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Veröffentlicht am 20.01.2024

Eine überzeugende Hauptperson und ein erschreckender Fall

Der blaue Tod
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Die ehemalige Scharfschützin Sara Konrad ist in Elternzeit mit ihrer 4 Monaten alten Tochter und einem verständnisvollem Ehemann, die sie beide von Herzen liebt. Doch Sara ist nicht wirklich glücklich. ...

Die ehemalige Scharfschützin Sara Konrad ist in Elternzeit mit ihrer 4 Monaten alten Tochter und einem verständnisvollem Ehemann, die sie beide von Herzen liebt. Doch Sara ist nicht wirklich glücklich. Ihr fehlt die frühere Arbeit im Team und das Gefühl, eine Herausforderung zu meistern. Ich konnte das sehr gut nachvollziehen und habe Saras Frustration, auf die Mutter - und Hausfrauenrolle reduziert zu werden, gut verstanden. Als sie einer befreundeten Mutter hilft, das Zimmer deren Mutter im Seniorenheim auszuräumen, trifft sie auf dem Flur die demente Beatrice. Durch die kurze Begegnung berührt, entschließt sich Sara die Frau zu besuchen und erfährt, dass Beatrice noch in der selben Nacht verstorben ist. Das weckt Saras Argwohn und sie erzählt Max davon, they im selben Sportstudio trainiert. Max forscht nach und versorgt Sara mit besorgniserregenden Fakten. Der Verdacht, dass Beatrice eines unnatürlichen Todes gestorben ist, verstärkt sich und möglicherweise nicht nur sie.

Endlich hat Sara wieder eine Aufgabe, die sie glücklich macht. Sie beginnt sogar , eine mögliche Täterin zu beschatten . Dieser Alleingang bringt sie in Lebensgefahr. Hilfe kommt von unerwarteter Seite und eröffnet Sara, die Möglichkeit, ihrem Leben eine neue Wendung zu geben.

Sara war mir von Anfang an sympathisch. Ich konnte ihren Zwiespalt und auch die Schuldgefühle nachvollziehen, die sie hat, weil ihr das Mutterdasein nicht genügt. Deshalb war es für mich völlig logisch, dass sie sich Gedanken wegen Beatrice Tod macht und beginnt, sich für das Thema Pflege zu interessieren. Meine Schwierigkeiten hatte ich mit Max. Nicht wegen seines undefinierten Geschlechts, sondern wegen seines Verhaltens. Er unterstützt Sara mit wichtigen Informationen. Mit Max kann sich Sara offen austauschen. Mich hat seine Geheimniskrämerei um seine Person und Lebensumstände gestört und damit verbunden ihre Machtposition.

Für mich verständlich war auch, dass Sara versucht, den normalen Weg einzuhalten und die Todesfälle durch die zuständigen Stellen untersuchen zu lassen. Erst als dies nicht funktioniert, nimmt sie die Dinge selbst in die Hand. Schließlich hat sie gelernt, Situationen einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen. Der Schluss war eine echte Überraschung und hat mir sehr gut gefallen. Was mir außer der fesselnden Handlung gut gefallen hat, die Autorin zeigt Sara immer wieder in Situationen, die zum Ausdruck bringen, wie viel ihr ihre Tochter und ihr Mann bedeuten. Genau das macht Sara so lebendig, dass es mir leicht gefallen ist, mich mit ihr zu identifizieren.

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Veröffentlicht am 18.01.2024

Emotional, fesselnd, lehrreich

Die Hexen von Cleftwater
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Ich empfand die Hexenverfolgung schon immer als ein besonders dunkles Kapitel der Geschichte und aus Frauensicht in höchstem Maße empörend. Ich war bei den gelesenen Büchern meist nur Zuschauer.
Die Autorin ...

