Peggy Guggenheim, der Venedig eines der aufregendsten Museen der Moderne zu verdanken hat, galt lange als skandalöses »armes reiches Mädchen« und wurde als »hässliches Entlein« verspottet. Zu Unrecht, wie Horncastles neue Biografie beweist. Als junge Frau im Paris der 1920er Jahre ist sie Teil der literarischen und künstlerischen Avantgarde, wird 1941 zur Fluchthelferin und rettet sich selbst und ihre Sammlung »entarteter Kunst« vor den Nationalsozialisten nach Amerika. Ihre Galerie in New York wird zum Anlaufpunkt europäischer Künstler:innen im Exil und zum Flaggschiff des Abstrakten Expressionismus, den sie 1948 nach Europa bringt. Sie war emanzipiert, engagiert und immer unerschrocken. Eine außergewöhnliche Frau, die den Zeitgeist des 20. Jahrhunderts gefördert hat, als Museen vom Louvre bis zum MET sich einig waren: Das ist keine Kunst.
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Was für ein rasanter Lebenslauf! Atemlos verfolgt der Leser die Entwicklungen und Kehrtwendungen dieser Biographie.
Wenn unsere eigene Epoche eigentlich nur Pose, Attitüde, Anspruch zu bieten hat, so ...
Was für ein rasanter Lebenslauf! Atemlos verfolgt der Leser die Entwicklungen und Kehrtwendungen dieser Biographie.
Wenn unsere eigene Epoche eigentlich nur Pose, Attitüde, Anspruch zu bieten hat, so erscheint uns Peggy Guggenheim wie ein Blitz mit kolossalem Donnerschlag aus der Vergangenheit. Konventionen waren ihr offenkundig vollkommen gleichgültig. Diese Frau vertritt in jedem Augenblick ihres Lebens ihre Überzeugungen, brennt lichterloh für die zeitgenössische Kunst. Gut, ihre gesellschaftliche Position erlaubte ihr, zu jedem Künstler, der sie interessierte, auf Tuchfühlung zu gehen, aber sie setzte die ihr zur Verfügung stehenden Mittel rückhaltlos dafür ein, die Avantgarde zu fördern. Was haben wir heutigen Kunstliebhaber dieser Frau zu danken, deren Engagement die Kunst ihrer Epoche förderte, ermöglichte, sicherte, und wir danken der Autorin, die uns einen Einblick in das Denken und Leben dieser außergewöhnlichen Frau vermittelt.
Peggy Guggenheim, verkannt als skandalöses „armes reiches Mädchen“, schenkt Venedig und der Nachwelt ihr Museum der Moderne. In den 1920er Jahren gehört sie als junge Frau zur literarischen und künstlerischen ...
Peggy Guggenheim, verkannt als skandalöses „armes reiches Mädchen“, schenkt Venedig und der Nachwelt ihr Museum der Moderne. In den 1920er Jahren gehört sie als junge Frau zur literarischen und künstlerischen Avantgarde, 1941 wird sie zur Fluchthelferin – auch für „entartete Kunst“. In New York beherbergt ihre Galerie die Werke europäischer Künstler:innen im Exil; 1948 bringt sie deren Abstrakten Expressionismus nach Europa. Eine außergewöhnliche, emanzipierte und engagierte Frau, die – ihrer Zeit voraus – Kunst gefördert hat, die nach Meinung anderer gar keine war.
