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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2025

Gruselig und spannend

Wer die Toten stört
1

James Willoughby ist ein junger Mann aus gutem, aber verarmtem Hause. Er will Arzt werden und kommt zum Studium nach Edinburg. Hier arbeiten die besten Anatomen jener Zeit an echten Leichen.
Die Geschichte ...

James Willoughby ist ein junger Mann aus gutem, aber verarmtem Hause. Er will Arzt werden und kommt zum Studium nach Edinburg. Hier arbeiten die besten Anatomen jener Zeit an echten Leichen.
Die Geschichte ist sprachlich ganz im Stile jener Zeit geschrieben. Das Gruselige, das Toten anhaftet, weht geradezu durch durch die Buchseiten. Huh! Manche der eigentlich grauenhaften Szenen erscheinen durchaus komisch. Und es ist schließlich der Beginn der modernen Medizin. Nur so kann man erfahren, wie es im menschlichen Körper aussieht: indem man ihn aufschneidet und hineinsieht.
In diesem Spannungsfeld entwickelt sich der junge James, und ebenso der Roman. Stehen zuerst noch der Gruselaspekt und die Faszination im Vordergrund, so wird das Ganze schnell zu einem Krimi und dann zu einem Thriller, in dem es darum geht, nicht selber zur Leiche zu werden, sondern Mörder zu überführen. Ganz nebenbei erlebt James noch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte.
Es passiert also eine ganze Menge auf diesen vierhundert Seiten. Lesen!

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  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 25.11.2025

Anstrengend

Sieben Jahre
0

An den europäischen Fürstenhöfen im 18. Jahrhundert herrschen Intrigen, Machtspiele, Verrat. Mittendrin: der deutsche König Friedrich der Zweite und seine Geschwister, allesamt Kinder des Soldatenkönigs ...

An den europäischen Fürstenhöfen im 18. Jahrhundert herrschen Intrigen, Machtspiele, Verrat. Mittendrin: der deutsche König Friedrich der Zweite und seine Geschwister, allesamt Kinder des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.
Das Buch ist schön gemacht mit Farbschnitt und Lesebändchen, ist aber mit über 800 Seiten auch ein dicker Wälzer. Das Cover lässt vermuten, dass es um das Leben der Höflinge in den preussischen Schlössen geht, was so nicht stimmt. Es gibt eine Liste der Hauptpersonen. Eine Karte wäre hilfreich gewesen. Die auftretenden Personen sind historisch verbürgt, die Briefe echt.
Die ersten Szenen werfen ein emotionales Schlaglicht auf die grausame Erziehung der Kinder des Soldatenkönigs. Diese „dysfunktionale Familie“ steht im Zentrum der Geschichte, im Wesentlichen der älteste Sohn, Friedrich der Zweite, König von Preußen, und seine Brüder Wilhelm und Heinrich. Darüber hinaus werden weitere Hauptpersonen und Einzelschicksale geschildert. Das macht es schwierig, den Überblick zu behalten und dranzubleiben. Jede einzelne Persönlichkeit ist zwar glaubhaft und teilweise sehr emotional dargestellt, aber es sind einfach zu viele. Der „Mohr“ Hannibal, der eine Außenseiterrolle einnimmt, macht das Ganze ein wenig fassbarer.
Die politischen Beziehungen und all die Strategien und Schlachten im Einzelnen zu verfolgen und zu verstehen, ist mir leider nicht immer gelungen. Das ständige Töten und Zählen von Toten – tausende, ja zehntausende Menschen, jedes Mal - wirkt nicht nur grausam, sondern auch ermüdend. Die Autorin hat sehr umfassend und detailreich recherchiert, aber es hätte schärfer fokussiert, ein klarer Schwerpunkt gesetzt werden müssen.
Für mich war es in erster Linie anstrengend. Für die, die sich mit dieser Zeit in der deutschen Geschichte gut auskennen, ist es eine interessante Interpretation.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Beeindruckend

Die Knef
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Hildegard Knef (*1925) war als Schauspielerin, Sängerin und Autorin sehr erfolgreich. Dieses Buch schildert ihr Leben als Bildergeschichte in Form künstlerischer Comics. Zahlreiche Zitate sind eingebaut.
Hier ...

