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Veröffentlicht am 27.07.2025

Kennst du deine beste Freundin wirklich?

Beste Freundin - Niemand lügt so gut wie du
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Oder hat sie Geheimnisse, die du nicht mal erahnen kannst?

Der Prolog des Buches beginnt mit einer schockierenden Szene, in der eine Frau zwei Menschen tötet und dann einfach davonfährt. Die Frage, ob ...

Oder hat sie Geheimnisse, die du nicht mal erahnen kannst?

Der Prolog des Buches beginnt mit einer schockierenden Szene, in der eine Frau zwei Menschen tötet und dann einfach davonfährt. Die Frage, ob es wirklich Heather Underwood war, die kurz darauf bewusstlos mit einer Schusswunde aufgefunden wird, zieht einen sofort in die Geschichte.

Die Protagonistin, Jess Fox, eine Journalistin, hat selbst eine Geschichte mit Heather, da die beiden als Teenager beste Freundinnen waren, sich nach einer Tragödie aber aus den Augen verloren haben. Dies macht jedoch ihre Recherche über den Mordfall umso komplizierter. Trotz aller Bedenken sucht sie den Kontakt zu Heathers Mutter und wird plötzlich selbst mit seltsamen Drohungen konfrontiert.

Besonders faszinierend fand ich, wie die Autorin geschickt zwischen der Gegenwart (2012) und der Vergangenheit (Sommer 1994) wechselt. Nach und nach kommen immer mehr Geheimnisse ans Licht, die die Spannung weiter steigern.

Es war spannend, die Puzzlestücke aus Vergangenheit und Gegenwart selbst zusammenzusetzen. Man konnte ahnen, was geschehen sein könnte, sicher war ich aber nie, und die genaue Auflösung blieb bis zum Schluss ein Rätsel – das hat die Spannung durchgehend aufrechterhalten. Auch die detailliert gezeichneten Charaktere haben dazu beigetragen, dass ich vollkommen in die Geschichte eingetaucht bin.

Alles in allem war "Beste Freundin" ein packender Thriller, der ohne übermäßige blutige Gewaltdarstellungen auskommt. Das Ende hat mir ebenfalls gut gefallen und rundet die Geschichte stimmig ab, auch wenn ich es ganz am Schluss ein bisschen pathetisch fand.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Beklemmend aktueller Klimathriller

Vega 2 – Der Sturm in meinem Herzen
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„Vega – Der Sturm in meinem Herzen“ ist der zweite Teil einer fesselnden Dilogie, die das brisante Thema des Klimawandels mit einer beeindruckenden Wetter-KI verknüpft. Die dystopische Vision einer von ...

„Vega – Der Sturm in meinem Herzen“ ist der zweite Teil einer fesselnden Dilogie, die das brisante Thema des Klimawandels mit einer beeindruckenden Wetter-KI verknüpft. Die dystopische Vision einer von Naturkatastrophen geplagten Welt erscheint aktueller denn je. Die Bedrohung durch die KI Baal, die die Welt mittels Wettermanipulation kontrollieren möchte, verleiht der Geschichte eine beklemmende Aktualität. Vega ist die einzige Hoffnung, doch wem kann sie vertrauen? Ihre alten Kontakte scheinen ihr misstrauisch gegenüberzustehen. Werden sie ihr helfen, ihren Plan umzusetzen? Kann Vega die Welt retten, oder ist Baal bereits zu mächtig?

Das Cover harmoniert hervorragend mit dem des ersten Bandes, wobei mir die Farbgebung hier sogar noch besser gefällt. Obwohl ich normalerweise kein Fan von Charakteren auf dem Cover bin, empfinde ich es in diesem Fall als passend.

Der nahtlose Übergang vom ersten Teil zu diesem Buch sorgt für einen spannungsgeladenen Einstieg, vor allem da Teil 1 mit einem Cliffhanger endete und unklar war, auf wessen Seite Leo jetzt steht. Der Schreibstil ist erneut recht schlicht, aber keineswegs langweilig, sondern fließend und frei von unnötigem Schnickschnack oder langwierigen Umschreibungen. Dieser Stil passt ausgezeichnet zur Geschichte und ermöglicht ein rasches Durchlesen, ähnlich wie im ersten Band.

