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Veröffentlicht am 17.11.2021

Spannende Fortsetzung

Die Opfer, die man bringt
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Der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman ist nicht mehr Teil der Reichsmordkommission. Nur zu seiner ehemaligen Kollegin Ursula hält er noch losen Kontakt. Bergmans Tochter Vanja hat die Reichsmordkommission ...

Der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman ist nicht mehr Teil der Reichsmordkommission. Nur zu seiner ehemaligen Kollegin Ursula hält er noch losen Kontakt. Bergmans Tochter Vanja hat die Reichsmordkommission ebenfalls verlassen und arbeitet nun bei der Polizei in Uppsala. Dort scheint ein Serienvergewaltiger umzugehen. Zu Vanjas großem Entsetzen bittet ihre Chefin Sebastian Bergman um Unterstützung. Eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem Vater ist für Vanja unerträglich. Deshalb bittet sie darum, wieder ins Team der Reichsmordkommission wechseln zu können. Doch als eines der Opfer des Serienvergewaltigers den Angriff nicht überlebt, wird die Mordkommission hinzugezogen und damit ermittelt das Team, in dem nun gewaltige Spannungen herrschen, wieder gemeinsam mit Sebastian Bergman....

Dieser Band ist bereits der sechste Teil der Reihe um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman. Da es mehrere Nebenstränge gibt, die sich wie rote Fäden durch die Serie ziehen, ist es sicher hilfreich, die Reihenfolge einzuhalten. Allerdings streut das Autoren-Duo wichtige Hintergrundinformationen dazu in die Handlung ein und da die Fälle in sich abgeschlossen sind, müssten auch Neueinsteiger dem aktuellen Geschehen problemlos folgen können. 

Der aktuelle Fall ist rätselhaft und stellt das Team vor einige Herausforderungen. Denn hier ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Noch spannender ist allerdings das Privatleben der Ermittler, bzw. die Spannungen, die untereinander herrschen. Fans der Reihe dürften das zu schätzen wissen, denn gerade Billys Handlungen beobachtet man mit Unbehagen. Dadurch rückt der Fall, den das Team lösen muss, allerdings etwas in den Hintergrund. Es gelingt dem Autoren-Duo dennoch wieder hervorragend, die Spannung nicht nur durchgehend zu halten, sondern sie konsequent zu steigern. Der Täter ist kaum vorhersehbar, wodurch man lange Zeit im Dunkeln tappt und die Ermittlungen genießen kann. 

Eine spannende Fortsetzung, die auf jeden Fall die Neugier auf den Folgeband weckt. 

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Veröffentlicht am 17.11.2021

Startet zunächst eher gemächlich, nimmt dann aber deutlich Fahrt auf

Die Nacht des Feuers
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Ann Lindell arbeitet nicht mehr bei der Polizei, sondern genießt Haus- und Gartenarbeit in ihrem neuen Heim, das in einem kleinen Ort in Uppland steht. Nebenbei arbeitet sie in einer Käserei und ist damit ...

Ann Lindell arbeitet nicht mehr bei der Polizei, sondern genießt Haus- und Gartenarbeit in ihrem neuen Heim, das in einem kleinen Ort in Uppland steht. Nebenbei arbeitet sie in einer Käserei und ist damit sehr zufrieden. Ein Feuer in der Schule des kleinen Ortes, in der Asyl suchende Menschen untergebracht sind, von denen drei durch den Brand sterben, sorgt für Unruhe im Dorf. Niemand will etwas gehört oder gesehen haben, doch Ann ahnt, dass das nicht stimmen kann. Sie beginnt auf eigene Faust nachzuforschen und ihren ehemaligen Kollegen Sammy mit Informationen zu versorgen. Die Lage spitzt sich zu, als es ein weiteres Mal im Ort brennt und dabei ein schwedisches Mädchen ums Leben kommt....

"Die Nacht des Feuers" ist bereits der achte Band einer Reihe um die Ermittlerin Ann Lindell. Um die Weiterentwicklung der Charaktere und die der privaten und beruflichen Nebenstränge zu beobachten, ist es sicher empfehlenswert, die Reihenfolge einzuhalten. Da der Autor allerdings wichtige Hintergrundinformationen in die Handlung einstreut, ist es möglich, dem aktuellen Geschehen auch dann problemlos zu folgen, wenn man noch keinen Teil der Serie gelesen hat.

Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Obwohl der Krimi zunächst etwas behäbig startet, sind die Wechsel der Perspektiven so geschickt gesetzt, dass man nie das Interesse am Geschehen verliert. Es gelingt Kjell Eriksson außerdem hervorragend, die Stimmung, die in dem kleinen Ort herrscht, so zu beschreiben, dass man förmlich spüren kann, wie es unter der Oberfläche brodelt. Gemeinsam mit Ann Lindell und ihrem ehemaligen Kollegen versucht man deshalb, die Geheimnisse, die die Dorfbewohner hüten, zu ergründen. Doch hier ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. In einem weiteren Handlungsstrang beobachtet man eine radikale Gruppe, die Anschläge plant und ist gespannt, wie sich dieser Strang ins Geschehen einfügen wird. Zum Ende hin nimmt die Handlung deutlich Fahrt auf. Man kann das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen, weil man unbedingt erfahren möchte, wie alles zusammenhängt und endet.

