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Veröffentlicht am 09.04.2019

Gesunder Schlaf ganzheitlich betrachtet

Die Geheimnisse des gesunden Schlafs
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Schlafstörungen sind heutzutage weit verbreitet, und die Ursachen dafür sind vielfältig. Die Autorin geht das Problem ganzheitlich an.
Im ersten der insgesamt fünf großen Kapitel erfahren wir, was mit ...

Schlafstörungen sind heutzutage weit verbreitet, und die Ursachen dafür sind vielfältig. Die Autorin geht das Problem ganzheitlich an.
Im ersten der insgesamt fünf großen Kapitel erfahren wir, was mit uns im Schlaf eigentlich passiert. Auch viele interessante Informationen über die Schlafphasen, über Schlafstörungen und auch über die Zusammenhänge mit der Organuhr hat Monika Richrath hier in leicht verständlicher Form zusammengefasst.
Die Kapitel zwei, drei und vier befassen sich mit den Ursachen für Schlafstörungen. Diese sind in äußerliche, körperliche und seelische Ursachen aufgeteilt und ausführlich besprochen. Es ist schon heftig, was alles dazu führen kann, unseren guten und wichtigen Schlaf zu stören. Die Auslöser für diese Störung sind vielfältig. Der Grund kann beispielsweise am Bett selbst zu finden sein, aber auch Elektrosmog, Störfelder etc. lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Andererseits sind vielleicht Krankheiten daran schuld, wenn man nachts immer wieder aufwacht oder erst gar nicht einschlafen kann. Nicht zuletzt können Probleme dazu führen, uns wach zu halten, weil wir ins Grübeln verfallen.
Aber die Autorin betreibt nicht nur Ursachenforschung, sondern hat auch jede Menge an guten Tipps parat, was wir dazu tun können, unsere Schlafprobleme zu mindern oder ganz zu beheben. In vielen Fällen spricht sie aus persönlicher Erfahrung. Dass sie selbst auch nicht immer problemlos und gut schlafen konnte, macht Mut, sich selbst auf die Suche nach den individuellen Auslösern zu begeben und etwas zu ändern. Auch Zusammenhänge zwischen Schlaflosigkeit und unserer Nahrung bringt die Autorin zur Sprache. Im letzten Kapitel gibt Frau Richrath ihren Lesern eine Fülle an praktischen Ratschlägen an die Hand. Das Spektrum reicht von Entspannungs- und Atemübungen, Tipps für konstante Rituale vor dem Schlafengehen über Klopfakupressur bis hin zu natürlichen Schlafmitteln.
Schon in den Kapiteln zuvor spricht die Autorin auch sinnvolle Veränderungen in der Einrichtung, am Stromnetz etc. an.
Alles zusammen wird kaum jemand umsetzen können, und alles trifft ja auch nicht auf jeden zu. Mit diesem Buch gibt die Autorin Betroffenen jedoch einen sehr umfangreichen und guten Ratgeber an die Hand, und manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die man ändern muss und viel dadurch bewirken kann.

Veröffentlicht am 04.04.2019

Eine wunderbare, warmherzige, mal etwas andere Liebesgeschichte mit tollen Charakteren

Love to share – Liebe ist die halbe Miete
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Der Plan ist außergewöhnlich, und ich war sehr gespannt, ob er sich verwirklichen lässt. Tiffy und Leon haben sich noch nie gesehen. Die Mietvereinbarungen mit Tiffy wickelt Leons Freundin Kay ab, denn ...

