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Veröffentlicht am 09.06.2018

Düstere, abgründige Krimi-Fortsetzung

Der einsame Bote
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INHALT
Kommissar Tommy Bergmann steht am Abgrund. Bis heute gibt es keine Spur von der 13-jährigen Amanda, die er schon seit Monaten sucht. Jetzt wurde das Mädchen für tot erklärt, der Mörder angeblich ...

INHALT
Kommissar Tommy Bergmann steht am Abgrund. Bis heute gibt es keine Spur von der 13-jährigen Amanda, die er schon seit Monaten sucht. Jetzt wurde das Mädchen für tot erklärt, der Mörder angeblich beerdigt und der Fall offiziell abgeschlossen. Gibt Bergmann seine Ermittlungen nicht auf, wird er suspendiert. Doch er kann nicht anders, er muss weitergraben in diesem hoffnungslosen Fall und wird dafür von seinen Kollegen isoliert. Als er fast aufgeben will, stößt er auf die Spuren einer Sekte. Ihr Anführer sieht sich als weiser Hirte, der das einfache Leben liebt. Er glaubt, dass ein Mörder erlöst werden kann, wenn ein junges Mädchen geopfert wird. Wie Amanda. Oder wie die Tochter von Susanne Bech, Bergmanns Kollegin. (Quelle: Klappentext List)
MEINE MEINUNG
„Der einsame Bote“ vom norwegischen Bestseller-Autor Gard Sveen ist bereits der 3. Band seiner Krimi-Serie um den Osloer Kommissar Tommy Bergmann. Ohne die Vorgängerbände zu kennen, ist es allerdings nicht sehr ratsam den neuesten Band zu lesen. Er enthält sehr viele Querverweise zu den vorangegangenen Fällen und früheren Ermittlungen, so dass einige fesselnde Verwicklungen und Andeutungen ohne Kenntnis der Hintergründe nicht völlig verstanden werden können. Hier wäre ein Hinweis im Klappentext des Buchs sehr wünschenswert, um etwaigen Enttäuschungen der Leser vorzubeugen.
Sveen hat eine gelungene, komplexe Fortsetzung seines Vorgängerbands »Teufelskälte« vorgelegt und den Kriminalfall mit einem unglaublich packender Showdown zum Abschluss gebracht. Insgesamt kann dieser Band allerdings nicht mehr an den hervorragenden, atmosphärisch dichten Auftakt seiner Krimireihe mit dem Titel »Der letzte Pilger« heranreichen.
Nach einem Einstieg mit einem groben Überblick über die bisherigen Ereignisse in Form einer Pressemitteilung werden viele Fäden aus dem Vorgängerband wieder aufgegriffen, die die volle Konzentration des Lesers fordern. Durch Rückblicke und Wechsel der Erzählstränge baut sich schon bald enorme Spannung auf. Es entfaltet sich eine hochkomplexe Handlung mit typischen Elementen eines fesselnden Psychothrillers. Die vermisste 13jährige Amanda, die Opfer eines bestialischen Kinderschänders ist - ein toter Serienkiller, der von den Toten auferstanden zu sein scheint und Spuren zu einer mysteriösen, religiösen Sekte in Litauen, die grausame Rituale praktiziert – eine große Herausforderung für den genialen