Ein zunächst eher geruhsamer Krimi, der im Verlauf der Handlung deutlich Fahrt aufnimmt und durch eine gelungene skandinavische Hintergrundkulisse überzeugen kann.

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Veröffentlicht am 07.11.2021

Konnte mich leider nicht ganz überzeugen

Eifersucht
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Wenn man die Inhaltszusammenfassung von "Eifersucht" nur flüchtig liest, könnte man meinen, dass es sich um einen Kriminalroman handelt, in dem der Ermittler Nikos Balli, der als Spezialist für das Mord-Motiv ...

Wenn man die Inhaltszusammenfassung von "Eifersucht" nur flüchtig liest, könnte man meinen, dass es sich um einen Kriminalroman handelt, in dem der Ermittler Nikos Balli, der als Spezialist für das Mord-Motiv Eifersucht gilt, im Zentrum der Ereignisse steht. Bei genauerem Lesen der Inhaltszusammenfassung stellt man dann allerdings fest, dass ganz kurz darauf hingewiesen wird, dass es sieben Stories sind, die das Motiv Eifersucht gemeinsam haben. Neben der Geschichte um Ermittler Nikos Balli, der allerdings der Hauptakteur der umfangreichsten Kurzgeschichte ist, erzählt Jo Nesbø in diesem Buch sechs weitere Kurzkrimis. Das sollte man wissen, um das neueste Werk des Autors genießen zu können. 

Die Geschichten sind unterschiedlich und haben nichts miteinander zu tun. Der einzige gemeinsame Nenner ist das Grundthema Eifersucht. Die erste Geschichte ist relativ kurz und überrascht mit einem Ende, das hohe Erwartungen weckt. Doch leider werden diese Erwartungen nicht bei allen enthaltenen Kurzgeschichten erfüllt. Gerade bei Kurzgeschichten fehlt die Zeit, alle Charaktere genauer kennenzulernen, um die feinen Nuancen voll wahrzunehmen. Dennoch schafft es der Autor, Handlungsorte und Protagonisten so zu beschreiben, dass man alles vor Augen hat. Die Geschichten sind durchaus interessant und alle zeichnen sich durch Wendungen aus. Leider sind diese aber nicht bei allen Stories gelungen, denn einige Überraschungen wirken bedauerlicherweise etwas vorhersehbar.  

Ich habe schon einige Krimis von Jo Nesbø mit Begeisterung gelesen. Bei diesem Exemplar habe ich mich von der Inhaltszusammenfassung allerdings etwas in die Irre leiten lassen, da ich davon ausgegangen bin, dass es sich um einen Krimi handelt, bei dem der Spezialist für das Mord-Motiv Eifersucht im Zentrum der Ereignisse steht, und nicht um einen Band mit Kurzgeschichten. Das ist zwar mein Fehler, aber meiner Meinung nach, hätte der Hinweis darauf etwas deutlicher auf dem Buch oder in der Inhaltsangabe vermerkt sein können. Im Großen und Ganzen habe ich mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt, auch wenn ich zugeben muss, dass mich leider nicht alle Geschichten mitreißen konnten. Denn die überraschenden Wendungen waren mir manchmal einfach zu vorhersehbar. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich deshalb auch "nur" drei von fünf Bewertungssternchen.  

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Veröffentlicht am 06.11.2021

Pageturner!

Der Tausch – Zwei Frauen. Zwei Tickets. Und nur ein Ausweg.
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Niemand ahnt, dass Claire Cook von ihrem Mann, einem ehrgeizigen Politiker, misshandelt wird. Um ihm zu entkommen, entwirft sie einen Fluchtplan. Doch in letzter Minute scheitert dieser Plan, da Claires ...

Niemand ahnt, dass Claire Cook von ihrem Mann, einem ehrgeizigen Politiker, misshandelt wird. Um ihm zu entkommen, entwirft sie einen Fluchtplan. Doch in letzter Minute scheitert dieser Plan, da Claires Mann den Termin, den er eigentlich für Claire vorgesehen hatte, selber wahrnimmt. Stattdessen schickt er sie nach Puerto Rico. Soll Claire versuchen dort unterzutauchen? Im Flughafengebäude wird ihr diese Entscheidung abgenommen, denn dort trifft sie auf Eva, die ebenfalls auf der Flucht zu sein scheint. Die beiden tauschen spontan ihre Flugtickets. Claire landet in Kalifornien und versteckt sich in Evas Haus. Dort erfährt sie aus den Nachrichten, dass das Flugzeug, das nach Puerto Rico flog, abgestürzt ist. Claire hat den Verdacht, dass sie Eva bei einer Fernsehreportage zum Unglück unter den Zuschauern erkennt. Saß sie etwa gar nicht im Flugzeug? Und warum stimmt nichts von dem, was Eva ihr über ihre Vergangenheit erzählt hat? 