Persönlich hat mich dieser Teil sogar noch mehr fasziniert als der erste, was sowohl an der gesteigerten Spannung als auch an der Entwicklung der Charaktere, allen voran der Protagonistin Vega, lag. Dennoch hätte ich mir an einigen Stellen etwas mehr Tiefgang und Nuancen gewünscht, da viele Figuren etwas flach bleiben und einige Szenen des Buches etwas unvollständig wirken.

Vegas Opferbereitschaft für ihre Freunde und ihre persönliche Entwicklung im Buch sind jedoch bemerkenswert. Sie lernt, sich selbst zu vergeben und positiv in die Zukunft zu blicken. Leo ist ein sympathischer Charakter, der alles in seiner Macht Stehende tut, um Vega zu unterstützen und zu retten. Auch in entscheidenden Momenten steht er ihr bei.

Besonders spannend fand ich den Moment, in dem Vega bewusst wird, was damals zu dem großen Sturm und dem Tod ihres Vaters geführt hat. Trotz der schmerzvollen Erkenntnis konnte sie nur auf diese Weise ihre Kräfte voll ausschöpfen. Nathalies Größenwahn und die Entwicklung von Baal waren eine interessante Ergänzung für die Geschichte.

Die Verbindung von Fantasy und Klimawandelthematik ist ein erfrischender Ansatz, den ich so noch nicht gelesen habe. Der finale Kampf mit Baal hätte meiner Meinung nach etwas ausführlicher beschrieben sein können, da er recht schnell vorüberging. Abgesehen davon ist das Buch sehr gelungen.

Für all jene, die ein Fantasybuch suchen, das ein aktuelles Umweltproblem anspricht, kann ich es nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Spannender Roman (eher kein Krimi)

Die letzte Welle
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„Die letzte Welle“ entführt die Leser:innen in ein spannendes Geflecht aus Vergangenheit und Gegenwart, das sich nach und nach zu einem fesselnden Kriminalfall entfaltet. Cecilia Sjögren gelingt es, die ...

„Die letzte Welle“ entführt die Leser:innen in ein spannendes Geflecht aus Vergangenheit und Gegenwart, das sich nach und nach zu einem fesselnden Kriminalfall entfaltet. Cecilia Sjögren gelingt es, die Handlung sehr flüssig zu präsentieren, auch wenn die Vielzahl an Namen und Orten mitunter verwirrend sein können, besonders aufgrund der verschiedenen Erzählzeiten. Ich musste teilweise Passagen nochmal lesen, weil so viele Leute in 1942 und der Gegenwart vorkommen.

Die Protagonisten der Gegenwart, Tore und Veronika, sind äußerst sympathisch gezeichnet. Tore, ein pensionierter Polizist, der sich im Altenheim „Ömheten“ oft nutzlos fühlt, weckt sofort Mitgefühl. Sein Ermittlerinstinkt und die Art, wie er sich der Sache annimmt, sind gut beschrieben und lassen einen mitfiebern. Es muss schlimm sein, in ein Altenheim „abgeschoben“ zu werden und sich nutzlos zu fühlen. Auch Veronika, die auf der Suche nach der großen Story ist, überzeugt mit ihrer Entschlossenheit – auch wenn sie mich auf der anderen Seite teilweise mit ihrer Naivität genervt hat. Sie kommt oft mehr durch Glück als Verstand an Informationen. Und ihr Männergeschmack ist echt zweifelhaft, sowohl Calle als auch Jonny waren mir (auf entgegengesetzte Art) unsympathisch. Der erste will sie in seine Vorstellung eines „perfekten“ Lebens pressen und ignoriert ihre Bedürfnisse, der andere ist klassisch bindungsscheu.

Die Verwicklungen im Altenheim lassen die Spannung stetig steigen. Dabei stellt sich von Beginn an die Frage: Musste Viking sterben, weil er etwas wusste, oder liegen die Wurzeln des Verbrechens weiter zurück? Die Verbindung zum Zweiten Weltkrieg fügt zusätzliche Tiefe hinzu – auch wenn ich hier ehrlicherweise einiges schwer nachvollziehbar fand, ich habe mich aber auch bisher nie wirklich mit der schwedischen Perspektive auf den 2. WK beschäftigt.

