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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2019

Selbst für eine Soap Opera zu unrealistisch

Follow Me Back
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Einen Klappentext wie den von „Follow me Back“ hatte ich bis dato noch nicht gelesen. Ein Geschichte mit einer Hauptperson, die Agoraphobie hat und ziemlich stark auf einen Popstar steht, klang schon sehr ...

Einen Klappentext wie den von „Follow me Back“ hatte ich bis dato noch nicht gelesen. Ein Geschichte mit einer Hauptperson, die Agoraphobie hat und ziemlich stark auf einen Popstar steht, klang schon sehr modern. Social Media bekommen immer mehr Bedeutung, sodass es eigentlich nur schlüssig ist, dass sie auch in Büchern thematisiert werden. Ich selbst bin nicht auf Twitter und Co. unterwegs und kann nur begrenzt den Hype um Followerzahlen und Likes verstehen, was mit ein Grund war das Buch zu lesen. Ich dachte so, dass ich eine unterhaltsamen Blick in die ganze Szene bekomme.

Das Buch startet sehr interessant. Zunächst wird Tessas Agoraphobie sowie ihre Therapiemaßnahmen thematisiert. In den ersten Kapiteln fand ich das sehr spannend und habe mich gefragt, was Tessa passiert ist, dass sie sich nicht mehr traut ihr Zimmer zu verlassen. So tragisch so eine Phobie auch ist, fand ich es irgendwann schade, dass Tessa komplett auf diese Ängste reduziert wird. Neben der Phobie und ihren Crush für den Popstar lernt der Leser wenig über Tessa. Selbst am Ende wusste ich nicht, was sie eigentlich mag oder ausmacht.

Eric als Popstar und männlicher Protagonist ist hier schon etwas facettenreicher. Über ihn erfährt der Leser mehr und kann ihn – soweit das bei seiner Sprunghaftigkeit möglich ist – irgendwann einschätzen. Tatsächlich konnte ich ihn mir jedoch nicht als realen Menschen vorstellen.

Obwohl die Themen zunächst spannend und aktuell klagen, wirkten sie irgendwann abstrus. Die Wendungen in der Geschichte waren einfach nicht realistisch und viel zu viel. Jedes Mal, wenn ich dachte, dass es nicht noch dramatischer kommen konnte, passierte noch etwas, das dem Ganzen die Krone aufsetzte. Natürlich kann das Leben einem auch mal übel mitspielen, aber das war hier zu dick aufgetragen.

In meinen Augen war das Buch eine große Enttäuschung. Das einzig Gute waren die Chats zwischen Tessa und Eric, die sehr amüsant geschrieben waren. Ansonsten konnte ich der Geschichte echt nichts Positives abgewinnen.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Ein Buch, das unter die Haut geht

Sieh mich an
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„Das Leben ist kein Musical, Ava, aber es ist dein Leben. Niemand kann dich für eine Rolle darin besetzen, wenn du es nicht zulässt.“ Er hält meinen Blick fest. „Also, welche Rolle willst du spielen?“

Schaut ...

„Das Leben ist kein Musical, Ava, aber es ist dein Leben. Niemand kann dich für eine Rolle darin besetzen, wenn du es nicht zulässt.“ Er hält meinen Blick fest. „Also, welche Rolle willst du spielen?“

Schaut nicht jeder manches Mal in den Spiegel und ist unzufrieden mit sich? Dann gibt es da einen unschönen Pickel oder eine kleine Unregelmäßigkeit. Doch obwohl es dafür Make-Up gibt, haben wir direkt das Gefühl, dass jedem auffällt, dass irgendetwas im Gesicht nicht stimmt. Aber das Gute ist, dass wir dafür Make-Up haben. In der Regel können wir überdecken, was uns stört und zurück in unseren Normalzustand kommen.

Dieses „Normal“ gibt es für Ava nicht mehr. Mir fehlt die Vorstellung, wie es sein muss, wenn man eines Tages im Krankenhaus aufwacht und Verbrennungen an 60 Prozent des Körpers hat. Ich habe schon davon gehört, dass es Verbrennungen zweiten oder dritten Grades gibt, aber dass es auch tatsächlich Verbrennungen vierten Grades gibt, war mir neu. Hier gibt es kein Überschminken oder Abdecken, hier gibt es kein zurück in die alte Normalität. Hier kann man sich zu hundert Prozent sicher sein, dass andere Menschen die Narben sehen.

