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Veröffentlicht am 18.01.2018

Eine faszinierende Geschichte über den Winter, das Leben, Mut, aber auch Verzeihen

Die silberne Königin
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„Die silberne Königin“ von Katharina Seck, erschienen im Oktober 2016, ist ein Fantasy-Roman über ein Land namens Glanzvoll, das in einem ewigen Winter gefangen ist. In der Stadt Silberglanz lebt Emma, ...

„Die silberne Königin“ von Katharina Seck, erschienen im Oktober 2016, ist ein Fantasy-Roman über ein Land namens Glanzvoll, das in einem ewigen Winter gefangen ist. In der Stadt Silberglanz lebt Emma, eine junge Frau, die in einer Silbermine arbeitet, um sich und ihren Vater über die Runden zu bringen. Als sie auf der Suche nach einem neuen Job, die Chocolaterie Schokoladengold betritt lernt sie die Madame Weltfremd kennen. Diese erzählt ihr das Märchen von der silbernen Königin. Schnell begreift Emma, dass das Märchen die versteckte Wahrheit über den Fluch des ewigen Winters und des tyrannischen Königs enthält. Aber auch Emmas Familiengeschichte ist in diesem Märchen verstrickt und sie muss versuchen, ihr Land vor dem schrecklichen Winter zu schützen.

Die Geschichte um die silberne Königin und um Emma nimmt einen von der ersten Seite an gefangen. Die Autorin versteht es, den Leser mit ihren Worten einzuhüllen und durch die Magie der Worte in die Geschichte hineinzuziehen. Sind die prachtvollen Namen der Länder und Orte im ersten Moment auch etwas verwirrend, kann man dennoch die Szenerie um einen herum sofort wahrnehmen und regelrecht spüren.

Der Schreibstil ist fesselnd und lässt einen nicht mehr los. Das Märchen innerhalb der Geschichte wird gut platziert, in ansprechenden und zur Geschichte passenden Häppchen erzählt und anschaulich durch die andere Schriftart abgegrenzt.

Die Protagonisten, aber auch einige der anderen Charaktere, werden anschaulich dargestellt und gut beschrieben. Emma ist ein sehr starker Charakter. Sie hat in ihrem Leben schon viel durchgemacht, was sie hat wachsen und reifen lassen. Sie beweist sehr großen Mut, auch in Zeiten, in denen sie große Ängste durchleben muss. Als Leser habe ich mit ihr gebangt und Hoffnung geschöpft, nur um dann im nächsten Moment wieder erschrocken die Luft anzuhalten. Der Spannungsbogen in der Geschichte wird gut aufgebaut. Es gibt immer wieder Spannungsspitzen, die dann wieder etwas abflachen, um der Protagonistin und dem Leser einen kurzen Moment der Erholung zu bieten, nur um dann wieder anzusteigen. So verfliegt das Buch wie im Nu.

Das Cover zeigt eine verschneite Berglandschaft mit einer vermummten weiblichen Person im oberen Teil, die ebenso wie die verschnörkelte Schrift als Eyecatcher wirkt. Zum einen die düsteren, kalten Farben, aber zum anderen auch die verspielten Ornamente hatten gleich mein Interesse geweckt.

Fazit:
Eine faszinierende Geschichte über den Winter, das Leben, Mut, aber auch Verzeihen. Absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.01.2018

Ein großartiger Roman, auf den sich das Warten gelohnt hat.

Dort, wo du bist
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Als ich damals nach „Solange du bleibst" erfahren habe, dass es noch einen dritten Teil zu der „Julia und Jeremy“-Reihe geben wird aus Sicht von Max, dachte ich, es wäre Jeremys Geschichte nur aus einer ...

Als ich damals nach „Solange du bleibst" erfahren habe, dass es noch einen dritten Teil zu der „Julia und Jeremy“-Reihe geben wird aus Sicht von Max, dachte ich, es wäre Jeremys Geschichte nur aus einer anderen Perspektive.