Die Gegenwart wechselt sich ab mit Siris Geschichte in den Jahren 1942/1943. Von ihrer Storyline möchte ich hier gar nichts vorwegnehmen, das würde schon zu viel verraten. Durch die Abwechslung von Vergangenheit und Gegenwart bleibt aber eine stetig unterschwellige Spannung durch das gesamte Buch aufrechterhalten, weil man (bzw. ich) bis zum Schluss nicht wirklich dahinterkommt, was nun damals genau passiert ist, das zu den Ereignissen in der Gegenwart geführt hat.

Allerdings habe ich auch ein paar Kritikpunkte. Die Handlung hätte an manchen Stellen etwas gestrafft werden können, da es teilweise Längen in der Erzählweise gab. Es war nie wirklich langweilig, dafür aber auch nie megaspannend. Die Auflösung kam dann vergleichsweise schnell, was zu einem abrupten Übergang in den Epilog führte. Die vielen Namen und Beziehungen zwischen den Charakteren führten mitunter zu Verwirrung, zumal einige Charaktere echt hätten weggelassen werden können, zum Beispiel Veronikas Eltern und Jonny oder Kollegen von der Zeitung. Diese schienen in Bezug auf die Handlung eher irrelevant zu sein. Auch die Rolle der konkurrierenden Pflegedienstleister (von der man am Anfang dachte, dass dies sehr wichtig für die Handlung sei) blieb letztlich etwas undurchsichtig.

Dennoch bietet „Die letzte Welle“ eine packende Geschichte, die durch die geschickt eingewobenen Elemente aus der Vergangenheit einen besonderen Charme erhält. Die offenen Fragen am Ende lassen Raum für eigene Spekulationen und regen zum Nachdenken an. Cecilia Sjögren hat hier ein lesenswertes Buch geschaffen, das Fans von spannenden Romanen (einen Krimi würde ich es nicht unbedingt nennen) sicherlich begeistern wird.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Habe mehr erwartet

Die Postbotin
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Wir befinden uns in Berlin, kurz nach dem 1. Weltkrieg. Regine arbeitet als Briefträgerin bei der Reichspost, ist aber "nur" eine Kriegsaushilfe, die arbeiten musste, weil sämtliche Männer an der Front ...

Wir befinden uns in Berlin, kurz nach dem 1. Weltkrieg. Regine arbeitet als Briefträgerin bei der Reichspost, ist aber "nur" eine Kriegsaushilfe, die arbeiten musste, weil sämtliche Männer an der Front waren. Nun, wo alle (die überlebt haben) nach und nach zurückkehren und die Jobs wieder übernehmen, sollen die Aushilfen gekündigt werden. Für viele sind die Jobs aber mittlerweile überlebenswichtig, teilweise ernähren die Frauen ihre Familien alleine. Daher wollen die Frauen nun streiken, um ihre Jobs zu behalten oder zumindest eine Abfindung zu bekommen.

Dieses Setting fand ich zunächst einmal sehr spannend. Leider konnte mich die Erzählweise dann aber nicht wirklich packen. Es wird in allwissender Sicht abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Frauen geschrieben. Zum einen die titelgebende Regine, die eben als Postbotin arbeitet und deren Vater selbst früher niedriger Beamter bei der Post war (für ihn scheint die Behörde das Nonplusultra zu sein). Zum anderen Evi (warum mit 'i', habe ich mich die ganze Zeit gefragt, eigentlich heißt sie Eva-Maria und ist eine erwachsene Frau), die als Vermittlerin für Telefongespräche im selben Postamt arbeitet. Außerdem kommen verschiedene andere Frauen und ihre Probleme vor, bspw. Lotte, Gretchen (die sich gerade Evis Ex geangelt hat), Evis Mutter Bernardine, Emma - eine Kraftfahrerin, etc.

Leider fand ich auch keine der Protagomistinnen sonderlich sympathisch. Die Handlung entwickelt sich schleppend, es passiert eigentlich im gesamten Buch wenig wirklich relevantes. Regine lernt durch Lotte einen Gewerkschafter kennen, der ihr beim Streik helfen will. Sie betont ständig, wie wenig Ahnung sie von alldem hat und dass sie sich mit nichts auskennt - das hat mich richtig genervt. Generell verhalten sich alle Frauen irgendwie sehr naiv und kindlich. Aber so richtig voran geht es mit dem Streik nicht, es wird nie wirklich etwas organisiert, schlecht geplante Treffen der Frauen schlagen fehl, es wird nur rumgestanden und geredet, ohne dass etwas dabei herumkommt.