Ich empfand die Hexenverfolgung schon immer als ein besonders dunkles Kapitel der Geschichte und aus Frauensicht in höchstem Maße empörend. Ich war bei den gelesenen Büchern meist nur Zuschauer.
Die Autorin hat es hier geschafft, dass ich mich als Betroffene fühle und die demütigenden Ereignisse selbst erlebe, indem ich mich mit der Hauptfigur identifiziere. Martha hatte kein leichtes Leben und hat doch ihr kleines Glück gefunden. Sie ist stumm, kann sich über Handzeichen einigermaßen verständlich machen. Sie verdient sich nebenbei etwas als Hebamme und Kräuterkundige. In erster Linie ist sie Dienerin im Knoll House, dessen Herrn sie groß gezogen hat und wie ihr eigenes Kind liebt.
Der Frieden zerbricht, als der fanatische Hexenjäger Makepeace in die Gegend kommt und plötzlich in fast jedem Haus , eine Hexe zuhause sein soll. Martha wird von ihrem Herrn gedrängt, Makepeace als Sucherin zu unterstützen. Das bedeutet, dass sie die beschuldigten Frauen auf Hexenmale wie Lebeflecke und Hautveränderungen untersucht .Das stürzt Martha in einen Zweispalt, der sie zu zerreißen droht . Sie weiß, die Frauen sind unschuldig. Was tun , aufbegehren, mitmachen , selbst als Hexe sterben ? Auch für mich war dieses innere Ringen kaum auszuhalten. Das schlimmste für mich war, dass Martha sich für schuldig hält, die Ereignisse in Gang gesetzt zu haben. Für mich eine absurde Vorstellung, aber in Marthas Gedankenwelt nur zu real.
Absolut erschreckend waren die Schilderungen der Zustände im Kerker und die Art der Untersuchungen. Wie kann ein Mensch so etwas dem anderen antun ? Gleichzeitig breitet sich im Dorf eine Massenhysterie aus, die jede noch so abwegige Beschuldigung als wahr erscheinen lässt.
Die Autorin positioniert sich eindeutig und hält die Männer für die Wurzel dieser Verbrechen, die der Frau jede erdenkliche negative Rolle zuweisen, ihr für alles Übel die Schuld geben und sie dabei nicht als Mensch sehen. Leider hat sie damit recht, wenn auch anzumerken gilt, dass auch Männer als Hexer verurteilt wurden und Frauen willige Helferinnen waren.
Das Buch ist in meinen Augen lesenswert, wenn auch stellenweise keine leichte Kost. Ich finde die Autorin hat das Grauen und die Hilflosigkeit der Opfer gut dargestellt und trägt dazu bei, dass dieses dunkle Kapitel zurecht nicht in Vergessenheit gerät.

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Veröffentlicht am 14.01.2024

Tödliche Geldgeschäfte

Liebe meine Farben
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Ich bin am Bodensee aufgewachsen und freue mich immer, wenn ich Krimis entdecke, die in der Region angesiedelt sind.

Dieser Krimi spielt in Lindau mit starken Bezügen in die Finanzmetropole Zürich. Der ...

Ich bin am Bodensee aufgewachsen und freue mich immer, wenn ich Krimis entdecke, die in der Region angesiedelt sind.

Dieser Krimi spielt in Lindau mit starken Bezügen in die Finanzmetropole Zürich. Der Einstieg ist mir leicht gefallen und hat viele Erinnerungen geweckt, an den einen oder anderen Skandal und ganz aktuell an die hinter uns liegende Corona-Pandemie. Was mir gut gefallen hat, ich wusste ziemlich bald, wer für die Verbrechen verantwortlich ist. Das mag auf den ersten Blick überraschen und mancher wird sich fragen, wo bleibt denn da die Spannung ? Die packende Handlung entsteht dadurch, dass der Autor dem intelligenten Täter einen nicht weniger gewieften und sehr sympathischen Ermittler gegenüber stellt. Nathan Weiß ist ein erfahrener Kriminalbeamter im Ruhestand, was ihm die Möglichkeit bietet, seinen Handlungsspielraum sehr weit auszulegen und gleichzeitig verfügt er über belastbare Beziehungen zu seinen ehemaligen Kollegen. Zwischen den beiden Akteuren beginnt ein fesselndes Katz-und Mausspiel. Auslöser der Ermittlungen ist der unerwartete Tod eines Mitarbeiter einer großen Finanzberatungsgesellschaft mit Sitz in Zürich. Dessen Freund kann nicht glauben, dass es ein natürlicher Tod war und so kommt Weiß ins Spiel.

Stück für Stück ermittelt Weiß in Zusammenarbeit mit seinen alten Kollegen den möglichen Tathergang und Motive und findet sich schnell in der Welt der der zwielichtigen Anlagegeschäfte, Geldwäsche und organisierten Verbrechen wieder. Weiß Gegenspieler ist ein typischer Vertreter dieses Zirkels - überheblich, intelligent, geldgierig, skrupellos - eine tödliche Mischung für jeden, der seine Position bedroht.

Weiß ist zwar im Ruhestand, aber immer noch ein guter und für Gerechtigkeit brennender Ermittler. Er lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, was letzten Endes in diesem Fall auch zum Erfolg führt.

Der Krimi war für mich absolut lesenswert mit hohem Spannungsfaktor, der sich aus dem Spannungsfeld Ermittler - Täter ergibt und ohne Gewaltorgien für Nervenkitzel sorgt

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Veröffentlicht am 11.01.2024

Sarahs persönlichster Fall - spannend wie immer

Die Uhrmacherin – Tage voller Geheimnisse
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Das ist das dritte Mal, dass ich mit der sympathischen Uhrmacherin Sarah gemeinsam einen Fall löse. Als Konstante steht ihr wieder der zuverlässige Korporal Gideon zur Seite, so wie ihre engen Freundinnen ...

Das ist das dritte Mal, dass ich mit der sympathischen Uhrmacherin Sarah gemeinsam einen Fall löse. Als Konstante steht ihr wieder der zuverlässige Korporal Gideon zur Seite, so wie ihre engen Freundinnen Marie, Pauline und Rosa.