Aber „Dort, wo du bist" (von Jessica Winter) ist im Großen und Ganzen ein eigenständiger Roman. Er knüpft an Julias und Jeremys Geschichte an, erzählt von Max und seinen Problemen mit Jeremys Verlust, seiner Hilfe und Stütze Julia gegenüber, aber gleichzeitig erzählt er auch Max‘ eigenes Leben.
Es gibt zwei Zeitstränge: Das College und 17 Jahre später.

Auf dem College trifft er Andy wieder, die kleine Schwester eines Freundes. Er verliebt sich in sie, doch sie ist vergeben und kämpft mit ihrer Vergangenheit und den Problemen mit ihrem Freund. Als sie ohne ein Wort verschwindet, bricht für Max eine Welt zusammen. Er konzentriert sich voll und ganz auf seine Football-Karriere. Nach 17 Jahren begegnen sie sich wieder und die alten Gefühle kommen wieder hoch. Doch Andy verheimlicht ihm noch immer etwas. Max will sie nicht nochmal verlieren und ist bereit um sie zu kämpfen.

Auch dieser Roman strotzt wieder vor Gefühlen und hat jede Menge Emotionen bei mir hervorgerufen. Vor allem die Szenen um Jeremy ließen meine Augen jedes mal feucht werden. Aber auch Max und Andy gehen durch einige Höhen und vor allem Tiefen, die den Leser nicht kalt lassen.

Der Erzählstil ist gefühlvoll und sehr anschaulich. Das Buch lässt einen nicht mehr los und man taucht komplett in die Geschichte ein.

Die Charaktere sind einfach sehr gut ausgearbeitet, es fällt unglaublich leicht, sich in sie hineinzuversetzen, zumal mir Max schon in den beiden Vorgängern unheimlich ans Herz gewachsen ist. Er ist ein großartiger Mensch, der alles für die gibt, die er liebt. Umso mehr tut es weh, zu sehen, wie er selbst leidet und sich immer mehr verliert.

Mir hat besonders gefallen, dass zwar klar wird, dass Max und Andy immer noch Gefühle für einander haben, aber dass die Zeit nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen ist. Dass sie erst mal Zeit brauchen, um sich wieder kennenzulernen und neu zu entdecken, macht die Geschichte glaubwürdig. Auch wenn man ihnen eine schnellere Versöhnung wünschen würde, wäre alles andere für mich nicht nachvollziehbar gewesen.

Fazit:
Ein großartiger Roman, auf den sich das Warten gelohnt hat.

Veröffentlicht am 08.01.2018

Kleine Dinge können Großes bewirken

Tage wie Salz und Zucker
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„Tage wie Salz und Zucker" von Shari Shattuck (erschienen 2014) erzählt die Geschichte von Ellen Holmes – einer Frau, die lieber das Leben der anderen beobachtet, als ihr eigenes zu leben. Sie versteckt ...

„Tage wie Salz und Zucker" von Shari Shattuck (erschienen 2014) erzählt die Geschichte von Ellen Holmes – einer Frau, die lieber das Leben der anderen beobachtet, als ihr eigenes zu leben. Sie versteckt sich hinter zu vielen Kilos, ihr vernarbtes Gesicht hinter ihren langen Haaren und kompensiert ihre Ängste und Selbstzweifel mit Essen. Sie putzt nachts in einem Riesensupermarkt, um nicht gesehen zu werden.
Doch eines Tages trifft sie im Bus eine junge, blinde Frau, die vor Lebensfreude sprüht und seit langer Zeit der erste Mensch ist, der Ellen „sieht". Aus einem Impuls heraus folgt Ellen Temerity und rettet sie gleich darauf vor zwei Handtaschendieben. Temerity lässt Ellen keine andere Wahl, als ihre Freundin zu werden. Gemeinsam fangen sie an, nicht nur Ellens Leben komplett umzukrempeln, sondern mischen sich auch bei anderen ein, denen Unrecht geschieht.

Der Roman ist sehr schön geschrieben, ich konnte ihn nicht mehr aus der Hand legen. Erzählt wird die Geschichte von einem allwissenden Erzähler, so dass man nicht nur Ellens Sicht der Dinge erfährt, sondern auch Einblick in die Gefühle der anderen Figuren erhält.

