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Loreley

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2025

lehrreich und interessant

1177 v. Chr. – Eine Graphic Novel
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1177 v.Chr" ist der erste Graphic Novel, den ich als Erwachsene gelesen habe. Für diesen Erzählstil habe ich mich interessiert in der Hoffnung, dieses Sachbuch besser verstehen zu können.
Anhand zweier ...

1177 v.Chr" ist der erste Graphic Novel, den ich als Erwachsene gelesen habe. Für diesen Erzählstil habe ich mich interessiert in der Hoffnung, dieses Sachbuch besser verstehen zu können.
Anhand zweier jugendlicher Personen, Pel und Schescha, ein Nachfahre der Seevölker und eine ägyptische Schreiberin, erfährt der Leser die Geschichte, wie es zum Untergang der damaligen Hochkulturen gekommen sein könnte. Wenn es Erklärungen bedarf, mischt sich Autor und Anthropologe Erich H. Cline selbst als Comicfigur ein, um moderne und wissenschaftliche Erklärungen ergänzend einzubringen.

Das Thema ist komplex und nicht immer ganz einfach. Ich fand es spannend, wie man z.B. aufgrund von Keramikfunden Rückschlüsse über die verschiedenen Bevölkerungsgruppen im alten Ägypten ziehen konnte. Und der Graphic Novel hat viel Humor und lockert daher den Sachverhalt um einiges auf. Ein großes Plus vergebe ich auch für die farblich tollen und ästhetischen Zeichnungen.
Hinweisen möchte ich aber darauf, dass es immernoch ein historisches Sachbuch ist, trotz des Unterhaltungswertes. Man muss also schon ein geschichtliches Interesse für den Untergang der Mioner, Mykener, Hethiter, Kanaaniter, Assyrer und Ägypter aufbringen und darf nicht auf einen zerstreuenden Graphic Novel für nebenher hoffen. Für mich war das Buch sehr interessant und informativ und ich freue mich auf den angekündigten Folgeband über die Eisenzeit.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Einblicke in die Pariser Kunst und Cancanszene

Montmartre - Licht und Schatten
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Elise und Valèrie...zwei Frauen, die am gleichen Tag zur Welt kommen und im ausklingenden 19.Jahrhundert im Pariser Vorort Monmartre leben. Während Elise als Tochter einer Wäscherin aufwächst und zunächst ...

Elise und Valèrie...zwei Frauen, die am gleichen Tag zur Welt kommen und im ausklingenden 19.Jahrhundert im Pariser Vorort Monmartre leben. Während Elise als Tochter einer Wäscherin aufwächst und zunächst selbst als solche arbeitet, ist Valérie vom Schicksal begünstigter. Ihr Vater ist Galerist und sie wächst behütet und priveligiert auf. Durch den Vater, der ihr Talent entdeckt und sie schließlich auch Malerei studieren lässt, kommt sie in Kontakt mit den zeitgenössischen Malern. Aber auch ihr Studium lässt sie mit der Pariser Kunstszene in Berührung kommen. So ist der Maler Toulouse-Lautrec ihr Vertrauter, der später viele Szenen der Gartenlokale und Varieté von Monmartre künstlerisch darstellt.
Zeitgleich verkehrt Elise in einem Varieté von Monmartre, das später als Moulin Rouge bekannt wird und hofft auf eine Karriere als Cancan-Tänzerin. Hier lernt sie auch die Tänzerin La Goulue kennen, die mit ihren provokant-vulgären Tanzeinlagen zur Berühmtheit gelangt. Auch diese Figur hat es gegeben und wurde von der Autorin Narie Lacrosse hervorragend recherchiert und porträtiert.

Mir hat das Buch sehr gefallen. Zum einen ist der Erzählstil flüssig und man fliegt nur so durch die Seiten. Zum anderen finde ich die Geschichte um die beiden Frauen interessant. Ich liebe den Impressionismus und habe mich beim Lesen gefreut bekannte Maler wie van Gogh, Renoir und Toulouse-Lautrec zu treffen und in die Pariser Kunstszene einzutauchen. Hier hätte ich mich noch über etwas tiefergehende Bildbeschreibungen gefreut, was den Roman aber eventuell auch überfrachtet hätte. Parallel dazu hat mir auch der Erzählstrang der ärmeren Bevölkerung von Monmartre, ihr ungeschönter Überlebenskampf und dem Aufstieg und dem goldenen Zeitalter des Cancan gefallen.

Sa dies der erste Teil einer Diologie ist, freue ich mich schon auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

zart und poetisch

Das Haus der Türen
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In seinem feinfühligen Roman "Das Haus der Türen" zeichnet der Autor Tan Twan Eng das Bild der in Malaysia lebenden Britin Lesley Hamlyn, das versinnbildlichend für die Sitten, Konventionen und Gepflogenheiten ...

