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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2026

Starkes Debüt

Keine Sorge alles gut
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Ich weiß, es ist vielleicht oberflächlich - aber dieses Cover! 😍 Schöner geht es wirklich kaum.

'Keine Sorge alles gut' ist der Debütroman von Malwina Ledniowska - und man spürt auf jeder Seite, dass ...

Ich weiß, es ist vielleicht oberflächlich - aber dieses Cover! 😍 Schöner geht es wirklich kaum.

'Keine Sorge alles gut' ist der Debütroman von Malwina Ledniowska - und man spürt auf jeder Seite, dass hier jemand schreibt, der weiß, wovon er erzählt. Kein Wunder: Die Autorin hat selbst als Pflegekraft in der Psychiatrie gearbeitet. Diese persönlich Erfahrung verleiht dem Roman eine beeindruckende Authentizität.

Wir begleiten Romi Weber durch eine einzige Nachtschicht auf einer unterbesetzten Akutstation einer psychiatrischen Klinik - und erleben den "ganz normalen Wahnsinn" hautnah mit. Personalmangel, Überforderung, Verantwortung: all das schwingt in jeder Szene mit. Besonders schwer lastet auf Romi der Suizid einer Patientin, zu der sie einen engen Draht hatte. Kurz zuvor hatte diese noch um ein Gespräch gebeten - doch Romi hatte keine Zeit. Ein Gedanke, der sie nicht loslässt.

Dieses schmale Buch erzählt eine einzige Nacht - intensiv, atemlos und beinahe wie ein Theaterstück inszeniert. Der gehetzte, drängende Schreibstil überträgt sich unmittelbar auf die Lesenr*innen. Ich habe beim Lesen gemerkt, wie ich selbst immer schneller wurde und mich bewusst bremsen musste.

Sehr authentisch, stellenweise bewusst verwirrend und getragen von einer permanenten Getriebenheit, fliegt man durch diese eindringliche Erzählung. Ein eindrucksvolles Debüt, das nachhallt.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Was ist Heimat

Trag das Feuer weiter
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Eine so eindrucksvolle Familientrilogie - sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen in ihren Bann gezogen.
Erst als ich 'Trag das Feuer weiter' in den Händen hielt, bemerkte ich, dass ...

Eine so eindrucksvolle Familientrilogie - sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen in ihren Bann gezogen.
Erst als ich 'Trag das Feuer weiter' in den Händen hielt, bemerkte ich, dass es sich um den dritten Band handelt. Deshalb habe ich zuvor die beiden ersten Teile, 'Das Land der Anderen' und anschließend 'Schaut, wie wir tanzen' als Hörbuch gehört - und das war genau die richtige Entscheidung. Die gesamte Familiengeschichte zu kennen, verleiht dem dritten Band noch einmal eine ganz andere Tiefe und ein intensiveres Verständnis für die Figuren.

Leïla Slimani beginnt ihre marrokanisch-französischen Familienchronik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die abenteuerlustige und leidenschaftlich Elsässerin Mathilde verliebt sich in den marrokanischen Offizier Amine und folgt ihm in seine Heimat. Dort ist sie die Fremde - konfrontiert mit einer anderen Mentalität, schwierigen Lebensumständen und einem traditionellen Frauenbild, mit dem sie erst umgehen lernen muss. Ich mochte Mathilde sehr: sie ist stark, lebensfroh und unangepasst. Bis zum Ende der Trilogie bleibt sie meine absolute Lieblingsfigur.

Der zweite Band spielt in den 1960er- und 1970er- Jahren. Wir begleiten Aïcha, die Tochter von Mathilde und Amine, nach ihrem Medizinstudium: wie sie lebt, liebt und und sich beruflich Respekt verschafft. Gleichzeitig zeichnet der Roman ein eindrucksvolles Bild des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in Marroko. Aïchas Bruder Selim hingegen zerbricht am Druck seines Vaters und an den Erwartungen, die auf ihm lasten - auch das wird sehr bewegend geschildert.

