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Veröffentlicht am 27.08.2023

Ein wunderbares Buch über Vertrauen, Ankommen und starke Frauen

Tage im warmen Licht
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Selten hat mich ein Buch - obwohl im Grunde vorhersehbar - so abgeholt. Kristina Pfister beobachtet genau. Und das gilt nicht nur für ihre liebevoll gezeichneten Charaktere, sondern auch für Stimmungen. ...

Selten hat mich ein Buch - obwohl im Grunde vorhersehbar - so abgeholt. Kristina Pfister beobachtet genau. Und das gilt nicht nur für ihre liebevoll gezeichneten Charaktere, sondern auch für Stimmungen. Die Beschreibung des Heimatortes von Maria versetzt mich zurück in meine Kindheit. Beim Lesen habe ich das Gefühl, selbst mitten in der Geschichte zu stecken. Die Bilder in meinem Kopf sind ganz lebendig. Ich mag die Figuren, ihre Wut und Störrigkeit, ihre Weisheit und Gelassenheit.

Maria - mit ihrer Tochter notgedrungen weg gezogen von München - wird in ihrer alten Heimat mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Sie ist nicht grundlos vor 22 Jahren weggegangen und muss sich nun entscheiden, ob sie die Geschehnisse von damals abschließen kann. Sie muss herausfinden, ob sie vertrauen will, ob sie ankommen will in der alten Heimat.

Wir ahnen, was passiert ist, auch wenn die Wahrgheit nur stückweise ans Licht kommt. Ich leide mit Maria, die einfach nicht weiß, wie sie klar kommen soll mit all ihren Erinnerungen, wie sie um sich wütet, wie sie trauert. Zum Glück hat sie starke Frauen um sich herum. Die Oma - nicht mehr lebendig aber doch so nah -, vor allem aber Martha, die eine Stütze für viele Frauen des Ortes ist.

Das Eintauchen in die Gefühlswelten, das Begleiten der Entwicklung von Maria und ihrer Tochter ist für mich ein wahres Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 20.08.2023

Eine aberwitzige Geschichte – wunderbar umgesetzt

Kommissar Jennerwein darf nicht sterben
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Kommissar Jennerwein macht Urlaub. Die geheimnisvolle Gattin (wunderbar die versteckten Andeutungen im ganzen Buch!) hat ihn überzeugt, dass er eine Auszeit braucht. Doch er kann nicht aus seiner Haut. ...

Kommissar Jennerwein macht Urlaub. Die geheimnisvolle Gattin (wunderbar die versteckten Andeutungen im ganzen Buch!) hat ihn überzeugt, dass er eine Auszeit braucht. Doch er kann nicht aus seiner Haut. Schon am Frühstücksbuffet entdeckt er zwielichtige Gestalten: so fallen ihm professionelle Buffetschmarotzer und bedauernswerte Küchenspringer ins Auge. Diese wunderbar abstrusen Nebengeschichten machen das Buch so besonders. Feine Formulierungen, ausgewählte Adjektive zur Beschreibung von sonderbaren Situationen – das alles ist ein köstliches Lesevergnügen.
Natürlich wird Jennerwein nicht in Ruhe urlauben. Ein Mann ist verschwunden und nur Jennerwein scheint in der Lage, ihm hinterher zu spüren. Und so taucht er ein in die Fabrik der Zukunft. KI, virtuelle Welten, sprechende Roboter, echte Menschen(?). In dieser unbekannten Welt lauert überall Gefahr für Jennerwein.
Aber auch in der realen Welt droht Ungemach. Mehrere Parteien trachten Jennerwein nach dem Leben. Warum? Die vielfältigen Gründe sind wunderbar unterhaltsam beschrieben. Und falls man selbst mal in so eine Situation gerät? Jörg Maurer hat zum Glück einen Praxistipp parat: „Nehmen Sie sich beim nächsten Einkauf die Zeit und drehen Sie sich in der Warteschlange um. Der Schlaks, der gerade ungeschickt seine Milchtüten aufs Band legt, ist in den meisten Fällen ein Auftragsmörder. Sprechen Sie ihn ruhig darauf an. Streitet er es ab, beweist das ja gerade, das er einer ist. Wechseln Sie in diesem Fall sofort den Wohnort.“
Mit einem Schmunzeln liest man sich durch den Fall, der sehr amüsant und voller erstaunlicher Geschichten ist. Für mich ist es ein deutlich besseres Buch als der letzte Jennerwein Fall, wenngleich ich das gesamte Team im Buch schon ein bisschen vermisse.

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Veröffentlicht am 22.07.2023

Wenn Gedanken kreisen

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
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Wie wird es wohl werden, wenn die Zwillinge ausziehen? Wo zieht es die Protagonistin selbst hin? Was kann sie sich überhaupt leisten? WAS WIRD AUS DER FAMILIENWOHNUNG?
Um diese Fragen kreist die unbekannte ...

