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Veröffentlicht am 06.05.2025

Geschichte eines Verschwindens aus zwei Perspektiven erzählt

Beeren pflücken
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Ein Kind verschwindet und außer der eigenen Familie scheint es niemanden zu kümmern. Tiefer kann Rassendiskriminierung kaum greifen. Denn so geschieht es als die kleine Ruth verschwindet. Ihre Familie ...

Ein Kind verschwindet und außer der eigenen Familie scheint es niemanden zu kümmern. Tiefer kann Rassendiskriminierung kaum greifen. Denn so geschieht es als die kleine Ruth verschwindet. Ihre Familie gehört zu den Mi'kmaqs, die in Novia Scotia (Kanada) beheimatet sind und zum Arbeiten nach Maine (USA) kommen. Sie werden geduldet, weil die Arbeitskraft benötigt wird, aber ein Interesse an Integration gibt es nicht.
Die Geschichte beginnt in den 60er Jahren, aber auch die kommenden Jahrzehnte bringe keine wirkliche Verbesserung.

Die Spannung des Buches besteht nicht darin, was mit Ruth passiert ist, denn das wird schon sehr schnell klar, sondern, wie die Leben zweier Menschen verlaufen und der Hoffnung, ob sie sich wiedersehen.

Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Joe, dem jüngsten Sohn der Familie und älteren Bruder von Ruthie und aus Sicht von Norma und - Achtung Spoiler - die eigentlich Ruthie ist.

Obwohl es teilweise schwer auszuhalten war, könnte ich nicht aufhören zu lesen. Ich habe mit Joe mitgelitten. Er war selbst noch ein Kind, als seine Schwester, ohne Spuren zu hinterlassen, von einem Moment auf den nächsten verschwand. Aber diese Tatsache und die (unnötige) Schuld, die er sich selbst aufgeladen hat, beeinflussen sein halbes Leben. Weitere Schicksalsschläge und Verzweiflungstaten lassen ihn ausbrechen und alles hinter sich zu lassen, was ihm lieb ist. Während wir ihn auf seinem Roadtrip begleiten, lernen wir Norma kennen, die oft so nah an der eigenen Wahrheit ist und dann doch daran vorbei schlittert. Ein Leben voller Entbehrungen, von denen sie vielleicht etwas ahnt, das aber lange, lange Zeit unentdeckt bleibt.

Amanda Peters schafft es mich immer wieder verzweifeln zu lassen, aber dennoch die Hoffnung zu schüren, dass eines Tages alles gut wird. Der Roman hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte und das ist eines dieser Bücher, dass das Fernweh entfacht. Ich habe wieder große Lust auf Kanada. Ich möchte nach Nova Scotia, möchte die Badlands und Grassland sehen und vielleicht in Maine Beeren pflücken.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Zu viele Themen für ein Buch

Swift River
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Zurück in die 80er und rein in die Sundown Towns. Den Begriff kannte ich bisher nicht, den Fakt aber schon. Gemeinden in den USA, in denen die Bevölkerung vorwiegend weiß sind und die afroamerikanische ...

Zurück in die 80er und rein in die Sundown Towns. Den Begriff kannte ich bisher nicht, den Fakt aber schon. Gemeinden in den USA, in denen die Bevölkerung vorwiegend weiß sind und die afroamerikanische Bevölkerung durch Bedrohungen, Anfeindungen, Restriktionen nach und nach vertrieben werden. Der Begriff Sundown Towns ist in Anlehnung daran entstanden, dass sich Schwarze nach Sonnenuntergang nicht mehr draußen aufhalten sollten.

Swift River ist einer dieser Städte. Dort wächst Diamond auf. Mit weißer Mutter und schwarzem Vater. Pop, der Vater, verschwindet 1980 spurlos. Aus zwei Zeitperspektiven berichtet Diamond zum einen über die Zeit vor dem Verschwinden, sowie soeben Jahre später.

Dazu kommen Briefe von einer Tante und einer Großtante. Letztere schreibt um 1915, also viele viele Jahre zuvor.

Diamond ist 17 und noch dabei, ihren Platz in der Welt zu finden, was ihr in der rassistisch geprägten Umgebung sehr schwer gemacht wird. Ihre Mutter ist noch viel mit sich selbst beschäftigt und findet gar keinen Raum wirklich für Diamond da zu sein.
Diamond als Außenstehende zu betrachten ist teilweise kaum aushaltbar und man möchte die Leute anschreien und schütteln: Seht ihr nicht, was ihr dieser jungen Seele antut?

Die Frage um Pops Verschwinden zieht sich lange durch das Buch und am Ende gibt es zwar nicht DIE Auflösung aber ein nach und nach Verstehen. Teilweise etwas träge, wie ein heißer, schwüler Sommertag kommt das Buch daher. Ich konnte mich gut in die Zeit einfühlen, hatte Kulissen und Outfits vor Augen. Essie Chambers schreibt ruhig aber bildstark.

Ein Roman, der vielleicht nicht wachrüttelt, aber mich zum recherchieren anregt. Ich bin dankbar dass Essie Chambers im Nachwort eine kurze Erklärung und Einordnung liefert.

Kein Spannungsroman im klassischen Sinne und auch kein typischer Coming-of-age Roman. Irgendwas dazwischen und vielleicht gerade deshalb gut zu lesen.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Sind Traumata vererbbar?

Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
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Eine namenlose Frau beschließt eine Auszeit zu nehmen. Klingt erst einmal harmlos. Doch eigentlich ist die Auszeit ein Countdown. Es bleibt unausgesprochen, aber die Erzählerin setzt sich eine Frist von ...

