wechtershagen auf der Deutschlandkarte nicht gibt, so gibt es auch kein Braunlage im Erzgebirge. Trotzdem hat mich diese Ortsbezeichnung etwas irritiert, die im Laufe der Geschichte auftaucht. Ich musste sofort an Braunlage im Harz denken, das bekanntlich im Westen liegt, insbesondere in den 1980er-Jahren war das kein Urlaubsort für DDR-Bürger. Da wäre aus meiner Sicht eine andere Ortsnamenswahl besser gewesen.
Der Reiz des Neuen hat sich gelegt, aber der Schreibstil von Susanne Tägder und ihre Detailgenauigkeit haben mich auch bei diesem Roman so sehr gefesselt, dass ich ihn kaum weglegen konnte. Interessant ist es, am Ende von den Recherchen der Autorin und den tatsächlichen Verbrechen zu lesen. Das gibt dem Buch noch einmal eine besondere Bedeutung. Wer das erste Buch nicht kennt, kann dann auch gleich noch eine Leseprobe genießen.
Fazit: ein fesselnder Kriminalroman mit viel Zeitgeschichte und Lokalkolorit. Mir hat er sehr gefallen. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Deutsche Heimat war schon vor 100 Jahren ein schwieriges Pflaster

Auf tausend Straßen
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Kurt Tucholsky (1890 – 1935) war ein bekannter deutscher Schriftsteller, der zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik zählte. Seine Beiträge für die WELTBÜHNE waren und wie man in diesem ...

Kurt Tucholsky (1890 – 1935) war ein bekannter deutscher Schriftsteller, der zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik zählte. Seine Beiträge für die WELTBÜHNE waren und wie man in diesem Buch sieht, sind einfach legendär. Seine diversen Pseudonyme sind es auch: Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel. Ich bin mit der Lektüre seiner Bücher „Rheinsberg“ und „Schloss Gripsholm“ schon als Kind in Berührung gekommen, kenne Filme, Schallplatten, Hörspiele davon.
Die politischen Gedichte und Geschichten sind eher nicht meine Welt. Aber ich besitze ein Reprint von „Deutschland, Deutschland über alles“ aus dem Jahr 1980, das ich bis heute nicht ins Antiquariat gegeben habe. Ich habe festgestellt, im neuen Buch „Auf tausend Straßen“ machte das Kapitel „Heimat“ auf mich heute sehr viel mehr Eindruck als 1980. Wenn ich bedenke, wie viele Leute heutzutage mit Heimat und Deutschland nicht so viel anfangen können, dann war das vor 100 Jahre ähnlich, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
1929 hat John Heartfield das Bilderbuch „Deutschland, Deutschland über alles“ montiert, heute halte ich das modern und unheimlich anregend von Stefanie Harjes illustrierte Buch „Auf tausend Straßen“ in den Händen. Der äußere Unterschied könnte nicht größer sein. Im Inneren ist es Kurt Tucholsky, wie man ihn kennt und erwartet. Der Wechsel von Lyrik und Prosa ist gut gelungen, die Illustrationen sind kleine Kunstwerke mit dem gleichen Humor, der Ironie und Melancholie, die vom Dichter hereinweht. Als Leser kann man die Unterschiede der Herren mit den drolligen Pseudonymen erforschen, ein jeder auf eigene Art unterhaltsam.
Fazit: Kurt Tucholsky wird für das Heute wiederentdeckt und mit wunderbaren Illustrationen zu neuem Leben erweckt.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Enfant terrible, femme fatale und geniale Kunstmäzenin

Peggy Guggenheim
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Diese Biografie von Mona Horncastle sollten sich Kunstliebhaber und Geschichtsinteressierte auf keinen Fall entgehen lassen. Die Autorin hat nicht nur sehr detailreich das Leben von Peggy Guggenheim recherchiert, ...