Als Jugendlicher ist die Schule nicht immer leicht, aber wenn man mit sich selbst auch nicht im Reinen ist und sich an ganz viele neue Sachen gewöhnen muss, dann ist diese Zeit um ein Vielfaches schlimmer. Avas Geschichte, die in diesem Jugendroman erzählt wird, ist ebenso wie ihr Leben nicht immer schön. Als Überlebende eines Brandes gibt es für sie schlechte und manchmal weniger schlechte Tage. Es wird hier sehr deutlich beschrieben, dass eine solche Katastrophe einen vollständig entgleist und man sich jeden Tag seiner neuen Realität stellen muss. Einer Realität, die so schlimm sein kann, dass man sich noch nicht mal traut, in den Spiegel zu schauen, weil man Sorge hat, das eigene Gesicht nicht wiederzuerkennen.

Die Geschichte ist mir unter die Haut gegangen, weil hier so viele Emotionen vermittelt werden, dass ich mit Ava gelitten habe und Stück für Stück gemerkt habe, wie einzelne Aspekte auch besser werden können. Die Narben können zwar nicht verschwinden, aber der Blick auf sie, kann sich verändern. Narben allein machen die Persönlichkeit nicht aus und jeder trägt schließlich Narben – nur sind manche besser zu sehen.

Neben den Narben und dem Überleben geht es in dem Buch jedoch auch um die Freundschaft, die Familie, die wahren Werte im Leben und die Musik. Es ist somit keineswegs ein deprimierendes Buch, wobei ich fairer Weise auch sagen muss, dass ich an einer Stelle echt mal Tränen in den Augen hatte. Einzelne Szenen sind jedoch auch wirklich witzig, sodass man auch manches Mal über die Geschichte Lachen kann. Ich kann insgesamt versprechen, dass man dieses Buch nicht lesen und dabei nichts empfinden kann. In meinen Augen ist dies ein grandioser, bewegender und sogar inspirierender Roman.

Veröffentlicht am 28.10.2019

Übung macht den Meister - auch in der Liebe

Kissing Lessons
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Erinnert ihr euch noch an die erste große Liebe, den ersten Kuss und die ersten Erfahrungen, die man mit dem anderen Geschlecht gesammelt hat? An all die Unsicherheiten, weil es unbekanntes Terrain war, ...

Erinnert ihr euch noch an die erste große Liebe, den ersten Kuss und die ersten Erfahrungen, die man mit dem anderen Geschlecht gesammelt hat? An all die Unsicherheiten, weil es unbekanntes Terrain war, man sich nicht doof anstellen und dem anderen gefallen wollte. Nach den ersten Küssen wusste man dann schon besser, was einem gefällt oder auch was man da eigentlich macht. Jetzt stellt euch vor, dass es da keine Lernkurve gibt und man mit Ende zwanzig noch genauso überfordert mit allem ist wie als Teenager. Genauso geht es Stella.

Als Asper-Autistin sind Stella andere Menschen und vor allem auch Männer ein großes Rätsel. Die wenigen Erfahrungen, die sie gemacht hat, waren nicht besonders schön und eigentlich hat sie wenig Lust ihre tägliche Routine zu verändern. Als ein Arbeitskollege ihr sagt, dass Übung den Meister macht, beschließt sie, sich Hilfe zu suchen und Unterricht in Sachen Liebe zu nehmen. Wer wäre dafür besser geeignet als ein professioneller Escort.

Die große Besonderheit bei diesem Buch ist Stella oder viel mehr, dass Stella Asperger-Syndrom hat. Obwohl ich schon viele Liebesromane gelesen habe, habe ich noch kein anderes Buch gesehen, dass diese Entwicklungsstörung thematisiert. Grob kenne ich die Symptone wie die Schwierigkeiten in der nonverbalen Kommunikation oder eine schwächere soziale Kompetenz, aber ich hatte mir bis dato noch keine Gedanken darüber gemacht, dass dies zu wirklich große Schwierigkeiten, den Partner fürs Leben zu finden, führen kann.