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet. Claire schildert die Situation in der Gegenwart aus ihrer Sicht und führt so durch das aktuelle Geschehen. Außerdem gibt es Rückblicke in Evas Vergangenheit. Hier steht sie im Zentrum, wobei man nach und nach erfährt, was in ihrem Leben zu dem Wunsch, mit einer anderen Frau das Ticket zu tauschen, geführt hat. Dadurch, das die Wechsel entsprechend gekennzeichnet sind, fällt es leicht, die Übersicht zu behalten. 

Durch die verwendete Ich-Perspektive erfährt man deutlich mehr über Claire. Sie wirkt sehr sympathisch und ihr Schicksal geht einem beim Lesen sehr nah. Man hofft und bangt mit ihr, denn man möchte auf keinen Fall, dass sie von ihrem Mann aufgespürt wird. Doch auch das, was man häppchenweise aus Evas Vergangenheit erfährt, ist äußerst interessant. Deshalb gerät man früh in den Sog der Ereignisse. Das liegt sich auch mit daran, dass zwischen den Zeilen eine angespannte Atmosphäre herrscht, die man so deutlich wahrnimmt, dass man gebannt eine Seite nach der anderen verschlingt. 

Ein spannender Thriller, den man erst aus der Hand legen kann, wenn man am Ende angekommen ist. 

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Veröffentlicht am 31.10.2021

Großes Kino

Der Traumpalast
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Berlin, Anfang der 20er Jahre: Rahel Rosenberg will keine gute Partie machen und nur das Anhängsel eines angesehenen Mannes sein. Schließlich hat sie Abitur und will ihr Leben selbst in die Hand nehmen. ...

Berlin, Anfang der 20er Jahre: Rahel Rosenberg will keine gute Partie machen und nur das Anhängsel eines angesehenen Mannes sein. Schließlich hat sie Abitur und will ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Am liebsten würde sie als Journalistin arbeiten, doch das ist für Frauen, trotz der Aufbruchstimmung, die das Land ergreift, nicht einfach. Konstantin Reichenbach, genannt Tino, kennt solche Sorgen nicht, denn dem Bankier und Lebemann scheint der berufliche Erfolg in den Schoß zu fallen. Seine Arbeit als Finanzdirektor der gerade gegründeten Ufa fasziniert ihn noch dazu. Immer wieder gelingen ihm spektakuläre, finanzielle Drahtseilakte, die zum Erfolg führen. Zufällig treffen diese beiden unterschiedlichen Charaktere aufeinander. Sie beginnen sich ineinander zu verlieben, doch ihre Freiheit ist ihnen dennoch wichtig. Deshalb nimmt eine außergewöhnliche, von Höhen und Tiefen geprägte Beziehung ihren Anfang...

"Der Traumpalast - Im Bann der Bilder" ist der Auftakt eines Zweiteilers, in dem Rahel Rosenberg, Tino Reichenbach und die Geschichte der Ufa im Zentrum der Ereignisse stehen. Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet, wobei die unterschiedlichen Protagonisten im Mittelpunkt stehen. 

Der Einstieg ins Geschehen gelingt mühelos, da Peter Prange es wieder hervorragend versteht, seine Charaktere so lebendig zu schildern, dass man sie sofort vor Augen hat. Auch die Beziehungen untereinander werden verständlich miteinander verknüpft. Die Protagonisten haben Fehler und Schwächen, aber auch Stärken, die sie auszeichnen. Es fällt nicht leicht, alle zu mögen, denn in diesem Roman treffen die unterschiedlichsten Gesinnungen aufeinander. Manchmal mag man kaum glauben, was passiert. Doch dieses Mitfiebern zeigt, wie sehr man sich bereits nach kurzer Zeit auf die Handlung und die Charaktere einlassen kann. 

Peter Pranges Erzählungen zeichnen sich durch eine hervorragend recherchierte Hintergrundkulisse aus. Auch bei diesem Buch gelingt es ihm wieder mühelos, damalige, historische Ereignisse mit den Schicksalen seiner Protagonisten zu verknüpfen. Zuweilen wirken diese Details zwar etwas ausufernd, aber dennoch werden sie so interessant geschildert, dass sie nicht langweilig wirken. Die Liebesgeschichte der beiden Hauptprotagonisten wird authentisch in die historische Hintergrundkulisse eingebettet. Allerdings sind manche Handlungen der beiden Liebenden manchmal nur schwer nachzuvollziehen. Das ein oder andere Mal mag man sie einfach nur schütteln. Gerade Rahel, die auf ihre Freiheit pocht, büßt durch ihre Handlungen gelegentlich Sympathiepunkte ein. Das Ende kommt dann recht abrupt und wirkt, nach all den Seiten, die dieser Roman umfasst, etwas zu schnell abgehandelt. Dennoch wird die Neugier auf den zweiten Band geweckt. 

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