Der Plan ist außergewöhnlich, und ich war sehr gespannt, ob er sich verwirklichen lässt. Tiffy und Leon haben sich noch nie gesehen. Die Mietvereinbarungen mit Tiffy wickelt Leons Freundin Kay ab, denn so ganz einerlei ist es ihr nicht, dass sich künftig eine fremde Frau mit ihm das Bett teilen soll, wobei ja jeder seine zugewiesene Betthälfte hat und sie nicht gemeinsam, sondern abwechselnd, zu unterschiedlichen Zeiten, dort wohnen und schlafen. Tiffy hat, was Kleidung und Interieur betrifft, einen ausgefallenen Geschmack, der stark von Leons Vorstellungen abweicht. Als dieser das erste Mal nach Tiffys Einzug seine Wohnung betritt, findet er einige Veränderungen vor, die ihm gar nicht behagen. Die Situationen sind so lebendig und amüsant beschrieben, dass ich ständig schmunzeln musste. Überhaupt prallen da zwei grundverschiedene Charaktere aufeinander, denn Leon ist ein eher ruhiger, zurückhaltender und sachlicher, dabei sehr sympathischer Mensch, während Tiffy schon ein klein wenig chaotisch ist, aber auf sehr liebenswerte Art. Ich mochte beiden Protagonisten von Anfang an, und auch die meisten weiteren Charaktere, insbesondere Tiffys Freunde, Leons Bruder und seine Lieblings-Patienten, sind überzeugend dargestellt, und man muss sie einfach gern haben. Zwischen Tiffy und Leon kommt es zu einem regen Schriftverkehr, den sie über Post-its abwickeln, die sie überall in der Wohnung platzieren.
Man ahnt sehr bald, dass dieses Arrangement nicht dauerhaft gut gehen kann, und es kommt auch im Lauf der Zeit zu einigen sehr amüsanten Situationen. Anfangs hätte ich nicht erwartet, dass sich dieser Roman für mich derartig zum Pageturner entwickelt. Leons und Tiffys Geschichte ist so kurzweilig und interessant geschrieben, dass man ständig weiter lesen möchte. Bei allem Humor und der Romantik, die sich im Laufe der Geschichte einstellt, spricht das Buch jedoch auch ernste Themen an, denn sowohl Tiffy als auch Leon haben private Probleme, die sie belasten und mit denen sie sich ständig auseinandersetzen müssen. Hier erweisen sich die beiden Protagonisten als starke Charaktere, die jede Menge Empathie aufbringen, auch müssen beide über ihren Schatten springen, um letztendlich ihr Glück zu finden.
Beth O‘Leary hat hier einen eindrucksvollen Debütroman geschrieben. Die Geschichte, die sie erzählt, ist herzerwärmend und besonders, ein wundervoller Liebesroman mit Höhen und Tiefen und tollen, glaubwürdigen Charakteren.

Veröffentlicht am 26.03.2019

Als Frauen noch keine Wahl hatten

Zeit des Mutes
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Etwas Klärendes vorab: Das Buch ist ursprünglich unter dem Titel „Zeit des Mutes„ erschienen und wurde inzwischen als eBook mit dem Titel „Die Frauen von Hazelwell Manor“ neu aufgelegt. Ich habe die ursprüngliche ...

Etwas Klärendes vorab: Das Buch ist ursprünglich unter dem Titel „Zeit des Mutes„ erschienen und wurde inzwischen als eBook mit dem Titel „Die Frauen von Hazelwell Manor“ neu aufgelegt. Ich habe die ursprüngliche Taschenbuch-Ausgabe und muss gestehen, dass mir dieser Titel und auch das Cover besser gefallen als bei der Neuauflage, denn meines Erachtens passt die frühere Aufmachung besser zur Geschichte und ist aussagekräftiger. Besonders gut gefällt mir am ersten Cover, dass es passenderweise in den Farben der Suffragetten-Bewegung, weiß, violett und grün, gehalten ist.
Der Roman spielt in den Jahren 1913 bis 1918. Zu Beginn gibt es zwei Handlungsfäden, die nebeneinander her laufen und sich nach einiger Zeit miteinander verflechten.
Im einen geht es um die junge Deutsche Emma zu Sommerfeldt. Wegen eines „unverzeihlichen“ Fehltritts wird sie zu entfernten Verwandten nach England geschickt. Auf Hazelwell Manor fühlt sie sich fehl am Platz und nicht anerkannt. Dabei verliebt sie sich hoffnungslos in den jungen Lord Percival. Leider beruhen ihre Gefühle nicht auf Gegenseitigkeit, und doch gelingt es Emma, Percival zu einer Heirat zu nötigen, indem sie ein tragisches Ereignis für sich ausnutzt, ein Fehler, wie sich herausstellt und wie sich die junge Frau eingestehen muss, denn Liebe lässt sich nicht erzwingen.
Die zweite Protagonistin ist das Dienstmädchen Lucy, die aufgrund falscher Beschuldigungen ihre Arbeitsstelle auf Hazelwell Manor verliert.
Beide Frauen gehen, unabhängig voneinander, nach London. Der Zufall will es, dass sie sich wieder begegnen, aber auf einer völlig anderen Ebene. Beide schließen sich den Suffragetten an, die für das Wahlrecht aller Frauen in England kämpfen, und für beide heißt es nun, ihr Leben neu zu ordnen.