Hildegard Knef (*1925) war als Schauspielerin, Sängerin und Autorin sehr erfolgreich. Dieses Buch schildert ihr Leben als Bildergeschichte in Form künstlerischer Comics. Zahlreiche Zitate sind eingebaut.
Hier werden die emotionalsten Momente aus dem Leben der Knef künstlerisch dargestellt. Die Zeichnungen deuten die Personen nur an, im Mittelpunkt stehen Erlebnisse und Emotionen. Es ist hilfreich, dass die wichtigsten Personen am Anfang schon gezeigt und vorgestellt werden.
Die Darstellung folgt der Chronologie. Der Schwerpunkt auf Knefs Gefühlswelt wird der Künstlerin gerecht. Die Bilder zeigen ihre Wahrnehmung und deuten Konflikte an. Sie ist eine sehr selbstständige Persönlichkeit, aber das gesteht man Frauen in der Nachkriegszeit nicht zu. Dennoch hat sie Erfolg in der Rolle als „moderne, unabhängige Frau“. Und später auch als Sängerin und mit eigenen Liedern.
Das Buch ist auch handwerklich richtig schön: Ein fester Einband, ein großes Format und dickes Papier, das sich gut anfühlt. Comic ist heute eine eigene Kunstform. Dies ist ein beeindruckendes Beispiel.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Düstere Familiengeschichte

Das Nest
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Fran lebt mit ihrer Familie an der englischen Küste und vermietet Ferienheime an Touristen. Ihr Sohn Bruno und ihre Nichte Sadie gehen gemeinsam zur Schule im Ort. Frans Schwester und der alkoholsüchtige ...

Fran lebt mit ihrer Familie an der englischen Küste und vermietet Ferienheime an Touristen. Ihr Sohn Bruno und ihre Nichte Sadie gehen gemeinsam zur Schule im Ort. Frans Schwester und der alkoholsüchtige Schwager leben ebenfalls hier. Eine Gruppe Roma lässt sich auf einem Nachbargrundstück nieder. Einer von ihnen, Tad, erzählt im Wechsel mit Fran die Geschichte aus der Ich-Perspektive. Dadurch erhalten wir einerseits einen tiefen Einblick in das jeweilige Lebensgefühl als auch den Blick von außen.
Die Atmosphäre ist sehr dicht, aber die Handlung recht undurchsichtig. Tote Vögel werden gefunden, dann auch ein toter Mensch. Die Stimmung ist gedrückt, die Menschen wirken belastet ohne dass man genau weiß, warum. Das Vogelnest am Strand, das Fran immer wieder besucht, ist ein Highlight in einem tristen Leben ohne Höhepunkte. Auch Fran erscheint merkwürdig haltlos. Ihre Schwester ist distanziert, der Schwager verschwindet ganz, für ein paar Tage. Sohn und Kusine freunden sich an, was niemand wirklich gerne zu sehen scheint. Die Roma scheinen es leichter zu haben, mit einander und mit ihrem Dasein.
Die Auflösung ist überraschend, das Ende grausam.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Abenteuerlich

Tage einer Hexe
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Kosara ist eine Hexe. An den „schmutzigen“ Tagen zwischen Neujahr und dem 12. Januar sind in ihrer Stadt die Monster los. Für Hexen wie sie bedeutet das jede Menge Arbeit, um sich und andere zu schützen. ...

Kosara ist eine Hexe. An den „schmutzigen“ Tagen zwischen Neujahr und dem 12. Januar sind in ihrer Stadt die Monster los. Für Hexen wie sie bedeutet das jede Menge Arbeit, um sich und andere zu schützen. Die Monster entstammen dem osteuropäischen Kulturraum und sind bei uns weitgehend unbekannt, ebenso wie die Fähigkeiten der Hexe. Das macht diese Fantasy-Welt besonders fremd.
Kosara muss sich ihrem größten Feind stellen: dem Mann, den sie liebte und der sie fast zerstört hat. Sie gewinnt dabei überraschend einen Verbündeten, der seinerseits voller Rätsel ist und sie auf einer wilden Reise über Friedhöfe, durch den Palast des Bösen und schließlich durch eine Mauer hindurch begleitet.
Kosara ist eine starke Frau. Sie ist verletzlich, voller Selbstzweifel, und sie besitzt einen erfrischenden Sarkasmus. So kann man sich leicht in sie hineinversetzen. Mit Kosara erleben wir Abenteuer in einer fast unbekannten Welt, voller überraschender Wendungen und fremdartiger Wesen. Das ist sehr spannende, abenteuerliche Fantasy, wie man sie bisher kaum gelesen hat.
Es gibt eine Fortsetzung.

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