Ermittler der Osloer Polizei, den ernsthafte Zweifel an den Ergebnissen der damaligen Ermittlungsarbeit plagen. Obwohl Bergmann wegen einer Abmahnung im Entführungsfall von Amanda nicht mehr ermitteln darf, setzt er seine Jagd nach dem wahren Mörder auf eigene Faust und entgegen dem Willen seiner Vorgesetzten fort. Parallel hierzu ermittelt seine junge Kollegin Susanne Bech in einem anderen Fall, der mit Bergmanns Untersuchungen zusammenzuhängen scheint, und sie rasch in akute Gefahr bringt. Nach und nach lässt Sveen uns in erschreckende Abgründe der menschlichen Psyche blicken. Bergmanns Ausflug nach Vilnius nimmt uns mit auf eine nervenaufreibende Achterbahnfahrt, ein mysteriöses Katz-und-Maus-Spiel offenbart uns ein verstörendes Horrorkabinett an Perversitäten und Schrecken. Als typisch skandinavischer Krimi ist der Roman nahezu durchgehend von einer beklemmenden, düsteren Stimmung geprägt, die nur selten von einigen Lichtblicken durchbrochen wird, und die extrem dunkle Handlung unterstreicht.
Der Protagonist Tommy Bergmann ist ein sehr vielschichtiger, hochkomplexer Charakter – ein Antiheld, der mit großen psychischen Problemen zu kämpfen hat. Die Einblicke in sein Privatleben und seine persönlichen Probleme nehmen in diesem Band keinen sehr großen Raum ein. Seine inneren Dämonen und charakterlichen Defizite wie seine Gewalttätigkeit gegenüber Frauen, deren Wurzeln scheinbar in der Vergangenheit liegen und weiterhin im Dunkeln bleiben, scheint er mittlerweile besser im Griff zu haben. Seine besessene Suche nach der Wahrheit, großes Engagement und Ausdauer im Job machen ihn trotz seiner unverantwortlichen Alleingänge und dunklen Seiten zwar interessant, aber nicht allzu sympathisch. Insgesamt wirkte er auf mich sehr unnahbar und konnte mich nicht richtig mitreißen. Die übrigen Charaktere sind ausreichend plastisch und lebensnah ausgearbeitet, so dass ihre Handlungen für mich weitgehend nachvollziehbar waren.
Die teilweise verwirrenden Details aus der Vergangenheit fügen sich allmählich wie Puzzleteilchen zusammen und geben Hinweise auf Tommys aktuelle Ermittlungen. Nach einigen unvorhersehbaren Wendungen, falschen Spuren, etlichen Sackgassen und unfassbar grausamen und abstoßenden Enthüllungen, die beim Leser starke Nerven erfordern, gipfelt der Krimi in einem packenden Showdown, der an Dramatik kaum zu überbieten ist. Die Aufklärung des komplizierten Falls war insgesamt schlüssig und nachvollziehbar, und doch bleiben noch einige offene Aspekte, die den Leser verwirrt zurücklassen. Nach diesem schockierenden Ende bin ich gespannt, ob es für Bergmann überhaupt im neuen Band weitergehen kann.
FAZIT
Eine fesselnde Fortsetzung des unglaublich düsteren, abgründigen Krimis mit der noch ausstehenden Auflösung des hochkomplexen Falls aus dem Vorgängerband!

