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Veröffentlicht am 06.01.2026

Wenn der Nebel sich langsam lichtet

Eisnebel
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„Eisnebel“ von Kate Alice Marshall ist ein atmosphärischer, ziemlich mysteriöser Thriller, packend gelesen von Heike Warmuth.
Auf dem luxuriösen und abgeschiedenen Winterdomizil der Daltons soll die 24-jährige ...

„Eisnebel“ von Kate Alice Marshall ist ein atmosphärischer, ziemlich mysteriöser Thriller, packend gelesen von Heike Warmuth.
Auf dem luxuriösen und abgeschiedenen Winterdomizil der Daltons soll die 24-jährige Theodora erstmals die schwerreiche Familie ihres Verlobten Connor kennenlernen. Doch die Familie verhält sich Theo gegenüber ebenso frostig wie das Wetter. Noch dazu fällt es Theo immer schwerer die sorgsam gehüteten Geheimnisse über die unschönen Ereignisse ihres bisherigen Lebens und ihre nahezu gänzlich fehlenden Kindheitserinnerungen zu bewahren. Der Familienbesitz Idlewood erscheint ihr jedoch seltsam vertraut und immer wieder blitzen Erinnerungsfetzen in ihr auf von denen sie nicht sicher ist, ob sie real sind oder ihrer Fantasie entspringen. Einzig die Tatsache, dass hier vor vielen Jahren etwas Schreckliches passiert ist und Connors Familie darin verwickelt ist, wird Theo nur allzu bewusst. Wem kann sie noch trauen an diesem Ort, dem sie nicht entkommen kann? Und können die Daltons Theo trauen oder hegt sie gefährliche Hintergedanken?
Das hübsche Cover zeigt eine feudale Lodge in sehr entlegener Idylle, genauso wie es im Buch eindrücklich beschrieben wird. Doch die düstere Einsamkeit, die das Cover ausstrahlt hat durchaus etwas Beklemmendes an sich und bereitet den Leser damit schon bestens auf den Inhalt vor. Genau diese Gefühle, die beim ersten Anblick bereits zu spüren sind, stecken in diesem Thriller drin – und dazu noch ein bisschen mehr.
Kate Alice Marshall gelingt es hervorragend eine düstere, geheimnisvolle und angespannte Atmosphäre zu kreieren. Ihre Schilderungen wirken bildhaft und erzeugen durch immer neue „Erinnerungen“ und Schlussfolgerungen etliche unerwarteten Wendungen und packende Spannung. Statt übermäßigem Blutrausch sind es in diesem Thriller viele kleine und größere Psychospielchen, die fesseln und eine Unterbrechung des Lese- bzw. Hörvergnügens schwierig machen. Man möchte einfach wissen, was weiter passiert. Heike Warmuth manifestiert diesen Eindruck mit ihrer lebhaften und eindringlichen Lesart. Sie moduliert die verschiedenen Charakteren wunderbar und gibt ihnen ein Profil. Lediglich in wenigen Dialogen mit Theo hat Connor für meinen Geschmack einen etwas zu defensiven bis genervten Unterton. Insgesamt erstreckt sich das Hörbuch über knappe 10 Stunden – und natürlich fließt auch noch Blut.
So richtig sympathisch ist von den Charakteren eigentlich niemand. Selbst Protagonistin Theo wirkt auf ihre mysteriöse Art ein wenig befremdlich mit eigenwilligen Charakterzügen. Man mag Mitleid mit ihrem Schicksal in der Adoptivfamilie haben, dennoch ist sie mehr Mittelpunkt des Geschehens, denn Identifikationsfigur. Während sie viele Dinge über ihre Identität wirklich nicht weiß, verbirgt sie andere Geschehnisse sehr bewusst vor ihren Mitmenschen. Doch obwohl ihre Erinnerungen nach und nach klarer werden, scheinen die anderen ihr stets einen Schritt voraus zu sein. Die Familie ihres Verlobten begegnen ihr kühl bis offen feindselig und einige von ihnen versuchen alles um sie loszuwerden. Connor selbst enttäuscht zwischenzeitlich ein wenig mit seiner etwas unentschlossenen Haltung. Er möchte sowohl zu Theo stehen, als auch den Wünschen der Familie entsprechen. Ein Spagat, der ihn zum Scheitern verurteilt. Aber auch er ist nicht vollkommen aufrichtig seinen Mitmenschen gegenüber. Connors Familie, die Daltons sind nicht nur extrem vermögend, sie halten auch zusammen – trotz aller Differenzen. Besonders snobistisch präsentiert sich Connors Großmutter Louise – für Theo natürlich Mrs. Dalton - während ihr Mann Magnus und Connors Onkel Nick eher bodenständig wirken – zumindest auf den ersten Blick. Connors Bruder Trevor ist das schwarze Schaf der Familie und seine ältere Schwester Alexis wirkt karriereorientiert, hat mit ihrer Frau Paloma und Sohn Sebastian aber auch eine eigene Familie. Connors Mutter hält sich dagegen augenscheinlich eher ein wenig zurück. Aber selbst das Hauspersonal bestehend aus Irina, ihrer Tochter und dem seltsamen Mr. Vance steht Theodora äußerst skeptisch gegenüber. Ein sehr verdächtiger Todesfall wird aus unerklärlichen Gründen von allen zu einem Unfall erklärt und dann läuft plötzlich alles aus dem Ruder.
Insgesamt ist „Eiszeit“ ein äußerst spannender Thriller, der Leser bzw. Hörer mit emotionalen, unerwarteten Wendungen und Einblicken in die Psyche der Charaktere vollkommen in seinen Bann zieht.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Zwischen berührend und oberflächlich

