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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Nicht wirklich meins

Das letzte Kind hat Fell
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Nicht wirklich meins

Das Rentnerehepaar Angelika und Hans will seinen Lebensabend an der portugiesischen Algarve verbringen. Das Häuschen ist gerade eingerichtet, als Tochter Sandra und Enkel Finn zu ...

Nicht wirklich meins

Das Rentnerehepaar Angelika und Hans will seinen Lebensabend an der portugiesischen Algarve verbringen. Das Häuschen ist gerade eingerichtet, als Tochter Sandra und Enkel Finn zu Besuch kommen. Und kurz vorher ist Angelika auch noch ein Hund zugelaufen, die smarte Fellina. Sie ist für so manche nette Szene verantwortlich, aber halt wirklich nur „nett“. Ich hatte weit mehr Witz und Tiefgang erwartet. Aber die Story ist doch ziemlich einfach gestrickt und sehr vorhersehbar, fast schon langweilig, eine Ansammlung von Kitsch und Klischees.

Leider bin ich auch mit den meisten Figuren nicht warmgeworden. Ich empfand sie zum Teil als egoistisch, Finn sogar als asozial. Meine Lieblingsfiguren waren tatsächlich die Hündin und der Nachbarsohn Lino.

Der Schreibstil ist ungefähr so kompliziert wie in einem Kinderbuch, also genau das Richtige, wenn man mit den Gedanken ganz woanders ist, nur nicht bei dieser 08/15-Geschichte. Vielleicht also genau der richtige Roman für einen schönen Sommertag am Strand.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 04.03.2026

Ein Pageturner!

Moorland. Die Zwillinge
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Ein Pageturner!

Inhalt:
Nach einem Ausflug ins Moor kommen die Zwillinge Nike und Jana nicht nach Hause. Es ist eiskalt und Nebel hängt über dem Moor. Der besorgte Vater bittet die Polizei um eine Suchaktion. ...

Ein Pageturner!

Inhalt:
Nach einem Ausflug ins Moor kommen die Zwillinge Nike und Jana nicht nach Hause. Es ist eiskalt und Nebel hängt über dem Moor. Der besorgte Vater bittet die Polizei um eine Suchaktion. Doch der zuständige Beamte wiegelt ab. Da ergreift Ruth Sichler die Initiative und stellt eine Suchmannschaft auf die Beine. Sie kennt das Moor wie sonst niemand in Moorbach. Bald steht fest, dass es um ein Verbrechen geht. Malia Gold wird mit dem Fall betraut, ihrem ersten an der neuen Dienststelle. Dabei ist Moorbach kein unbekannter Ort für sie …

Meine Meinung:
Andreas Winkelmann in Hochform! Mit diesem Werk konnte er mich von der ersten bis zur letzten Seite packen, und das sind weit über 400 Seiten. Ich habe sie an einem einzigen Tag verschlungen, weil ich unbedingt wissen musste, wie die Sache ausgeht.

Die Vielzahl an Personen bereitete mir dabei überhaupt keine Probleme, da jede einzelne sehr gut ausgearbeitet ist und sich von den anderen abhebt. Ihre Beziehungen zueinander sind komplex und zunächst undurchsichtig, doch genau das macht auch den Reiz aus. Fast jeder hat irgendwo ein kleines oder größeres Geheimnis, und diese nach und nach aufzudecken, ist ein großes Vergnügen. Es kommt dadurch zu ständigen Wendungen in der Handlung, die die Ermittelnden und die Lesenden auf Trab halten. Die kurzen Kapitel und die häufigen Perspektivwechsel sorgen dabei für ein hohes Tempo. Verdächtige gibt es zuhauf, sodass man herrlich miträtseln kann. Am Ende wird man trotzdem überrascht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand auf den wahren Täter kommt, und doch ist die Auflösung logisch und rund.

„Moorland. Die Zwillinge“ ist der Auftakt einer neuen Thriller-Reihe aus dem Knaur-Verlag. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band, denn der erste konnte mich restlos überzeugen.

★★★★★

Veröffentlicht am 03.03.2026

Ein Buch mit Schwächen, aber auch mit einer enormen Sogwirkung

Dire Bound
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Ein Buch mit Schwächen, aber auch mit einer enormen Sogwirkung

Sable Sorensen ist das Pseudonym der Autorinnen Eliza und Annie, die mit „Dire Bound“ einen tollen Auftaktband der Wolves-of-Ruin-Reihe geschaffen ...