Im dritten Teil treten Mathilde und Amine leider etwas in den Hintergrund, was ich persönlich schade fand, ohne das es die Qualität des Romans mindert. Nun steht die dritte Generation im Mittelpunkt: Aïchas und Mehdis Töchter Mia und Inès Ringen mit ihren eigenen Herausforderungen. Vieles ähnelt den Konflikten der vorherigen Generationen - und ist doch ganz anders. Auch diese jungen Frauen haben mein Herz erobert. Ebenso Selma, Amines Schwester: Als schönes, aber eingeengtes junges Mädchen geboren, kämpft sie unbeirrbar für ihre Unabhängigkeit. Trotz schwerer Schicksalsschläge bleibt sie aufmüpfig und stark.

Die Trilogie basiert auf der eigenen Familiengeschichte Slimanis, was den Romanen eine besondere Authentizität verleiht. Alles wirkt glaubwürdig und lebendig, die Figuren erscheinen nahbar und echt. Zudem ist die kulturelle Dimension äußerst spannend und bereichernd. Ich habe alle drei Bände sehr genossen.

Hervorragend gesprochen von Wiebke Puls, sensibel und flüssig übersetzt von Amelie Thoma - und großartig geschrieben von Leïla Slimani.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Im Meer waren wir nie

Im Meer waren wir nie
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Ein besonderes, etwas "anderes" Buch: 'Im Meer waren wir nie' von Meral Kureyshi hat mich vor allem nach dem Lesen beschäftigt. Während der Lektüre selbst fühlte ich mich nicht überfordert - vielmehr stellt ...

Ein besonderes, etwas "anderes" Buch: 'Im Meer waren wir nie' von Meral Kureyshi hat mich vor allem nach dem Lesen beschäftigt. Während der Lektüre selbst fühlte ich mich nicht überfordert - vielmehr stellt sich mir die Frage: Was genau bleibt? Und mochte ich dieses Buch nun oder nicht?

Wir begleiten eine namenlose Ich-Erzählerin in einer Phase des Aufbruchs, irgendwo zwischen Selbstverwirklichung und Verantwortung. Sie kümmert sich um Lili, die nach dem Umzug mit ihrem pflegebedürftigen Mannes in ein Heim und seinem Tod dringend Nähe und Gesellschaft braucht. Ganz fremd sind sich die beiden jedoch nicht: Lilis Enkelin Sophie ist die beste Freundin der Erzählerin, und gemeinsam ziehen sie Sophies Sohn Eric groß.
Zudem verbindet die Erzählerin und Lili die Erinnerung an den Verlust einer großen, vielleicht sogar der ersten großen Liebe.

Vieles bleibt bewusst unausgesprochen und lässt Raum für eigene Gedanken und Interpretationen. Eine klassische Handlung steht dabei weniger im Vordergrund. Stattdessen lebt der Roman von Momentaufnahmen und den Emotionen, die sie tragen. Er erzählt von besonderen Frauenfreundschaften, Wahlfamilien, Fürsorge, Erinnerungen und Abschieden.

Der Schreibstil ist reduziert, melancholisch und poetisch - voller schöner, leiser Sätze. Ich verstehe gut, warum viele Leserinnen und Leser diesen Roman lieben oder lieben werden. Für mich persönlich jedoch steht meist die Handlung stärker im Mittelpunkt, und ich bevorzuge eine weniger poetische Erzählweise. Deshalb war dieses Buch nicht ganz meines.

Vielleicht fiel mir diese Rezension gerade deshalb so schwer: Sie kann dem Roman kaum gerecht werden und spiegelt vor allem meinen persönlichen Geschmack wider. Am besten ist es, selbst hineinzulesen- und wenn euch dieses Buch anspricht, euch von ihm tragen zu lassen.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Zwischen Mutterschaft und Kinderwunsch

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Wow, was für eine rasante Geschichte. Mein Fazit vorweg: Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.

Ein Urlaub, zwei Paare und vier völlig unterschiedliche Charaktere - das ist von Beginn an perfekter Stoff ...

Wow, was für eine rasante Geschichte. Mein Fazit vorweg: Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.

