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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2026

Grausam schönes Meer

Unter Wasser
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Wow - genau deshalb liebe ich das Lesen. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und es hat mich völlig mitgerissen und erst wieder losgelassen, als ich die letzte Seite beendet hatte.

Wir befinden ...

Wow - genau deshalb liebe ich das Lesen. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und es hat mich völlig mitgerissen und erst wieder losgelassen, als ich die letzte Seite beendet hatte.

Wir befinden uns im Jahr 2012: Marissa streift durch ein New York, das sich auf einen drohenden Hurrikan vorbereitet. Überall Warnungen - doch sie ist wie so oft in Gedanken versunken. Gedanken, die sie zurückführen zu ihrer Freundschaft mit Arielle, die am 26. Dezember 2004 in Phuket ihr tragisches Ende findet. Die meisten wissen, welches verheerende Ereignis sich hinter diesem Datum verbirgt. Der fürchterliche Tsunami, der so vielen Menschen das Leben nahm.

So schwer dieses Thema auch ist - es dominiert den Roman nicht. Im Gegenteil: Ein Großteil der Geschichte ist von einer beinahe greifbaren Leichtigkeit getragen. Man spürt die Sonne Thailands auf der Haut, taucht mit Arielle und Marissa ins Meer ein und erlebt ihre Freundschaft in all ihren Facetten - intensiv, lebendig und zutiefst berührend.

Mit 'Unter Wasser' ist Tara Menon ein vielschichtiger Roman gelungen, der große Emotionen einfängt, ohne je überladen zu wirken. Die Balance zwischen Schönheit und Schmerz ist fein abgestimmt und wirkt lange nach.
Wer Geschichte über Freundschaft, das Meer und die Tiefe menschlicher Verbindungen liebt - und auch vor melancholischen Momenten nicht zurückschreckt - sollte dieses Buch unbedingt lesen. Absolute Empfehlung.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Drei schräge Vögel für Leo

Pina fällt aus
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Ich habe mich riesig gefreut, als der neue Roman von Vera Zischke angekündigt wurde - 'Ava liebt noch' hat mir damals schon so gut gefallen, und auch die sympathische Art der Autorin mag ich sehr.

Und ...

Ich habe mich riesig gefreut, als der neue Roman von Vera Zischke angekündigt wurde - 'Ava liebt noch' hat mir damals schon so gut gefallen, und auch die sympathische Art der Autorin mag ich sehr.

Und was soll ich sagen: Ich reihe mich definitiv in die begeisterten Stimmen zu 'Pina fällt aus' ein. 💛

Die Geschichte dürfte vielen bekannt sein: Der autistische Leo lebt mit seiner Mutter Pina in der Hansastraße 20 - in seiner ganz eigenen, gut strukturierten Welt. Die beiden sind ein eingespieltes Team, und Pina weiß genau, was Leo braucht, damit es ihm gut geht. Doch wie so oft bei pflegenden Angehörigen bleibt sie selbst dabei auf der Strecke ... bis es zum großen Knall kommt und Pina plötzlich ausfällt.

Auf einmal sind es die so unterschiedlichen Nachbarn, die einspringen:
Inge, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt und eigentlich nur noch auf das Ende wartet.
Zola, wütend, sechzehn und auf der Suche nach sich selbst.
Wojtek, eigenbrötlerisch, verliebt und meist alleine vor seinem PC.

Es läuft nicht alles glatt - ganz im Gegenteil. Aber genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte: im echten, manchmal unbeholfenen, aber ehrlichen Zusammenhalt. Und am Ende profitieren alle voneinander.

Und dann ist da noch Sam, der Intensivpfleger - mein heimlicher Lieblingscharakter. 🫶🏻

Ein wunderbar geschriebener Roman: unterhaltsam, witzig, schonungslos und ehrlich. Er zeigt, was passieren kann, wenn die Kraft nicht mehr reicht und kein stabiles Netz auffängt. Und er macht auch schmerzhaft klar, dass es eben nicht oft eine "Hansastraße 20" gibt ...

Es gäbe so viele kluge und schöne Zitate, die ich hier teilen können - aber ehrlich: Lest das Buch einfach selbst, es lohnt sich. 😉

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Frauen und das Meer

Heldinnen der Meere
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Dies ist mit Abstand das schönste Buch in meinem Regal - eine absolute Augenweide und dazu noch unglaublich hochwertig verarbeitet. Ich habe es tatsächlich mehrmals einfach nur in den Händen gehalten und ...

Dies ist mit Abstand das schönste Buch in meinem Regal - eine absolute Augenweide und dazu noch unglaublich hochwertig verarbeitet. Ich habe es tatsächlich mehrmals einfach nur in den Händen gehalten und bewundert.

Doch nicht nur optisch überzeugt das Buch: Auch inhaltlich kann sich die Sammlung von Erzählungen über insgesamt 16 beeindruckende Frauen mehr als sehen lassen. 'Heldinnen der Meere' von Kerstin Ehmer, illustriert von Astrid und Robert Nippoldt, ist in vier Abschnitte gegliedert - "Am Strand", "Nah der Küste", "Auf hoher See" und "Am Meeresgrund" - und vereint darin ebenso vielfältige wie faszinierende Geschichten.