Außerdem werden zu viele Nebenschauplätze aufgemacht (bspw. Bernardine und der Mantel, Regines "Verehrer" der Bäcker, ...). Evi ist die ganze Zeit auf der Suche nach ihrem Bruder, der im Krieg war und dessen Verbleib unbekennt ist, und ihrem Vater, der sich einfach nicht um die Familie kümmert.

Die letzten 150 Seiten habe ich nur noch überflogen, es passieren nur Dinge, die meiner Meinung nach unzusammenhängend nacheinander erzählt werden, es gibt aber keine Verbindung, die im Rahmen der Geschichte Sinn ergibt.

Natürlich habe auch ich nicht in der damaligen Zeit gelebt, zum Glück auch nie einen Krieg erlebt, aber es fiel mir sehr schwer, mich anhand der Schreibweise auch nur halbwegs in die Situation der Frauen hineinzuversetzen. Auch die Gespräche untereinander wirkten oft sehr sperrig und unnatürlich, gingen viel zu lang, ohne dass der Inhalt interessant war oder die Stoty vorangebracht hat. Regine beispielsweise sieht Kurt schätzungsweise drei Mal, meistens geraten sie irgendwie aneinander, und trotzdem verliebt sie sich in ihn, was sie ihm natürlich auch prompt sagen muss? Begriffe wie "Koloss" finde ich auch nicht besonders schmeichelhaft, häufig habe ich mich an unterschiedlichen Formulierungen gestört. Die Entwicklung dieser "Liebesbeziehung" konnte ich absolut gar nicht nachvollziehen, Gefühle kamen überhaupt nicht auf.

Gut gelungen ist allerdings die Wut, die man die ganze Zeit beim Lesen verspürt, weil die Zeiten damals einfach ungerecht und frauenfeindlich waren. Die Frauen werden bloß als Platzhalterinnen angesehen, bis die Männer zurükommen um ihre Plätze einzunehmen und "die Familien zu ernähren", was die Frauen auch geschafft haben. Außerdem haben sie nur die Hälfte des Lohns bei gleicher Arbeit bekommen - diese Problematik des Gender Pay Gaps ist ja selbst heute noch nicht ganz gelöst.

Die Thematik des Streiks von der ich dachte, dass es die Hauptproblematik sein würde, ist am Ende irgendwie nicht wirklich wichtig und wird nicht weiter verfolgt. Die einzelnen Schicksale plätschern so dahin, aber ohne wirklichen roten Faden oder Inhalt. Viele Erzählstränge laufen am Ende ins Leere, die Frauen haben nicht wirklich aktiv gekämpft oder gestreikt - ich muss sagen, dass ich mehr erwartet habe.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Unkonventionelles Thema, interessant umgesetzt

GUY'S GIRL
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„Guy's Girl“ von Emma Noyes ist ein Buch, das mich durch seine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Essstörungen (Anorexie und Bulimie) und den dahinterliegenden Prozessen fasziniert hat (die Triggerwarnung ...

„Guy's Girl“ von Emma Noyes ist ein Buch, das mich durch seine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Essstörungen (Anorexie und Bulimie) und den dahinterliegenden Prozessen fasziniert hat (die Triggerwarnung am Anfang ist daher angebracht). Die Autorin verarbeitet dabei viele ihrer eigenen Erfahrungen, was dem Buch eine besondere Tiefe verleiht. Die Thematisierung von Anorexie und Bulimie ist dabei besonders ehrlich und fast schon brutal, was dem Werk viel Authentizität verleiht.

Das Cover des Buches ist wunderschön und der Schreibstil von Emma Noyes ist sehr gut lesbar und flüssig. Die Kapitel wechseln abwechselnd zwischen Ginnys und Adrians Sicht, wobei meiner Meinung nach die längeren Kapitel, in denen beide zusammen sind, besonders ansprechend sind. Aufgrund des allwissenden Erzählstils erfährt man dadurch als Leser:in die Gefühlslagen beider Protagonist:innen, die sich das Leben aufgrund ihrer persönlichen Traumata schwer machen. Am Ende des Buches werden Ginnys Tagebuchausschnitte eingefügt, was einen zusätzlichen Einblick in ihre Gedankenwelt ermöglicht.