In seinem feinfühligen Roman "Das Haus der Türen" zeichnet der Autor Tan Twan Eng das Bild der in Malaysia lebenden Britin Lesley Hamlyn, das versinnbildlichend für die Sitten, Konventionen und Gepflogenheiten des gesamten british Empire steht. Sie erzählt ihre Geschichte dem ebenfalls britischen und auf der real existierenden Figur beruhenden Schriftsteller Willie Somerset Maughan, der wie sie dem starren, englischen Verhaltenskodex unterworfen ist. Lesley ist in einer unglücklichen Ehe. Ihr Mann Robert betrügt sie, doch wenn sie ihn verlassen würde, würde dies ihr gesellschaftliches Aus und ihr finanzieller Ruin bedeuten. Sie erzählt Somerset Maughan von ihrer Liebe zu einem chinesischen Aufständigen, der Schriftsteller widerrum liebt heimlich einen anderen Mann und ist, genauso wie sie, in Doppelmoral und dem englischen Verhaltenskodex unterworfen. Lesley steht stellvertretend für die Frauenrolle ihrer Generation, deren Hauptaufgabe es ist, als Randfigur ihres Ehemannes zu glänzen und den Schein aufrecht zu erhalten. Auch ihre des Mordes angeklagte Freundin Ethel befürchtet so sehr den gesellschaftlichen Klatsch und Tratsch aufgrund ihrer außerehelichen Affäre, dass sie sich lieber als Mörderin verurteilen lässt, als die versuchte Vergewaltigung ihres abgewiesenen und enttäuschten Liebhabers darzulegen.
Dieser empfehlenswerte Roman ist sprachlich dicht und dennoch zart geschrieben. Tan Twan Eng führt den Leser durch romantische Szenen, beschönigt jedoch nichts und setzt dem Schriftsteller Willie Somerset Maughan ein Denkmal.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Medizin für die Seele

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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Die 12jährige Françoise kümmert sich um ihre depressive Mutter. Bücher helfen ihr, die Realität zu ertragen und bieten eine Flucht in eine bessere, phantasievolle Welt. So wundert es nicht, dass es sie ...

Die 12jährige Françoise kümmert sich um ihre depressive Mutter. Bücher helfen ihr, die Realität zu ertragen und bieten eine Flucht in eine bessere, phantasievolle Welt. So wundert es nicht, dass es sie auf das Bücherschiff verschlägt, das den Ruf hat, für jeden Menschen in Not die entsprechende bookishe Medizin zu besitzen.
Kann Monsieur Perdu ihr und ihrer Mutter mit der litetaturmedizinischen Beratung helfen?
Mit Nina George kann man einfach nichts falsch machen. Bücher sind einfach die beste Medizin, und die bekommt man auf dem Bücherschiff verabreicht, bis auch dem Leser das Herz aufgeht. Die Autorin schreibt leicht und einfach nur schön. Ich könnte stundenlang mit Françoise und Kater Schiller auf dem Pariser Bücherschiff Lulu in der Pharmacie Littéraire verbringen...so schön 💜💜💜.
Es handelt sich um den zweiten Band um den Buchhändler Jean Perdu (Teil 1: das Lavendelzimmer) und bezaubert die Leser:in und lässt ein Lächeln auf den Lippen zurück. Ich würde den Roman für laue Sommerabende empfehlen mit einem schönen Glas Rotwein im Garten oder auf dem Balkon.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

galaktisch gut

Stars
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Carla Mittmann wabert so durch ihren Alltagstrott, als ein kometenhafter Pflastersteinwurf die bisherige Lebensführung durcheinander wirft. Ein Blick aus dem Fenster offenbart ihr das neue Credo: "Freiheit ...

Carla Mittmann wabert so durch ihren Alltagstrott, als ein kometenhafter Pflastersteinwurf die bisherige Lebensführung durcheinander wirft. Ein Blick aus dem Fenster offenbart ihr das neue Credo: "Freiheit für Mittmann!" steht auf den Bürgersteig geschrieben. Der Fund von 10.000 $ offeriert neue Möglichkeiten. Doch was ist der neue Lebensentwurf der Teilzeitangestellten im Kundenservice eines Möbelherstellers, die nebenbei als "Cosmic Charly" astrologische Beratungen anbietet?

Carla ist zu Beginn der Geschichte in zwei Halbtagsjobs; sie will sich nicht richtig festlegen und lässt das Leben geschehen, statt es selbstwirksam in die Hand zu nehmen. Für die Veränderung muss erst etwas zerstört werden (in diesem Fall eine Fensterscheibe) und ihr muss plakativ vor Augen geführt werden, was das Schicksal (die Sterne?) mit ihr vorhat, nämlich Freiheit. Die Freiheit zu tun, was man möchte, unabhängig von Vorgesetzten, Universitätsprofessoren oder der Vorstellungen anderer.
Das Grundkapital als Sicherheit für die Existenzgründung muss jedoch erst kosmisch bereit gestellt werden, damit sie den Absprung vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit wagt.
Und so wird Carla Astrophilosophin und verdient ihr Geld als Betrügerin. Dennoch gibt sie den bedürftigen Mitmenschen eine Geschichte, beobachtet und sieht da hin, wo Menschen eben gesehen werden wollen und gibt ihnen mit Pseudogeschwafel ein gutes Gefühl zu. Aber auch Carla profitiert finanziell und auch persönlich davon, gebraucht zu werden.

Wie kann ich diesem Buch weniger als fünf Sterne geben, egal ob astrologische oder literarische? Es ist witzig, klug und sticht in den Nerv einer orientierungslosen und Halt suchenden, Choronageschwächten Gesellschaft. Katja Kullmann gibt sich selbst einen Schlagabtausch, macht sich vielleicht auch ein ganz klein wenig lustig über ihre Romanfigur, trotzdem empfinde ich die Protagonistin als liebevoll-sarkastisch von der Autorin begleitet. Und es ist toll, einer autokraten und unabhängigen, weiblichen Figur in den ansonsten eher faden "Frauenbüchern" zu begegnen.

Ist das jetzt ein Selbstfindungsroman, eine Gesellschaftssatire oder vielleicht sogar ein philosophischer Ansatz, wie man dem Alltagswahnsinn begegnen soll?
Mir egal. Ich mochte es und das genügt. ✨️

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