Veröffentlicht am 07.05.2018

Lieselotte feiert Geburtstag!

Ein Geburtstagsfest für Lieselotte (Mini-Broschur)
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INHALT
Die Kuh Lieselotte hat heute Geburtstag und schon ganz aufgeregt! Doch was ist nur los? Auf dem Bauernhof ist es seltsam still, niemand ist mit Vorbereitungen für die Geburtstagsparty beschäftigt ...

INHALT
Die Kuh Lieselotte hat heute Geburtstag und schon ganz aufgeregt! Doch was ist nur los? Auf dem Bauernhof ist es seltsam still, niemand ist mit Vorbereitungen für die Geburtstagsparty beschäftigt – es scheint ein ganz normaler Tag zu sein. Lieselotte wundert sich sehr, denn die Bäuerin hat ihr keinen Geburtstagskuchen gebacken, und auch der Garten ist kein bisschen geschmückt. Sie wird ganz traurig, denn scheinbar haben alle ihren Geburtstag vergessen. Enttäuscht beschließt Liselotte, ganz alleine zu feiern. Sie holt sich ein paar Kerzen und etwas Zwieback aus der Küche, setzt ihren alten Partyhut auf und macht sich auf den Weg zu ihrem Lieblingsplatz am Bach...
MEINE MEINUNG
Zum 10. Geburtstag der beliebten Bilderbuchkuh Lieselotte hat sich Kinderbuchautor und Illustrator Alexander Steffensmeier wieder eine wunderschöne, humorvolle Geschichte für die Allerkleinsten ausgedacht, die ganz aus dem Leben gegriffen ist und Jung und Alt viel Freude bereitet. Diesmal hat Lieselotte Geburtstag und freut sich schon ganz doll auf die Party mit all ihren Freunden, doch niemand gratuliert ihr oder hat Zeit für sie. Der Autor hat sich mal wieder fröhlich buntes Abenteuer für Lieselotte ausgedacht mit vielen ideenreichen, lustigen Episoden mit jeder Menge verrückter Hühnern und natürlich am Ende mit einer rauschenden Überraschungsparty für unsere Lieblingskuh mit allen ihren Freunden.
Die vielen farbenfrohen, detailreichen und liebevollen Illustrationen machen das Buch zu einem einmaligen Erlebnis, denn bei jedem Betrachten gibt es etwas Neues zu entdecken. Es eignet sich daher auch hervorragend als Suchbilderbuch.
Die Textpassagen sind kurz und kindgerecht geschrieben, und sehr schön auf den Seiten verteilt, so dass das Hauptaugenmerk auf den ansprechenden Illustrationen liegt.
Die Hauptfigur ist auch in dieser Geschichte Lieselotte, die wegen ihrer drolligen, tollpatschigen und liebenswerten Art schnell zum Sympathieträger der kleinen Leser wird. Doch auch die vielen, kleinen originellen Details und Anspielungen, die sich in den Bildern verstecken wie beispielsweise die ständig zu Blödsinn aufgelegten Hühner, sorgen für beste Unterhaltung.
Sehr gelungen ist auch das praktische Mini-Format, das perfekt in kleine Hände passt und problemlos überall hin mitgenommen werden kann.
FAZIT