Ein Buch mit Schwächen, aber auch mit einer enormen Sogwirkung

Sable Sorensen ist das Pseudonym der Autorinnen Eliza und Annie, die mit „Dire Bound“ einen tollen Auftaktband der Wolves-of-Ruin-Reihe geschaffen haben. Er erschien im Februar 2026 im Goldmann Verlag.

Die Protagonistin Meryn Cooper lebt mit ihrer kleinen Schwester Saela und ihrer Mutter in Sturmfrost, der Königsstadt von Nocturna. Seit Jahrhunderten ist das Reich schon im Krieg mit Astreonia, das von den unsterblichen Siphonen bewohnt wird. Letztere beziehen ihre Kräfte aus dem Blut der Menschen. Vor allem das der Kinder ist energiegeladen. Und so verschwinden immer wieder Kinder aus Sturmfrost. Als Saela entführt wird, schwört Meryn, sie zurückzuholen. Dafür meldet sie sich zur Armee. Doch anstatt direkt an die Front versetzt zu werden, muss sie die gefährlichen Prüfungen zur Gebundenen absolvieren. Die uralte und mächtige Schattenwölfin Anassa wählt Meryn für eine Bindung aus.

Besonders den Anfang dieses Buches fand ich ganz hervorragend. Ich fühlte mich sofort heimisch in dieser besonderen Welt und hatte keinerlei Schwierigkeiten, mir das Beschriebene vorzustellen. Der Schreibstil ist leicht und lebendig. Es gibt einige Dialoge, die mich zum Schmunzeln brachten, aber auch sehr viele spannende Szenen. Die Geschichte zog mich unweigerlich in ihren Bann und ich konnte zwischendurch kaum aufhören zu lesen. Bei mehr als 800 Seiten sind das schon mal unverzichtbare Voraussetzungen für ein tolles Leseerlebnis.

Meryn ist eine taffe junge Frau, die sich aufopferungsvoll um ihre kleine Familie kümmert und sich gegen allerlei Männer durchzusetzen weiß. Ihre Beziehung zu Lee, einem Palastkurier, fand ich ziemlich süß. Allerdings war es mir auf Dauer dann doch zu viel „Spice“, das hätte ich definitiv nicht gebraucht.

je weiter die Handlung voranschritt, desto mehr haderte ich mit den Figuren. Meryn und auch ihr Ausbilder Stark benehmen sich manchmal einfach nur dumm. Das ist zwar für den Fortgang der Geschichte gut, hat mich aber doch genervt. Auch die brutale Auslese in den Bindungsprüfungen hätte nicht sein müssen. Gewalt und Manipulation in jeglicher Form nehmen hier einen großen Raum ein. Wer auf meterweit spritzendes Blut allergisch reagiert, sollte besser die Finger von dem Buch lassen.

Auch wenn hier etliche Klischees bedient werden, hat es mir doch unheimlich viel Spaß gemacht, diesen verzwickten Fantasyroman zu lesen. Das Ende bietet mit einer überraschenden Wendung einen Zwischenabschluss, mit dem ich bis zum Erscheinen des 2. Bandes gut leben kann.

Die Wolves-of-Ruin-Reihe:
1. Dire Bound
2. Fury Bound (ET Juli 2026)

★★★★☆

Veröffentlicht am 27.02.2026

Herrlich undurchsichtige Charaktere

Witch of the Wolves - Halbmond Erbe
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Herrlich undurchsichtige Charaktere

Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Cordelia bei ihrer Tante Lenora in London. Beide sind mächtige Hexen. Cordelia versteckt sich vor ihrem Vater Silas, dem Alpha des Albion-Rudels. ...

Herrlich undurchsichtige Charaktere

Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Cordelia bei ihrer Tante Lenora in London. Beide sind mächtige Hexen. Cordelia versteckt sich vor ihrem Vater Silas, dem Alpha des Albion-Rudels. Doch irgendwann wird sie entdeckt und von Silas’ rechter Hand Bishop entführt, weil ihr Vater sie vor einer großen Gefahr beschützen will, von der Cordelia bis dahin gar nichts wusste, und auch ihren Vater und sein Rudel kannte sie nicht.

Mir hat es großen Spaß gemacht, über Hexen und Werwölfe sowie andere übernatürliche Wesen zu lesen. Die Mischung ist gut gelungen, der Schreibstil in der Regel flüssig, nur an einigen wenigen Stellen etwas holprig, was icb aber nicht weiter schlimm fand.