Ein Urlaub, zwei Paare und vier völlig unterschiedliche Charaktere - das ist von Beginn an perfekter Stoff für eine explosive Handlung. Da sind Eva und Felix: Er ist erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst, sie jung, schön und fruchtbar. Dem gegenüber stehen Linn und Matze: Er ist freundlich, angepasst und Felix' bester Freund, sie unangepasst und unfruchtbar.
Linn steckt mitten in einer Kinderwunschbehandlung, und ich fand es großartig - und wichtig -, so eindrücklich zu erleben, wie belastend und fordernd dieser Prozess für Körper und Seele sein kann.

Während des gemeinsamen Urlaubs wird Linn ständig mit der jungen Zweifachmutter Eva konfrontiert und ist zugleich fasziniert von ihr. Als Evas perfekte Fassade zu bröckeln beginnt und eine überforderte junge Frau zum Vorschein kommt, die alles andere als makellos ist, entwickelt sich zwischen den beiden eine besondere Verbundenheit. Die Männer hingegen nehmen von den emotionalen Spannungen zwischen den Frauen kaum etwas wahr. Sie sind seit jeher beste Freunde, und jeder kennt seinen festen Platz in dieser Beziehung: Felix gibt den Ton an, Matze folgt. In einem Rückblick erfahren wir, dass sich dieses Machtgefüge einst einmal verschoben hatte - ein Aspekt, den ich sehr spannend fand. Insgesamt stehen die beiden Männer jedoch weniger im Mittelpunkt der Geschichte.

Der Roman lebt vor allem von Eva und Linn. Ich mochte beide Figuren sehr und hatte beim Lesen mehr als einmal einen Kloß im Hals. Die Themen Mutterschaft, gewollte und ungewollte Schwangerschaft sowie das Spannungsfeld zwischen "zu viel" und "zu wenig" Muttersein stehen im Zentrum - ungeschönte, ehrliche und berührend erzählt. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

'Es ist hell und draußen dreht sich die Welt' von Dita Zipfel hat mich wirklich überzeugt. Erwähnen möchte ich auch die Reinigungskraft der Anlage: An ihr zeigt sich eindrucksvoll der Unterschied zwischen bloßem Sich-wichtig-Machen und echter Macht - eine sehr gelungene Idee.

Mein einziger Kritikpunkt betrifft das Ende. Dort geschieht etwas, das ich bis heute nicht ganz einordnen kann; der Zusammenhang zur restlichen Geschichte blieb mir unklar. Trotzdem war der Roman zuvor so stark, dass ich ihn uneingeschränkt empfehlen möchte. Greift zu - es ist ein wirklich lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Frauen erzählen

MEIN SEX
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Ich muss es gleich zu Beginn gestehen: Das Cover hat mich sofort gecatcht - dafür gibt es schon einmal die volle Punktzahl. 😏
Auch inhaltlich geht es im Buch direkt zur Sache. 17 Frauen erzählen offen ...

Ich muss es gleich zu Beginn gestehen: Das Cover hat mich sofort gecatcht - dafür gibt es schon einmal die volle Punktzahl. 😏
Auch inhaltlich geht es im Buch direkt zur Sache. 17 Frauen erzählen offen und ehrlich von ihren Beziehungen und ihrer Sexualität und davon, wie sich diese im Laufe ihres Lebens verändert haben - im Positiven wie im Negativen.

Das Thema ist auf jeden Fall spannend. Mit manchen Geschichten kann man sich gut identifizieren, mit anderen weniger. Die persönlichen Einblicke liefern Denkanstöße und wirken stellenweise auch beruhigend. Zwischendurch lockern kurze, informative Experteninterviews das Ganze auf.

Mich persönlich konnte 'Mein Sex - Frauen erzählen' von Nadia Fernández und Monica Bürki jedoch nicht ganz so fesseln wie erhofft. Viele der Erzählungen ähnelten sich für mein Empfinden, vielleicht auch, weil man im eigenen Leben schon einiges erlebt oder mitbekommen hat. Durch die vielen abgeschlossenen Einzelgeschichten liest sich das Buch zwar kurzweilig, für mich ist es aber kein absolutes Muss. Wie immer gilt: Wer neugierig ist, sollte sich am besten selbst ein Bild machen.

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