Nur wenige der porträtierten Frauen waren mir zuvor bekannt, und gerade das machte die Lektüre so spannend. Die Auswahl der Persönlichkeiten ist außergewöhnlich: von Göttinnen über Künstlerinnen bis hin zu Schwimmerinnen, Schriftstellerinnen und vielen mehr.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Pat de Groot, die sich nie um Konventionen scherte, Zoe Lucas, die unermüdlich Müll aus dem Meer katalogisierte, Thurídur Einarsdottir, die sich in einer von Männern dominierten Welt behauptete, sowie Gertrude Ederle, die als erste Frau den Ärmelkanal durchschwamm. Aber eigentlich - wenn ich ehrlich bin - haben mich fast alle Geschichten begeistert. 😃

'Heldinnen der Meere' ist ein unterhaltsames, lehrreiches und zugleich wichtiges Buch - und dabei auch noch außergewöhnlich schön gestaltet. Eine klare Empfehlung für dieses Schmuckstück aus dem Mare Verlag. Und für alle, die das Meer lieben, ist es eigentlich ein absolutes Muss. 😃

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Familiengeschichte mal anders

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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So ungewöhnlich der Titel klingt, so eigenwillig entfalter sich auch dieser Roman: 'Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten' von Anna Maschik entzieht sich klassischen Erzählmustern ...

So ungewöhnlich der Titel klingt, so eigenwillig entfalter sich auch dieser Roman: 'Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten' von Anna Maschik entzieht sich klassischen Erzählmustern und hinterlässt gerade dadurch einen bleibenden Eindruck.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles vollständig - oder überhaupt richtig- verstanden habe. Und doch weiß ich: Diese Lektüre war auf ihre ganz eigene Art äußerst fesselnd und unterhaltsam.

Die Handlung beginnt auf einem Bauernhof an der Nordsee - und kehrt immer wieder dorthin zurück. Über mehrere Generationen hinweg erleben wir ein Kommen und Gehen: Menschen werden geboren, sterben, lieben einander - oder eben auch nicht. Besonders prägnant sind die Frauenfiguren, die in ihrer Unterschiedlichkeit faszinieren und zugleich wiederkehrende Muster erkennen lassen. Es ist, als würden sich bestimmte Lebensentwürfe und Schicksale wiederholen.

Maschiks Erzählweise ist dabei auffallend nüchtern, fast spröde. Immer wieder durchbrechen Listen und Aufzählungen den Fluß der Geschichte - ein zunächst irritierendes, dann aber ungemein wirkungsvolles Stilmittel, das den Blick auf Details schärft und eine gewisse Tiefe erzeugt. Zwischen diesen scheinbar sachlichen Passagen tauchen plötzlich skurrile Ereignisse auf, die Fragen aufwerfen und Raum für eigene Spekulationen lassen. Was genau will die Autorin uns damit sagen? Eine eindeutige Antwort bleibt sie bewusst schuldig - und genau darin liegt ein Teil des Reizes.

Es ist ein Roman, der sich nicht leicht greifen oder zusammenfassen lässt, einer der neugierig macht. Ich habe dieses Unkonventionelle sehr gemocht, auch wenn es mir schwerfällt, den Inhalt zu beschreiben.

Mein Fazit: Am besten selbst lesen, sich darauf einlassen und schauen, was das Buch im eigenen Kopf auslöst. Eine klare Empfehlung für alle, die Freude an ungewöhnlichen Erzählformen haben.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Sind Drei eine zuviel?

Spielverderberin
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"Drittes Rad am Wagen" oder "Drei sind einer zuviel"? 💭
In 'Spielverderberin' zeigt Marie Menke, wie fragil Dreierfreundschaften sein können.

Sophie und Lotte sind in derselben kleinen Ortschaft aufgewachsen ...

"Drittes Rad am Wagen" oder "Drei sind einer zuviel"? 💭
In 'Spielverderberin' zeigt Marie Menke, wie fragil Dreierfreundschaften sein können.

Sophie und Lotte sind in derselben kleinen Ortschaft aufgewachsen und seit Kindheitstagen eng befreundet. In der weiterführenden Schule kommt die aus München stammende Romy dazu - und aus dem vertrauten Zweiergespann wird ein Dreierbündnis, dessen Dynamik sich immer wieder verschiebt. Je nach Situation verändern sich Nähe, Rollen und Zugehörigkeit.

Als Lotte zeitweise schwer greifbar wird, nutzt Sophie die Gelegenheit, ihren Platz neu zu definieren, und setzt alles daran, von Romy als cool wahrgenommen zu werden. Durch die Zeitsprünge wird früh deutlich, dass etwas Einschneidendes passiert ist und Lotte Schaden davongetragen hat. Was genau geschehen ist und welche Rolle die Freundschaft dabei spielt, erschließt sich jedoch erst ganz am Ende. Das sorgt einerseits für Spannung, ließ mich andererseits aber auch gelegentlich ungeduldig werden.

Ich habe das Buch sowohl gelesen als auch gehört - beides funktioniert sehr gut. Die Sprache ist gelungen, auch wenn die Zeitsprünge nicht immer leicht einzuordnen sind. Besonders Lotte hätte mich als Figur noch mehr interessiert: Gerade bei ihr scheint so viel passiert zu sein, doch ihre Gedanken bleiben weitgehend im Verborgenen - das fand ich schade.

Mit Sophie und Romy hingegen bin ich nicht richtig warm geworden. Beide wirken auf mich eher unsympathisch, und echte freundschaftliche Verbundenheit konnte ich kaum spüren. Allerdings passt das durchaus zu den zentralen Themen des Romans: Entfremdung, Schuld, Eifersucht, die Suche nach der eigenen Rolle - und die Frage, ob Freundschaften vielleicht auch ein Ablaufdatum haben.

Insgesamt lässt sich das Buch gut lesen, auch wenn mir der Zugang durch die Figuren etwas erschwert wurde. Die Autorin werde ich dennoch im Auge behalten - ich bin gespannt was noch von ihr kommt. 😃

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