Die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere ist toll. Cordelia ist eine wirklich taffe junge Frau, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, sondern für ihre Rechte kämpft und sich nichts vorschreiben lässt. Aus ihrer Perspektive erleben wir die Handlung und sind ihr so ganz nah, bekommen ihre Gedanken und Gefühle hautnah mit. Von ihrem Gegenpart Bishop wissen wir hingegen kaum, welche Absichten er wirklich verfolgt, ob er auf Cordelias Seite ist oder auf der ihres Vaters oder gar auf seiner eigenen. Diese Unsicherheit macht die Sache spannend, auch weil die beiden sich unweigerlich zueinander hingezogen fühlen. Die Romanze entwickelt sich dabei recht schnell, auch wenn beide es erst mal abstreiten - hier sehen die Lesenden einfach mehr. Ein paar moderate Sexszenen fügen sich gut in die Handlung ein, wären für mich aber nicht so ausführlich notwendig gewesen.

Auch wenn die Handlung in kleinen Details vorhersehbar ist, ergeben sich für das große Ganze doch immer wieder überraschende Wendungen. Es fließt einiges an Blut, auch viel Gewalt ist im Spiel. Wer das nicht erträgt, sollte eher die Finger von diesem ansonsten recht unterhaltsamen Buch lassen.

Das Ende ist für den Moment einigermaßen abgeschlossen, aber eine Fortsetzung bietet sich an. Wann diese erscheinen wird, ist mir noch unbekannt. Die deutsche Ausgabe von „Witch of the Wolves. Halbmond Erbe“ erschien im Februar 2026 bei HarperCollins.

★★★★☆

Veröffentlicht am 26.02.2026

Zwischen Coming of Age und Thriller

Kala
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Zwischen Coming of Age und Thriller

„Kala“ ist der Debütroman von Colin Walsh. Das merkt man diesem Werk keineswegs an. Ich empfand die Story von Anfang bis Ende als ausgefeilt und rund, dabei auch sprachlich ...

Zwischen Coming of Age und Thriller

„Kala“ ist der Debütroman von Colin Walsh. Das merkt man diesem Werk keineswegs an. Ich empfand die Story von Anfang bis Ende als ausgefeilt und rund, dabei auch sprachlich sehr schön präsentiert. Auf Deutsch erschien das Buch im Februar 2026 im Gutkind Verlag.

2003, Kinlough, Irland. Eine Clique von Fünfzehnjährigen genießt den Sommer. Die Jugendlichen machen allerlei Blödsinn, probieren sich aus, gehen an die Grenzen - Pubertät eben. Kala, Helen, Aoife, Mush, Joe und Aidan gehen zusammen scheinbar durch Dick und Dünn. Doch wenn man genau hinsieht, bemerkt man die Risse. Und dann verschwindet im November Kala von einem auf den anderen Tag spurlos. Die Zurückgebliebenen müssen mit diesem Verlust fertigwerden und sich fragen, ob sie eine Schuld an Kalas Verschwinden tragen.

2018 treffen sich Helen, Mush und Joe anlässlich der Hochzeit von Helens Vater wieder. Aiden ist inzwischen verstorben, Aoife weggezogen. Helen flüchtete nach Kalas Verschwinden nach Kanada, Joe wurde ein berühmter Musiker. Nur Mush blieb stets in Kinlough, wo er seiner Mutter im Café hilft. Als auf einer Baustelle ein Skelett gefunden wird, stellt sich schnell heraus, dass es sich um Kala handelt. Die sterblichen Überreste weisen Anzeichen von massiven Verletzungen auf. Was ist mit Kala vor fünfzehn Jahren geschehen? Vor allem die Journalistin Helen bohrt nach, nicht wissend, dass sie dadurch sich und ihre Freunde in höchste Gefahr bringt.

Der Roman beginnt ziemlich gemächlich. Aus verschiedenen Perspektiven lernen wir die Gruppe mitsamt ihrer Dynamik kennen. Heute, fünfzehn Jahre später, hängt die Vergangenheit immer noch wie ein Damoklesschwert über den jungen Menschen. Vieles wurde verdrängt, will nun aber an die Oberfläche. Mit jeder gelesenen Seite entwickelt die Handlung einen immer stärkeren Sog, werden die Figuren immer greifbarer. Nachdem Colin Walsh uns zunächst viele rätselhafte Andeutungen vorlegt, serviert er uns schließlich häppchenweise die Fakten, knüpft ein Netz von unerwarteten Verbindungen und Ereignissen.

Der Schreibstil ist fesselnd, atmosphärisch dicht und bildhaft. Mein Kopfkino hatte ordentlich zu tun. So liebe ich das! Was als Coming of Age-Roman beginnt, endet schließlich als spannender Thriller.

★★★★★