Ein schlichtes blau-weißes Cover, darauf eine fast unscheinbare Frau. Wäre da nicht die überdimensionale Sonnenbrille, die auf ihre Extravaganz hinweist. Neben dem aussagekräftigen Text verfügt das Buch über zahlreiche Fotos (auch private), einen Stammbaum, viele Fußnoten und ein informatives Personenregister. In sechs Teilen, die durch jeweils in kürzere Kapitel gegliedert sind, bringt die Autorin das Leben und Werk einer faszinierenden Frau wieder. Die Kapitel werden jeweils durch ein Zitat eröffnet. Der Schreibstil ist eher sachlich, bietet aber dennoch sehr gute Unterhaltung. Erzählt wird sowohl aus dem Leben als auch dem Schaffen der berühmten Frau. Peggy Guggenheim war eine demonstrativ emanzipierte Frau, für die Kunst und Liebe die wichtigsten Aspekte im Leben waren. Ihre Beschäftigung mit Kunst kann schwer von Ihrem Privatleben getrennt werden, allein schon durch ihre (Liebes-) Beziehungen zu Künstlern, und so beinhaltet das Buch auch wichtige private Erlebnisse. Dennoch betont die Autorin die Rolle der Guggenheim als Mäzenin. Das Hauptaugenmerk liegt klar auf Ihrem Verdienst die Kunst betreffend. Schon früh hatte Peggy Guggenheim beschlossen, jeden Tag ein Kunstwerk zu kaufen; ihr Ziel lag in der Vermittlung und Bewahrung der Kunst. Eine große Rolle spielte dabei auch das Erlebnis beim Betrachten eines Kunstwerks. Und – was man nicht vergessen darf – sie legte Wert auf die Förderung von Frauen in der Kunstwelt.
Die Biografie ist der zehnte und damit aktuellste Band der Reihe „Reihenweise kluge Frauen“ des Molden Verlags und macht große Lust auch die anderen Bücher nachzulesen.
Horncastle schreibt sachlich und anschaulich, manchmal mit hintergründigem Humor, und unterfüttert ihr Buch mit über 250 Anmerkungen und Quellennachweisen. Dazu wird ihr Text durch Bilder von Kunstwerken ...
Horncastle schreibt sachlich und anschaulich, manchmal mit hintergründigem Humor, und unterfüttert ihr Buch mit über 250 Anmerkungen und Quellennachweisen. Dazu wird ihr Text durch Bilder von Kunstwerken oder Fotos von Peggy Guggenheim ergänzt. Diese sind meiner Meinung nach sehr passend gewählt. Für mich werden der Mensch und die Bedeutung von Peggy Guggenheim dadurch echter und greifbarer. Die Autorin hat beispielsweise gut herausgearbeitet, wie früh Peggy klar war, dass ihre Herkunft und ihr Geld dazu dienen sollten, Kunst und Künstlerinnen zu fördern und mit welcher Konsequenz sie das getan hat. Mir war vor der Lektüre auch nicht klar, welche Relevanz es hat, dass sie Kunstwerke und Künstlerinnen vor den Nazis gerettet hat. Wie würde unsere Welt heute aussehen, hätte sie das nicht getan? Was hätten wir verloren? Sehr spannend finde ich den Abschnitt über die Planung des Konzepts von Art of this Century. Hier wird deutlich, wie sehr Peggy bereit war, Dinge neu zu denken und die Rezeption von Kunst ganz anders zu ermöglichen. Horncastle verdeutlicht in ihrem Buch auch die Überzeugungen Peggys, Frauen zu fördern und – ganz grundsätzlich – Kunst zu erhalten und allen zugänglich zu machen. Diese Biografie zeigt meiner Meinung nach sehr gut, wie selbstbewusst und entschlossen, wie mutig und visionär, wie vielschichtig und auch sperrig sie war. Dass Horncastle promovierte Kunsthistorikerin ist, kommt dem Buch zugute, da sie beispielsweise nachvollziehbar erläutern kann, welche Bedeutung ein Kunstwerk hat oder welche Wertentwicklung es genommen hat. Dies geschieht nie in langatmigen Ausführungen, sondern immer in kleinen, wertvollen Nebensätzen.