Diese Biografie von Mona Horncastle sollten sich Kunstliebhaber und Geschichtsinteressierte auf keinen Fall entgehen lassen. Die Autorin hat nicht nur sehr detailreich das Leben von Peggy Guggenheim recherchiert, es ist auch ein äußerst ansprechendes Buch entstanden, bei dem es Spaß macht, es in die Hand zu nehmen, darin zu blättern und die zahlreichen, sehr emotional und passend ausgewählten Fotos in Ruhe zu betrachten.
Die Reihe beim Molden Verlag heißt ja nicht umsonst „Reihenweise kluge Frauen“, mit Peggy Guggenheim hat sie nun ein Sahnehäubchen erhalten. Das Blau des Einbands, das sich im Inneren bei den Überschriften und Fonts für die Bilder wiederfindet, wird mit einem matten Grün für das Vor- und Nachsatzpapier perfekt eingerahmt. Angenehm ist auch, dass auf den Einsatz von Hochglanzpapier verzichtet wurde, man kann alles lesen und betrachten, ohne dass Spiegelungen ärgern. Der Layouter ist bewusst vom sogenannten Goldenen Schnitt für die Typografie der Seiten abgewichen, damit ermöglicht er dem Leser einen Lesegenuss, der nicht durch das Auseinanderbrechen des Bundes beeinträchtigt wird. Trotzdem hat er ein bisschen Zuviel des Guten getan, der Außensteg ist vergleichsweise schmal, da ragt mein Daumen (ich habe eine wirklich kleine Hand) beim Festhalten schon in den Text hinein. Nichts ist perfekt. Aber die Schriften sind gut gewählt, auch für den Anhang. Beim Stammbaum, der das Kapitel „Herkunft“ einleitet, wurde leider nicht so sehr auf Lesbarkeit geachtet. Der Bundsteg ist hier bis zur Fadenheftung bedruckt, so dass manche Person ein Rätsel bleibt. Die Nummerierung der beiden Ehemänner gibt mir auch Rätsel auf, Max Ernst war meiner Meinung nach der zweite, trägt aber die Nummer 1.
Die Lebensgeschichte der Peggy Guggenheim ist bereits in vielen Büchern, seien es Biografien oder ihre Autobiografie, seien es Romane oder Dokumentarfilme, nicht zu vergessen Wikipedia etc., beschrieben worden. Einiges davon kenne ich, zuletzt war es der Roman „Peggy“ von Rebecca Godfrey, der mich zu weiterem Lesen und Filmschauen animiert hat. Dieses Leben ist wirklich faszinierend, und in jedem Buch, so auch in diesem, finden sich neue Aspekte, unbekannte Details und Ereignisse. Die Autorin schreibt all ihre Erkenntnisse in einem gut lesbaren Stil, sie hat die Kapitel und Unterkapitel so gegliedert, dass diese nicht zu Bleiwüsten ausarten, trotz der Kürze wurde mir manches etwas lang. Mich interessierte besonders der Zeitabschnitt, der die Besetzung Frankreichs und die Rettung von Kunstwerken wie Künstlern durch Peggy Guggenheim thematisiert. Ich hatte darüber bei Uwe Wittstocks „Marseille 1940“ einiges erfahren, wollte das gern vertiefen. Im Prinzip beginnt die Rettungsaktion schon vor dem Krieg, als Peggy Guggenheim es sich zur Lebensaufgabe auserkoren hat, Künstler zu unterstützen, sei es durch Geldspenden oder den Ankauf von Kunstwerken. Sie merkt schnell, dass dieses Vorhaben ein Fass ohne Boden ist, selbst für ihre Verhältnisse. Trotzdem wird sie während der Besetzung Frankreichs nichts unversucht lassen, was den Künstlern und den Kunstwerken das Überleben und die Flucht ins Exil ermöglichen kann.
Das Buch liest sich wie ein Who-Is-Who der modernen Kunst, nicht nur der bildenden, sondern auch der schreibenden. Als femme fatale macht sich Peggy Guggenheim ganz besonders gut, Klatsch und Tratsch haben nie aufgehört, auch nicht nach ihrem Tod. Die Autorin dieser Biografie belässt es bei dezenten Hinweisen, das fand ich angenehm.
Fazit: Ich empfehle diese Biografie gern weiter, sie verführte mich auch mit dem Literaturverzeichnis und dem Personenindex zu weiteren literarischen Nachforschungen.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Auf der schiefen Bahn

Lisa Heynrichs: Die Schatten hinter uns
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Lisa Heynrichs, Hauptkommissarin beim LKA Berlin, weiß genau, wie schwierig es ist, von der schiefen Bahn wieder in glattes Fahrwasser zu kommen. Und wie schwierig es ist, die Erinnerungen an Ereignisse ...