Die Darstellung der psychischen Aspekte von Ginnys Essstörung ist gut nachvollziehbar, jedoch vermisse ich etwas mehr Fokus auf die körperlichen Auswirkungen (sie muss doch unglaublich schwach gewesen sein, ständiges Erbrechen schadet auch den Zähnen etc.). Gut gefallen hat mir auch Adrians „Innenleben“, weil viele Männer unter dieser „toxischen Männlichkeit“ leiden und denken, nie über Gefühle sprechen zu dürfen, weil sie dann als „schwach“ gelten. Seine persönliche Geschichte und sein Kampf, endlich Gefühle zuzulassen, war sehr einfühlsam geschrieben.

Die Liebesgeschichte zwischen Ginny und Adrian bildet einen roten Faden im Buch und sorgt für einen gelungenen Spannungsaufbau. Die Wendungen und unvorhersehbaren Ereignisse halten die Spannung bis zum Ende aufrecht, was mir gut gefallen hat. Bis zur letzten Seite weiß man nicht, ob sie sich am Ende finden werden.

Allerdings gibt es auch Punkte, die mich etwas gestört haben. Die Darstellung von Ginny als „Pick-me-Girl“-Prototyp, der scheinbar besser mit Jungs als mit Mädchen zurechtkommt, wirkt klischeehaft. Die fehlende Präsenz weiblicher Figuren (außer Ginnys Schwester ganz am Ende, die aber sehr oberflächlich dargestellt wird) wirft die Frage auf, ob Frauen in diesem Buch bewusst an den Rand gedrängt werden. Die Passagen, in denen Ginny Frauenfreundschaften abwertet, wirken auf mich problematisch. Beispielsweise Seite 17: „Überhaupt liebt Ginny Jungs. Nicht in sexueller Hinsicht. Nein, was sie an Jungs liebt, ist ihre Gesellschaft. Männerfreundschaften sind anders als Frauenfreundschaften. Einfacher. Ohne das ganze Drama“

Dass Männerfreundschaften angeblich „weniger Drama“ beinhalten, macht sie nicht besser, sondern verschleiert, was die Menschen wirklich beschäftigt (Gefühle, Gedanken, Ängste, Emotionen) – vielleicht wäre es in einer „Frauenfreundschaft“ gar nicht so weit gekommen und Ginny hätte früher über ihre wahren Gefühle gesprochen. Oder sie hat sich bewusst nur Männer als Freunde ausgesucht, um eben ihre Probleme nicht ansprechen zu müssen. Generell fand ich es fragwürdig, dass niemandem ihr krasser Gewichtsverlust aufzufallen scheint.

Und - Ja, es ist eine Liebensgeschichte, aber ich persönlich mag den Plot „Junge rettet Mädchen“ irgendwie nicht. Auch, wenn beide ihre eigenen Dämonen bekämpfen und sich am Ende irgendwie gegenseitig “retten”, ist vor allem die Zeit in Ungarn meiner Meinung nach unrealistisch. Auch, dass er am Ende einfach mit ihr kommt, damit sie die Therapie machen kann wäre in der Realität sicher schwer umsetzbar (aber es ist ein Buch, hier darf es auch mal ein etwas unglaubwürdiges Happy End sein). Ich hätte mich über einen Epilog gefreut, denn Ginny hat ihre Essstörung ja noch lange nicht überwunden, auch wenn es aufwärts geht. Die eigenen Glaubenssätze (dick, hässlich, nicht liebenswert zu sein etc.) brauchen viel Therapie, damit keine Rückfälle passieren.

Trotz dieser Kritikpunkte ist „Guy's Girl“ ein wichtiges Buch, das sensibel und realitätsnah, fast schonungslos, die Thematik von Essstörungen behandelt. Die persönliche Erfahrung der Autorin verleiht dem Werk Authentizität, und die Liebesgeschichte zwischen Ginny und Adrian sorgt für einen gelungenen Spannungsbogen. Leser:innen, die sich für Geschichten über persönliche Entwicklung, Essstörungen und zwischenmenschliche Beziehungen interessieren, werden dieses Buch zu schätzen wissen.

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