Ein witziges, wunderschön illustriertes Vorlese- und Bilderbuch im praktischen Mini-Format für unterwegs rund um die liebenswerte Kuh Lieselotte und ihre Freunde, mit vielen Abenteuern und natürlich einem überraschenden Happy End.
Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch für Klein- und Kindergartenkinder ab 4 Jahren!

Veröffentlicht am 06.01.2019

Auf dem inspirierenden Weg zum eigenen Ich

Gehen. Weiter gehen
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MEINE MEINUNG
Der norwegische Bestseller-Autor, Jurist, Abenteurer und Philosoph Erling Kagge hat ein neues Buch mit dem Titel „Gehen. Weitergehen. – Anleitung“ vorgelegt, in dem er uns auf eine spannende, ...

MEINE MEINUNG
Der norwegische Bestseller-Autor, Jurist, Abenteurer und Philosoph Erling Kagge hat ein neues Buch mit dem Titel „Gehen. Weitergehen. – Anleitung“ vorgelegt, in dem er uns auf eine spannende, inspirierende Reise mitnimmt. Hierin beschäftigt er sich mit einer eigentlich alltäglichen Tätigkeit, die für viele Menschen heutzutage allerdings keineswegs mehr selbstverständlich ist – dem GEHEN. Aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet der Autor das Gehen und seine erstaunlichen Auswirkungen auf uns Menschen. Kagge ist ein äußerst aufschlussreicher, gut verständlicher Wegweiser für uns moderne Menschen gelungen, der an unterschiedlichen Beispielen verdeutlicht, wie wir auf genial einfache Weise zur inneren Ruhe, zu Zufriedenheit und Frieden kommen können. Denn die natürlichste Form sich in sein Innerstes zurückzuziehen und zu sich zu finden, ist tatsächlich einen Schritt vor den anderen zu setzen.
Anhand von interessanten Zitaten von bekannten Philosophen und Schriftstellern aber auch basierend auf eigenen Erlebnissen während seiner Expeditionen und Lebenserfahrungen verdeutlicht er sehr anschaulich seine Thesen und untermauert darüber hinaus diese auch mit wissenschaftlichen Experimenten und Erkenntnissen. So erläutert er beispielsweise, dass die Art des Gehens ein Spiegel der Psyche ist oder Gehen als Ursprung der Menschheit angesehen werden kann. Die zahlreichen Betrachtungsansätze zeigen uns Lesern sehr eindrucksvoll, wie bedeutsam Entschleunigung und Aufmerksamkeitsschulung für unser seelisches Gleichgewicht ist. Die Einheit von Körper, Geist und Umgebung während des Gehens führen zu einer Verschmelzung zu einer höheren Einheit, von der ein jeder außerordentlich profitieren kann.
Kagge versteht es, Stimmungen und Bilder einfühlsam und mit viel Feingespür zu beschreiben, uns nachdenklich zu stimmen und uns abzuholen auf eine spannende Entdeckungsreise zum eigenen Ich. Notwendig ist es lediglich den ersten Schritt zu tun …
FAZIT
Ein sehr lesenswertes Buch, das zum Nachdenken und Nachahmen anregt!

