»Dieses Buch ist der Abschluss eines Familienfreskos, das vor zehn Jahren mit ›Das Ende von Eddy‹ begonnen hat.« ÉDOUARD LOUIS
Die Geschichte von Louis’ Bruder ist die eines ständig scheiternden Träumers: In der Arbeitswelt ohne Aussicht, wünscht er sich ein größeres Leben. Eines, in dem er Kathedralen restauriert, die Welt bereist und die Liebe seines Vaters verdient. Doch nichts davon lässt seine Wirklichkeit zu, er versinkt in Alkohol- und Spielsucht und bleibt ein tragischer Phantast. Dieses Buch ist ein schonungsloses und doch zartes Porträt des Bruders, der in berührenden Szenen immer wieder versucht, dem jüngeren Édouard einen anderen Weg ins Leben zu weisen als den eigenen.
»Frankreichs größte literarische Sensation.« The New York Times
»Es hat eine enorme aufpeitschende Kraft, wie Édouard Louis sein Leben reflektiert.« Edgar Selge
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Èdouard Louis versucht, das Leben seines früh verstorbenen Bruders nachzuvollziehen. Er hatte große Pläne, ist aber immer wieder in der harten Wirklichkeit gelandet, bis hin zur Alkohol- und Spielsucht. ...
Èdouard Louis versucht, das Leben seines früh verstorbenen Bruders nachzuvollziehen. Er hatte große Pläne, ist aber immer wieder in der harten Wirklichkeit gelandet, bis hin zur Alkohol- und Spielsucht.
Das Buch lehnt sich an eine Reihe von Édouard Louis an, die ich allerdings nicht kenne. Dennoch kann man sich auch ohne weitere Vorkenntnisse gut in dieser Geschichte zurechtfinden. Eddys älterer Bruder hatte schon immer einen schweren Stand in der Familie und rutschte immer weiter ab, bis er frühzeitig verstarb. In Rückblicken, sowohl den eigenen wie auch anderer Personen aus der Umwelt des Bruders, versucht der Autor dessen Leben nachzuvollziehen. Diese Berichte sind schonungslos offen, hier stellt sich der Autor auch immer wieder der Frage, wie er selbst zu seinem Bruder stand und warum er keine Emotion ihm gegenüber fühlte. Das schmerzte sicher nicht nur beim Schreiben, das schmerzt auch beim Lesen. Zurück bleibt der Leser mit einer Menge eigener Gedanken zum Umgang mit seinen Mitmenschen und letztendlich der Frage: Kann das auch in meinem Umfeld geschehen?
Diese schonungslos geschriebene Geschichte des Absturzes eines jungen Lebens ist nicht einfach zu lesen. Dennoch empfehle ich sie unbedingt weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.
"Der Absturz" von Édouard Louis bildet den Abschluss seiner dreiteiligen Reihe. Das Buch fokussiert sich auf das Leben und den frühen Tod seines Bruders und ist völlig unabhängig von den Vorgängerbänden ...
"Der Absturz" von Édouard Louis bildet den Abschluss seiner dreiteiligen Reihe. Das Buch fokussiert sich auf das Leben und den frühen Tod seines Bruders und ist völlig unabhängig von den Vorgängerbänden lesbar – Vorkenntnisse sind nicht nötig. Die Qualität von Louis' Schreiben hat mich jedoch neugierig auf seine anderen Werke gemacht. Er hat eine außergewöhnliche sprachliche Begabung, findet derart präzise und eindringliche Formulierungen, dass man sie oft mehrmals lesen möchte.
Als sein Bruder stirbt, hatten die beiden seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr, was Louis weder bedauert noch betrauert. Weil ihm diese emotionslose Haltung selbst seltsam erscheint, beginnt er, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Er fragt: Wie wurde sein Bruder zu dem, was er war? Wer trägt die Schuld? Hätte er selbst etwas ändern können? Und vor allem: Wo genau kippte das Leben ins Negative?