Eine namenlose Frau beschließt eine Auszeit zu nehmen. Klingt erst einmal harmlos. Doch eigentlich ist die Auszeit ein Countdown. Es bleibt unausgesprochen, aber die Erzählerin setzt sich eine Frist von sechs Monaten. Danach will sie ihrem Leben ein Ende setzen. In dieser Zeit schreibt sie in unregelmäßigen Abständen Tagebuch. Sie schreibt auf, was sie erlebt und wen sie kennenlernt und zwischendurch erwähnt sie berühmte weibliche Persönlichkeiten, deren Todestag und die Art des jeweiligen Suizids.

Zwischen den Tagebucheinträgen wird die Geschichte ihrer Familie mütterlicher- und väterlicherseits erzählt. Der Fokus liegt auf den Frauen und beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Urgroßmutter. Die Frauen verbindet das Leid. Gefangen jeweils in ihrer Zeit, von weiblicher Selbstbestimmung noch weit entfernt, macht jede ihre eigenen, individuellen oft negativen Erfahrungen. Die Eine findet keinen Ausweg, die eine resigniert irgendwann. Alle versuchen sich zu behaupten, versuchen ihren Weg zu gehen, der mit Steinen gepflastert ist.

Mir als Leserin haben vor allem diese Abschnitte des Buches besonders gefallen. Man taucht ein, in die verschiedenen geschichtlichen Epochen und die besonderen Herausforderungen, denen sich Frauen zu stellen hatten. Die Vermutungen bewahrheiten sich, wer sie Eltern der Protagonistin sind und welche Bürden sie ihr mitgegeben haben.

Die große Frage, ob Familientraumata vererbt werden, scheint in diesem Buch ihre Bestätigung zu finden. Es ist eine interessante Frage, die viel Raum für Diskussionen und Kontroversen bietet. Ich selbst finde, dass es keine klare Antwort geben kann. Bis in die Gegenwart nehmen Männer einen Raum ein, der nicht immer gerechtfertigt ist und der mich ratlos zurück lässt, weil Entscheidungen durch sie so beeinflussbar sind. Und um nicht zu spoilern, lasse ich offen, was nach Fristende geschieht. Nur soviel, überrascht hat es mich nicht.

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Mein erster Suter und gleich ein Knüller

Melody
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Ganz kurz zum Inhalt: Der betagte Dr. Stotz beauftragt den Anwalt Tom Elmer, seinen Nachlass zu ordnen. Schnell ist klar, dass es sich nicht nur um den Nachlass dreht, sondern auch um die große, geheimnisvolle ...

Ganz kurz zum Inhalt: Der betagte Dr. Stotz beauftragt den Anwalt Tom Elmer, seinen Nachlass zu ordnen. Schnell ist klar, dass es sich nicht nur um den Nachlass dreht, sondern auch um die große, geheimnisvolle Liebe des Dr. Stotz. Mithilfe der Großnichte Laura will Tom die Wahrheit um Melody herausfinden.

Suter schafft es, mich als Leserin zu verwirren. Wann erzählt Stotz die Wahrheit, wann spinnt er seinen Hörer*innen etwas vor?
Melody ist Liebesgeschichte, Krimi und zeitgenössische Literatur in einem. Ganz ruhig und sanft werden die Geschehnisse nach und nach aufgedeckt bis sie sich wie in einem Sturm enthüllen. Tröpfelt die Geschichte am Anfang noch langsam vor sich hin, bricht sie am Ende über einen zusammen.

Die Charaktere sind authentisch gezeichnet, aber es fällt nicht leicht, einen Mann wie Stotz zu mögen, wenn man das ganze Buch gelesen hat. Ich habe geschwankt zwischen Missbilligung, Mitleid und Neugier. Ein Mann der sein Leben lang sehnt, liebt, trauert. War dieser Lebensweg verdient, vorherbestimmt oder eine Strafe? Ein Leben ohne Entbehrungen, von der einen Liebe abgesehen.

Über Melody grübele ich immer noch. Da ich nicht spoilern möchte, für die , die das Buch noch nicht gelesen haben, halte ich mich mit meinen Gedanken zurück. Schreibt mir aber gern Eure Meinung, falls ihr es doch schon gelesen habt.

Ein interessantes Gedankenspiel und Gesellschaftsportrait und tatsächlich mein erstes Buch von Martin Suter.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Vier Frauen und ihr von Männern abhängige Weg

Dream Count
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Vier Frauen und ihr Weg sich selbst und ihren Platz in der Welt zu finden. Alle Wege sind stark an Männer geknüpft, die ihre Wege kreuzen. Das mag oft den Realitäten entsprechen, hat mich aber doch immer ...

Vier Frauen und ihr Weg sich selbst und ihren Platz in der Welt zu finden. Alle Wege sind stark an Männer geknüpft, die ihre Wege kreuzen. Das mag oft den Realitäten entsprechen, hat mich aber doch immer wieder sehr grübeln lassen und bisweilen auch gestört.

Es geht um Erwartungen der Gesellschaft, der Familie und Kulturdifferenzen und soziale Unterschiede. Das Patriarchat ist immer allgegenwärtig. Alle Frauen bekommen ihren Fokus. Ich konnte mit Chiamaka, Zikora, Kadiatou und Omelogor mitfühlen, mich mit Ihnen aufregen, mich freuen aber auch sehr viel leiden.

Manches hat Fragezeichen hinterlassen, manches hat mich fassungslos gemacht.
Warum haben Männer immer noch so viel Macht über Frauen?

Ich habe mir noch kein abschließendes Urteil erlaubt und bin froh, dass ich im Rahmen der Lovelybooks Leserunde diskutieren darf und mir anderen Input holen kann

'Dream Count' ist seit langem mal wieder eines der Bücher, in denen ich mir sehr viel markieren musste.

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