Die verlassene Tochter
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„Die verlassene Tochter“ ist der sechste Teil aus Soraya Lanes „Die verlorenen Töchter“ Saga und spielt auf einer großen Estancia in Argentinien. Die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen ...

„Die verlassene Tochter“ ist der sechste Teil aus Soraya Lanes „Die verlorenen Töchter“ Saga und spielt auf einer großen Estancia in Argentinien. Die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen und lassen sich daher unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesen.
Als Rose nach dem Tod ihrer Mutter nicht weiß, wie ihr Leben weiter verlaufen soll, erhält sie überraschende Post aus Argentinien. Sie soll das Erbe einer ihr bis dato unbekannten vermögenden Urgroßmutter antreten, die ihre Tochter - Roses Großmutter – vor Jahrzehnten nach der Geburt in London zur Adoption freigab. Alles scheint mit dem rätselhaften Holzkästchen zusammenzuhängen, dass Rose zuvor aus einem ehemaligen Londoner Frauenhaus erhalten hat. In Argentinien angekommen verliebt sich Rose nicht nur in das Anwesen ihrer Urgroßmutter. Auch ein attraktiver Polospieler lässt ihr Herz schneller schlagen. Außerdem versucht Rose das Rätsel um die verstorbene Verwandte zu lösen. Aber eigentlich gehört sie nach London, dort sind ihr Zuhause und ihr Leben – oder vielleicht doch nicht?
Das Cover zeigt ein herrschaftliches weißes Wohnhaus inmitten üppiger Natur. Es passt zum Inhalt des Buches ohne wirklich etwas zu verraten.
Der Roman spielt, wie auch die weiteren Bücher der Reihe, auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart steht Rose im Mittelpunkt, die bei ihrer Recherche über die Urgroßmutter Valentina in Argentinien von Polospieler Benjamin unterstützt wird. In der vergangenen Zeitebene ist Valentina die zentrale Figur, deren Entwicklung vom verliebten Mädchen zur jungen Frau von tragischen Ereignissen überschattet wird. Gerade dieser vergangenen Zeitebene gibt Autorin Soraya Lane große emotionale Tiefe. Einige Erlebnisse Valentinas gehen richtig unter die Haut. Im Gegensatz dazu bleibt die Gegenwart in meinen Augen leider in jeder Hinsicht ziemlich flach und wirkt stellenweise sehr weit hergeholt, auch im Vergleich mit einigen anderen Romanen der Reihe. Spannung kommt ebenfalls vor allem in Valentinas Leben auf, denn wie sich die Gegenwart entwickelt ist, abgesehen von kleinen Überraschungen leicht zu erahnen. Alles andere wäre aber sicherlich auch enttäuschend.
Die Charaktere wirken insgesamt recht sympathisch, haben aber auch ihre Schwächen, was sie menschlicher macht. Manche bleiben leider etwas flach. Vor allem Jessica wirkt als Roses beste Freundin unheimlich liebenswert. Trotz ihres Lebens auf einem anderen Kontinent mit zwei kleinen Kindern, Mann und einem Job ist sie stets zur Stelle, wenn Jessica sie braucht. Eine solche Freundin kann man sich nur wünschen. Rose selbst stellt ihr Leben und vor allem ihren Job als Anwältin nach dem Tod von Großmutter und Mutter in Frage und wirkt sehr unentschlossen. Zwar scheint sie in London kaum engere Kontakte zu haben, aber sie hängt sehr an ihren Erinnerungen. Eigentlich wirkt Rose durchaus sympathisch, allerdings erfährt man abgesehen von ihrer Trauer bedauerlich wenig über Roses Gefühle und Zukunftspläne. Auch die Gespräche mit Benjamin bleiben recht oberflächlich, obwohl er Roses Leben ziemlich durcheinander wirbelt. Benjamin liebt sein Land und seine Familie. Er unterstützt Rose umsichtig bei ihrer Recherche, verhält sich mitunter allerdings auch durchaus dominant und nicht sonderlich offen. Sehr gefühlsbeladen und berührend ist dafür die Darstellung von Valentina. Bei all ihren Schicksalsschlägen leidet man beim Lesen regelrecht mit. Es stimmt mich ein wenig traurig, dass sie so hart kämpft, um dann doch „nur“ das Lebenswerk ihres geliebten Vaters fortzuführen statt ihr eigenes Leben zu leben und ihr Glück zu finden. Dennoch wirkt Valentina durchaus zufrieden. Einige ihrer Entscheidungen kann ich jedoch nicht recht nachvollziehen und hätte mir gewünscht ihre Beweggründe zu erfahren. Im Gegensatz zu Valentina stammt Felipe nicht aus einer reichen Familie, sodass die beiden ihre Liebe in ihrer Jugend zunächst geheim halten müssen. Trotz seiner liebevollen, etwas forschen Art bin ich durch seine übereilte Reaktion, die spätere Heimlichtuerei und Feigheit doch ein wenig enttäuscht vom ihm.
Insgesamt ist „Die verlassene Tochter“ ein durchaus lesenswerter Roman, der vor allem mit dem vergangenen Zeitebene punktet, dabei aber nicht ganz so überzeugen kann wie die Vorgängerromane.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Simple, aber herzerwärmende Weihnachtsgeschichte auf dem winterlichen Borkum