Anfangs fand ich Ellen und ihr Verhalten etwas befremdlich (Sie bezeichnet ihre Nachbarn, die sie ständig beobachtet, als ihre Haustiere, ist permanent am Essen und erscheint ziemlich paranoid in Bezug auf den Kontakt zu Mitmenschen). Aber je weiter man in ihre Geschichte und damit auch ihre Vergangenheit eintaucht und je enger der Kontakt zu Temerity wird, desto offensichtlicher wird, dass sie ein herzensguter Mensch ist, und es bisher in ihrem Leben nicht leicht hatte, weswegen sie erstmal einen Schubs durch Temerity gebraucht hat, um ihre tief vergrabenen Gefühle und ihren Sinn für Gerechtigkeit wiederzufinden.

Temerity ist eine aufgeschlossene, liebenswerte junge Frau, die nur so vor Lebensfreude sprüht. Obwohl sie es mit ihrer Blindheit auch nicht immer leicht hatte im Leben, hatte sie doch immer den Halt und die Liebe durch ihre Familie, so dass sie sich ihre Lebensfreude bewahren konnte. Sie sieht in Ellen nicht das Äußere, sondern erkennt ihren wahren Kern und hilft ihr, diesen nach und nach freizulegen.

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet, auch die meisten Nebendarsteller. Sowohl deren Gefühle als auch das ganze Umfeld werden anschaulich beschrieben. Ich konnte komplett in die Geschichte eintauchen und mit den Protagonisten mitfiebern.

Das Coverdesign ist recht schlicht, sticht aber dennoch durch die kräftigen Farben ins Auge.

Fazit:
Ein wunderbarer Roman, der zeigt, dass Äußerlichkeiten nicht wichtig sind und kleine Dinge/Hilfen Großes bewirken können.

Veröffentlicht am 03.01.2018

Rezension bezieht sich auf das Buch

Das Kupferne Zeichen
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„Das kupferne Zeichen“ von Katia Fox ist ein historischer Roman. Er ist der erste von vier Teilen über Ellen, ihre Familie und Guillaume.

Er erzählt die Geschichte von Ellen, der Tochter eines Schwertschmiedes, ...

„Das kupferne Zeichen“ von Katia Fox ist ein historischer Roman. Er ist der erste von vier Teilen über Ellen, ihre Familie und Guillaume.

Er erzählt die Geschichte von Ellen, der Tochter eines Schwertschmiedes, im Jahre 1161 in England. Ihr größter Wunsch ist es, ebenfalls Schwertschmiedin zu werden. Doch ist ihr als Frau dieser Berufswunsch erwehrt. Nach einem Vorfall in ihrem Heimatort verkleidet sie sich als Junge und flieht. Ein großes Abenteuer beginnt. Sie geht bei einem berühmten Schwertschmied in die Lehre. Doch ihre Verkleidung droht aufzufliegen, als sie sich in einen jungen Ritter (Guillaume) verliebt.

Trotz aller Ereignisse/Widrigkeiten, die sie erlebt (Liebe, Freundschaft, Mord, Intrigen) gibt Ellen nicht auf und verfolgt unbeirrbar weiter ihren Weg und ihr großes Ziel – ein Schwert für den Prinzen zu fertigen.

Ellens Geschichte wird sehr schön geschildert. Der Schreibstil ist sehr angenehm und liest sich gut. Die Charaktere werden anschaulich beschrieben und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Ellen hat mir als Charakter sehr gut gefallen - ihre Zielstrebigkeit, ihr Mut, ihre Freundlichkeit. Sie gibt nicht auf und versucht immer das Beste aus jeder Situation zu machen.

Die Erzählperspektive legt den Schwerpunkt auf Ellens Geschichte, doch zwischenzeitlich wird auch über Guillaume und Ellens Feind berichtet.

Die Schmiedekunst wird sehr detailliert beschrieben und man erfährt viel Interessantes über das Leben und Arbeiten zu der damaligen Zeit.

Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist an sich abgeschlossen. Die folgenden Bände bauen zwar auf dem ersten Band auf, können aber unabhängig voneinander gelesen werden, da sie unterschiedliche Protagonisten behandeln. Der Grundstamm an Charakteren kommt allerdings auch in den Folgebänden vor.

