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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2026

Spannend

Beth is dead
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Beth und ihre Schwester Izzy waren einmal beste Freundinnen. Heute verbindet sie vor allem Schweigen, Misstrauen und eine Vergangenheit, über die niemand offen spricht. Als Beth tot aufgefunden wird, beginnt ...

Beth und ihre Schwester Izzy waren einmal beste Freundinnen. Heute verbindet sie vor allem Schweigen, Misstrauen und eine Vergangenheit, über die niemand offen spricht. Als Beth tot aufgefunden wird, beginnt sich langsam ein Bild zusammenzusetzen, aus Erinnerungen, Geheimnissen und den Perspektiven der Menschen, die sie kannten.

„Beth is Dead“ startet wie ein klassischer Thriller, entwickelt sich aber schnell zu einer psychologischen Geschichte über toxische Beziehungen, Manipulation und die Dynamik innerhalb einer Familie. Besonders spannend ist dabei, wie unterschiedlich Wahrheit wahrgenommen wird. Fast jede Figur wirkt gleichzeitig verletzlich und verdächtig.

Katie Bernet schreibt atmosphärisch und sehr nah an ihren Figuren. Die wechselnden Perspektiven sorgen dafür, dass man ständig hinterfragt, wem man eigentlich glauben kann. Gerade die emotionalen Spannungen zwischen den Schwestern und innerhalb der Freundesgruppe sind stark ausgearbeitet.

Allerdings verliert sich die Geschichte stellenweise etwas in Wiederholungen und inneren Monologen. Manche Wendungen wirken eher konstruiert als wirklich überraschend, und nicht jede Figur bekommt genug Tiefe, um ihre Entscheidungen komplett nachvollziehbar zu machen.

Trotzdem funktioniert der Roman insgesamt gut, weil die bedrückende Stimmung konstant gehalten wird und man bis zum Ende wissen möchte, was wirklich passiert ist. Besonders gelungen ist dabei das Spiel mit Schuld und Verantwortung und die Frage, wie weit Menschen gehen, um ihr eigenes Bild von der Wahrheit zu schützen.

Fazit:
Ein düsterer, atmosphärischer Thriller mit starken zwischenmenschlichen Spannungen und interessanten Perspektivwechseln. Nicht jede Wendung überzeugt vollständig, aber emotional und psychologisch sehr packend.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Stiller Roman

John of John
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Ein junger Mann kehrt zurück auf eine abgelegene Insel der schottischen Hebriden.
Dorthin, wo er aufgewachsen ist. Zu einem Vater, der ihn liebt und gleichzeitig nicht versteht.

Cal hat in Edinburgh versucht, ...

Ein junger Mann kehrt zurück auf eine abgelegene Insel der schottischen Hebriden.
Dorthin, wo er aufgewachsen ist. Zu einem Vater, der ihn liebt und gleichzeitig nicht versteht.

Cal hat in Edinburgh versucht, ein anderes Leben zu beginnen. Doch auf der Insel wartet genau das auf ihn, wovor er geflohen ist: Enge, religiöse Strenge und eine Gemeinschaft, die wenig Platz für Abweichung lässt. Seine Homosexualität bleibt unausgesprochen, genauso wie viele andere Wahrheiten in seiner Familie.

Was wie ein klassisches „Heimkehr-Drama“ beginnt, entwickelt sich zu einer stillen, dichten Geschichte über Schuld, Scham und Zugehörigkeit. Es passiert wenig im klassischen Sinne, dafür umso mehr zwischen den Figuren. Viel wird nicht gesagt, aber ist spürbar.

Stuart schreibt bildhaft und atmosphärisch, manchmal fast zu sehr. Die Sprache ist stark, aber stellenweise auch überladen und verliert sich in Metaphern.

Besonders gelungen ist die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Zwei Menschen, die sich nah sind und doch aneinander vorbeileben.

Irritierend und für mich nicht ganz sauber ausgearbeitet ist eine Vergangenheitsebene rund um einen jüngeren Jugendfreund von Cal. Es wirkt beim Lesen so, als hätte es damals eine grenzüberschreitende, möglicherweise missbräuchliche Situation gegeben. Gleichzeitig bleibt völlig unklar, was genau passiert ist.

Was mich zusätzlich etwas ausgebremst hat: die Länge. Mit über 500 Seiten zieht sich die Geschichte stellenweise, und nicht jede Szene trägt wirklich etwas Neues bei. Auch einige Themen bleiben eher angerissen als wirklich durchdrungen.

Fazit:
Ein intensiver, ruhiger Roman über Identität, Familie und das Gewicht unausgesprochener Wahrheiten. Atmosphärisch stark, aber nicht durchgehend überzeugend.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Cozy Fantasy

The House Witch 1
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Rezensionsexemplar | The House Witch von Emilie Nikota

Er ist eine Hexe, möchte aber am liebsten im verborgenen bleiben und sucht deswegen eine Anstellung als königlicher Koch, wo er sein ruhiges Leben ...

Rezensionsexemplar | The House Witch von Emilie Nikota

Er ist eine Hexe, möchte aber am liebsten im verborgenen bleiben und sucht deswegen eine Anstellung als königlicher Koch, wo er sein ruhiges Leben führen kann.

Dieses Buch wird dem Subgenre Cozy Fantasy definitiv gerecht. Es ist eine ruhige, fast schon gemütliche Geschichte über Magie, Alltag und die kleinen Dinge, die oft übersehen werden.

