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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2025

Mein erster Suter und gleich ein Knüller

Melody
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Ganz kurz zum Inhalt: Der betagte Dr. Stotz beauftragt den Anwalt Tom Elmer, seinen Nachlass zu ordnen. Schnell ist klar, dass es sich nicht nur um den Nachlass dreht, sondern auch um die große, geheimnisvolle ...

Ganz kurz zum Inhalt: Der betagte Dr. Stotz beauftragt den Anwalt Tom Elmer, seinen Nachlass zu ordnen. Schnell ist klar, dass es sich nicht nur um den Nachlass dreht, sondern auch um die große, geheimnisvolle Liebe des Dr. Stotz. Mithilfe der Großnichte Laura will Tom die Wahrheit um Melody herausfinden.

Suter schafft es, mich als Leserin zu verwirren. Wann erzählt Stotz die Wahrheit, wann spinnt er seinen Hörer*innen etwas vor?
Melody ist Liebesgeschichte, Krimi und zeitgenössische Literatur in einem. Ganz ruhig und sanft werden die Geschehnisse nach und nach aufgedeckt bis sie sich wie in einem Sturm enthüllen. Tröpfelt die Geschichte am Anfang noch langsam vor sich hin, bricht sie am Ende über einen zusammen.

Die Charaktere sind authentisch gezeichnet, aber es fällt nicht leicht, einen Mann wie Stotz zu mögen, wenn man das ganze Buch gelesen hat. Ich habe geschwankt zwischen Missbilligung, Mitleid und Neugier. Ein Mann der sein Leben lang sehnt, liebt, trauert. War dieser Lebensweg verdient, vorherbestimmt oder eine Strafe? Ein Leben ohne Entbehrungen, von der einen Liebe abgesehen.

Über Melody grübele ich immer noch. Da ich nicht spoilern möchte, für die , die das Buch noch nicht gelesen haben, halte ich mich mit meinen Gedanken zurück. Schreibt mir aber gern Eure Meinung, falls ihr es doch schon gelesen habt.

Ein interessantes Gedankenspiel und Gesellschaftsportrait und tatsächlich mein erstes Buch von Martin Suter.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Vier Frauen und ihr von Männern abhängige Weg

Dream Count
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Vier Frauen und ihr Weg sich selbst und ihren Platz in der Welt zu finden. Alle Wege sind stark an Männer geknüpft, die ihre Wege kreuzen. Das mag oft den Realitäten entsprechen, hat mich aber doch immer ...

Vier Frauen und ihr Weg sich selbst und ihren Platz in der Welt zu finden. Alle Wege sind stark an Männer geknüpft, die ihre Wege kreuzen. Das mag oft den Realitäten entsprechen, hat mich aber doch immer wieder sehr grübeln lassen und bisweilen auch gestört.

Es geht um Erwartungen der Gesellschaft, der Familie und Kulturdifferenzen und soziale Unterschiede. Das Patriarchat ist immer allgegenwärtig. Alle Frauen bekommen ihren Fokus. Ich konnte mit Chiamaka, Zikora, Kadiatou und Omelogor mitfühlen, mich mit Ihnen aufregen, mich freuen aber auch sehr viel leiden.

Manches hat Fragezeichen hinterlassen, manches hat mich fassungslos gemacht.
Warum haben Männer immer noch so viel Macht über Frauen?

Ich habe mir noch kein abschließendes Urteil erlaubt und bin froh, dass ich im Rahmen der Lovelybooks Leserunde diskutieren darf und mir anderen Input holen kann

'Dream Count' ist seit langem mal wieder eines der Bücher, in denen ich mir sehr viel markieren musste.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Sehnsucht nach dem Meer

Fernwehland
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Für mich als in der DDR geborene und 12 Jahre lang aufgewachsene, sind Bücher die DDR Geschichte thematisierennoft besonders interessant. Es wird immer ein Zugehörigkeittsgefühl zu dem Land bleiben, von ...

Für mich als in der DDR geborene und 12 Jahre lang aufgewachsene, sind Bücher die DDR Geschichte thematisierennoft besonders interessant. Es wird immer ein Zugehörigkeittsgefühl zu dem Land bleiben, von dem ich dankbar bin, dass es nicht mehr existiert.

Kati Naumann schreibt so fließend und leicht, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Die Geschichte rund um das Schiff MS Völkerfreundschaft empfand ich als ungemein spannend und tatsächlich hatte ich nur Mal entfernt von dem Schiff gehört. Daher war alles rund um das Schiff für mich Neuland.