Das Nachwort hat mich noch einmal besonders beeindruckt, da die Autorin hier erläutert, welche Fragen sie bei der Biografie geleitet haben. So hat sie versucht, ihre Biografie zu schreiben, als wäre Peggy Guggenheim ein Mann. Ihre Leistung und ihr Vermächtnis sollten im Vordergrund stehen, nicht etwa ihr Liebesleben oder ihre Familie. Natürlich kommt das Buch auch nicht ohne aus – die zahlreichen Affären und Liebesbeziehungen Peggys mit Künstlern machen es unmöglich, Berufliches und Privates vollständig zu trennen – aber der Fokus liegt eindeutig auf ihrer Entwicklung als Galeristin, Museumsdirektorin und Mäzenin. Das hat Peggy Guggenheim ganz klar verdient und das wird in dieser Biografie auch sehr verständlich nachgezeichnet.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da ich viel Neues über Peggy Guggenheim erfahren habe und ich ihr durch das Buch näherkommen konnte. Ihre Bedeutung innerhalb der Kunstwelt kann ich nun besser nachvollziehen und wertschätzen. Die private Peggy ist mir dabei häufig ein Rätsel geblieben, sie fand ich oft befremdlich. Da der private Teil ihres Lebens aber explizit nicht im Fokus dieser Biografie steht, kann ich das gut verschmerzen. Darüber hinaus habe ich durch das Buch viele ihrer Wegbegleiterinnen kennengelernt oder „wiedergetroffen“, die mich neugierig gemacht haben. So entstanden für mich interessante Querverbindungen zu anderen Themen oder Personen, über die ich mehr erfahren möchte.
Wer sich eher für den Gossip und die Geschichten der Yellow Press interessiert, der wird mit diesem Buch nicht glücklich. Wer sich für Kunstgeschichte interessiert, die verschiedenen Strömungen des 20. Jahrhunderts, die Künstlerinnen des Surrealismus oder des abstrakten Expressionismus, dem dürfte dieses Buch gefallen. Wer mehr erfahren will über die Geschichte und Lebensleistung einer sehr ungewöhnlichen Frau, die mit all dem untrennbar verbunden ist, ist hier genau richtig.
Peggy Guggenheim, die reiche Erbin einer wohlhabenen Industriellenfamilie, eine Autoditaktin, Kunstmäzenin, Sammlerin und Galeristin der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Auch wenn mir ihr Name bekannt war, ...
Peggy Guggenheim, die reiche Erbin einer wohlhabenen Industriellenfamilie, eine Autoditaktin, Kunstmäzenin, Sammlerin und Galeristin der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Auch wenn mir ihr Name bekannt war, wusste ich doch so gut wie nichts über sie.
Kunsthistorikerin Mona Horncastle gibt mit ihrer Biografie Einblicke in ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Leidenschaft für die Kunst. Sie zeigt eine starke, engagierte, mutige und selbstbewusste Frau ihrer Zeit.
Ein leichter Schreibstil, der klar und sachlich, aber keineswegs trockene Theorie ist, macht das Lesen zum Erlebnis.
Mir hat dieses Buch gut gefallen, es war unterhaltsam und gleichzeitig auch sehr informativ.
Das ist mein zweites Buch aus dieser Reihe, über "Reihenweise kluge Frauen".
Ich mag die schlichten, aber doch besonderen Buchcover in verschiedenen Farben, die sich in den jeweiligen Büchern fortsetzen.
Dank der vielen Fotografien wirkt das Buch lebendiger und man hat einen direkten Blick auf Peggy Guggenheims Leben.
Mona Horncastle ist mit ihrer faszinierenden Biografie „Peggy Guggenheim – Freigeist, Mäzenin, Femme fatale“ ein facettenreiches Porträt eine der schillerndsten und vielleicht auch widersprüchlichsten ...
MEINE MEINUNG
Mona Horncastle ist mit ihrer faszinierenden Biografie „Peggy Guggenheim – Freigeist, Mäzenin, Femme fatale“ ein facettenreiches Porträt eine der schillerndsten und vielleicht auch widersprüchlichsten Persönlichkeiten der Kunstwelt des 20. Jahrhunderts gelungen. Mit ihrem prägnanten, lebendigen Erzählstil nimmt sie uns mit auf eine fesselnde Entdeckungsreise, die nicht nur bemerkenswerten Aspekte der berühmten Kunstförderin, sondern auch ihre inneren Brüche sichtbar macht.
Ihre Biografie über Peggy Guggenheim bietet einen tiefgründigen und erfreulich vorurteilsfreien Einblick in das Leben und die außergewöhnlichen Leistungen der berühmten Mäzenin, Kunstsammlerin und Förderin moderner Kunst und präsentiert uns vor allem den Menschen hinter dem Mythos. Zum Vorschein kommt eine beeindruckende Frau sowie eine visionäre und couragierte Kämpferin für die Kunst, die zeitlebens mit Humor, Ironie und beeindruckender Selbstreflexion gegen Vorurteile und Klischees ankämpfte.