Am Beispiel der beiden Protagonistinnen, die aus völlig unterschiedlichen Gesellschaftsklassen stammen und letztendlich doch ein gemeinsames Ziel haben, werden die Ereignisse der damaligen Zeit sehr lebendig dargestellt. Trotz der gesellschaftlichen Kontraste haben die Frauen alle mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, auch wenn diese sich sehr unterschiedlich manifestieren. Letztendlich hatten weder arme noch gut situierte Frauen zur damaligen Zeit eine Wahl, wenn es darum ging, ihre Zukunft zu gestalten. Während Emma ihr Heil einzig in einer guten Partie sieht, geht es bei Lucy ums Überleben, denn mit ihrer Arbeit sichert sie nicht nur ihre Existenz, sondern auch die Versorgung ihrer kranken Mutter und ihres jüngeren Bruders. Beide sind, wenn auch auf unterschiedliche Art, der Willkür der Männer ausgeliefert. Dass Emma auf der Suche nach dem Glück zu einer eher zweifelhaften Maßnahme greift, kann man durchaus verstehen, denn in gewisser Weise ist ihre Handlung auch teilweise ihrer jugendlichen Naivität geschuldet. Dass sie einen Fehler begangen hat, merkt sie sehr bald, denn nun ist sie in einer unglücklichen Ehe gefangen und ihrem Wunsch nach Freiheit keinen Schritt näher. An Lucys Beispiel erfährt man interessante Details zu den damaligen Ereignissen. Es ist bestürzend, wenn man erfährt, wie unterschiedlich inhaftierte Kämpferinnen behandelt wurden. Frauen der gehobenen Gesellschaft wurden früher aus dem Gefängnis entlassen und besser behandelt als ihre armen Kampfgenossinnen.
Die Geschichte liest sich flüssig und sehr spannend. Bis auf ein paar Kapitelübergänge, die etwas abgehackt wirkten und bei denen ich manchmal das Gefühl hatte, es würde eine Szene fehlen, hat mir der Roman ausgesprochen gut gefallen.
Anhand vielschichtiger Charaktere und vieler historischen Fakten hat Christiane Lind hier ein klares Bild der damaligen Zeit entworfen. So ist ihr Roman nicht nur fesselnd und berührend, sondern daneben auch sehr informativ. Auf hundert Jahre Frauenwahlrecht konnten wir 2018 zurück blicken, und so ist dieser Roman genau zur rechten Zeit erschienen. Auch wenn ich aus heutiger Sicht nicht alle Aktionen der Suffragetten nachvollziehen kann, so ist mir doch bewusst, dass wir diesen mutigen, starken Frauen zu verdanken haben, wo wir heute stehen. Insofern ist dies meiner Meinung nach ein wichtiger Roman, der viel mehr Beachtung finden sollte.

Veröffentlicht am 22.03.2019

Eine süße Geschichte, die den Kleinen Vertrauen, Liebe und Geborgenheit vermittelt

Kaspar kann das schon!
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Der kleine Kaspar ist ein unternehmungslustiges Kängurukind, das sich für groß und stark hält und am liebsten die Welt erkunden würde. Seine Mama hält ihn aber zurück, denn sie ist der Meinung, dass ihr ...