Lisa Heynrichs, Hauptkommissarin beim LKA Berlin, weiß genau, wie schwierig es ist, von der schiefen Bahn wieder in glattes Fahrwasser zu kommen. Und wie schwierig es ist, die Erinnerungen an Ereignisse und Menschen wieder loszuwerden, selbst wenn die schiefe Bahn schon längst Geschichte ist. Die Autorin Anke Schläger war bisher nicht für Krimis bekannt, sie hat Unterhaltungsliteratur geschrieben, die ihr immer, zuletzt für „Schwesternzeiten“, gute Lesermeinungen bescherte. Jetzt die Richtungsänderung zum Kriminalroman, wobei auch hier in diesem Buch zwischenmenschliche Beziehungen im Vordergrund stehen. Die Titelzeile „Die Schatten hinter uns“ lässt auf Vergangenheitsbewältigung schließen, und schnell wird man beim Lesen in eine Welt gezogen, die zumindest mir völlig unbekannt ist. Bevor Lisa bei der Polizei in Berlin zu arbeiten begann, war sie eine Professionelle in Köln, mit harten Schicksalsschlägen endete dort ihr Sugarbabe-Dasein und sie schaffte es, neu anzufangen. Darüber hinweg ist sie nicht. Das erfährt man auch in diesem Buch.
Ohne zu viel vom Krimi zu verraten, er beginnt mit einem Mord. Der Fernsehmoderator Phil Kerstensen wird in seiner Küche hinterrücks erschossen, das LKA rückt an, die Spurensicherung auch, aber nur langsam kommen neben den sichtbaren Spuren auch Motivmöglichkeiten ins Spiel. Durch eine schnelle Folge von Sprüngen in die Vergangenheit und zurück beginnt der Leser diesen Motivvariationen zu folgen. Was wohl in Krimis nicht fehlen darf, sind die Geplänkel der Polizisten, wie im richtigen Leben mag man eben den einen mehr, den anderen weniger. Lisas gutes Verhältnis zu ihrem Kollegen Meinolf ist glaubhaft und bleibt bis zum Schluss eine wichtige Stütze – nicht nur für Lisa, auch für das Buch.
Die komplizierte Aufklärungsarbeit im Fall Kerstensen überschneidet sich mit den komplizierten privaten Problemen der Protagonisten. Meinolf hat Stress mit der Ehefrau, Lisa hat Meinungsverschiedenheiten mit ihrer besten Freundin Henriette. Alles wie im richtigen Leben! Anke Schläger bringt das alles gut unter einen Hut, ihr Schreibstil ist flott und gut lesbar, außerdem passt das alles gut zu Berlin, wo es doch ein bisschen rauer und schneller zugeht als in der Provinz. Mich hat das Berlin, das die Autorin präsentiert, sehr erfreut, viele Ecken und Winkel sind mir gut bekannt. Und Lisa ist eine überaus rasante Radfahrerin, mit ihrer unverwechselbaren Lederjacke wird sie so schnell keiner für eine Polizeikommissarin halten. Schade, dass sie das Teil reparieren lassen will, da geht doch echt der ganze Charme verloren.
Mit den Zwischenrufen habe ich mich etwas schwergetan, es war mir ein bisschen viel allem, vom Selbstmitleid, vom Selbsthass, und vom Hass sowieso, aber es hat reingepasst in die Story.
Zur Aufklärung des Falles wird Lisa einiges abverlangt, dass sie noch eine ungeplante Reise nach Mallorca antritt, um dort beinahe wieder auf die Nase zu fallen, das tat mir regelrecht leid für sie. Da hat die Autorin eine Protagonistin aus Fleisch und Blut erschaffen, die nicht nur dünnhäutig ist, sondern auch mal aus der Bahn geworfen wird. Der Showdown am Ende ist eine rasante Achterbahnfahrt, über die ich hier nichts preisgebe. Außer: ich fand es gut bis zum Ende.
Ich habe das E-Book gelesen und mich daran erfreut, dass der Fesselballon vom Cover auch in die Kapitelanfänge gewandert ist. Ich vermute, dass das gedruckte Buch einen ähnlich faszinierenden Eindruck hinterlässt. Die E-Book-Typografie ist jedenfalls klasse.
Ich habe auch die Auszüge der beiden 2026 erscheinenden Folgebände gelesen und bin gespannt, wie Lisa sich in den nächsten Fällen präsentieren wird. Ich wäre jedenfalls nicht abgeneigt, mehr von ihr zu lesen. Könnte wieder spannend werden!
Fazit: Ein Berlin-Krimi, der nicht nur Berlinern gefallen wird. Schnell und forsch geht es zur Sache. Die Protagonisten zeigen durchweg Charakter. Der Heißluftballon spielt eine eher spirituelle Rolle, hat mir aber gefallen.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Jede Diva braucht Scheinwerfer

