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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2025

Die Bewertung

Standing Ovations
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Das auffällige Cover, das auf eine gewisse Aufmüpfigkeit hinweist, sowie der ansprechende Klappentext haben mich sofort neugierig auf 'Standing Ovations', von der Autorin Charlotte Runcie, gemacht.
Die ...

Das auffällige Cover, das auf eine gewisse Aufmüpfigkeit hinweist, sowie der ansprechende Klappentext haben mich sofort neugierig auf 'Standing Ovations', von der Autorin Charlotte Runcie, gemacht.
Die Handlung spielt beim Fringe Festival in Edinburgh, wo die junge Künstlerin Hayley ihre erste Live-Performance präsentiert.
Der Kritiker Alex Lyons, der seiner Berufsbezeichnung alle Ehre macht, bewertet Hayleys Show äußerst kritisch - sie erhält nur einen Stern.
Das Schicksal nimmt jedoch eine unerwartet Wendung, als die beiden wenige Stunden später im Bett landen, ohne das Hayley ahnt, mit wem sie es zu tun hat.
Alex bleibt dabei auch erstmal passiv und sagt nicht das er in Hayley's Show war.
Es kommt, wie es kommen muss ... Alex fliegt auf und Hayley nimmt Rache und zwar ordentlich.
Sie wirft ihr komplettes Programm über den Haufen und ruft die Kampagne 'Die Sache mit Alex Lyons' ins Leben.
Auf einmal wendet sich das Blatt und der Kritiker gerät plötzlich selbst in die Kritik und erlebt die unangenehmen Seiten der sogenannte "Cancer Culture" hautnah.
Das Buch thematisiert auf eindrucksvolle Weise die Folgen dieses gesellschaftlichen Phänomens.
Während ich natürlich größtenteils auf Hayley Seite stand, wurde mir ihr Racheakt im Verlauf der Geschichte jedoch irgendwann zu viel.
Dieses öffentliche Denunzieren wurde so auf die Spitze getrieben, dass ich irgendwann dachte - jetzt langt es aber bald mal.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Alex' Kollegin Sophie, die ebenfalls mit ihren Gefühlen gegenüber Alex ringt. Der Roman hat mich von Anfang an gut unterhalten und gefesselt, doch in der zweiten Hälfte verlor die Geschichte an Tempo.
Dadurch wurde sie leider etwas langatmig.
Insgesamt bietet das Buch eine interessante Thematik und einen angenehmen Schreibstil, bleibt jedoch, meiner Meinung nach, etwas hinter seinem Potenzial zurück.
Gerade wegen des aktuellen Themas und der sehr guten ersten Hälfte, hatte ich ein paar nette Lesestunden.



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Veröffentlicht am 02.08.2025

Sehr atmosphärisch

Der Krabbenfischer
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Kennt Ihr das, wenn man schon am Anfang eines Buches spürt, dass da wohl nicht die spannendste Geschichte auf einen zukommt, aber dafür ganz viel Atmosphäre?!
So erging es mir bei ,Der Krabbenfischer' ...

Kennt Ihr das, wenn man schon am Anfang eines Buches spürt, dass da wohl nicht die spannendste Geschichte auf einen zukommt, aber dafür ganz viel Atmosphäre?!
So erging es mir bei ,Der Krabbenfischer' von Benjamin Wood.
Der junge, gerade mal 20-jährige Thomas Flett ist Krabbenfischer. Nicht wirklich aus höchster Leidenschaft heraus, sondern weil sein Pop (Großvater) es auch war.
Thomas wirkt von den äußeren Beschreibungen und seiner wortkargen Art her recht grobschlächtig, doch wirkliches Interesse und eine Leidenschaft hat er für die feinen Künste.
Er übt heimlich auf seiner Gitarre, schreibt Texte und erfindet Melodien und liest sehr gerne.
Mit dem harten Job des Krabbenfischens verdient er mehr schlecht als recht den Unterhalt für sich und seine Mutter.
Als eines Tages der Regisseur Edgar Acheson in sein Leben tritt und ihn um Hilfe bei seinem Film bittet, kommt etwas mehr Schwung und Freude in Thomas' Leben.
Edgar ist angetan von der Kargheit Longferrys, und gerade der Strand und das Meer bei Niedrigwasser bieten mit ihrer mystischen Atmosphäre gutes Material für seinen Film.
Die zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verspüren schnell eine freundschaftliche Anziehung zueinander und machen sich bei Niedrigwasser auf - immer auf der Hut vor den gefährlichen Senklöchern.
Dieser Roman lebt für mich durch seine poetische und bildhafte Sprache.
Ich konnte die Kälte spüren, die beschriebenen Gerüche riechen, den warmen Körper des Pferdes spüren.
Zum Schluss hin hat mich das Buch leider verloren.
Ich für meinen Teil mochte diese Wendung am Ende nicht und hätte mir einen anderen, eventuell offenen Abschluss gewünscht.
Dies ist allerdings mein subjektives Empfinden, und da mich die atmosphärischen Beschreibungen in den ersten zwei Dritteln des Romans fesseln konnten, habe ich die Geschichte von Thomas Flett trotzdem gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Frauensolidarität

Die Tochter
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Der Roman, 'Die Tochter' von Guadalupe Nettel, ging in eine ganz andere Richtung, als ich anfangs dachte, und hat mich immer ein Stückchen mehr mitgenommen.
Die Freundinnen Alina und Laura umtreiben die ...