Da die Autorin selber im Rahmen der Recherche zu dem Roman die Diagnose Asperger-Syndrom bekam, beschreibt sie hier authentisch einzelne Situationen oder Missverständnisse, die sich im Alltag ergeben können. Es war faszinierend eine Liebesgeschichte einmal durch eine andere Brille zu sehen. Außerdem wird hier auch sehr schön deutlich, dass ein solches Label einen nicht zu einem schwachen Menschen macht. Stella ist extremst intelligent, eigenständig und wohlhabend. In vielen Bereichen eine Persönlichkeit, die man nur bewundern kann. Das Buch zeigt auch auf, dass manch einer vielleicht selber einmal den Blick auf Menschen mit einer Beeinträchtigung überdenken muss. Nur wegen einer solchen Diagnose ist ein Leben nicht bemitleidenswert oder weniger lebenswert.

Trotz der etwas komplexen Thematik sprudelt die Geschichte aber auch voller positiver Emotionen über. Es gibt hier Romantik, Liebe und Humor. Natürlich gibt es auch etwas Herzschmerz, Verwirrung und kleines bisschen Trauer. Es ist eine gute Mischung aus vielen Gefühlen. Der lockere Schreibstil sorgt zudem dafür, dass die Seiten nur so dahin fliegen und dass ein wahres Kopfkino entsteht. Ich konnte mir hier Stellas Blick auf die Welt gut vorstellen und verstehen, warum es manchmal in der alltäglichen Kommunikation Missverständnisse gibt. Für mich war dies eines der schönsten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Wenn ich nicht irgendwann hätte schlafen müssen, dann hätte ich es bestimmt an einem Abend ausgelesen - so hatte ich es dann erst am nächsten Mittag aus. Wer also eine außergewöhnliche Liebesgeschichte lesen möchte, der sollte unbedingt zu "Kissing Lessons" greifen. Ich hoffe, der Roman verzaubert euch genauso, wie er mich verzaubert hat.

Veröffentlicht am 28.10.2019

Mit 10 Blind Dates wurde mein Herz erobert

10 Blind Dates für die große Liebe
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Stellt euch für dieses Buch eine extremst liebevolle Familie vor, die es nicht ertragen kann, dass ein Familienmitglied ein gebrochenes Herz hat. Um Sophie über ihre Trauer hinweg zu helfen, organisieren ...

Stellt euch für dieses Buch eine extremst liebevolle Familie vor, die es nicht ertragen kann, dass ein Familienmitglied ein gebrochenes Herz hat. Um Sophie über ihre Trauer hinweg zu helfen, organisieren die Familie für sie Blind Dates und weil es so viel Spaß macht, machen sie dabei auch noch einen Wettbewerb, wer das beste Blind Date plant.

Vielleicht klingt die Familie ein bisschen verrückt, aber ich konnte sie mir ausgesprochen gut vorstellen. Gegebenenfalls hat sie mich auch ein bisschen an meine eigene Familie erinnert, wodurch die Geschichte in meinen Augen noch authentischer wirkt. Durch die Charaktere allein ist dieses Buch schon ein wahres Schätzchen. Viele Autoren könnten sich hier eine Scheibe abschneiden und ebenfalls so lebensnahe Figuren schaffen.

Ein weiteres Highlight in dem Buch ist der Humor. Es gibt hier so viele schlagfertige und witzige Dialoge. Außerdem gibt es an vielen Stellen eine Situationskomik. Ich wusste gar nicht, dass diese in einem Buch so stark sein kann, aber hier funktioniert es. Sophie erlebt zehn sehr unterschiedliche Dates, wobei manche wunderschön und andere zum Schreien komisch sind. Hier zeigt die Autorin zudem viel Kreativität. Auf das ein oder andere Date würde ich auch gerne im realen Leben gehen.