Dieses Mal ist der Fall besonders heikel, da es gilt eine Serie an Morden an Altkatholen aufzuklären. Da die Lage zwischen jenen und den Reformierten angespannt, geradezu feindselig ist, wird der Täter im Lager der Reformierten vermutet. Die Morde geschehen im Luzerner Raum, Sarahs Heimatstadt. Dort hält sich Sarah wegen eines Praktikums bei einem hoch angesehenen Uhrmacherehepaar gerade auf. Auch Gideon begibt sich von Solothurn dorthin, um die Kollegen zu unterstützen. Sarah hofft, dass damit auch der Tod ihres Verlobten Hannes aufgeklärt wird und sie endlich abschließen kann.

Ich war bei der Lektüre wieder aufs neue begeistert von der fesselnden Erzählweise der Autorin und wie sie unterschiedliche Handlungsstränge und Themenbereiche überzeugend verknüpft und zu einem logischen Ende bringt.

Da ist die komplizierte Serie an Morden. Ist wirklich die Religionszugehörigkeit das verbindende Glied ? Gideon tut sich schwer mit seinen Ermittlungen, da er die falsche Religion hat und keinen brauchbaren Ermittlungsansatz sieht. Er glaubt eher an einen persönlichen Rachefeldzug. Der entscheidende Hinweis kommt schließlich von Sarah, was diese in einen Gewissenskonflikt stürzt.

Erneut lerne ich durch die Ereignisse viele interessante Details der Uhrmacherkunst, aber auch über diesen unseligen Glaubenskrieg, sowie gesellschaftliche Gegebenheiten.

Für mich ebenfalls wichtig und eine schöne Geschichte, ist die Beziehung zwischen Sarah und Gideon, die beide den jeweils anderen als guten Freund bezeichnen. Eifersucht, die durch die nicht eingestandene Liebe entsteht, führt zu einem Zerwürfnis, das Sarah in Lebensgefahr bringt. Auch Hannes Tod findet seine Aufklärung. Die Person des Mörders hat mich komplett überrascht und ich konnte für die Person nur Verachtung empfinden. Leider endet endet mit der Klärung dieser Todesumstände zu meinem großen Bedauern die lesenswerte und spannende Trilogie.

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Veröffentlicht am 09.01.2024

Mord live auf Social Media !

Der Mädchenhenker (Thriller)
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Eine junge Frau wird umgebracht und das Video davon ins Netz gestellt. Die Kommentare und Likes explodieren. So beginnt der packende Thriller des Autors. Das fand ich sehr erschreckend, gerade weil ich ...

Eine junge Frau wird umgebracht und das Video davon ins Netz gestellt. Die Kommentare und Likes explodieren. So beginnt der packende Thriller des Autors. Das fand ich sehr erschreckend, gerade weil ich mir gut vorstellen kann, dass so etwas möglich ist. Und der Täter kündigt weitere Morde an.

Die Bielefelder Kriminalbeamte Emma und Alex arbeiten fieberhaft, um dies zu verhindern. Die Ermittlungen beginnen im Umfeld des Opfers, das aus einer reichen Familie stammt. Schnell wird klar, es gibt eine Vielzahl an Menschen , die einen guten Grund hatten, die Tat zu begehen, denn sie war arrogant und hat andere liebend gern gemobbt.

Irgendwie hat sich auch bei mir das Gefühl eingestellt, dass sie den Tod möglicherweise verdient hat. Dann geschieht der zweite Mord und hier scheint das Opfer das genaue Gegenteil gewesen zu sein - beliebt, sozial engagiert. Was verbindet die beiden Frauen ? Die Ermittler müssen weit in die Vergangenheit zurück gehen, um ein Bindeglied zu finden.

Ich bin keine zwanzig mehr und stehe Social Media eher skeptisch gegenüber. Nach der Lektüre des Thrillers hat sich meine Meinung nicht geändert, sondern verfestigt. Die Vorstellung, jemanden beim Sterben zuzusehen, fand ich verstörend und für das Opfer demütigend. Hier war es nun so, dass je mehr man über das Opfer erfuhr, um so mehr Genugtuung machte sich bei mir breit. Das hat mich dann doch nachdenklich gestimmt und ich war über mich selbst entsetzt.

Die Suche nach dem Mörder ist wirklich nervenaufreibend, besonders weil keine Zweifel bestehen, dass er wieder zuschlagen wird. Als sich ein Verdächtiger heraus kristallisiert, beginnt ein perfides Katz-und Mausspiel, das bei mir erneut Wut auf den Täter geweckt hat. Es ist unglaublich, wie der Autor mit meinen Emotionen gespielt hat. Am Ende regt sich auch ein wenig Mitleid mit dem Schuldigen.

Was mich etwas gestört hat, waren die psychischen Probleme der Ermittlerin Emma, die in entscheidenden Momenten dazu führen, dass sie neben sich steht. Die Ursache hierfür liegt im Vorgängerband, den ich nicht kenne.

Alles in allem ein fesselnder Thriller, der mit den Emotionen des Lesers spielt und nichts für schwache Nerven ist.

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