Winterglück und Inselzauber: Ein Weihnachtsfest auf Borkum
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„Winterglück und Inselzauber - Ein Weihnachtsfest auf Borkum“ von Claudia Schirdewan versetzt seine Leser auf das winterliche Borkum. Die Handlung ist insgesamt recht simpel und nicht unbedingt sonderlich ...

„Winterglück und Inselzauber - Ein Weihnachtsfest auf Borkum“ von Claudia Schirdewan versetzt seine Leser auf das winterliche Borkum. Die Handlung ist insgesamt recht simpel und nicht unbedingt sonderlich authentisch, aber das braucht dieser absolut herzerwärmende Wohlfühlroman voller weihnachtlicher und winterlicher Romantik auch gar nicht zu sein.
Ein heftiger Wintereinbruch stürzt Borkum kurz vor Weihnachten ins Chaos. Plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten sitzt die verantwortungsvolle Pensionswirtin Julia gemeinsam mit ihren vier Pensionsgästen auf der Insel fest. Vor allem dem Unternehmensberater Simon und der angehenden Sängerin Nina passt das so gar nicht. Doch auch Julia, deren sechsjähriger Sohn Leon nicht über den Tod der Großmutter hinwegkommt, hatte große Hoffnungen in den geplanten Weihnachtsurlaub im Allgäu gesetzt. In der Gemeinschaft unfreiwillig gefangen bahnen sich allerdings nach und nach überraschende Verbindungen, Freundschaften und jede Menge Selbsterkenntnis den Weg.
Claudia Schirdewan schreibt ihren Roman unheimlich kurzweilig, lässt eine Prise Lokalkolorit einfließen und verschafft ihren liebenswerten Charakteren eine starke Entwicklung. Als zentrale (weihnachtliche) Themen stehen Familie und Gemeinschaft im Mittelpunkt des Romans. Die eine oder andere Redewendung wird ein klein wenig überstrapaziert, aber das Lesen hat mir große Freude gemacht und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Das Spannungsniveau ist dieser absoluten cosy Lektüre entsprechend. Zwar bleibt vieles bis kurz Schluss noch völlig offen und ein dramatisches Ereignis fehlt hier auch nicht, aber in Anbetracht des Genres muss man sich - in Erwartung eines Happy Ends – zum Glück gar nicht erst aus der gemütlich-weihnachtlichen Komfortzone hinausbewegen.
Besonders sympathisch ist die über 70-jährige ehemalige Konditorin Flora. Mit viel Raffinesse und ein wenig schlitzohrig treibt sie ihre Mitmenschen öfter mal zu nicht ganz freiwilligen Taten und bringt sie damit zum Nachdenken. So gelangen Leons Vater Jasper, Nina und der völlig ausgebrannte Simon mit zunehmender Selbsterkenntnis auch immer mehr zu dem Schluss, dass eine steile Karriere nicht alles im Leben ist. Und auch für Leon und seine Mutter Julia hält das Weihnachtsfest ein großes Wunder bereit.
Insgesamt ein locker-leichter Weihnachtsroman, der mit seiner winterlichen Romantik und den weihnachtlichen Themen beim Lesen jede Menge Glücksgefühle auslöst und damit die perfekte Lektüre zum Fest der Liebe ist.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Vor den goldenen Erinnerung steht jede Menge Grau