Der Roman, 'Die Tochter' von Guadalupe Nettel, ging in eine ganz andere Richtung, als ich anfangs dachte, und hat mich immer ein Stückchen mehr mitgenommen.
Die Freundinnen Alina und Laura umtreiben die gleichen Gedanken wie wahrscheinlich viele Frauen. Muttersein - ja oder nein?
Sagen beide anfangs in ihren Zwanzigern kategorisch nein, wandelt sich diese Einstellung bei Alina komplett und sie wird gewollt schwanger.
Leider läuft es nicht wie erhofft und ihr Kind wird mit einem seltenen Gen-Defekt geboren.
Hätte man jetzt vermutet, dass Laura sich von ihrer Freundin abwendet und eventuell sogar mit erhobenem Zeigefinger Reden schwingt, da täuscht man sich.
Laura hält an ihrer Einstellung, nicht Mutter sein zu wollen, fest, aber steht weiterhin zu ihrer Freundin und deren Entscheidungen und freundet sich auch mit einem kleinen Jungen und seiner Mutter an.
Ich finde, diese Thematik rund um das Thema Mutterschaft ist nicht immer einfach zu behandeln, und das ist der Autorin hier sehr gut gelungen.
Der Roman verurteilt nicht - er nimmt sich der unterschiedlichen Themen und Überzeugungen an.
Schön zu spüren und zu lesen war diese große Solidarität der Frauen untereinander.
Trotz der Zerrissenheit im Denken und Handeln. Das hat mich am meisten begeistert und auch berührt.
Die Thematik um Alina und ihre Tochter Inès ist zwar schwierig und traurig, aber auch hoffnungsvoll.
Einzig das Ende ging mir dann doch zu flott und ich hätte gerne noch ein paar Seiten Zeit gehabt, um mich aus der Erzählung zu verabschieden.

Wer gerne Bücher dieser Art liest, dem kann ich nur ans Herz legen, hierbei zuzugreifen.
Ein wirklich gutes Buch.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Augen auf

Das Beste sind die Augen
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Oha, 😅 was bitte war denn das für ein Leseerlebnis?!
Ja, Erlebnis passt gut. Bin ich mir doch nicht so sicher, wie ich es fand.
'Das Beste sind die Augen' von Monika Kim hat mich vom Cover, dem Titel und ...

Oha, 😅 was bitte war denn das für ein Leseerlebnis?!
Ja, Erlebnis passt gut. Bin ich mir doch nicht so sicher, wie ich es fand.
'Das Beste sind die Augen' von Monika Kim hat mich vom Cover, dem Titel und der Buchbeschreibung her sofort gehabt, und gleichzeitig war ich skeptisch, wie ich es wohl finden würde.
Erst dachte ich: Nee, das hab ich mir anders vorgestellt.
Dann aber ist mir aufgefallen, dass ich nicht aufhören kann zu lesen ...
Wir bekommen hier Folgendes aufgetischt (😉):
Umma ist von ihrem Mann verlassen worden und sie leidet. Ihre Töchter schauen hilflos zu. Erst wie die Mutter am zerbrechen ist und kurz darauf wie sie sich einem ziemlichen Ekelpaket an den Hals wirft.
George hat ein Faible für asiatische Frauen. Er bedient damit einige Klischees - weißer privilegierter Mann sucht unterwürfige und exotische Frau. Rassismus und Sexismus sind in dieser kleinen Familie nun so präsent wie nie. Ji-won, die ältere der zwei Schwestern, entwickelt eine obsessive Leidenschaft für blaue Augen und der wilde Ritt beginnt.
Ich würde diesen Roman nicht als feministischen Horror beschreiben.
Ji-wons Verhalten geht weit über Feminismus hinaus. Und plötzlich ist man in der Zwickmühle und weiß nicht, ob man mit Ji-won sympathisiert oder von ihr angewidert ist.
Das geschriebene entwickelt eine Sogwirkung und lässt einen nur so durch die Seiten fliegen.
Wer es sich zutrauen und etwas an Ekel wegstecken kann, sollte zugreifen.
Alleine schon, weil mich die verschiedenen Meinungen zu dem Buch wirklich interessieren. 👀

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Erschöpfung

Der Schlaf der Anderen
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Der Roman 'Der Schlaf der Anderen' von Tamar Noort hat mich auf seine ruhige und unaufgeregte Art total abholen können.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Janis, einer ehemaligen Krankenschwester, ...

Der Roman 'Der Schlaf der Anderen' von Tamar Noort hat mich auf seine ruhige und unaufgeregte Art total abholen können.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Janis, einer ehemaligen Krankenschwester, die der Überforderung im Krankenhaus entkommen ist. Nun überwacht sie den Schlaf anderer als Nachtwache in einem Schlaflabor.
Die zweite Protagonistin ist Sina, eine Kunstlehrerin, Ehefrau und Mutter von zwei Kinder und sie ist einfach unendlich müde...
Die beiden Frauen treffen aufeinander und sofort spürt man als Leser diese besondere Verbindung.
Es ist der Schlaf, den sie beide herbeisehnen, und um ihn zu finden, braucht es manchmal Mut und Veränderungen.
Die Handlung lässt sich schwer in Worte fassen und klingt vielleicht zunächst etwas wirr, ist aber tatsächlich sehr durchdacht.
Die beiden Frauen verbringen eine ungewöhnliche und augenöffnende Nacht miteinander.
Nach einem kleinen Fauxpas, seitens Janis, herrscht zunächst Funkstille, doch beide stellen sich indessen ihren Problemen und gehen unkonventionelle Wege, um sich selbst wiederzufinden.
Besonders haben mir die tieferen Botschaften gefallen: die Kritik an gesellschaftlichen Mustern und den Zwängen, die uns oft gefangen halten und uns den Schlaf rauben.
Es sind die feinen Zwischentöne, die diese Erzählung so interessant machen.
Mir hat das Buch sehr gefallen, und ich kann es euch mit gutem Gewissen weiterempfehlen.


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