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Veröffentlicht am 22.12.2024

Bewegende Erzählung aus Zeiten im Umbruch

Damals waren wir frei
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Mina ist ein sympatischer Freigeist, wächst in Geborgenheit bei ihren Eltern in der DDR auf. Doch eines Tages hört sie durch Zufall mit an, wie ihre geliebte Mutter eine unglaubliche Lebenslüge beichtet, ...

Mina ist ein sympatischer Freigeist, wächst in Geborgenheit bei ihren Eltern in der DDR auf. Doch eines Tages hört sie durch Zufall mit an, wie ihre geliebte Mutter eine unglaubliche Lebenslüge beichtet, die auch Mina den Boden unter den Füßen wegzuziehen droht.

Die Story und das Cover haben mich sofort angesprochen, Mina und der Tanzpalat haben mein Herz im Sturm erobert. Die beschriebene Stimmung, hin- und hergerissen zwischen Ost-Alltag, dem unbändigen Wunsch frei sein zu wollen und dabei in einem System eingesperrt zu sein, das sich die meisten Menschen gar nicht ausgesucht haben, erzeugt ein konstantes Spannungsfeld. Diese "Natürlichkeit im Widerspruch" findet sich auch an einigen Stellen bei den Protagonisten dieses Buches wieder. So liebt Mina einerseits die Atmosphäre der Nacht und die durchtanzten Nächte sehr, zugleich weiß sie aber auch um die Erschöpfung, die so ein Leben gegen den natürlichen Rhythmus birgt. Ihre Mutter fand vor Jahren die Liebe ihres Lebens und doch nie den Mut, sich zu ihr zu bekennen, sowie ihr altes Leben und ihre Rolle darin infrage zu stellen.

Sprachlich leicht begleitet die Leserin / der Leser Mina und ihre Familie auf der Suche nach sich selbst und durch Zeiten des Umbruchs. An manchen Stellen fand ich die Satzstellung etwas sperrig, dem allgemeinen Lesefluss und der -freude hat das keinen Abbruch getan. Mehrere Passagen des letzten Drittels waren von Gänsehaut begleitet: Der Abschied von tragenden Charakteren der Geschichte war ebenso bewegend wie das Ende von Minas Suche oder der Mauerfall, der so viele Menschen in Ost und West nach Jahrzehnten der Trennung wiedervereint hat.

Ein wenig gehadert habe ich mit den sehr gefälligen und fast ausnahmslos positiven Wendungen in dieser bewegten Geschichte. Es lief stellenweise schon zu selbstverständlich gut, um noch glaubwürdig zu sein. Aber vielleicht ist dieses Buch genau deshalb ein kleines Bollwerk an Positivität und Zuversicht. Es kann eben doch alles gut werden und es darf auch mal einfach alles gut werden, wenn wir es nur zulassen.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Erdrückend...

Mutternichts
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"Mutternichts" nimmt die Leserin / den Leser mit in die Gedankenwelt der Erzählerin, womöglich der Autorin. Ob die Geschehnisse, die in diesem Buch geschildert werden, Fiktion sind oder sich so zugetragen ...

"Mutternichts" nimmt die Leserin / den Leser mit in die Gedankenwelt der Erzählerin, womöglich der Autorin. Ob die Geschehnisse, die in diesem Buch geschildert werden, Fiktion sind oder sich so zugetragen haben, erfährt man nicht. Und so begibt sich diese Erzählerin nun auf die Reise nach dem Tod ihrer Mutter deren "Nichts" zu erkunden, vielleicht mit Leben, auf jeden Fall aber mit Antworten zu füllen.

Ich habe dieses Buch aus einer spontanen Laune heraus in der Buchhandlung gekauft, da Klappentext und Titel mich angesprochen hatten. Dass es keine leichte Kost würde, war erwartbar. Dass dieses Buch aber mit so einer Schwere und Trostlosigkeit, in Teilen auch Verzweiflung daherkommt, nicht. All die Ohnmacht und Hilflosigkeit sind in sehr lyrische, aber eben auch häufig sehr lange, stark verschachtelte Sätze gebettet, welche das Lesen noch unangenehmer gestalten als der bloße Inhalt dieses Buches.

Es ist nicht per se schlecht, jedoch sollte der komplexe Schreibstil gefallen und der sehr schwere, bedrückende Inhalt in Kauf genommen oder sogar von der Leserin / dem Leser gewollt sein. Dieses Buch hat nichts Tröstliches an sich. Und darauf hatte ich gehofft.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Grandiose Idee, leider nur mittelmäßige Umsetzung

The Hollow Places
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Kara zieht nach ihrer Scheidung vorübergehend im „Wundermuseum“ ihres Onkels Earl ein. – Der Name ist hier Programm! Gesäumt von Kuriositäten dauert es nicht lange, da beginnen merkwürdige Begebenheiten ...

Kara zieht nach ihrer Scheidung vorübergehend im „Wundermuseum“ ihres Onkels Earl ein. – Der Name ist hier Programm! Gesäumt von Kuriositäten dauert es nicht lange, da beginnen merkwürdige Begebenheiten ihren Lauf zu nehmen und Kara startet gemeinsam mit dem sehr besonderen Barista Simon von nebenan eine abenteuerliche Reise in eine kaum vorstellbare Parallelwelt.

T. Kingfishers neustes Werk beginnt stark, sprachlich sehr direkt und toll zugänglich und wunderbar schwarzhumorig. Wer die Beschreibung der Exponate aus dem Wundermuseum nicht direkt einem Bild zuordnen kann, sei wärmstens empfohlen, eine Bildersuche im Internet zu nutzen. Vor meinem geistigen Auge sind in der Folge dieser kleinen Übung viel grausigere Szenen entstanden als ohne diesen zusätzlichen Impuls.

