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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Wer ist hier der Wahnsinnige?

Wenn sie wüsste
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Nina braucht ein neues Hausmädchen, das im Haushalt mithilft und sich um ihre Tochter kümmert. Millie hingegen braucht eine neue Arbeitsstelle, um über die Runden zu kommen. Als Vorbestrafte hat sie es ...

Nina braucht ein neues Hausmädchen, das im Haushalt mithilft und sich um ihre Tochter kümmert. Millie hingegen braucht eine neue Arbeitsstelle, um über die Runden zu kommen. Als Vorbestrafte hat sie es nämlich nicht leicht, einen Job zu finden. Umso glücklicher ist sie, als sie sie Stelle kriegt, obwohl Nina etwas bipolar oder merkwürdig zu sein scheint.

Schnell wird klar, Nina verhält sich oft daneben und schiebt die Schuld daraufhin auf Millie. Die Handlung war durchweg spannend. Ich wollte wissen, weshalb Nina Millie komisch behandelt und ob Nina wirklich psychisch instabil ist, wie alle aus ihrem Umfeld behaupten. Im Verlauf der Geschichte kommen einige Ereignisse ans Licht, die zu einer Wendung in der Handlung führen. Dann ist da auch noch der Gärtner, der Millie zu warnen scheint, den Job zu kündigen. Viel mehr sollte zur Story gar nicht verraten werden. Einige Dinge konnte ich vorhersehen, andere wiederum haben mich völlig überrascht. Es gibt insgesamt ein paar verstörende Szenen, wo man nur den Kopf schütteln kann. Der Lesende stellt sich ständig die Frage, wer von den Figuren verrückt ist. Im Haus herrscht eine düstere Stimmung, man spürt regelrecht die Anspannung.

Für alle die viel Spannung und Twists lieben ist das das richtige Buch! Das war für mich ein Jahreshighlight.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Die zerstörerische Kraft von Obsession

Mary Shelley, Frankenstein. Ein Schauerroman
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Victor hat eine Idee: er möchte eine Kreatur aus Leichenteilen schaffen und aus Tod wieder Leben erschaffen. Dieses Buch erzählt das Leben von Victor, wie er aufwuchs, wie Bildung sein Leben prägte, und ...

Victor hat eine Idee: er möchte eine Kreatur aus Leichenteilen schaffen und aus Tod wieder Leben erschaffen. Dieses Buch erzählt das Leben von Victor, wie er aufwuchs, wie Bildung sein Leben prägte, und wie eine grössenwahnsinnige Idee zum Verhängnis wird und ihm schlussendlich sein Leben zerstört.

Der Einstieg in die Handlung ist originell: Eine Briefsammlung, die Walton an seine Schwester verfasst hat. Darin schildert er, wie er Victor kennengelernt hat und wie dieser ihm seine Lebensgeschichte erzählt hat. Daraufhin übernimmt Viktor die erzählende Rolle. Er schildert ausführlich die Zeit bis zur Erschaffung seiner Kreatur und die Zeit nach seiner Flucht vor dem Monster. Die Spannung steigt, sobald sich die zwei wiedersehen und es zu einer Eskalation kommt. Das Monster erzählt auch aus seiner Perspektive, wie es durch die Welt alleine und einsam navigiert. Die Handlung zieht sich vor allem gegen Ende etwas in die Länge, was den Lesefluss gestört hat. Die Passagen, in denen die Verfolgungsjagd beschrieben wird, waren etwas anstrengend zu lesen. Hier gab es sehr langgezogene Naturbeschreibungen, welche ich teilweise überfliegen musste.

Thematisch behandelt der Roman die psychischen Grenzen des Menschen. Besonders deutlich wird dies an Victors Obsession. Er vernachlässigt sein Leben, um seine Idee zu erschaffen, flieht jedoch voller Ekel und Angst, sobald seine Schöpfung zum Leben erwacht. Alleine der Gedanke an das Monster treibt ihn in den Wahnsinn. Als das Monster anfängt, geliebte Menschen von Victor zu töten, gerät Victor erneut in eine Besessenheit, die Kreatur zu verfolgen.

Durch die Schilderungen des Monsters werden seine schrecklichen Taten teilweise nachvollziehbar, nachdem er viel Ablehnung erlebte. Der furchterregende Monster wirkt dadurch überraschend menschlich. Der Klassiker liefert insgesamt eine enorme emotionale Tiefe.

Dieser Klassiker ist ein Must-Read für alle Leser, die sich für die Abgründe der menschlichen Psyche interessieren. Die langatmigen Passagen lassen sich dadurch ertragen.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Seltsame und verstörende Vergangenheit

Seltsame Sally Diamond
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Sallys Adoptivvater stirbt. Das Erste was sie tut: Seine Leiche im Müll zu entsorgen - wie von ihm gewünscht. Dies zieht eine grosse Aufmerksamkeit auf die sonst isoliert lebende Sally. Ihre Nachbarschaft ...

Sallys Adoptivvater stirbt. Das Erste was sie tut: Seine Leiche im Müll zu entsorgen - wie von ihm gewünscht. Dies zieht eine grosse Aufmerksamkeit auf die sonst isoliert lebende Sally. Ihre Nachbarschaft sieht sie plötzlich mit anderen Augen, sie kommt ins Visier der Polizei und fängt selbst an, in ihre Vergangenheit durchzuwühlen (Ich würde es eher als Psychothriller statt als Roman betiteln).