Louis beleuchtet die Familiengeschichte schonungslos und offen. Er sammelt Erinnerungen, Fakten und Interpretationen durch die Berichte von Freunden, Freundinnen und eigenen Rückblicken. Er beschreibt eine Abwärtsspirale aus Enttäuschungen, Sucht, Alkoholismus und Gewalt. Nichts wird beschönigt, niemand wird freigesprochen. Das Ende eines jungen, vielversprechenden Lebens schmerzt bereits beim Lesen.
Obwohl der Autor eine gewisse emotionale Distanz hält, ist man als Leser ganz nah am Geschehen. Die schonungslose Aufarbeitung des Themas und der herausragende Schreibstil machen dieses schmerzhafte, aber wichtige Buch zu einer tief nachdenklich machenden Lektüre.
Edouard Louis hat schon mehrere Bücher über seine Familie geschrieben, aber für mich ist es das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe. Es ist ein erschütternder, schonungsloser Bericht über ...
Edouard Louis hat schon mehrere Bücher über seine Familie geschrieben, aber für mich ist es das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe. Es ist ein erschütternder, schonungsloser Bericht über seinen Bruder, dessen exzessives Leben nur noch aus Gewalt, Sex und Alkohol bestanden hat. Edouard hat immer wieder mit anhören und ansehen müssen wie sein Bruder versuchte, mit hochfliegenden Plänen die Anerkennung in seiner Familie zu erlangen, die ihm seiner Meinung nach zustand, aber nie bekommen hat. Alle seine Pläne scheiterten letztendlich an seinem zerstörerischen Lebensstil.
Edouard Louis stellt auch immer wieder fest, dass er seinen Bruder nicht geliebt hat. Und man kann es ihm auch nicht verdenken, weil er bereits als Kind immer wieder Zeuge seiner Gewaltbereitschaft wurde. Die Berichte von ehemaligen Freunden und Freundinnen seines Bruders, dass dieser auch eine ganz andere, nämlich sehr freundliche und liebevolle Seite hatte, versetzte Edouard in Erstaunen. Selbst, wenn diese freundliche Seite zu Beginn eines Treffens mit seinem Bruder da war, wurde diese immer wieder in kürzester Zeit durch seinen unkontrollierten Alkoholkonsum zunichte gemacht.
Fazit: Dies ist ein erschütternder Bericht über einen Menschen, dem vermutlich bereits in der Kindheit der Halt in der Familie verwehrt wurde, den er so bitter nötig gehabt hätte. Ob das allein der Auslöser für sein verkorkstes Leben war, ist nicht mehr feststellbar.
Ein lesenswertes Buch, dass die Leserschaft nachdenklich zurücklässt.
Ein Leben, das taumelt – zwischen Hoffnung, Scham und dem verzweifelten Wunsch, gesehen zu werden. Édouard Louis erzählt in Der Absturz nicht nur von seinem Bruder, sondern von einem ganzen Milieu, das ...
Ein Leben, das taumelt – zwischen Hoffnung, Scham und dem verzweifelten Wunsch, gesehen zu werden. Édouard Louis erzählt in Der Absturz nicht nur von seinem Bruder, sondern von einem ganzen Milieu, das vom System übersehen wird. Jede Seite ist durchdrungen von Schmerz, Zärtlichkeit und einer scharfen Beobachtungsgabe, die nichts beschönigt und doch tief mitfühlen lässt.
Wie Louis die innere Zerrissenheit seines Bruders beschreibt, hat mich erschüttert. Dieser Mann, gefangen zwischen Stolz und Versagen, sucht Liebe, wo nur Ablehnung wartet. Sein Fall ist kein plötzlicher Sturz, sondern ein langsames Gleiten in die Leere – getragen von verlorenen Träumen, Alkohol und der bitteren Erkenntnis, dass der Aufstieg aus der Armut fast unmöglich ist.
Gleichzeitig ist das Buch eine Liebeserklärung an das Erzählen selbst. Louis schreibt mit einer Wucht, die schmerzt, aber auch heilend wirkt, weil sie die Wahrheit nicht scheut. Zwischen den Zeilen leuchtet die Trauer über eine Familie, die von der Welt zermürbt wurde, und die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Ein stiller, aber ungeheuer intensiver Abschluss seines autobiografischen Zyklus – ehrlich, roh, poetisch.