Veröffentlicht am 06.01.2019

Ein fesselndes, aufwühlendes Leseerlebnis

Die Plotter
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INHALT
Raeseng ist Killer von Beruf, seit ihn Old Raccoon als Kind bei sich aufnahm und ausbildete. Aufgewachsen an einem geheimen Rückzugsort in Seoul, einer Bibliothek voller alter Bücher, gehört er ...

INHALT
Raeseng ist Killer von Beruf, seit ihn Old Raccoon als Kind bei sich aufnahm und ausbildete. Aufgewachsen an einem geheimen Rückzugsort in Seoul, einer Bibliothek voller alter Bücher, gehört er zur Killer-Elite Koreas. Denn Old Raccoon ist ein Plotter. Als Kopf der Organisation »Library of Dogs« hat er seit Jahrzehnten alle politisch gewollten Exekutionen in Korea geplant. Doch als die Macht der Diktatur schwindet, gerät auch der Einfluss der Plotter ins Wanken – und eine neue Generation beginnt, ihr eigenes tödliches Netzwerk aufzuziehen. Als Raeseng vom Plan der Plotter bei der Ausführung eines Auftrags abweicht, geraten die Dinge außer Kontrolle – und Raeseng rückt selbst an die erste Stelle der Todesliste …
(Quelle: Klappentext Europa Verlag)
MEINE MEINUNG
Mit seinem neuesten Roman „Die Plotter“ hat der südkoreanische Bestseller-Autor Un-Su Kim einen außergewöhnlichen, aber äußerst fesselnden Thriller verfasst. Schon der etwas seltsame Titel zusammen mit dem provokanten „blutigen“ Cover macht neugierig auf die Thriller-Handlung, die bisweilen tatsächlich recht blutrünstig wird. Ein action- und temporeicher Thriller ist dieser als „Krimi noir“ beworbene Roman zwar nicht, aber durch die beklemmenden Einblicke in das Leben des Protagonisten und Profi-Killers Raeseng und die zunehmend komplexer werdende Handlung dennoch ein fesselndes und aufwühlendes Leseerlebnis.
Der Autor hat für seinen einfühlsam geschriebenen Thriller voll bitterbösem Humor eine sehr packende Story mit einem einzigartigen Setting entworfen, die uns Leser in eine völlig unbekannte, befremdliche Welt entführt – den Seouler „Fleischmarkt“. Gekonnt führt uns der Autor ein skrupelloses, brutales und hochkomplexes Netzwerk von Unterwelt-Kriminellen vor Augen, deren alltägliches Geschäft der Tod bzw. Auftragsmord darstellt und bei denen auf sehr bizarre Weise die „stille Kunst des Tötens“ als besonderes Handwerk zelebriert wird.
Der Autor hat mit seinem Protagonisten Raeseng einen interessanten, authentisch wirkenden Charakter geschaffen und eine vielschichtige Figur, die sehr ambivalente Gefühle weckt. Eine überaus große Faszination geht von dem eigentlich durch und durch verachtenswerten Protagonisten und seinen sehr tiefsinnigen Innenansichten aus, die tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lassen. Sehr fesselnd ist es, den emotionslosen Profikiller immer besser kennen zu lernen, an seiner Lebensphilosophie teilzuhaben und ihn schließlich zunehmend sympathisch zu finden. Neben seiner dunklen Seite ist er ein einfühlsamer, belesener und hochintelligenter Mann, der als Findelkind zu seinem Ziehvater kam und in seine Rolle als skrupellosen Killer zwangsläufig hineingewachsen ist. Eingebunden in dieses brutale Milieu, hinterfragt er seinen Job als Killer und seine abgebrühte, hocheffiziente Arbeit nicht.
Mit seiner packenden Geschichte entlarvt Un-Su Kim ein schockierendes, gut florierendes und seit Jahrzehnten bis ins Kleinste durchorganisierte System, das durch einen Wandel der politischen Verhältnisse mächtig ins Wanken gerät. Ein undurchsichtiger, gnadenloser Machtkampf zwischen einer neuen nachrückenden Killer-Generation und Raesengs Ziehvater „Old Racoon“ entbrennt und seine unbestrittene Vormachtstellung als führender Kopf der Organisation und genialem Strippenzieher im Hintergrund wird ihm plötzlich streitig gemacht. Auch Reasengs Leben gerät aus den Fugen und ein langsames Umdenken setzt bei ihm ein, als er sich unversehens auf einer Todesliste der Organisation wiederfindet. Packend wird erzählt wie die Killer nun gegen Ihresgleichen vorgehen, niemand weiß, wer der nächste auf der Todesliste ist und wer im Hintergrund als Drahtzieher agiert. Der Autor versteht es hervorragend, uns mit seinem spannenden, hochkomplexen Katz- und Maus-Spiel und einigen unerwarteten Wendungen zu unterhalten.
Der sehr prägnante, abwechslungsreiche und anschauliche Schreibstil des Autors liest sich sehr angenehm, sodass man das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen mag. Auch die eingestreuten philosophischen Betrachtungen und aufschlussreichen Einblicken in die koreanische Mentalität und gesellschaftlichen Missständen haben mich sehr fasziniert. Als Kontrast hierzu geizt er aber auch nicht mit recht brutalen, schonungslos beschriebenen Szenen.
FAZIT
Ein faszinierender Thriller aus Südkorea mit beklemmenden Einblicken in die bizarre Welt eines Profi-Killers und einem komplexen Katz- und Mausspiel.

Veröffentlicht am 06.01.2019

Vielversprechender Krimiauftakt

Doggerland. Fehltritt
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Es ist der Morgen nach dem großen Austernfest. Kommissarin Karen Eiken Hornby, Ende 40, wacht betrunken neben ihrem arroganten Chef in einem Hotelzimmer auf. Etwa zur gleichen Zeit wird eine Frau ...