Wie wird es wohl werden, wenn die Zwillinge ausziehen? Wo zieht es die Protagonistin selbst hin? Was kann sie sich überhaupt leisten? WAS WIRD AUS DER FAMILIENWOHNUNG?
Um diese Fragen kreist die unbekannte Ich-Erzählerin in kurzen Kapiteln. Sie zieht in sprunghaften Gedanken und Erinnerungen durch ihr Leben. Erinnerst sich an die eigene Jugend und hinterfragt ihr Selbstbild (War sie wirklich das ungeliebte Kind zwischen all den Zwillingen). Überdenkt, was ihr für die Zukunft wichtig ist und begleitet die Kinder dabei beim endgültigen selbständig werden. Ja, es ist ein Fazit zum Zeitpunkt der Lebensmitte. Mit allen zugehörigen Sorgen und Bedenken. In vielen Fragen kann ich mich wiederfinden. Und dennoch werde ich nicht warm mit der Protagonistin. Zu sehr kreist sie um sich selbst, die Wohnung, ums immerwiederkehrend materielle: Familienwohnung, Werkstatt, Häuschen auf dem Land. Da wird sich doch eine Lösung finden??? Und gleichzeitig verstehe ich dieses rastlose Gedanken machen um die Zukunft.
Sprachlich gefällt mir das Buch sehr gut. Doris Knecht beobachtet genau, schreibt manchmal sehr detailliert und löst das dann durch einen Satz auf, der vor trockenem Humor nur so strotzt.
Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, wieviel Ich der Autorin im Buch steckt. Die Parallelen haben mich lange verwirrt. Und so lege ich das Buch am Ende etwas ratlos aus der Hand…

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Veröffentlicht am 14.05.2023

Wann beginnt (Mit)Schuld?

Komplizin
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Sarah ist Cineastin durch und durch. Und sie ist überglücklich, als sie in einer kleinen Film-Produktionsfirma als Assistentin anfangen kann. Bald ist sie dort unentbehrlich. Fleißig, hochprofessionell, ...

Sarah ist Cineastin durch und durch. Und sie ist überglücklich, als sie in einer kleinen Film-Produktionsfirma als Assistentin anfangen kann. Bald ist sie dort unentbehrlich. Fleißig, hochprofessionell, unsichtbar. Sie fühlt sich wohl in dieser Welt und ist fasziniert vom Filmbusiness. In dieses steigt sie noch tiefer ein, als Hugo, ein super reicher Engländer, in die Firma investiert. Er verkörpert den Typ „was kostet die Welt“, schmeißt Partys und ist überzeugt, dass er mit seinem Geld alles bekommen kann, was er will. Und er will Macht. Macht über die Frauen in seiner Umgebung, Macht über den Film, Macht über die Firma.
Winnie M Li nimmt die Leser mit in die Welt hinter die Kulissen des Filmschaffens. Wir erfahren, wie viel Organsiation zu einem Dreh gehört, wie viele Menschen einen (unsichtbaren) Beitrag leisten und wie viel Zeit und Geld notwendig sind, um einen Film zu drehen. Das allein ist schon fast ein Buch wert.
Doch dies alles ist nur Mittel zum Zweck. Denn es geht um #metoo, es geht darum, was NEIN bedeutet, es geht um die typischen männlichen Spielchen um Macht, Überlegenheit und Stärke.
In Rückblenden erzählt Sarah ihre Geschichte und quält sich mit vielen Fragen. Was hätte sie als zuständige Verantwortliche am Set bemerken müssen? (Wann) hätte sie eingreifen müssen? Wann ist das Ganze eigentlich gekippt? Und (wie) hätte sie sich selbst schützen können?
Winnie M Lis Schreibstil ist dabei fast sachlich. Auch wenn Sarah ihre Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt, bleibt sie eher dokumentarisch. Und trotzdem sind ihre Verzweiflung und Enttäuschung, ja fast Ohnmacht, überdeutlich spürbar.
Das Buch berührt, weil es ehrlich und selbstkritisch ist. Die Filmindustrie ist ganz fein und in vielen Nuancen beleuchtet – das macht alles sehr glaubwürdig.

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Veröffentlicht am 01.05.2023

Unterhaltsame Sommerlektüre

Sylt oder Süßes
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„sylt oder süßes“ ist eine leichte Sommerlektüre, die man am besten am Strand so weg liest. Verlässlich weiß man von Anfang wie es ausgeht. Und das macht die Reihe der Glücksromane auch aus.
Leider ist ...

„sylt oder süßes“ ist eine leichte Sommerlektüre, die man am besten am Strand so weg liest. Verlässlich weiß man von Anfang wie es ausgeht. Und das macht die Reihe der Glücksromane auch aus.
Leider ist auch dieses Buch von Claudia Thesenfitz eher eine Beschreibung von (Luxus)gütern, Ortschaften und Handlungen wie den Abläufen auf einem Campingplatz. Speisen werden als aromatisch deklariert und Diätpläne werden ausführlich beschrieben. Das ist insofern schade, als dass die ersten Bücher der Autorin vor Lebensfreude und liebevoll ausgestalteten Charakteren nur so strotzten.
Hier bleibt Doreen, Hotelmanagerin und angetreten, einen Campingplatz in einen Glampingplatz umzuwandeln, für mich sehr an der Oberfläche. Ja, sie liebt Luxus und muss nun mit den einfachen Bedingungen auf dem Zeltplatz klarkommen. Dabei erfährt sie unerwartet viel Hilfe von allen Nachbarn und macht neue Bekanntschaften. Ihre Erkenntnisse, was ihr im Leben wichtig ist, reifen rasant. Da hätte ein bisschen mehr Tiefe dem Buch gut getan.
Drei Sterne gibt es dennoch, weil ich in jeder Zeile die Liebe der Autorin für Sylt spüre und mich auch ein bisschen dorthin träumen kann.

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