Als Kritik könnten Leser äußern, dass das Ende etwas vorhersehbar ist. Dies kritisiere ich bei anderen Büchern auch gerne einmal. Hier hat es mich tatsächlich jedoch nicht gestört. Im Gegenteil, ich fand es gut, dass es schon früh Anzeichen gab, wie die Geschichte enden könnte. Es ist in meinen Augen einfach nicht schlüssig, wenn die Hauptperson auf den letzten Seiten plötzlich starke Gefühle für die männlich Hauptperson hat und sie zusammenkommen. Gefühle müssen sich eben erst langsam entwickeln. Das hat mir hier sehr gut gefallen. Es gibt hier auch kein übertrieben kitschiges, romantisches Ende.

Ihr merkt, dass es hier nichts Negatives in meiner Rezension gibt. Das liegt daran, dass mich das Buch vollkommen überzeugt und sehr positiv überrascht hat. Ich bin super schnell in die Geschichte hineingekommen und habe jede Seite geliebt. Ich habe gelacht, mitgefiebert und mich ebenfalls verliebt. In meinen Augen ist dies ein wahres Lesehighlight des Jahres.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Gefühl
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.10.2019

Die Grisha sind zurück!

King of Scars
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„Doch jetzt, da die Zeit zum Reden gekommen war, wollte Nikolai diese Geschichte nicht erzählen. Er wollte nicht, dass es seine Geschichte war. Er hatte gedacht, der Krieg läge in der Vergangenheit, aber ...

„Doch jetzt, da die Zeit zum Reden gekommen war, wollte Nikolai diese Geschichte nicht erzählen. Er wollte nicht, dass es seine Geschichte war. Er hatte gedacht, der Krieg läge in der Vergangenheit, aber er weigerte sich, dort zu bleibe.“

Das Grishaverse kannte ich bis dato nur aus der „Ruf der Krähen“-Dilogie, die mir ausgesprochen gut gefallen hatte. Somit war ich sehr glücklich in diese Welt zurückzukehren. Zunächst hatte ich ein paar Probleme in diesen neuen Roman hineinzufinden. Nikolai und Zoya waren mir bis dato nicht bekannt, aber ihre Vorgeschichte wird in der Grischa-Trilogie erzählt. Die dritte Hauptperson Nina wiederum kannte ich bereits und es hat mir extremst gefreut, dass sie hier wieder auftaucht. Mir war durch den Klappentext nicht bewusst, dass sie hier auch eine größere Rollen einnehmen würde und das war die erste von vielen positiven Überraschungen.

In den Ankündigungen zu dem Buch heißt es zum Teil, dass die Geschichte unabhängig gelesen werden kann. Ehrlich gesagt bin ich hier anderer Meinung. Ich kannte bereits einen Teil der Vorgeschichte und hatte dennoch Lücken. Da kann ich mir nicht vorstellen, wie jemand das Buch verstehen soll, der noch gar keine Geschichte aus dem Grishaverse kennt. Somit mein Tipp, lest erst einmal die anderen Bücher.

Nach wenigen Kapiteln war ich wieder vollkommen gebannt von der Handlung. Mich hat nach dem Ende von „Das Gold der Krähen“ sehr interessiert wie es mit Nina weiter geht und war unheimlich froh, hier ein paar Antworten zu bekommen. Außerdem hat mich Zoya begeistert, die eine sehr starke Persönlichkeit ist. Auch wenn sie selbst nicht die Zarin ist, hat sie auf mich wie das Rückgrat der Nation gewirkt. Wenig andere Menschen würden sonst wohl so vehement dem Zaren ihre Meinung sagen.

Im Vergleich zu den weiblichen starken Persönlichkeiten war ich im ersten Moment etwas von Nikolai enttäuscht. Aber durch seine witzigen, schlagfertigen Bemerkungen, habe ich ihn dann auch in mein Herz geschlossen. Er ist vielleicht nicht der Bilderbuch-Zar, aber welcher Charakter von Leigh Bardugo ist schon so, wie er im Bilderbuch steht. Vorurteile oder Stereotype gibt es hier quasi nie und gerade das macht auch ihren Charm aus. Es macht so viel Spaß immer wieder überrascht zu werden.

Das Buch hat mich wieder vollkommen überzeugt und ich bin sehr begeistert. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzen und werde definitiv bis dahin noch die Grisha-Trilogie lesen. Jetzt da ich weiß, dass Zoya auch darin vorkommen wird, freue ich mich umso mehr darauf.