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Laurel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2025

Interessant & wichtig aber spannungsarm

Beeren pflücken
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Dieses Buch sprach mich mit seinem wunderschönen Cover sofort an. Und auch das Thema, wie mit Ureinwohnern von den "Bevölkerern" umgegangen wird, welche Ungerechtigkeiten es gab und auch immer noch gibt, ...

Dieses Buch sprach mich mit seinem wunderschönen Cover sofort an. Und auch das Thema, wie mit Ureinwohnern von den "Bevölkerern" umgegangen wird, welche Ungerechtigkeiten es gab und auch immer noch gibt, fand ich sehr wichtig und interessant.

Es geht um eine Familie des Mi'kmaq-Volks in Nordamerika, die im Sommer nach Maine zieht, um dort Blaubeeren zu pflücken. Im Sommer 1962 verschwindet plötzlich die jüngste der Geschwister. Diese Geschichte erzählt ihr Bruder Joe fast 50 Jahre später, während er auf dem Sterbebett liegt.

Parallel zu dieser Geschichte wird die von Norma erzählt. Norma ist ein junges Mädchen, die von ihren Eltern größtenteils zuhause gehalten und von der "gefährlichen Welt" abgeschirmt wird. Sie möchte mehr über ihre frühe Kindheit wissen. Seltsamerweise gibt es keine Fotos von ihrer Familie und die Geschichten ihrer Eltern sind auch nicht stimmig. Eines Tages macht sie eine Entdeckung, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt...

Die Geschichte fesselte mich dann jedoch leider nicht so sehr. Die Wendung in der Geschichte wird mühevoll vorbereitet, ist jedoch schon auf der ersten Seite des Kapitels von Norma klar. Für mich fehlte leider etwas Spannung. Es ist trotzdem eine sehr interessante und wichtige Geschichte, um Einblicke in die Benachteiligungen und Ungerechtigkeiten, die Ureinwohner-Familien erfahren, zu bekommen. Nur wenn es solche Geschichten gibt, kann die Empathie wachsen!

Veröffentlicht am 19.04.2025

Idyllisch

Das ist Glück
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„Das ist Glück“ von Niall Williams ist ein ruhiger, sprachlich fein gearbeiteter Roman, der in einem kleinen irischen Dorf der 1950er Jahre spielt. Die Geschichte entfaltet sich langsam und lebt vor allem ...

„Das ist Glück“ von Niall Williams ist ein ruhiger, sprachlich fein gearbeiteter Roman, der in einem kleinen irischen Dorf der 1950er Jahre spielt. Die Geschichte entfaltet sich langsam und lebt vor allem von ihrer Atmosphäre, den Beobachtungen des Alltags und der stillen Tiefe der Figuren. Williams Erzählweise lebt vom Feingefühl und seinem Gespür für Zwischentöne – ohne große Dramatik, aber mit nachhaltiger Wirkung. Er zeichnet die Charaktere authentisch, sodass ich mich gut in sie hineinversetzen kann. Mir gefällt auch besonders die Hörbuchfassung: Die Stimme des Sprechers ist sehr angenehm und trägt mit ihrer ruhigen, unaufdringlichen Art wesentlich zur Wirkung der Geschichte bei. Sie passt hervorragend zu der entschleunigten Geschichte und macht das Hörbuch zu einer stimmigen und durchgehend gelungenen Umsetzung des Textes. Ein leises Buch, das lange nachwirkt.

Veröffentlicht am 11.04.2025

Beeindruckend

Schwebende Lasten
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Hanna Krause ist eine Frau, die jung war, als die Nazis an die Macht kamen, die den 2. Weltkrieg miterlebte und großes Leid erfuhr, sich aber immer aufrappelte und schließlich in einem Männerberuf bestand. ...