Memories So Golden Like Us (Blue Eternity 2)
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„Memories So Golden Like Us“ ist der zweite Teil von Gabriella Santos de Limas „Blue Eternity-Reihe“, kann aber problemlos unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Das Cover ist in verschiedenen Goldtönen ...

„Memories So Golden Like Us“ ist der zweite Teil von Gabriella Santos de Limas „Blue Eternity-Reihe“, kann aber problemlos unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Das Cover ist in verschiedenen Goldtönen gestaltet, in denen immer wieder Pinselstriche zu erkennen sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Farbschnitt, dem noch ein wenig lila beigemengt ist und der sich bedauerlicherweise nur über die Längsseite, nicht jedoch über Ober- und Unterseite erstreckt.
Seitdem ihr Bruder Sam vor einem Jahr gestorben ist, stürzt sich Künstlerin und It-Girl Blair mit Partys, Alkohol und Männern von einem Skandal in den nächsten. Als ihre Eltern ihr den Geldhahn zudrehen, ist sie gezwungen ihr Leben im fernen St. Ives neu zu ordnen. Sie soll endlich an einer neuen Bildreihe arbeiten, deren Malprozess filmisch begleitet wird. Doch es ist ausgerechnet Connor, Sams bester Freund, Blairs heimliche Liebe seit Teenagertagen und Freund ihrer ehemals besten Freundin, der nicht nur die Kamera führt, sondern über Wochen mit Blair unter einem Dach lebt.
Der Roman beinhaltet die Tropes Forced Proximity und Brother‘s Best Friend. Trauer(bewältigung), Body- & Slutshaming und mediale Macht, sowie Alkoholmissbrauch sind ebenfalls zentrale Themen des Romans. Autorin Gabriella Santos de Lima stellt in ihrem Buch sehr nahbar den emotionalen Aufruhr in der Gefühlswelt ihrer Protagonistin Blair dar. Die einzelnen Kapitel sind teils aus Blairs Sicht, teils aus Connors Sicht in Ich-Perspektive verfasst, sodass die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten ungefiltert aufgenommen werden. In Blairs Fall sind es zeitweise beinahe zu viele Emotionen, die völlig durcheinander und immer wieder auf’s Neue auf den Leser einprasseln. Insgesamt lässt sich der Roman sehr flüssig lesen, wobei sich die Handlung für meinen Geschmack an einigen Stellen ein wenig zu sehr in die Länge zieht – weil eben eigentlich gar nicht allzu viel geschieht. Durchbrochen wird die Handlung immer wieder von Artikeln der Boulevardpresse und entsprechenden Hasskommentaren der Leser. In der Art wie sehr viele Menschen sich profilieren, indem sie ohne jedes Hintergrundwissen über andere urteilen bzw. sie verurteilen wirkt diese Einschübe erschreckend authentisch. Blairs Unberechenbarkeit im Zusammenspiel mit ihrer Verurteilung in den Medien sorgt für ein gewisses Spannungsniveau.
Die 24-jährige Protagonistin Blair hat mit dem Tod ihres älteren Bruders den Halt im Leben vollkommen verloren. Ehemals privilegiert und sehr selbstbewusst, ist sie nun oft verunsichert und hypochondrisch. Mit jedem neuen Tag bringt ihr Handeln sie noch ein Stück näher an den Abgrund. Partys, Alkohol und Männer sind ihre Mittel mit dem Verlust umzugehen. Zwar erkennt Blair durchaus oft, wohin ihr Handeln sie führt, doch von ihrem Verstand lässt sie sich trotzdem kaum leiten. Unerklärlicherweise scheint aber auch ihre Familie sie nicht zu einer Therapie zu drängen. Während sie selbst ihr Leben zertrümmert, schlagen und treten Presse und Follower noch zusätzlich sinnbildlich auf die am Boden liegende Blair ein. Auch wenn Blair keineswegs sonderlich sympathisch erscheint – manchmal sogar ein wenig nervig und unreif - ruft die mediale Verurteilung absolute Abscheu hervor. Der eher introvertierte Connor bildet einen ziemlichen Gegensatz zur impulsiven Blair. Er ist die meiste Zeit ruhig und besonnen. Seine Mitmenschen können sich auf ihn verlassen. Doch auch er leidet nach dem Tod seines besten Freundes und seine Gefühle für Blair treiben ihn in eine Gewissensnot. Auch Blair ist seit ihren Teenagertagen heimlich in Connor verliebt, was die gemeinsamen Wochen unter einem Dach nicht eben leichter machen. Zwar öffnen sich die beiden einander nach und nach, doch Blairs Angst vor tiefgehenden Gefühlen und Connors Moralvorstellung stehen ihnen im Weg. Die Entwicklung ihrer Beziehung erscheint mir zunächst sehr stagnierend, um sich dann ziemlich abrupt zu verändern. So angenehm das Buch sich auch liest, springt der Funke hier doch nicht so ganz auf mich über.
Obwohl der Roman mich auf der Beziehungsebene der Charaktere nicht gänzlich überzeugt, ist er emotionsbeladen, lässt sich sehr angenehm lesen und spricht wichtige und hochaktuelle Themen an.