Bewusst verzichtet die Autorin die Darstellung von Peggys skandalisiertem Privatleben und oberflächlichen Klatschgeschichten über ihre zahlreichen Affären mit berühmten Persönlichkeiten, sondern konzentriert sich auf eine nuancierte Betrachtung ihrer vielschichtigen Persönlichkeit und ihres Lebenswerks. Besonders eindrucksvoll gelingt Horncastle der Balanceakt zwischen dem glamourösen Image der Kosmopolitin und den psychologischen Abgründen hinter der Fassade – ihren wechselvollen Liebesbeziehungen, seelischer Krisen und den oft widersprüchlichen Entscheidungen ihres Lebens. Berührend beschreibt Horncastle auch die zerrissenen familiären Beziehungen, insbesondere Peggys komplizierte Rolle als Mutter, ohne jedoch von ihrem Hauptanliegen abzuschweifen. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen ihrer Verletzlichkeit und ihres mutigen Engagements für die Moderne Kunst zeigt sich die faszinierende Komplexität dieser Frau.
Horncastle widmet sich insbesondere auch der Frage, wie Guggenheims Lebensleistung losgelöst von Geschlechterklischees beurteilt würde. Sie macht eindrucksvoll deutlich, dass viele Anfeindungen und Vorurteile gegenüber Peggy auf ihr Frausein und ihre Rolle in einer männlich dominierten Kunstwelt zurückzuführen sind. Anschaulich porträtiert sie Peggy als emanzipierte Frau, die sich gegen die vorherrschenden Zwänge ihrer Epoche durchsetzte und unbeirrbar ihren Weg ging. Die Autorin legt großen Wert auf eine wissenschaftlich fundierte Einbindung der Biografie in die komplexen kulturhistorischen und gesellschaftlichen Kontexte der jeweiligen Epoche, insbesondere der Umbrüche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gekonnt lässt sie dabei Peggys Leben in verschiedenen Episoden lebendig werden. So folgen wir ihren Spuren von den privilegierten Ursprüngen in der New Yorker Guggenheim-Dynastie über die ersten Schritten als junge Frau in der kosmopolitischen Pariser Avantgarde der 1920er Jahre. Zudem erfahren wir über ihren mutigen Einsatz als Fluchthelferin zur Rettung vieler Künstler und ihrer Werke vor dem Zugriff den Nazis. ihrer prägenden Rolle als Förderin und Impulsgeberin moderner Kunst in New York sowie schließlich dem Aufbau ihres kulturellen Vermächtnisses mit ihrem Museum in Venedig. Eindrucksvoll arbeitet Horncastle auch weniger bekannte Aspekte heraus. So unterstützte Guggenheim nicht nur avantgardistische Kunstschaffenden wie Marcel Duchamp, Max Ernst oder Jackson Pollock sondern förderte auch Künstlerinnen wie Leonora Carrington. Ihr außergewöhnliches Gespür für innovative Strömungen und ihre Risikobereitschaft prägten die moderne Kunst maßgeblich.
Mit beeindruckender Faktenfülle, zahlreichen Briefzitaten und einer Vielzahl präzise eingebundener Namen gelingt Mona Horncastle eine außergewöhnlich dichte Dokumentation von Peggy Guggenheims facettenreichem Leben und Wirken. Ihre umfassende, packend erzählte Biografie weckt Neugier auf weitere Entdeckungen rund um diese widersprüchliche und inspirierende Frau, die verletzlich und couragiert, visionär wie exzentrisch war – und deren kompromissloses Engagement die Kunstwelt auch heute noch enorm inspirierend ist.
FAZIT
Eine rundum gelungene Biografie mit einem differenzierten, eindrucksvollen Porträt von Peggy Guggenheim als faszinierende komplexe Persönlichkeit und außergewöhnliche Kunstmäzenin.
Eine anregende und bereichernde Lektüre für alle, die sich für Kunst, Kulturgeschichte und besonders für die Rolle starker Frauen in der Modernen Kunst interessieren.