Profilbild von Kelo24

Kelo24

Lesejury Star
online

Kelo24 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Kelo24 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2019

Mordermittlungen im Paris der Nachkriegszeit

Die Blüten von Pigalle
3

Das Pariser Luxushotel Lutetia ist für Kriegsheimkehrer und Überlebende aus Konzentrationslagern erste Anlaufstelle.
Ein Mord sorgt für Aufsehen – hatte das Opfer doch Sachsenhausen überlebt. Für weitere ...

Das Pariser Luxushotel Lutetia ist für Kriegsheimkehrer und Überlebende aus Konzentrationslagern erste Anlaufstelle.
Ein Mord sorgt für Aufsehen – hatte das Opfer doch Sachsenhausen überlebt. Für weitere Verwirrung sorgt eine dort aufgefundene Druckplatte für englische Banknoten.
Inspecteur Jean Ricolet ermittelt wieder, auch dieses Mal mit Unterstützung der Studentin Pauline.
Die Handlung lebt von der beeindruckenden Schilderung der Atmosphäre im zerstörten Paris mit den täglichen Problemen, die eine Nachkriegszeit mit sich bringt. Diese ganz spezielle Stimmung hat mir sehr gut gefallen und es hat Spaß gemacht, mit durch die Pariser Straßen und besonders die winkeligen Gässchen zu gehen.
Der Krimi lässt sich grundsätzlich flüssig lesen. Leider baut sich im Zuge der Ermittlungen nur sehr schleppend und sehr wenig Spannung auf. Es gibt einige Spuren, die auch verfolgt werden, aber irgendwann im Sande verlaufen und ein Verhör reiht sich an das andere. Wenn dann endlich mal etwas Aufregendes passiert, verpufft das Aahh recht schnell wieder zu einem enttäuschenden Och, denn die Handlung dümpelt sehr schnell wieder gleichbleibend dahin. Dafür hat das Ende dann doch überrascht.
Die Protagonisten sind grundsätzlich sympathisch, wenngleich ich Pauline auch als ziemlich übergriffig erlebt habe. Sie steckt ihre Nase in polizeiliche Ermittlungen, ohne dass ihr Bekannter/Kumpel/Freund (?) Jean etwas dagegen unternimmt ? Sehr seltsam. Dann erzählt sie ziemlich blauäugig Ermittlungsergebnisse weiter, obwohl sie mal Mitglied der Resistance war? Das war für mich auch nicht stimmig.
Dass es sich bereits um den 2. Fall von Jean Ricolet und Pauline handelt, habe ich erst später erfahren. Einige Grundkenntnisse zur Freundschaft/Beziehung der beiden hätte ich mitunter gerne gehabt, da ich immer wieder das Gefühl hatte, mir fehlen wichtige Informationen. Für mich war in diesem Fall auch eher die Entwicklung der Liebesgeschichte der beiden im Vordergrund und nicht der Kriminalfall, was ich sehr schade finde, denn das Thema als solches war schon interessant.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 25.04.2019

Spannend, aber mit Einschränkungen

Einer wird sterben
0

Stella verbringt ihre Tage hauptsächlich mit dem Warten auf ihren Mann, der als Pilot häufig unterwegs ist. Das Dahinplätschern ihrer Tage wird jäh gestört, als ein Auto mit 2 Insassen plötzlich für längere ...