Der kleine Kaspar ist ein unternehmungslustiges Kängurukind, das sich für groß und stark hält und am liebsten die Welt erkunden würde. Seine Mama hält ihn aber zurück, denn sie ist der Meinung, dass ihr Sohn für vieles noch zu klein ist. Als seine Mutter einen kurzen Moment nicht auf ihn achtet, schleicht er sich heimlich weg, um mit den anderen Tierkindern zu spielen. Er findet sie auf einer Lichtung und verbringt einen lustigen Nachmittag, und als es dunkel wird, betrachtet Kaspar begeistert die Sternbilder am Himmel. Plötzlich merkt er, dass inzwischen alle anderen Tierkinder nach Hause gegangen sind. Er ist völlig allein und weiß nicht mehr, in welche Richtung er gehen soll, um nach Hause zu kommen. In den Bäumen raschelt es unheimlich, und Kaspar hat Angst. Aber als das kleine Känguru in seiner Verzweiflung zu weinen beginnt, ist plötzlich seine Mama da. Sie tröstet ihn und verspricht ihrem Sohn, dass er nun groß genug ist, in den Kindergarten zu gehen. Für Kaspar ist die Welt wieder in Ordnung, denn er weiß sicher, dass er sich auf seine Mama stets verlassen kann und dass sie ihn immer lieb hat.
Mit warmherzigen, kurzen Texten und liebevollen Illustrationen vermittelt dieses Bilderbuch einerseits das Gefühl von Geborgenheit und Urvertrauen, denn die Erlebnisse des kleinen Kängurus Kaspar lassen sich eigentlich auf alle Kinder übertragen, denn die meisten Kleinen wollen gerne groß und selbständig sein und überschätzen sich dabei oft selbst. Die Geschichte zeigt, dass sich kleine Kinder auf ihre Mama verlassen können und von ihr auch geliebt werden, wenn sie einmal unartig waren oder etwas angestellt haben.
Daneben erfahren die Kleinen auch etwas über ein fremdes Land, denn die schön gezeichneten Bilder zeigen nicht nur Kängurus, sondern auch andere Tiere Australiens.
Ich finde dieses Bilderbuch insgesamt sehr gelungen, nur zwei kleine Kritikpunkte habe ich dazu. Zum einen stimmen die Größenverhältnisse auf einem Bild nicht ganz, wo Kaspar vor seiner Mutter steht und ich beim Betrachten Zweifel habe, wie so ein großes Kängurukind noch in den Beutel der Mutter passen soll. Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass Text und Bild auch in kleinen Details aufeinander abgestimmt sind. Als Kaspar die Sterne betrachtet, erkennt er am Himmel ein Sternbild, das aussieht wie eine Honigbiene und ein anderes sieht aus wie ein Känguru. Das Känguru ist auch am Himmel zu erkennen, die Honigbiene jedoch nicht. Ich höre an dieser Stelle schon meine kleine Nichte fragen, wo denn die Biene steckt. Kinder sehen erfahrungsgemäß immer sehr genau hin.
Das Bilderbuch wird für Kinder ab vier Jahren empfohlen, vermutlich, weil erst Vierjährige erfassen können, dass die Geschichte in einem anderen Land spielt, aber ich denke, an den liebevollen Bildern in naturgetreuen Farben und an der süßen Geschichte werden auch Dreijährige bereits ihre Freude haben und die Botschaft, die dieses Buch vermittelt, verstehen können.
Alles in allem kann ich dieses schöne Büchlein wirklich empfehlen.

Veröffentlicht am 19.03.2019

Ein facettenreicher historischer Roman um eine ungewöhnliche Freundschaft

Dragonerkind
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Man schreibt das Jahr 1758; die Welt befindet sich mitten im Krieg. Die arme Bauernfamilie Malparnasse aus dem kleinen Dorf Montmilcent leidet Hunger. Das Essen reicht hinten und vorne nicht für ihn selbst, ...

Man schreibt das Jahr 1758; die Welt befindet sich mitten im Krieg. Die arme Bauernfamilie Malparnasse aus dem kleinen Dorf Montmilcent leidet Hunger. Das Essen reicht hinten und vorne nicht für ihn selbst, seine Frau und die neun Kinder. In seiner Verzweiflung bringt Jacques Malparnasse seine beiden ältesten Kinder aus dem Haus. Der zwölfjährige Jean kommt als Bursche zu Leutnant Philippe de Belsace nach Argentan. Auch wenn Jean immer wieder das Heimweh packt, so merkt er doch schnell, dass er es mit seinem Herrn gut getroffen hat, denn Leutnant Belsace versorgt ihn nicht nur mit Kleidung und Essen, sondern er behandelt ihn freundlich, und als er spürt, wie wissbegierig sein Bursche ist, bringt er ihm das Lesen, Schreiben, Rechnen und vieles mehr bei. Philippe ist viel mehr für Jean als sein Herr, denn der Junge verehrt und liebt den Mann, der für ihn sorgt. Aber auch für Philippe wird Jean bald viel mehr als ein Diener. Er bringt dem Jungen echte Zuneigung entgegen und behandelt ihn, wie ein guter Vater seinen Sohn behandeln würde. Bald sind die beiden ein eingeschworenes Team, sie können sich bedingungslos aufeinander verlassen. Als sie nach Deutschland ziehen müssen und die nächste Schlacht vor der Tür steht, wartet so manche Bewährungsprobe auf diese ungewöhnliche Freundschaft.