Kati Neumann vererbt Fakten mit Fiktion und baut eine neue Familiengeschichte drumherum auf. Eine alte Frau und ein mittelaltes Pärchen treffen in der Gegenwart aufeinander. Alle drei verbindet die Liebe zum Schiff und nach und nach erfahren wir ihre Geschichte und ihre Schicksale. Ein junges Mädchen stößt hinzu und ihre Verbindung bleibt lange im Dunkeln. Für mich waren einige Wendungen absolut nicht vorhersehbar, einge vielleicht schon.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte zwar sehr bildreich, aber teilweise auch recht nüchtern erzählt wird. Die Geschichte driftet nie in den Kitsch ab. Das Ende mag eventuell etwas blumig sein, aber es passt zu dem Gesamtbild der Geschichte.

Ein warmer Roman mit viel Hintergrundwissen und der Sehnsucht einmal auf einem Schiff anzuheuern.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Feministisches Coming-of-age

Wenn wir lächeln
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'Wenn wir lächeln' ist ein Buch, dass sich nicht einfach nebenher lesen lässt. Im Alltagstrubel mit Kindern, um mich herum, die stændig Fragen stellen oder in der Bahn, in der Menschen lautstark ihre Krankenakte ...

'Wenn wir lächeln' ist ein Buch, dass sich nicht einfach nebenher lesen lässt. Im Alltagstrubel mit Kindern, um mich herum, die stændig Fragen stellen oder in der Bahn, in der Menschen lautstark ihre Krankenakte diskutieren, fiel es mir schwer mich darauf einzulassen. Dabei hat es dieses Buch verdient sich voll und ganz einzulassen.

Mit Jara und Anto lernen wir zwei komplexe und vielschichtige Charaktere kennen. Beide sind in dieser oft schwierigen Schwebephase zwischen Jugendbund Erwachsenwerden. Aus Jaras Perspektive lesen wir von dem finden ihrer Freundschaft aber auch dem verlieren. Mascha Unterlehberg beschreibt dabei so gekonnt diesen Wunsch nach exklusiver Zugehörigkeit auf der einen Seite, aber auch dem orientieren außerhalb einer engen Bubble andererseits.

Was als Freundschafts- und Coming-of-age Roman beginnt, wird im Laufe der Geschichte immer mehr zu einer feministischen Auseinandersetzung mit dem Patriarchat. Anfangs wird vieles einfach hingenommen, eben weil es sich seit Jahrzehnten, Jahrhunderten in uns Frauen so eingefressen hat. Doch die Wut dringt nach und nach an die Oberfläche. Dabei sind die Konsequenzen viel subtiler und leiser als zum Beispiel in Mareike Fallwickls Romanen, aber nicht weniger gut. Ich fühlte mich an manchen Stellen zurück versetzt in meine eigene Jugend und die damit verbundene Unsicherheit. Wie oft habe ich auch nachts auf dem Heimweg meine Schlüssel zwischen die einzelnen Finger gesteckt, als mögliche Waffe, die glücklicherweise nie zum Einsatz kam. Und auch jetzt male ich mir manchmal wie Jara furchtbare Dinge aus, wenn meine große Tochter nicht wie verabredet zu Hause oder nicht erreichbar ist.

Mascha Unterlehberg hat hier einen beeindruckenden Debütroman vorgelegt, dem ich nicht die genügende Aufmerksamkeit schenken konnte. Ein ReRead ist daher unerlässlich.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Leichte Lektüre

Only Margo
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Dieses Buch hat meinen Horizont erweitert. Von Only Fans hatte ich bis dato zwar gehört, aber um ehrlich zu sein, überhaupt keine Ahnung, um was es sich dabei handelt.
Dank Margo weiß ich es nun und damit ...

Dieses Buch hat meinen Horizont erweitert. Von Only Fans hatte ich bis dato zwar gehört, aber um ehrlich zu sein, überhaupt keine Ahnung, um was es sich dabei handelt.
Dank Margo weiß ich es nun und damit ist auch gleichzeitig meine Neugier befriedigt. Es ist vermutlich unterhaltsam im anzüglichen Sinn, aber nicht unbedingt notwendig. So verhält es sich für mich auch mit dem Buch. Es hat mich unterhalten, aber ich hätte auch nicht so viel verpasst, wenn ich es nicht gelesen hätte (bis auf das Wissen um Only Fans).

Das klingt, wenn ich es noch einmal lesen, negativer als es gemeint ist. Der Plot liest sich wirklich flüssig und bietet Humor und Tragik gleichermaßen. Die Charaktere sind schrä, besonders, warmherzig und einfach alle sehr unterschiedlich. Margo, die Protagonistin, hat mich manchmal genervt, aber ihre innige Verbundenheit mit ihrem Sohn Bodhi hat mich gerührt. Jinx, Margos Vater, hätte ich sofort adoptieren wollen, hätte ich nicht selbst ein noch viel besseres Exemplar von Papa.

Only Margo ist ein perfektes Buch für zwischendurch und um dem Alltag zu entfliehen. Nicht zu tiefgründig aber auch nicht platt.

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