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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.09.2025

Ruhig, aber etwas langatmig

Spät am Tag
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„Spät am Tag“ erzählt die Geschichte der Schriftstellerin Johanne, die nach dem Tod ihres Mannes beginnt, einzelne Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit aufzuschreiben. Ausgangspunkt ist ihre Ankunft als ...

„Spät am Tag“ erzählt die Geschichte der Schriftstellerin Johanne, die nach dem Tod ihres Mannes beginnt, einzelne Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit aufzuschreiben. Ausgangspunkt ist ihre Ankunft als junge Frau in einem weißen Haus auf dem Land. Dort entwickelt sich langsam eine Beziehung zu Mikael, die sie über viele Jahre begleiten wird – samt seiner Ex-Frau, seiner Tochter und der rauen Landschaft, die schließlich auch für Johanne Heimat wird. Jahre später blickt sie allein auf ihr Leben zurück und versucht, die Fäden zwischen Liebe, Verlust und Vergänglichkeit nachzuzeichnen.

Obwohl das Buch mit seiner Kürze zunächst wie eine schnell gelesene Erzählung wirkt, empfand ich es beim Lesen erstaunlich langatmig. Die Handlung fließt weniger als zusammenhängende Geschichte, sondern besteht eher aus einzelnen Episoden und Momentaufnahmen, die manchmal etwas spröde wirken. Die Sprache ist durchaus feinfühlig, aber die Spannung fehlte mir. Insgesamt ein ruhiges, melancholisches Buch, das eher zum Nachdenken anregt, mich aber emotional nicht richtig gepackt hat.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Clevere Satire mi zu viel "Nichts"

Dr. No
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Percival Everett legt mit "Dr. No" eine clevere Satire im Gewand eines Spionagethrillers vor, die James Bond & Co. augenzwinkernd aufs Korn nimmt. Im Zentrum steht Dr. No, Mathematikprofessor an der Brown ...

Percival Everett legt mit "Dr. No" eine clevere Satire im Gewand eines Spionagethrillers vor, die James Bond & Co. augenzwinkernd aufs Korn nimmt. Im Zentrum steht Dr. No, Mathematikprofessor an der Brown University und ausgewiesener Experte für das „Nichts“. Genau dieses Fachgebiet macht ihn zum idealen Gegenspieler des schwarzen Milliardärs John Sill, der das ultimative Ziel verfolgt: den in Fort Knox verwahrten Schuhkarton zu erbeuten, in dem sich angeblich „nichts“ befindet – und damit die Weltherrschaft an sich zu reißen. Hinter diesem irrwitzigen Plot verbirgt sich eine bissige Auseinandersetzung mit Macht, Rassismus und kulturellen Mythen in den USA.

Everetts Sprache ist präzise, pointiert und voller Witz, was beim Lesen immer wieder für Schmunzeln sorgt. Auch die philosophischen Exkurse über das „Nichts“ sind zunächst originell und unterhaltsam. Auf Dauer hat mich dieses Spiel mit Abstraktionen jedoch eher ermüdet, sodass die Geschichte mich trotz aller sprachlichen Brillanz nie ganz gepackt hat.

Fazit: Eine sprachlich gekonnte, humorvolle Satire mit einem originellen Plot, die mich aber nicht vollkommen in ihren Bann ziehen konnte.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

zum dritten Mal großartig

Erebos 3
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Ich liebe Erebos und normalerweise ist es so, dass mich solche Reihen irgendwann enttäuschen und die Folgebände schwächer werden, nicht aber bei Erebos! Ursula Poznanski ist einfach eine Meisterin der ...

Ich liebe Erebos und normalerweise ist es so, dass mich solche Reihen irgendwann enttäuschen und die Folgebände schwächer werden, nicht aber bei Erebos! Ursula Poznanski ist einfach eine Meisterin der Spannung. Ich habe auch Teil 3 wieder in vollen Zügen genossen.

Wieder begleiten wir Nick Dunmore, der eigentlich nicht mehr an Erebos teilnehmen möchte, doch das Spiel bringt ihn dazu, trotzdem wieder das Spiel auf seinem Computer zum Leben zu erwecken. Ich hätte nicht erwartet, dass dies wieder am PC passieren würde, aber es ist spannend wie immer. Sarius taucht wieder in die Welt ein und auch Nicks Freund Victor ist wieder mit seinem Charakter dabei. Victor habe ich sowieso seit Teil 1 bereits ins Herz geschlossen, weil er so eine coole Sammlung an Teetassen hat. Auf was das Spiel es diesmal abgesehen hat, ist ein hochaktuelles Thema und ich habe selbst ein wenig Angst bekommen, wie realistisch das Ganze doch ist.