Statt Schlachten und Intrigen geht es hier um Rezepte, zwischenmenschliche Dynamiken und die Frage, wo man eigentlich hingehört.
Der Ton ist leicht, humorvoll und stellenweise überraschend herzlich.

Für mich hatte das Buch aber auch seine Schwächen: Das Tempo war stellenweise für mich einfach zu langsam. Einige Passagen ziehen sich, ohne wirklich etwas Neues beizutragen. Auch der Humor hat mich nicht immer abgeholt, manche Witze waren mir zu flach, wie die über den Nachnamen einer Figur.

Mit Finlay bin ich anfangs ebenfalls nicht richtig warm geworden. Er wirkt lange sehr unnahbar und distanziert. Gleichzeitig zeigt er immer wieder einen sehr starken Beschützerinstinkt gegenüber Frauen, der teilweise ziemlich dominant wirkt und für mich nicht ganz rund war.

Was ich trotzdem mochte war die unaufgeregte Art zu erzählen. Kein Drama um des Dramas willen, keine künstlich aufgeblähte Spannung. Stattdessen Figuren, die Raum bekommen und eine Welt, die eher einlädt als überwältigt.

Man merkt schnell, dass die eigentliche Stärke nicht in der Handlung liegt, sondern in der Atmosphäre.

Mein Fazit:
Eine ruhige, charmante Fantasy-Geschichte, für alle, die Fantasy ohne große Schlachten suchen und eher auf Atmosphäre, Alltag und leise Entwicklungen setzen. Besonders geeignet, wenn man Cozy Fantasy mag und sich einfach mal in eine entspanntere Geschichte fallen lassen will.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Bleibt im Kopf

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Rezension | Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman

Vierzig Frauen sitzen in einem unterirdischen Käfig. Bewacht von Männern, die nicht sprechen. Niemand weiß, warum sie dort sind und ...

Rezension | Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman

Vierzig Frauen sitzen in einem unterirdischen Käfig. Bewacht von Männern, die nicht sprechen. Niemand weiß, warum sie dort sind und eines Tages dann, ganz plötzlich, ergibt sich eine Möglichkeit zur Flucht.

Was wie der Beginn einer klassischen Dystopie klingt, entwickelt sich in eine ganz andere Richtung. Es geht nicht um Action, sondern um die Frage, was vom Menschsein übrig bleibt, wenn alles Soziale wegfällt.

Harpman schreibt ruhig, klar und ohne jede Übertreibung. Die Erzählerin ist die Jüngste unter den Frauen und hat keine Erinnerung an ein „Davor“. Während die anderen zumindest Fragmente von Vergangenheit in sich tragen, startet sie bei null. Ihre Gedanken sind logisch, neugierig, manchmal beinahe kühl.

Man merkt beim Lesen schnell: Die eigentliche Bedrohung ist nicht der Käfig. Es ist die Welt danach. Diese unfassbare Leere. Freiheit fühlt sich hier nicht befreiend an, sondern orientierungslos.

Besonders stark fand ich, wie unterschwellig die großen Themen mitschwingen, wie Identität, Geschlecht, Prägung, Macht. Nichts wird erklärt oder bewertet. Es steht einfach im Raum und man muss selbst damit umgehen.

Fazit:
Ein stiller, kluger Roman, der mehr Fragen stellt als Antworten gibt. Kein leichtes Buch, aber eines, das im Kopf bleibt.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Fesselnd bis zum Schluss

Half His Age
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Waldo ist siebzehn, orientierungslos und auf der Suche nach Bedeutung. Zwischen einer emotional fordernden Mutter, innerer Leere und dem tiefen Wunsch, gesehen zu werden, gerät sie in eine Beziehung zu ...

Waldo ist siebzehn, orientierungslos und auf der Suche nach Bedeutung. Zwischen einer emotional fordernden Mutter, innerer Leere und dem tiefen Wunsch, gesehen zu werden, gerät sie in eine Beziehung zu ihrem deutlich älteren Lehrer. Was zunächst provokant wirkt, entwickelt sich schnell zu einer intensiven, verstörenden und erschreckend ehrlichen Auseinandersetzung mit Macht, Abhängigkeit und Selbstwahrnehmung.

Jennette McCurdy erzählt diese Geschichte nüchtern, direkt und ohne jede Romantisierung. Genau dieser klare, beinahe sachliche Ton macht das Buch so eindringlich. Nähe fühlt sich hier nicht warm an, sondern fragil, fehlgeleitet und gefährlich. Die Atmosphäre ist durchgehend angespannt und fesselnd.

Besonders herausragend ist die innere Perspektive von Waldo. Ihre Gedanken sind roh, widersprüchlich und schmerzhaft authentisch. McCurdy gelingt es, diese innere Zerrissenheit ohne erklärende Kommentare oder moralische Wertungen darzustellen und die Leser:innen ganz in diesem emotionalen Ausnahmezustand zu halten. Themen wie Selbstwert, Kontrolle, Konsum und familiäre Prägung fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und verstärken ihre Wirkung.

Fazit:
Half His Age ist ein eindringlicher Roman, der keine einfachen Antworten gibt und genau dadurch so stark ist. Jennette McCurdy beweist erneut ein außergewöhnliches Gespür für psychologische Tiefe und unbequeme Wahrheiten.

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