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Veröffentlicht am 27.11.2025

Von der Zweckgemeinschaft zur Wahlfamilie

In den Scherben das Licht
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Der Nachkriegsroman „In den Scherben das Licht“ von Carmen Korn erzählt von (unfreiwilligen) Neuanfängen und Veränderungen des Leben unterschiedlicher Generationen, aber auch von Freundschaft, Hoffnung ...

Der Nachkriegsroman „In den Scherben das Licht“ von Carmen Korn erzählt von (unfreiwilligen) Neuanfängen und Veränderungen des Leben unterschiedlicher Generationen, aber auch von Freundschaft, Hoffnung und Liebe.
Erst einmal muss ich eines zugeben: So gern ich Carmen Korns Romane auch lese, für die Cover konnte ich mich noch nie begeistern. „In den Scherben das Licht“ bildet mit dem patellfarbenen Cover auf dem ein tanzendes Paar aus der Vogelperspektive zu sehen ist leider keine Ausnahme.
Der Roman erzählt vom Leben im Wandel in der Nachkriegszeit zwischen 1946 und 1955. Im Mittelpunkt stehen dabei die ehemalige Schauspielerin Friede und die beiden Kinder/jungen Erwachsenen Gert und Gisela, die in deren Keller Obdach finden. Zudem sind auch noch Friedes ehemalige Liebhaber Palutke und Viktor Franke Teil des Geschehens, sowie Marta mit der Friede eine eigenwillige Freundschaft verbindet. Je weiter die Zeit voranrückt, desto lebhafter geht zu im Leben der drei Protagonisten, die in einer bunt gemischten Gemeinschaft nicht nur eine neue Familie finden.
Carmen Korn verfolgt auch in ihrem jüngsten Roman ihren unverkennbaren Schreibstil, der von vielen kurzen, mitunter auch unvollständigen Sätzen geprägt ist und dann und wann von einigen komplexeren Satzstrukturen unterbrochen wird. Ein Schreibstil der sich in meinen Augen wunderbar lesen lässt und immer eine kurzweilige, beinahe spannende Wirkung auf mich hat. Kleinere und größere Zeitsprünge komprimieren das Geschehen. Wobei der Roman keine stringente Handlung, sondern vielmehr den Lebensverlauf seiner Figuren über gut 9 Jahre mit allen Drehung und Wendungen begleitet. Manche Momente hätte ich mir etwas konkreter erzählt gewünscht. Spannend bleibt das Buch aber schon allein aufgrund der vielen unvorhersehbaren Aufs und Abs, der kleinen und großen Hoffnungen und Ziele, der vielen Zweifel und Enttäuschungen und der unzähligen kleinen Glücksmomente. Mit dem vergleichsweise offenen Ende bleibt auch noch ein wenig Raum für die eigene Fantasie, denn das Leben der Figuren geht weiter.