Hanna Krause ist eine Frau, die jung war, als die Nazis an die Macht kamen, die den 2. Weltkrieg miterlebte und großes Leid erfuhr, sich aber immer aufrappelte und schließlich in einem Männerberuf bestand. Das ist ganz beeindruckend zu lesen! Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet für das Leben der Generation unserer Urgroßmütter.
Was mir auffällt – sie hat nicht geklagt, sondern immer weitergemacht. Der schwache Mann, die dauernden Schwangerschaften, Armut und Tod, alles hat sie ausgehalten. Beim Lesen hatte ich oft Mitleid mit ihr, das dann in Respekt überging. Sowohl Inhalt als auch Schreibstil ließen mich dranbleiben. Ohne Kitsch und Happy End, eben wie das echte Leben, wird diese Geschichte erzählt. Die Liebe zu den Blumen und die den Kapiteln vorangestellten Beschreibungen gefielen mir besonders und fügten sich in das Gesamtbild von Hanna Krause ein. Dass, und wie sie am Ende ihres Lebens zu den Blumen zurückfindet, hat mich sehr gerührt.
Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für Lebensgeschichten interessiert, und dabei keine Klischees braucht, wie sie in anderen Frauengeschichten vorkommen.

Veröffentlicht am 01.04.2025

Interessante Einblicke

Das Parlament der Natur
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Ich habe mich für das Buch beworben, weil ich in dieser Richtung arbeite und mit bisher nicht gegebene Einblicke in das Naturkundemuseum Berlin und Meinungen zur politischen Situation rund um dieses Thema ...

Ich habe mich für das Buch beworben, weil ich in dieser Richtung arbeite und mit bisher nicht gegebene Einblicke in das Naturkundemuseum Berlin und Meinungen zur politischen Situation rund um dieses Thema bekommen wollte. Ich wurde nicht enttäuscht.
Das Buch ist im Interviewformat zwischen Boris Herrmann und den beiden Naturwissenschaftlern Johannes Vogel und Sarah Darwin geschrieben. Alles fing an mit einem Zeitungs-Interview. Schnell wurde klar, dass in diesem limitierten Format längst nicht alles gesagt werden kann, also wurde sich zu einem Buch entschlossen.
Die drei Gesprächspartner sind sympathisch und schaffen es, wichtige und komplexe Themen für die Allgemeinheit verständlich zu machen.
Hinter dem Buch steht enorm viel Wissen, Recherche und Erfahrung. Es wird mit einigen schönen Bildern aufgelockert.
Es hat Spaß gemacht, dieses Sachbuch zu lesen, wobei mir das Format als Interview nicht gänzlich gefallen hat. Ich bin nun aber auf jeden Fall schlauer und die gewünschten Eindrücke in die Museumssammlung habe ich auch bekommen.

Veröffentlicht am 14.03.2025

Sprachlich stark

Der Einfluss der Fasane
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Beim Buch „Der Einfluss der Fasane“ sollte ein aktuelles und gesellschaftspolitisches Thema behandelt werden: Panikmache und Hetzjagd in Medien sowie das schnelle und oberflächliche Abarbeiten von zu Skandalen ...

Beim Buch „Der Einfluss der Fasane“ sollte ein aktuelles und gesellschaftspolitisches Thema behandelt werden: Panikmache und Hetzjagd in Medien sowie das schnelle und oberflächliche Abarbeiten von zu Skandalen aufgeputschten Geschehnissen. Das hätte ein sehr wichtiges Buch werden können, jedoch wurde es inhaltlich nicht sehr tiefgründig. Die Handlung drehte sich eher um die Journalistin Hella Karl, ihre Gefühlswelt und Privatleben. Sicher ist dies eng mit dem Job verknüpft, ich hatte nur auf ein weiter gefasstes Bild gehofft. Hella wirkt auf den Leser kühl, harsch und irgendwie unnahbar. Ich wurde während der gesamten Geschichte nicht warm mit ihr, konnte mich nicht mit ihr identifizieren.

Abgesehen vom Inhalt ist das Buch handwerklich total gut gemacht. Jeder Satz hat einen Feinschliff erhalten. Die Sprache ist so „akkurat“, die Autorin trifft oft genau auf den Punkt.

Alles in allem war es vielleicht nicht die Art der Geschichte, die ich erwartet habe und die mir gefällt. Sie wird aber ihre Liebhaber finden. Durch die Erzählweise und sprachlichen Gestaltung konnte ich dem Buch doch etwas abgewinnen.