Stella verbringt ihre Tage hauptsächlich mit dem Warten auf ihren Mann, der als Pilot häufig unterwegs ist. Das Dahinplätschern ihrer Tage wird jäh gestört, als ein Auto mit 2 Insassen plötzlich für längere Zeit in der kleinen Straße parkt und auch die Nachbarn nicht wissen, was es damit auf sich hat.
Schon die Leseprobe hatte mich extrem neugierig auf die weitere Handlung gemacht und Wiebke Lorenz hat es mit ihrem fesselnden Schreibstil zunächst auch wieder geschafft, mich in die Handlung hineinzuziehen. Dass Stella etwas Gravierendes zu verbergen hat, war schnell klar und worum es sich dabei handelt, wurde ganz langsam Scheibchen für Scheibchen serviert. Die Ängste, die sie bei den sich zunehmend häufenden merkwürdigen Vorfällen durchlebt, sind durchaus nachvollziehbar und bis zu einem gewissen Punkt habe ich auch durchaus Verständnis dafür, dass sie sich da in etwas hineinsteigert. Sie scheint ja keine oder nur wenig soziale Kontakte zu haben, lebt von daher ziemlich isoliert in der Prachtvilla und reagiert zunehmend hysterischer. Was sie mir aber immer mehr unsympathisch gemacht hat ist die Tatsache, dass sie ihrem Mann ständig telefonisch in den Ohren liegt, die Hilfe von Nachbarn ablehnt und allein auch nicht auf die Idee kommt, die Koffer zu packen und sich z. B. im Hotel einzumieten.
Davon abgesehen hat sich auch ihr Mann Paul bei mir keine Sympathiepunkte verdienen können. Er scheint ja gewohnt zu sein, dass sie komplett nach seiner Pfeife tanzt und seine Reaktionen auf ihre Ängste habe ich als geheuchelte Anteilnahme empfunden.
Auch die Nachbarschaft in der kleinen Straße ist schon sehr speziell und scheinbar hat auch hier jede Familie irgendeine Leiche im Keller. Die Informationen über „Nachbarns“ im Mittelteil waren mir viel zu kompakt und haben den Spannungsbogen doch etwas gestört und vom eigentlichen Geschehen abgelenkt.
Die scheibchenweise gestreuten Puzzleteile setzen sich langsam zusammen und geben Anlass zu der einen oder anderen Spekulation oder einer vagen Idee und dann – das dicke Ende!! Das war mir dann definitiv doch zu konstruiert. Schade.

Veröffentlicht am 20.04.2019

Bewegender Einblick in deutsche Familiengeschichte

Zwei Handvoll Leben
0

Katharina Fuchs gibt in ihrem Roman „Zwei Handvoll Leben“ einen Einblick in ihre Familiengeschichte, denn bei den 2 Protagonistinnen Charlotte und Anna handelt es sich um ihre Großmütter.
So groß die Unterschiede ...

Katharina Fuchs gibt in ihrem Roman „Zwei Handvoll Leben“ einen Einblick in ihre Familiengeschichte, denn bei den 2 Protagonistinnen Charlotte und Anna handelt es sich um ihre Großmütter.
So groß die Unterschiede auf den Lebenswegen der beiden auch sind, haben sie doch etwas gemeinsam.
Beginnend im Teenageralter wird abwechselnd aus dem Leben und dem Alltag von Anna und Charlotte berichtet. Anna wächst im Spreewald in einer kinderreichen Familie auf und kennt Hunger und Armut. Charlotte wächst als Einzelkind auf einem Landgut mit Gestüt und Personal auf und es fehlt ihr an nichts. Beide erleben ihre erste große Liebe, die vom 1. Weltkrieg überschattet wird, und müssen sich – jede auf ihre Art – mit den wirtschaftlichen Folgen auseinandersetzen.
Auch Anna und Charlotte lassen sich von der Lebenslust der 20er Jahre anstecken, heiraten und gründen eine Familie und müssen einen weiteren Weltkrieg überstehen.
Katharina Fuchs schildert die Lebensgeschichten ihrer Großmütter mit leisen Tönen und sehr einfühlsam, denn beide haben sehr viel erlebt – Gutes wie auch Schreckliches. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, die den Rahmen bildet und gekonnt eingeflochten wird, ohne aber zu sehr zu dominieren, schildert sie alle Höhen und Tiefen ihrer Leben mitsamt der Ängste und Zweifel und immer der Frage „Habe ich die richtige Entscheidung getroffen?“ Ich habe die Entwicklung beider Frauen gespannt verfolgt, viele Ereignisse haben mich sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt. Doch besonders gefallen hat mir das Ende, diese Einsicht, im Laufe dieser teilweise steinigen Lebenswege alles richtig gemacht zu haben und zufrieden über die getroffenen Entscheidungen zu sein. Denn das haben diese beiden starken Frauen mehr als verdient, und ich ziehe vor Ihnen als Stellvertreterinnen aller anderen Frauen dieser Generation meinen Hut. Dieses Buch gehört in diesem Jahr zu meinen Lesehighlights.