Ins Dunkel
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Ja, eine Screwball-Komödie ist dieser Roman auf jeden Fall, aber für einen Oscar, den manche Rezensenten schon vorgeschlagen haben, reicht es aus meiner Sicht nicht. Zu Beginn war ich vom Schreibstil, ...

Ja, eine Screwball-Komödie ist dieser Roman auf jeden Fall, aber für einen Oscar, den manche Rezensenten schon vorgeschlagen haben, reicht es aus meiner Sicht nicht. Zu Beginn war ich vom Schreibstil, der an ein Drehbuch erinnern soll, etwas verwirrt, aber habe mich dann schnell eingelesen. Von Beginn an hatte ich im Hinterkopf beim Lesen Kehlmanns genialen Roman Lichtspiel, dieser Gedanke ließ sich nicht verdrängen, aber miteinander vergleichen kann und will ich die beiden Romane nicht.
Bei Angela Steidele, die übrigens heimlich auch selbst auftaucht im Buch, sind die Hauptpersonen die berühmtesten Diven der Kinowelt der 1920er Jahre. Die Namen flimmern einem regelrecht vor den Augen: Greta Garbo und Marlene Dietrich muss man einfach anhimmeln, auch wenn sie zu merkwürdigem Verhalten oder zu abartigen Marotten neigen, jede über alles und jeden tratscht und klatscht. Es gesellen sich zur Runde die Tochter von Thomas Mann, Erika, mit ihre auch ihre Geliebte Salka, vom Bruder Klaus ist die Rede, Mercedes de Acosta gehört zum inneren Circle, auch von Ernst Lubitsch oder GW Pabst liest man oder von MGM etc.
Man trifft sich, man kennt sich, man liebt sich, man hasst sich, man verachtet sich und immer wieder trifft man sich.
Die Zeiten wechseln, die 1920er Jahre vergehen, man kommt in die 1930er und dann das Wiedersehen Ende der 1960er Jahre. Da sieht man dann schon graue Haare, gut retuschierte Fältchen und von Erika Mann weiß man von Anfang an, dass ihre Kopfschmerzen tödlich enden. So weit, so gut, so traurig.
Aber mich hat dieses Buch trotz der Berühmtheiten nicht gefesselt. Eher abstoßend fand ich das Verhältnis von Marlene Dietrich und ihrer Tochter, obwohl ich auch darüber schon gelesen hatte. In diesem Roman war mir die Distanz einfach zu klein.
Der Autorin gelang es aber trotzdem, mich bis zum letzten Kapitel "Zürich" festzuhalten, weil eben dieser "Screwball"-Effekt ihr ausgesprochen gut gelungen ist. Auch wenn die Damen (vorwiegend sind es ja nur Damen, die sich treffen) schwatzen, als gäbe es kein Morgen, dann ist das schon etwas anstrengend.
Fazit: Jede Diva braucht Scheinwerfer - egal ob von oben oder von anderer Seite.

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