INHALT
Es ist der Morgen nach dem großen Austernfest. Kommissarin Karen Eiken Hornby, Ende 40, wacht betrunken neben ihrem arroganten Chef in einem Hotelzimmer auf. Etwa zur gleichen Zeit wird eine Frau brutal in ihrem Haus erschlagen. Das Opfer ist ausgerechnet die Ex-Frau des Mannes, mit dem Hornby gerade die Nacht verbracht hat. Ihr Chef kann den Fall nicht übernehmen, da er zu den potentiellen Verdächtigen gehört. Hornby wittert eine große Chance – sie soll den Fall übernehmen und kann endlich zeigen, dass sie mehr drauf hat. Zuvor muss sie jedoch noch ein anderes Alibi für ihren Chef finden. Hornby beginnt zu suchen. Das Mordopfer kam in einem Kollektiv zur Welt. Nahm dort das Unheil seinen Anfang? An der rauen Küste Doggerlands deckt Karen Eiken Hornby eine alte Lüge auf, die das ganze Land erschüttern wird.
(Quelle: Klappentext List Verlag)
MEINE MEINUNG
„Doggerland: Fehltritt“ von der schwedischen Debüt-Autorin Maria Adolfsson ist der gelungene Auftakt einer geplanten Krimi-Trilogie rund um die sympathische Hauptfigur Kommissarin Karen Eiken Hornby. Angesiedelt ist der Krimi interessanterweise auf der fiktiven, aus 3 Inseln bestehenden Inselgruppe Doggerland vor der dänischen Küste und mit der Hauptstadt Dunker. Die Autorin kann mit einem faszinierenden, äußerst stimmigen Setting überzeugen - typisch für einen skandinavischen Krimi fehlt es nicht an bildhaften Beschreibungen der rauen Landschaft und klimatischen Eigenheiten, düsterer Atmosphäre sowie tollen eigenwilligen, authentischen Figuren.
Trotz des auf den ersten Blick wenig spektakulären Falls ist Adolfsson ein unterhaltsamer, sehr lebendig und anschaulich geschriebener Krimi gelungen, der zwar sehr langsam in Schwung kommt, aber mit immer neuen Verwicklungen und Wendungen zum Ende hin unglaublich packend wird. Besonders fesseln konnte mich die gut beschriebene Ermittlungsarbeit im clever konstruierten Fall und den schrittweisen Enthüllungen von Karens bedrückender Hintergrundgeschichte, die mich sehr für ihre Figur eingenommen hat. Karen ist ein vielschichtiger, sympathischer Charakter mit Ecken und Kanten, die in ihre Heimat Doggerland zurückgekehrt ist, um ihre traumatische Vergangenheit mit Arbeit, Alkohol und Affären zu verdrängen. Die mit den schwierigen Mordermittlungen betraute Kriminalinspektorin steht vor keiner leichten Aufgabe, denn sie hat neben problematischen Interaktionen innerhalb ihres Ermittler-Teams und auch mit offenen Anfeindungen durch ihre Vorgesetzten zu kämpfen. Interessant ist es, wie Karen trotz aller Widerstände und im Sande verlaufender Nachforschungen ihrem Bauchgefühl vertraut und unbeirrt ihre heiße Spur weiterverfolgt. Während die Hauptfigur sehr plastisch und lebensnah ausgearbeitet ist und ihre Handlungen für mich weitgehend nachvollziehbar waren, empfand ich leider einige der Nebenfiguren aus ihrem Team etwas eindimensional und farblos. Die kurzen eingeschobenen Rückblenden in die 1970ger Jahre, die das Leben einer alternativen Kommune auf Doggerland beschreiben, liefern genug Stoff zum Spekulieren und Miträtseln und lassen gewisse Bezüge zum Fall erkennen. Die vielen verschiedenen Figuren und ihre Geheimnisse sorgen dafür, dass der Spannungsbogen immer weiter angezogen wird. Zum Ende hin lässt die Autorin geschickt ihre Handlungsstränge zusammenlaufen und präsentiert uns nach einer äußerst überraschenden Wendung eine schlüssige Auflösung des Mordfalls. Der noch nicht aufgelöste Kriminalfall aus der Nebenhandlung und der vielversprechende Ausklang des Krimis lassen auf eine baldige Fortsetzung der Krimi-Trilogie auf Doggerland hoffen.
FAZIT
Ein vielversprechender Auftakt einer neuen skandinavischen Krimi-Trilogie um die interessante Kriminalinspektorin Karen Eiken Hornby – trotz fiktivem Schauplatz und anfangs wenig spektakulärem Mordfall ein solider, unterhaltsamer Krimi mit einer clever konstruierten Handlung, die immer mehr an Fahrt aufnimmt!