Leben heißt Veränderung und so durchlaufen die meisten Figuren, insbesondere die Hauptcharaktere eine deutliche Entwicklung. Oftmals gewährt Carmen Korn auch Einblicke in die Gefühlswelt, macht Hoffnungen, Schuldgefühle und (Selbst-)Zweifel der einzelnen Charaktere greifbar. Eine Ausnahme in puncto Entwicklung bildet dabei Friedes selbstgerechte Freundin Marta. Marta ist sich stets selbst die Nächste. Gisela beschreibt es im Roman sehr passend mit den Worten, dass Marta ihr Leben zu klein findet. Sie ist unzufrieden, fühlt sich verkannt und ungerecht behandelt und sieht sich damit absolut im Recht andere – insbesondere Friede – gnadenlos auszunutzen. Friedes ehemaliger Liebhaber Palutke erscheint sehr egozentrisch. Dass er Friede trotz unlauterer Mittel nie für sich allein gewinnen konnte, ist ihm ein Stachel im Fleisch. Mit zunehmendem Alter und Einsamkeit zeigt er sich oft ein wenig sentimental. Sein jüngerer Widersacher und Theaterkritiker Franke hat als Jude zwar mehrere Jahre im Ghetto Litzmannstadt überlebt, doch die seelischen Wunden heilen nur langsam und die Narben bleiben. Sein Weg zurück zu einer lebenswerten Existenz ist beschwerlich. Unterstützung findet er dabei unter anderem in Nast, einem Philosophie-Professor. Er ist wie ein guter Geist an vielen Stellen ein Bindeglied zwischen den Figuren und gibt zunächst Gisela und später auch Gert die Chance ihre Bildung und damit ihre Zukunftschancen zu verbessern. Friedes „Familienmitglieder“ Lulu und Robert tauchen erst später in der Handlung auf. Lulu hat es durch seine Homosexualität nicht nur in der Gesellschaft, sondern allem voran bei Vater und Brüdern schwer. Robert tritt stets gutmütig und weitgehend besonnen und ausgeglichen in Erscheinung. Auf ihn ist Verlass. Gisela und Gert haben im Krieg ihre Familien verloren und finden in Friedes Keller Obdach. Während die jüngere Gisela spürbar Bildung genossen hat und ebenso robust wie zielstrebig ihre Pläne verfolgt, wirkt Gert sehr gefühlsbetont und eher nachdenklich. Beide wachsen Friede im Verlauf der Jahre wie eigene Kinder ans Herz. Friede ist wohl diejenige, die sich am meisten entwickelt. Unmittelbar vor dem Krieg wusste sie ihr durchaus ausschweifendes Leben zu genießen, war dem Luxus und den Männern, die sie verwöhnten zugeneigt. Doch die entbehrungsreiche Nachkriegszeit und die Beziehung zu Gert und Gisela verändern ihre Weltanschauung und ihre Werte. Nach und nach übernimmt Friede Verantwortung und sorgt für andere statt sich selbst umsorgen zu lassen. Ihr Glück findet sie nicht länger vorrangig im Luxus, sondern viel mehr im Gemeinschaftsgefühl.
Insgesamt ein stark geschriebener Roman, der den Wandel im Leben vieler interessanter Charaktere in der Nachkriegszeit begleitet, vor allem in Sachen Freundschaft und Zusammenhalt – sehr lesenswert.

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