Das war definitiv ein Jahreshighlight. Ich konnte das Buch nicht weglegen. Die Handlung hat zwei Erzählstränge, die sich gegenseitig abwechseln. Nach und nach wird dem Lesenden klar, was Sally in ihrer Kindheit erlebt hat und was für eine verstörende Familiengeschichte sie hat. Es gab einige unangenehme Szenen von Gewalt, Entführung und emotionaler Manipulation, für die man gewappnet sein muss. Das Buch behandelt die menschlichen Abgründe, aber auf einer ganz interessanten Weise!



Sally ist eine extrem interessante Figur. Sie ist sehr eigenartig, introvertiert, direkt und besitzt nicht die üblichen sozialen Fähigkeiten. Sie sieht die Welt mit ganz anderen Augen. Ihre Gedanken folgen einer anderen Logik und der Einblick in ihre Denkweise war extrem spannend. Ihr Mangel an Empathie und Feingefühl erzeugt einige lustige Situationen, welche mich zum Schmunzeln gebracht haben. Ihre Charakterentwicklung im Verlauf des Buchs ist unglaublich.



Eine klare Leseempfehlung, wenn man in einer psychisch guten Verfassung ist!

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Das turbulente Leben einer Frau im 20. JH

Schwebende Lasten
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Gröschner portraitiert in ihrem Roman die Lebensgeschichte einer Frau, welche in ihrem Leben viel erlebt hat. Der Roman erzählt von Hanna, die immer weitermacht, egal ob gerade politischer Aufstand ist, ...

Gröschner portraitiert in ihrem Roman die Lebensgeschichte einer Frau, welche in ihrem Leben viel erlebt hat. Der Roman erzählt von Hanna, die immer weitermacht, egal ob gerade politischer Aufstand ist, oder ihr eigenes Leben am zerbrechen ist.



Leider fand ich zu viele Passagen zu langatmig und ich tat mich schwer, das Buch zu Ende zu bringen. Obwohl das Buch thematisch unglaublich wichtige geschichtliche Ereignisse umfasst und viele Lebensrealitäten abbildet, konnte es mich von der Handlung, so wie sie erzählt wurde, nicht überzeugen.



Die Figuren blieben mir fremd und distanziert. Es war mir nicht möglich, mich in die Lage von Hanna hineinzuversetzen, da sich das Erzählte insgesamt wie ein Bericht anfühlte und weniger wie eine Geschichte. Dadurch wich zusätzlich meine Konzentration oft weg, was das Weiterlesen zu einem Kampf machte.



Für mich daher leider keine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Aus dem Leben eines Sportlers

45 Sekunden. Meine Leidenschaft fürs Turnen – und warum es nicht alles im Leben ist
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Kim Bui "entführt" uns in diesem Buch auf eine Reise. Sie schafft es dabei sehr gut, das Leben eines Spitzensportlers hinter den Kulissen und die damit verbundenen Schattenseiten aufzuzeigen. Chronologisch ...

Kim Bui "entführt" uns in diesem Buch auf eine Reise. Sie schafft es dabei sehr gut, das Leben eines Spitzensportlers hinter den Kulissen und die damit verbundenen Schattenseiten aufzuzeigen. Chronologisch nimmt sie uns mit: von ihren ersten Turnstunden bis hin zu ihrem Karriereende. Ich konnte mit dem Schreibstil sehr schnell warm werden und es war so, als würde ich alles selbst erleben.



Abgesehen von ihrer Leidenschaft erzählt sie auch von der vietnamesischen Kultur und der Vergangenheit ihrer Eltern. Interessant ist dabei, wie sie aufwächst und welche Werte sie von ihrer Familie vorgelebt bekommt, was auch ihre Karriere als Turnerin massgeblich beeinflusst (z.B. Neigung zur Perfektion; ja niemanden enttäuschen; Anerkennung muss man sich erst verdienen).

Ich konnte für mich persönlich viele Parallelen ziehen mit der Sportart Eiskunstlauf. Da ich mich sehr „gerne“ und intensiv mit dem Fall Kamila Valieva an den Olympischen Winterspielen 2022 beschäftigt habe, war es umso erschreckender zu erfahren, dass dieselben Erlebnisse auch im Turnen vorkommen - oder wahrscheinlich in (fast) allen Leistungssportarten. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich an Kim’s Stelle so viel Druck standgehalten hätte.

Schön finde ich, dass sie eine differenzierte Betrachtung auf die gesamte Situation wirft und nicht nur eine Partei (z.B. die Trainer) beschuldigt, sondern präzise aufzeigt, wo die Schwachstellen des Systems sind. Dass Trainer Schmerzen/Verletzungen ignorieren oder kleinreden, beim Thema Essen zu weit gehen oder den Sportler nicht ernst nehmen, geht gar nicht! Aber gleichzeitig sind die Trainer auch Opfer des Systems, die nicht viel alleine bewirken können.

Stellenweise, vor allem in der Mitte, fand ich einige Szenen langwierig. Aber das Ende fand ich dann wieder stark. Ihr letzter Auftritt als Turnerin. Und der hoffnungsvolle und positive Blick auf ein Leben ohne den Leistungssport.

Das Buch ist auf jeden Fall nichts für schwache Nerven, da auch das Thema Essstörung intensiv thematisiert wird. Aber nichtsdestotrotz spricht sie sehr viel wichtiges an!

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