Leider entwickelt sich die Handlung dann nicht so temporeich und spannend weiter, wie auf Basis der ersten Seiten zu erwarten gewesen ist, es folgen einige Längen in einer Welt, die so anders ist, dass manche Beschreibungen auch mit sehr viel Phantasie kaum bildlich Gestalt annehmen können.

Im letzten Drittel gewinnt die Story dann an Fahrt, es wird richtig spannend, jedoch konnte mich das Ende und die Auflösung nicht überzeugen. Zu viele Mysterien werden recht platt und einfallslos zu Ende gebracht oder aufgelöst, jedenfalls in meiner subjektiven Wahrnehmung.

Unter dem Strich ein okayes Buch, das allerdings deutlich hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Sehr schade!

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Veröffentlicht am 23.11.2024

Ein Klassiker, zeitlos, toll zum selbst lesen oder vorlesen

Löcher
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Stanley hat gestohlen und dafür wird er bestraft - er wird zur "Charakterbildung" nach Camp Green Lake geschickt. Doch hat Stanley wirklich gestohlen und welche Rolle spielt bei den Geschehnissen der seit ...

Stanley hat gestohlen und dafür wird er bestraft - er wird zur "Charakterbildung" nach Camp Green Lake geschickt. Doch hat Stanley wirklich gestohlen und welche Rolle spielt bei den Geschehnissen der seit Generationen anhaltende Familienfluch?

Vor über 20 Jahren habe ich "Löcher" zum ersten Mal selbst gelesen und nun genau diese Ausgabe aus dem Regal genommen, um sie meinem 9-jährigen Sohn vorzulesen. Ich muss zugeben, alterstechnisch machen die verbreiteten Kundenempfehlungen von 11-12 Jahren aufgrund einiger und auch deutlicher Gewaltschilderungen durchaus Sinn. Nichtsdestotrotz habe ich meinen Sohn selten so sehr mit einem Buch fiebern sehen wie mit "Löcher". Die Geschichte um Stanley und seinen späteren Freund Hector hat ihn gepackt und das Vorlesen hätte am besten gar nicht geendet.

Die Geschichte vorzulesen, hat Freude gemacht und war aufgrund von Zeitsprüngen, zahlreichen Charakteren und diversen englischen Begriffen gar nicht mal so trivial wie man sich das als (vor)lesebegeisterer Elternteil vorstellt.

Dieses Buch ist vielleicht nicht das beste Jugendbuch, das jemals geschrieben wurde, aber die Geschichte, die beschriebenen historischen Gegebenheiten, die Moral um die Wichtigkeit von Freundschaft, Zusammenhalt und Loyalität, machen es vollkommen zurecht zu einem Standardwerk, das heute regelmäßig im Deutschunterricht genutzt wird.

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Veröffentlicht am 09.11.2024

Spannende Idee, tolles Buch - aber nicht Fitzeks bester Psychothriller

Das Kalendermädchen
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Olivia bangt um das Leben ihrer Adoptivtochter Alma. Um das Mädchen zu retten, muss sie sich auf eine unfassbare Reise in die Vergangenheit begeben und herausfinden, wer Almas leibliche Mutter ist. Dabei ...

Olivia bangt um das Leben ihrer Adoptivtochter Alma. Um das Mädchen zu retten, muss sie sich auf eine unfassbare Reise in die Vergangenheit begeben und herausfinden, wer Almas leibliche Mutter ist. Dabei stößt sie auf eine moderne urbane Legende, "das Kalendermädchen", und den wohl schrecklichsten lebendigen Adventskalender, den man sich vorstellen kann.

Sebastian Fitzeks neuer Psychothriller "Das Kalendermädchen" kommt mit einer zur Jahreszeit passenden, außergewöhnlichen Story daher, die schnell mein Interesse geweckt hat. Die geniale Sonderausstattung der ersten Auflage war das Sahnehäubchen, die Kaufentscheidung eine sehr leichte.

Die Geschichte spielt auf insgesamt drei Zeitebenen, was es nicht immer leicht macht, die Orientierung zu behalten. Ich gehe davon aus, dass genau das auch gewollt ist. Sprachlich bleibt sich Fitzek treu, der Psychothriller liest sich sehr flüssig und ansprechend.

Anders als sonst, habe ich gut die Hälfte des Buches benötigt, um für mich richtig in den Sog der Story zu finden. Charaktere, Namen und auch die Geschehnisse konnten mich nicht richtig packen. Besonders habe ich mit den umgedichteten weihnachtlichen Verszeilen zu kämpfen gehabt. Statt mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen, kam mir des Öfteren ein "Echt jetzt..?!" der enttäuschten Art in den Sinn.

Ab der Hälfte gewann die Handlung deutlich an Dynamik und erste Zusammenhänge begannen offenkundig zu werden. Ab diesem Moment konnte ich das Buch dann auch nicht mehr aus der Hand legen, weil es auf eine Art fesselnd war, die ich so bei Fitzek auch noch nicht kannte. Es ging dabei weniger um das Auflösen der (Hoch-)Spannung, sondern eher darum, herauszufinden, ob meine eigenen Mutmaßungen zu den persönlichen Verstrickungen der diversen Charaktere und ihren jeweiligen Rollen in diesem umfangreichen Konstrukt zutreffend waren oder sich überraschend doch etwas ganz Anderes ergab. - Und es gab eine angenehme Vielzahl von ungeahnten Zusammenhängen und nicht vermuteten Hintergründen.

Alles in allem daher ein gelungener weihnachtlicher Psychothriller, wenn auch für mich nicht so fesselnd und verstörend wie andere Bücher des Autors.

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