Ich gebe zu, ich habe sehr lange an diesem Roman gelesen, was mehrere Gründe hat. Zum einen ist es ein ganz schöner Wälzer mit einem stattlichen Gewicht, und die Geschichte von Philippe und Jean ist auf über 700 Seiten und zudem noch sehr klein gedruckt. Aus den genannten Gründen konnte ich das Buch immer nur in kleinen Etappen lesen, was aber keinesfalls an der Handlung oder der Schreibweise lag.
Die Geschichte über diese ungleiche Freundschaft ist nämlich sehr fesselnd, faszinierend und schön geschrieben. Egal ob es sich um das Kriegsgeschehen handelt oder darum, wie Jean sich bei seinem Leutnant einlebt, die Autorin beschreibt alles sehr detailreich. Gerade an Jeans Schicksal, an seinen Gedankengängen und Gefühlen nimmt man als Leser regen Anteil. Wenn Jean seine ersten Kriegserlebnisse seelisch verarbeiten muss, ist man quasi hautnah dabei. Ich würde diesen Roman nicht nur als historischen (Abenteuer-)Roman bezeichnen, sonder er ist viel mehr. Ich empfinde ihn auch als Entwicklungsroman, denn man erfährt sehr viel und in detaillierten Schritten über Jeans Bildung, und nicht nur der Junge macht im Lauf der Zeit einen Reifeprozess durch, sondern auch sein Herr, denn dieser macht sich viele Gedanken über Gott und die Welt und ist ein Suchender nach mehr Menschlichkeit.
Im Zusammenleben mit dem Leutnant stellt Jean bald fest, dass Philippe ein düsteres Geheimnis mit sich herumschleppt, das ihm schwer auf die Seele und aufs Gemüt drückt. So gerne würde er seinem Herrn helfen, aber der offenbart sich ihm lange Zeit nicht. Erst ziemlich am Ende des Romans erfährt man, was Philippe bedrückt. Diesen ganzen Enwicklungsprozess habe ich mit Spannung verfolgt. Herr und Diener gehen miteinander durch Dick und Dünn, sie retten sich gegenseitig den Hals und sind in Gesundheit und Krankheit füreinander da. Auch viele Abenteuer warten auf die beiden Helden.
Die Autorin bringt sehr viel historisches Wissen in ihren Roman mit ein, und ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie aufwändig die Recherchearbeit für dieses Buch vermutlich war.
Faszinierend finde ich, dass Karola Briese im Verlauf der Handlung quasi immer wieder kleinere Geschichten in die Hauptgeschichte einbringt, beispielsweise wenn Philippes Freund, der Schotte James MacFarlane wieder einmal auftaucht und dringend Hilfe braucht, die ihm Philippe auch stets gewährt, auch wenn er dabei selbst viel riskiert. Während dieser gemeinsamen Unternehmungen erzählt James aus seinem Leben, und so kommen wieder ganz neue historische Aspekte dazu und erweitern das Informationsspektrum.
Es ist ein sehr emotionaler Roman, eine starke Geschichte mit wunderbaren Charakteren, mit viel Feingefühl und Empathie geschrieben. Für mich ist es kein Buch, das man mal so schnell nebenher liest, sondern ich habe mich sehr bewusst auf die detaillierten Schilderungen eingelassen.
In gewisser Weise ist die Handlung in diesem Buch abgeschlossen, aber es gibt noch einige offene Fragen, die jedoch schon wieder zu einer anderen Geschichte gehören, zu einem neuen Abenteuer, von dem Karola Briese sicher in der gerade erschienenen Fortsetzung „Dragonerblut“ erzählt.
Besonders erwähnenswert ist auch die sorgfältige Ausstattung des Buches, denn im Anhang finden sich die Liedtexte aus der Geschichte, und ein umfangreiches Glossar komplettiert den Roman.