Ein wenig schade fand ich, dass Emily in diesem Teil nur am Rande auftaucht. Sie war immer ein richtig toller Charakter und fehlt zwar nicht in der Geschichte, aber hätte durchaus eine bedeutendere Rolle bekommen können. Das ist aber auch mein einziger winziger Kritikpunkt.

Auch mit dem Cover ist dem Loewe Verlag wieder ein richtig tolles Design gelungen. Ich liebe die Farbkombi aus schwarz und pink

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Veröffentlicht am 05.08.2025

interessante Charaktere

Wohin du auch gehst
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„Wohin du auch gehst“ ist kein Roman, der mit großen Knalleffekten aufwartet – und doch hat er mich auf seine stille, eindringliche Art beeindruckt. Schon weil ich vorher wenig über den Kongo ...

„Wohin du auch gehst“ ist kein Roman, der mit großen Knalleffekten aufwartet – und doch hat er mich auf seine stille, eindringliche Art beeindruckt. Schon weil ich vorher wenig über den Kongo wusste, war der Blick auf diese Welt spannend, aber mindestens genauso faszinierend fand ich die starken, emanzipierten Frauenfiguren, die diese Geschichte tragen.

Bijoux wird nach Unruhen in Kinshasa nach London geschickt – zu einer Tante, die streng gläubig ist und selbst ein Leben voller ungelöster Fragen mit sich trägt. Während Bijoux in der Fremde zum ersten Mal die Liebe entdeckt – zu einer Frau –, versucht sie, sich selbst zu finden, ohne zu wissen, dass auch ihre Tante eine schmerzhafte Vergangenheit und ein großes Geheimnis mit sich herumschleppt.

Der Roman lebt weniger von Handlung als von Atmosphäre, inneren Konflikten und den leisen Spannungen zwischen den Figuren. Manchmal hatte ich das Gefühl, er plätschert fast beiläufig dahin, aber gerade das passte gut: das Unaufgeregte, das Reflektierende, das dennoch immer neugierig macht, wie es weitergeht. Wer große Dramen oder Action sucht, ist hier falsch – aber wer sich für Identität, Migration, queeres Erwachsenwerden und Generationenfragen interessiert, findet hier ein feinsinniges, kluges Buch.

Der Diogenes Verlag hat auch hier wieder ein Händchen für besondere Geschichten bewiesen. Kein Pageturner, aber ein lesenswertes, bewegendes Buch. Vier verdiente Sterne.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Die drei ??? im Erwachsenenalter

Die Auferstehung
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Ich liebe die drei ??? seit meiner Kindheit. Ich habe stundenlang ihre Fälle gehört und gelesen. Auch Andreas Eschbachs Bücher liebe ich sehr. Diese Mischung musste einfach wie für mich gemacht sein und ...

Ich liebe die drei ??? seit meiner Kindheit. Ich habe stundenlang ihre Fälle gehört und gelesen. Auch Andreas Eschbachs Bücher liebe ich sehr. Diese Mischung musste einfach wie für mich gemacht sein und ich habe Recht behalten.

Andreas Eschbach lässt die drei ??? im Erwachsenenalter wieder aufeinander treffen. Alle haben ihr Leben weitergelebt und sich mehr oder weniger aus den Augen verloren. Dann kommt ein interessanter Fall. Eine junge Frau ist vor vielen Jahren im brasilianischen Regenwald verschwunden und taucht plötzlich wieder auf. Eine Frau hat eine Karte der drei ??? aufbewahrt und kommt auf den Schrottplatz, um Justus Jonas mit dem Fall zu beauftragen.

Es ist sehr spannend, Andreas Eschbachs Ideen zu lesen, was aus den drei ??? im Erwachsenenalter geworden ist. Bei keinem der drei hätte ich mir das jedoch so vorgestellt. Das macht es einerseits umso interessanter, diesen Roman zu lesen, andererseits fragt man sich auch, wieso genau diese Wege eingeschlagen wurden. Der Fall war für mich hier eher nebensächlich. Ich fand das Weiterleben der drei Detektive eigentlich viel spannender, die mich die ganze Kindheit begleitet haben. Große Empfehlung!

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