Veröffentlicht am 16.04.2019

Die erste Liebe und ein chaotischer Roadtrip

Der Sommer mit Pauline
0

Emile ist zum ersten Mal verliebt – in Pauline, mit der er sich nicht nur gut über Tennis unterhalten kann. Immer, wenn er sie lächeln sieht, geht für ihn die Sonne auf. Als Pauline ihn nach Venedig einlädt, ...

Emile ist zum ersten Mal verliebt – in Pauline, mit der er sich nicht nur gut über Tennis unterhalten kann. Immer, wenn er sie lächeln sieht, geht für ihn die Sonne auf. Als Pauline ihn nach Venedig einlädt, wo sie mit dem Jugendorchester einen Auftritt hat, fühlt er sich als glücklichster Mensch unter der Sonne
Das Glücksgefühl hält genauso lange an, bis seine Eltern und sein älterer Bruder beschließen, ihn dorthin zu begleiten.
Emile, der pubertierende Teenager, leidet gerade sehr unter seiner in seinen Augen sehr speziellen Familie. Derzeit leben seine Eltern im Wohnwagen, da die Baugenehmigung für das Haus noch nicht vorliegt, auf engstem Raum und er schläft im Keller der Nachbarn. Pauline darf diese Tatsache nie erfahren, da sie in einer Villa aufwächst. Wie viele Pubertierende so schämt sich auch Emile für seine peinlichen Eltern, seine chaotischen Lebensumstände, und überhaupt alles, was nur im Entferntesten mit seiner Familie zu tun hat, nervt ihn total.
Emile schildert den Roadtrip in Form von Tagebucheinträgen, die ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen bieten. Man wird auch an die eigene Pubertät erinnert, an die Zeit, in der man weder Fisch noch Fleisch war, und überlegt ein um das andere Mal, ob man selbst auch so ungenießbar gewesen ist.
Eine nette Geschichte, aber eher für Jugendliche und junge Erwachsene.

Veröffentlicht am 16.04.2019

Inselluft macht glückich

Die Bücherinsel
0

Sandra landet ungeplant in einem Lesekreis der kleinen Inselbuchhandlung, an dem neben einigen ihrer Freunde auch der neu zugezogene Lehrer Björn teilnimmt. Nicht nur die Diskussionen über Bücher sondern ...

Sandra landet ungeplant in einem Lesekreis der kleinen Inselbuchhandlung, an dem neben einigen ihrer Freunde auch der neu zugezogene Lehrer Björn teilnimmt. Nicht nur die Diskussionen über Bücher sondern auch Björn üben eine Anziehungskraft auf Sandra aus, der sie sich nur schwer entziehen kann. Es gibt dabei nur ein Problem – sie ist Analphabetin und bisher ist das ein gut gehütetes Geheimnis.
.
Den ersten Satz der Geschichte hatte ich noch nicht ganz zu Ende gelesen und war doch schon wieder voll im Griff meiner Inselsehnsucht. Nur zu gerne bin ich deshalb mit Sandra auf der Fähre zurück zur Insel gefahren, um sie dort die nächste Zeit über zu begleiten.
Sandras Problem wird zum zentralen Mittelpunkt ihres Lebens. Über viele Jahre ist es ihr bislang erfolgreich gelungen durch Ausreden (Brille vergessen), elegante Umwege und ihr phänomenales Gedächtnis diese Klippe zu umschiffen, jetzt aber hat sie sich auf den Lesekreis eingelassen und weiß nicht mehr aus noch ein. Dabei hat sie selbst eine Geschichte verfasst und dort auswendig vorgetragen, die alle Teilnehmer beeindruckt hat. Ihr Blick für „Die Farben der Insel“ ist eine Liebeserklärung an ihre Insel mit ihren 4 Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft.
Neben dem Umgang und der Bewältigung des Alphabetismus gibt es wieder jede Menge stimmungsvolle Inselatmosphäre, sei es als Wattwanderung oder als Sonnenbad in den Dünen. Bei Fahrradtouren über Land kann man die Weite der Landschaft genießen und sich den Wind durch die Haare pusten lassen. Schön war auch das Wieder“sehen“ mit den alten Bekannten aus der kleinen Inselbuchhandlung.

Für mich war dies wieder ein Wohlfühlroman, bei dem die Seele baumeln und die Fantasie auf Reisen gehen kann zum Inselluft schnuppern. Denn Inselluft macht glücklich!