Fazit:
Sehr schöner Roman über das bewegte Leben einer Frau, die sich ihren Weg und ihren Wert in einer männerdominierten Welt erkämpft.

Veröffentlicht am 29.12.2017

Das Buch hat in mir die Sehnsucht nach dem Meer geweckt

Die Stille zwischen Himmel und Meer
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„Die Stille zwischen Himmel und Meer“ von Kati Seck (erschienen 26.10.2017) ist ein sehr gefühlvoller Roman über den Kampf gegen Ängste und die Schatten der Vergangenheit.

Edda fährt ans Meer, um dort ...

„Die Stille zwischen Himmel und Meer“ von Kati Seck (erschienen 26.10.2017) ist ein sehr gefühlvoller Roman über den Kampf gegen Ängste und die Schatten der Vergangenheit.

Edda fährt ans Meer, um dort Urlaub zu machen. Was sich im ersten Moment als völlig normal und unspektakulär anhört, ist für Edda eine große Herausforderung.
Als Kind entführt und 12 Jahre in einem Keller eingesperrt, ist ihr Leben auch noch sieben Jahre danach von vielen Ängsten und Unsicherheiten gezeichnet. Sie nimmt all ihren Mut zusammen, um mal etwas alleine zu machen, sich den Menschen, den Naturgewalten und einfach allem zu stellen.
Auf der Suche nach der langersehnten Freiheit und dem, was das Leben ausmacht, trifft sie auf Sebastian, einem wortkargen, mürrischen Mann.
Aufgrund eines Zufalls müssen die beiden eine Zeitlang miteinander auskommen. Dabei bleibt es nicht aus, dass sie sich näherkommen als ihnen lieb ist und jeder die Schatten der Vergangenheit des anderen kennenlernt. Doch mit der Zeit können sie sich gegenseitig helfen, ihr Leben positiv zu verändern.

Das Buch ist aus Eddas Sicht geschrieben. Durch Rückblenden erfährt der Leser so nach und nach die wesentlichen Details aus ihrer Zeit der Gefangenschaft und der Zeit nach der Befreiung.
Sebastians Geschichte wird nur am Rande erwähnt, was aber daran liegt, dass er sich nicht wirklich öffnet und Edda demnach nicht viel mehr über ihn erfährt.

Eddas Ängste und ihre verzweifelte Suche nach dem Leben, nach besonderen Momenten und Erinnerungen lässt sich gut nachvollziehen. Ohne Erinnerungen hat das Leben quasi nicht stattgefunden und ihre einzigen Erinnerungen sind die, an die Zeit im Kellerloch und an eine psychisch-kranke, gewalttätige Frau, die sich als ihre Mutter ausgegeben hat.
Die Jahre danach hat sie auf der Suche nach dem „Mehr im Leben“ vergeudet und sich von ihren Ängsten weiterhin gefangen gehalten lassen. Wie sie selber zugibt, hatte sie keine Zeit für z.B. die Liebe, da sie auf Wesentlicheres konzentrieren musste.

Mit Hilfe eines kleinen Mädchens und Sebastian wagt sich Edda hinaus ins Leben. Sie schafft es Stück für Stück immer weiter aus sich herauszugehen und Dinge zu probieren, die für sie vorher unvorstellbar waren.

Auch wenn sie mit einer herben Enttäuschung zurechtkommen muss, verändert sich ihr Leben durch den Urlaub positiv und sie entwickelt sich erstaunlich weiter.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Die Rückblenden passen sich gut in die Geschichte ein.

Das Cover gefällt mir mit der Weite des Meeres, dem dunklen Gewitterhimmel, den Möwen und der Frau sehr gut und spiegelt den Inhalt des Buches perfekt wider.

Das Buch hat in mir die Sehnsucht nach dem Meer geweckt. Mal wieder der Brandung und den Möwen lauschen, die herrliche Salzluft genießen und sich den Wind um die Ohren wehen lassen.

Fazit:
Sehr schöne Lesestunden mit viel Gefühl, ohne dass es eine kitschige Liebesgeschichte ist. Vielmehr geht es um die Überwindung seiner Ängste, dem Gefühl Verloren zu sein in der großen weiten Welt und der Hoffnung, dass man wieder „gefunden“ werden kann.