Édouard hatte seinen Bruder fast zehn Jahre nicht mehr gesehen. Als er von seinem Tod erfuhr, nahm er die Nachricht auf wie einen Wetterbericht. Seine Mutter hatte immer einmal vorsichtig insistiert: „Gib ...
Édouard hatte seinen Bruder fast zehn Jahre nicht mehr gesehen. Als er von seinem Tod erfuhr, nahm er die Nachricht auf wie einen Wetterbericht. Seine Mutter hatte immer einmal vorsichtig insistiert: „Gib ihm doch noch eine Chance“. Édouard wollte nicht.
Damals kehrte der Bruder mit Anfang zwanzig nach Hause zurück. Er hatte sich Monate nicht blicken lassen. Dann stand er zur Essenszeit im Wohnzimmer und hielt ein Papier in der Hand. Er habe endlich was gefunden, werde einen neuen Beruf erlernen. Ein Metzger mit eigener Metzgerei habe ihn auf Anhieb gemocht und ihm eine Stelle angeboten. Jetzt also werde er einen Beruf erlernen, für den man sehr spezielle Kenntnisse brauche. Die Leute würden von weit hergereist kommen, um in den Genuss seiner Fleischwaren zu kommen.
Er hatte immer von Ruhm geträumt. Die Diskrepanz aus Wunschvorstellung und Realität waren die Begrenzungen aus Armut und Chancenlosigkeit, eben das, was ihn unglücklich machte. Bei Édouards Vater galt er als Versager, weil er arbeitslos war, sich prügelte und Drogen nahm, aber dieses Bild gedachte er jetzt zu ändern. Sein eigener Vater war der erste Mann ihrer Mutter. Er trank und schlug, die Mutter ließ sich scheiden und heiratete Édouards Vater. Der Vater des Bruders gründete eine neue Familie und wollte von seinem Sohn nichts mehr wissen. Dieses Gefühl, es nicht wert zu sein, arbeitete in ihm und im Laufe seines Lebens fand er immer neuen Brennstoff, um diese Wunde zu befeuern. Mit achtunddreißig war er ausgebrannt, seine Freundin fand ihn leblos in ihrer Wohnung.
Fazit: Édouard Louis ist den Lebensspuren seines Bruders gefolgt, mit dem Wunsch, sich ihm anzunähern. Er macht keinen Hehl daraus, dass er den Älteren gehasst hat und zeigt mehrere Szenen, die seine Abneigung verständlich machen. Dennoch versucht er herauszufinden, warum ihn sein Tod nicht bewegen konnte. Es entsteht das Bild eines Menschen, der ein Kindheitstrauma nicht überwinden konnte, keinerlei Hilfe erhielt und auf ganzer Linie versagte. Der Autor befragt Ex-Freundinnen, die wahlweise über seine Grausamkeiten sprachen, wenn er getrunken hatte und von einem liebevollen, gutmütigen, hilfsbereiten Mann, wenn er nüchtern war. Die dysfunktionale Familiensituation (Vater prügelt Mutter), die spätere Peergroup (Diebstahl, Drogen), hat den ehemals ruhigen Jungen, der wenige Auffälligkeiten gezeigt hatte, menschlich entarten lassen, ihn misogyn, homophob, gewalttätig und kriminell werden und voll in die Fußstapfen des Vaters treten lassen. Die ganze Geschichte hat mich tief ergriffen, weil der Autor so gut Szenen wiedergibt, mich mitreißt und fesselt. Ganz sicher aber auch, weil ich vieles davon kenne, selbst mit einer Mutter aufgewachsen bin, die ihre Tochter nicht schützen konnte, die eben auch aus einer dysfunktionalen Familie stammt und den Teufelskreis nicht durchbrechen konnte. Mir ist dieses ganze Drama aus Demütigung, Gewalt, das Gefühl der Wertlosigkeit und Abhängigkeit absolut bekannt. Édouard Louis hat dafür die treffenden Worte gefunden. Nach „Das Ende von Eddy“ und „Die Freiheit einer Frau“ fand ich diese Geschichte am stärksten aber lest selbst.